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Ausgabe Dezember 2006
Die Wiedergeburt des Sonnenkindes

Die Nacht vom 21. zum 22. Dezember ist die längste Nacht des Jahres. Xenia Fitzner, Therapeutin mit schamanischen Methoden, beschreibt ein Ritual zur Wintersonnenwende.

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Traditionelle Worte zur Wintersonnenwende


“Dies ist die Nacht der Sonnenwende, die längste Nacht des Jahres. Nun triumphiert die Dunkelheit und doch gibt sie nach und wandelt sich zum Licht. Der Atem der Natur setzt aus: Alles wartet, während der König der Finsternis in das Kind des Lichtes verwandelt wird. Wir warten auf den Anbruch der Dämmerung, da die große Mutter wieder das göttliche Kind Sonne gebiert, das uns Hoffnung und das Versprechen des Frühlings bringt. Wir sind wach, mitten in der Nacht. Wir drehen das Rad, damit das Licht zu uns kommt. Wir rufen die Sonne aus dem Schoß der Nacht. Wir öffnen unsere Herzen und sind bereit für die Wiedergeburt des Sonnenkindes. So, wie es nun auf der Erde geschieht, die sich mit dem Wiedererstarken der Sonne erneuert, so erneuern wir Liebe und Zuversicht in unseren Herzen” – dies sind aus mündlicher Überlieferung die traditionellen Worte zur Wintersonnenwende.



Ritual

Der Altar am See ist mit Misteln, Äpfeln, Mandeln, weißen Rosen und Räucherwerk geschmückt. Ein Eichenholzstoß ist in der Mitte, aber noch nicht angezündet. Die Frauen bilden einen Kreis und halten sich an den Händen.
Über uns funkeln die Sterne, wir atmen tief die kalte, klare Luft. Langsam und stampfend beginnen wir uns im Kreis zu bewegen, sprechen die Worte und singen die heiligen Lieder. Jede Frau hat ein kleines schwarzes Päckchen dabei, mit einem Symbol oder einem Zettel. Es beinhaltet das, was sie der Dunkelheit dieser längsten Nacht übergeben will. Im Webgesang heißt es:” Tod und Wiedergeburt, Licht und Finsternis, ewig dreht sich das Rad...Was willst Du der Nacht übergeben?” Nach und nach tritt jede Frau vor und gibt ihr Päckchen in den Holzstoß. Sie sagt dabei z.B.: “Ich gebe Angst vor Nähe und Groll gegen meine Familie der Nacht zurück.” Alle anderen Frauen bestärken und wiederholen: “Die Angst wird der Nacht zurückgegeben, Groll wird der Nacht zurückgegeben!” Wir schütteln uns, stampfen, lachen und singen. Auf dem Höhepunkt dieser Energie des Loslassens fallen alle auseinander auf die Erde – wo wir vorsorglich Felle hingelegt haben. Dort wird in einer geleiteten Meditation das Wiedererwachen des Sonnenkindes sinnlich erfahren. Dann wird der Holzstoß angezündet. Alle erheben sich und singen: “Dies ist der Geburtstag des Lebens und der Liebe. Der fröhliche Geburtstag unserer Erde, die sich ständig erneuert. Wir erneuern unser Leben, wir öffnen unsere Herzen. Sonnenkind, wintergeborener König! Willkommen! Die Zeit hat sich gewendet, das Licht kehrt zurück: An einem neuen Morgen, einem neuen Tag, geht die Sonne auf!” Zuvor hatte jede ein kleines Julgeschenk in einen Sack getan, der nun herumgereicht wird. Mit den Worten “gesegnet sei das Sonnenkind in meinem Herzen”, nimmt sich jede Frau ein Geschenk. Nun wird das Ritual abgeschlossen und wir feiern noch einige Zeit mit Früchtekuchen und Glühwein am Feuer.



Feentradition

Dieses Ritual stammt, etwas abgewandelt, aus der Feentradition des dianischen Wicca, vielleicht die älteste Religion in der westlichen Welt. Eine Religion, die frei von Dogmen oder Glaubensregeln ihre Lehren aus der Natur bezieht, aus dem Lauf der Planeten, dem Wandel der Jahreszeiten. Das ursprüngliche Symbol für das Wunder der Schöpfung ist die Göttin, die gebärende, erschaffende, Leben schenkende Kraft. Ein Bild dafür ist die heilige Mutter mit dem göttlichen Kind. Isis mit Horus auf dem Thron ist das 5000 Jahre ältere Vorbild für Maria mit dem Jesuskind. Weihnachten ist das Fest der Kinder, die noch an den Weihnachtsmann glauben und die Erwachsenen können sich daran freuen, wenn es ihnen gelingt, im Herzen “wie die Kinder zu sein”. Die Kinder erfahren ein Mysterium: der Lichterglanz, der Weihnachtsbaum, die geschlossene Tür. Ein Weihnachtsmann kommt und mit ihm meist noch eine Prüfung: Ein Gedicht soll aufgesagt, ein Lied gesungen werden. Die Kleinsten haben Angst vor dem Weihnachtsmann – und lernen dann etwas ganz Großes: Wenn du deine Angst überwindest, bekommst du ein Geschenk. An diese ursprünglichen Erfahrungen knüpfen wir mit dem Wintersonnenwend-Ritual wieder an: Wenn wir unsere Ängste, Schuld- und Hassgefühle überwinden, öffnen sich unsere Herzen. Und wir können das arglose und liebevolle Lächeln des Sonnenkindes in uns selbst spüren. So sind wir bereit, die Geschenke des Lebens anzunehmen.



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