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Ausgabe Dezember 2006
Singen ist gesund – und das nicht nur zur Weihnachtszeit

Der Dipl.-Päd. Ali Schmidt leitet mit Michaele Hustedt das Entwicklungs- und Lebensfreude-Institut in Berlin. Er berichtet über die positiven Wirkungen von Gesängen.

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Singen ist gesund. Das zeigen alte Erfahrungen ebenso wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Mediziner konnten experimentell nachweisen, dass z.B. das Immunsystem nach dem Singen besser arbeitet als vorher und gegen Krankheiten schützt. Dies ist gerade in der dunklen Jahreszeit hilfreich, in der das Immunsystem mangels Lichteinstrahlung schwächer ist. Durch feine Schwingungen nicht nur der Stimmbänder, sondern auch im Gehirn und im ganzen Körper, aktiviert Singen die Durchblutung und den Stoffwechsel, was sich auf das Wohlbefinden insgesamt auswirkt. Wie intensiv diese Schwingungen sind, davon können Sie sich selbst überzeugen: Summen Sie kräftig den Laut “Nn”. Legen Sie dazu die Zunge an die oberen Schneidezähne, so dass die Luft durch die Nase entweicht. Zugleich legen Sie eine Hand auf den Kopf, mit der anderen halten Sie ein Ohr zu. Erstaunlich, oder? Sie hören und spüren deutlich die innere Vibration, die Ihrem Körper gut tut.

Und schließlich nützt Singen auch gegen die berühmten Winter-Depressionen: Der Organismus schüttet beim Singen nämlich “Glückshormone” aus, die die Stimmung aufhellen. Das hilft beim Stressabbau und fördert die Lebensfreude. Oder einfacher: Singen macht Spaß. Singen hat also eine nachweislich heilende Wirkung auf Körper und Seele. “Wer abends singt, dass laut es schallt, wird hundertzwanzig Jahre alt”, weiß eine alte Volksweisheit.



Singen ist die Muttersprache der Menschen

Singen kann aber noch mehr. Es kann uns den Zugang zur Spiritualität öffnen – zu geistigen Erfahrungen, die wir durch gemeinsames Singen miteinander teilen können, über alle Sprach- und Kulturbarrieren hinweg. “Das Singen ist die eigentliche Muttersprache aller Menschen, denn sie ist die natürlichste und einfachste Weise, in der wir ungeteilt da sind und uns ganz mitteilen können – mit all unseren Erfahrungen, Empfindungen, Hoffnungen”, sagte der begnadete Geiger und Weltbürger Yehudi Menuhin.

Dies gilt auch für manche Weihnachtslieder, die wohl deshalb unsere Stimmung heben und unser Herz öffnen können für den eigentlichen Gehalt der Weihnachtsgeschichte: die Ankunft Gottes als heimatloses Kind bei den ärmsten Menschen der damaligen Zeit. Ein Lied wie “Stille Nacht, heilige Nacht” ist zwar unzählige Male verkitscht und als akustische Kaufhauskulisse missbraucht worden. Dennoch vermittelt es – schlicht gesungen wie bei seiner Entstehung vor fast 200 Jahren – auf anrührende Weise die Botschaft vom göttlichen Kind. Wenn Gott uns so weit entgegenkommt, wie sollten wir da einander nicht mindestens ebenso sehr entgegenkommen?

Es lohnt sich jedenfalls, aus der Fülle der Advents- und Weihnachtslieder diejenigen wiederzuentdecken, die nicht nur Ausdruck einer bürgerlichen Idylle des 19. Jahrhunderts sind, sondern etwas von der spirituellen Qualität der Weihnachtsbotschaft transportieren. Solche Lieder dürfen ruhig einfach und kindlich sein – unser Inneres Kind wird sich darüber freuen. Sie miteinander zu singen, kann uns von innen wärmen.


Spirituelle Lieder

Wer es aber mit dem Singen nicht nur in der Weihnachtszeit bewenden lassen will oder wer aufgrund negativer persönlicher Kirchen-Erfahrungen eher allergisch auf Weihnachtslieder reagiert, dem seien die spirituellen Lieder der Welt ans Herz gelegt: Es gibt sie in vielen Sprachen, vom weihnachtlichen Gospelsong “Go tell it on the mountain” bis zum afrikanischen “Ide were were”. Besonders Mantren haben es in sich. Sie sind Gesänge der Inspiration. In immer wiederkehrenden Versen entfalten sie durch die Wiederholung und durch den Gesang in der Gruppe, aber auch durch ihre jahrhundertealte Tradition die Kraft ihrer Melodien und Worte. Ob indische Sanskrit-Mantren, arabische Sufi-Gesänge oder indianische Songs – Mantras lassen die innere Verbindung zueinander, zu sich selbst und zum großen Ganzen spüren. Viele Mantren drücken einfach Lebensfreude und Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens aus: Liebe, Demut und Hingabe.

Wir haben in Workshops festgestellt: Miteinander singen kann jeder und jede, auch wenn uns von klein auf das Gegenteil eingeredet wurde. Deshalb kann ich nur alle ermutigen, sich alles von der Seele zu singen – sei es Sorge und Trauer oder Freude und Lebenslust – mit Weihnachtsliedern oder mit Mantren, am besten mit beidem. Zum weihnachtlichen Thema “Frieden” z.B. passt das arabische Mantra “Salaam mevlana salaam” ebenso wie das hebräische “Shalom alechem” oder der latenische Kanon “Dona nobis pacem”.



Liederbuchtipp: Hagara Feinbier: Come together – Lieder des Herzens, Band 1 und 2, Neue Erde Verlag Belzig



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