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Ausgabe Januar 2007
Tanz aus Berlin – die Berliner Tanztage

Auf den TANZTAGEN haben junge Berliner Choreografen die Möglichkeit, ihre Arbeit zu präsentieren. Anja Neuhaus stellt einige der Mitwirkenden vor.

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Das Programm der Tanztage beschränkt sich nicht auf eine bestimmte ästhetische Richtung, sondern repräsentiert die Vielseitigkeit des Berliner Tanzes. Der Tanz in Berlin emanzipiert sich, bedient sich innovativer Arbeitsmethoden, die Beziehung zum Publikum wird neu überdacht und neue technische Möglichkeiten werden erforscht.

Zwei junge Frauen, Friederike Plafki und Litó Walkey, eröffnen das Festival am 3. Januar 2007. In Friederike Plafkis Eröffnungsstück peer to peer steht den Tänzern eine beschränkte Anzahl von Bewegungen zur Verfügung, mit denen sie im Laufe des Stücks selbst eine Choreografie aufbauen. Die Tänzer beobachten einander und entscheiden, wie und wo sie die Choreografie unterstützen oder verändern können. Im Gegensatz zu diesem räumlichen Ansatz hat Litó Walkey für ihr Stück The missing dance No. 7 die Größe der Bühne auf 3 bis 6 Meter beschränkt. Durch die stark festgelegten Rollen der Tänzer gibt sie dem Stück eine starke Struktur. Die Bewegungen, die dem Swingdance der 30er Jahre und dem Line-dancing ähneln, sowie die Verschiedenheit der Performer geben dem Stück seinen Humor und Persönlichkeit.

Das zweite Programm im Festsaal präsentiert der New Yorker Choreograf Jeremy Wade. Sein spezieller Bewegungsstil entsteht aus der Beschäftigung mit dem Monströsen und dem Zustand von Ekstase. Neben ihm zeigen Lea Martini und Stereo Gong Vital ihre aktuellen Arbeiten. In Martinis Stück Trailer wird thematisiert, wie die Werbewelt den weiblichen Körper für ihre Verkauftricks benutzt und wie das Bild der Frau in der Gesellschaft auf diese Weise beeinflusst wird.
Noch ein neuer Name bei den Tanztagen ist der von Maik Riebort. Zusammen mit einem Musiker, einer Tänzerin und einem Schauspieler schafft er ein Stück über ungestillte Sehnsucht. Er teilt zwei Abende mit Ayara Hernandez Holz von Lupita Pulpo und Caroline Picard. Ayarah Herandez Holz beschäftigt sich mit den Möglichkeiten des Verschwindens auf der Bühne während einer Performance. In Caroline Picards Ibeji wird der Zwillingskult der Yoruba thematisiert.  

Zufit Simon, Anat Vaadia und Lucia Glass eröffnen die zweite Woche der Tanztage. Simon behandelt in ihrem Stück die unterschiedlichen Bedeutungsmöglichkeiten, die in dem israelischen Wort Adom versteckt sind: rot, Blut, Mensch, Erde. Das kurze Solo von Anat Vaadia ist eine Reflexion ihrer zahlreichen Erfahrungen als Tänzerin. Verstärker von Lucia Glass ist eine getanzte Version des Comics “Lucky Luke - Die Daltons im Blizzard”.

Das erste Wochenende der Tanztage ist wieder für die Reihe Junge Choreografen reserviert. Danach tanzt die Tänzerin Juli Reinartz ein Duett mit sich selbst: ihre Bewegungen werden aufgenommen und dann mit einer Verzögerung von 3 Minuten hinter ihr auf eine Leinwand projiziert. Konzept und Choreografie für dieses Stück stammen von Kirsten Burger. Silvana Suárez Cedeño wird am gleichen Abend ein Solo zeigen. Ihr Stück ist das Ergebnis einer Recherche über Frauen, die zu Terroristinnen wurden.

Die in Berlin lebende Choreografin Raffaella Galdi hat mit drei ausländischen Künstlern die Wahrnehmung erforscht. Eine installationsartige Mischung aus Ton, Text, Zeichnungen und Tanz wird dem Publikum die Funktionsweise der eigenen Wahrnehmung während einer Performance bewusst machen.
Das letzte Wochenende ist reserviert für eine Performance, die in Zusammenarbeit mit den Sophiensälen nach Berlin auf die Bühne gebracht wird. Das belgische Künstlerkollektiv PONI wird mit seiner interdisziplinären Arbeit von Musikern, Tänzern, bildenden Künstlern und Schriftstellern das Programm abrunden.

Unter dem Gesichtspunkt, junge Künstler auch über das Festival hinaus zu unterstützen, wird 2007 das Mentoring-Projekt Bausteine bei den TANZTAGEN eingeführt. Das Projekt ist aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass es für junge Choreografen nach der Ausbildung schwer ist, sich künstlerisch weiterzuentwickeln.



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