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Ausgabe Dezember 2006
Was macht Menschen schön?

Daniela Reil ging dieser Frage im Anschluss an eine Facial Harmony-Massage nach.

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Was macht Menschen schön?

.... ist eine immer wieder aufs Neue gestellte Frage, die über Jahrhunderte dieselbe blieb, die Antworten darauf aber mit den Schönheitsidealen der verschiedenen Epochen variierten, was besagt, dass es nicht die Schönheit geben kann. Jeder hat seine eigene, ihm innewohnende Schönheit, die mit zunehmendem Alter und überstandenen Sorgen und Ängsten verblassen kann. Sie wiederzuerwecken, macht sich Facial Harmony zur Aufgabe. Dagmar Bock bietet diese spezielle Massage in Einzelsitzungen an. Daniela Reil testete eine Sitzung.



“Bio-Lifting”

Die Facial Harmony-Massage erstreckt sich auf Gesicht, Hals, Kopf und Nacken. Von den 14 Hauptmeridianen enden bzw. beginnen 8 im Kopf-/Schulterbereich. Auf diesen 8 Meridianen aktiviert der Behandler die dort befindlichen Akupressurpunkte mit federleichtem Druck, wodurch blockierte Energie wieder zum Fließen gebracht und vorhandene Stauungen und Verhärtungen im Gewebe gelöst werden können. Während der Behandlung werden die Elastinfasern angeregt, was die Straffung der Haut und Muskeln fördern und für eine bessere Hautdurchblutung sorgen kann. Die so herbeigeführte Entspannung aller Muskelschichten begünstigt ein “natürliches Lifting”.



Woher kommt die Methode?

Der Amerikaner Stanley Rosenberg hatte eine auf Rolfing und Craniosacraler Therapie basierende Methode entwickelt, die er bei Schauspielern anwandte, um deren Mimik zu verbessern. (Bei Rolfing geht es um die strukturelle Integration des Körpers in das Schwerefeld der Erde, Craniosacral Therapie arbeitet mit dem Puls der körpereigenen Rhythmen.) Eine der Schülerinnen Rosenbergs war Tanmayo Lawson, die dessen Methode weiterentwickelte, über Jahre hinweg mit kinesiologischen Tests versuchte zu perfektionieren und schlussendlich als Facial Harmony etablierte. Diese Gesichtsmassage zur Muskellockerung wird bereits seit 10 Jahren in Deutschland angeboten und gelehrt; in Amerika sollen Hollywoodstars vor großen Auftritten sich Facial Harmony-Behandlungen unterziehen, darf man der Boulevardpresse glauben.



Praxisbeispiel

In ihrer großen, mit exotischen Möbeln aus aller Welt bestückten Altbauwohnung werde ich herzlich von Dagmar Bock empfangen. Sie hat sich nach ebenso von ihr ausgeführten Heilmethoden wie Huna, Touch for Health, Reiki, Kinesiologie und Thai-Massage jetzt ganz der Facial Harmony-Massage verschrieben, die sie seit 4 Jahren gibt und seit 1 Jahr auch lehrt. Dagmar ist ganz lässig mit grünem Sweatshirt und blauer Jeans gekleidet. Wie ich erst viel später erfahre, versucht sie sich generell vor jeder Sitzung auf den (noch unbekannten) Klienten einzustimmen und wählt entsprechende Kleidung aus, die zu diesem farblich irgendeinen Bezug herstellt. (So etwas erfreut mich sehr, wenn sich jemand schon vor meinem Erscheinen mit mir beschäftigt.) Ganz nebenbei: meine Lieblingsfarbkombination ist – grün-blau.

Nach kurzer Einführung darüber, was mich jetzt gleich erwartet und mit dem Hinweis, dass ich absolut nichts machen muss, sondern einfach nur sein, klettere ich auf die einladende Liege. Als erstes streicht Dagmar meinen Körper energetisch aus. Dann werde ich in ein dickes Deckbett eingepackt, bekomme noch ein warmes Hafersäckchen als quasi-Wärmflasche an die Füße, und Dagmar nimmt hinter meinem Kopf Platz.



Ein Hauch von nichts

Mit unendlicher Zartheit beginnt sie nun, mit den Fingerkuppen die Akupressurpunkte entlang der Meridiane an Kopf und Nacken der zuerst nur einen Gesichtshälfte zu drücken. Aber nicht stur nach einem festgelegten Rhythmus; die Facial Harmony-Methode legt besonderen Wert auf die totale Widmung des Behandlers seinem Klienten gegenüber, sozusagen ein Eintauchen in dessen Energiefeld, ein Hineinspüren, um so ganz individuell zu erfühlen, an welchen Punkten mehr Aufmerksamkeit gebraucht und dort dann mit der Massage länger verweilt wird. Der Effekt für den (medial geschulten) Behandler: Er erspürt an bestimmten Punkten beispielsweise Trauer, Wut, Ängste, Depression etc., die dort blockierte Energie kann mit der Druckpunktmassage gelöst werden. Der Effekt für den Klienten: Da direkt an den Meridianen gearbeitet wird und diese energetisch sowohl den ganzen Menschen als auch verschiedene Schichten durchziehen, können unterschiedliche Empfindungen ausgelöst werden, vom harmlosen Gähnen oder Magenknurren bis hin zu Tränen vergießen, Auftauchen von plötzlichen Erinnerungen, Bildern oder Farben sehen etc. Dagmar betont, dass jegliche Empfindung ganz individuell ist; keine davon ist richtig oder falsch.

Diese hingehauchte Massage ist nicht nur ungemein wohltuend, ich habe auch das Gefühl, hier ist jemand zu 100 % ganz und gar auf mich eingestellt. Zu gern würde ich auch die von Dagmar beschriebenen Empfindungen wahrnehmen .... aber .... da beginnt mein Kampf mit der Musik. Dagmar hatte eine CD eingelegt. Eigentlich soll die leise Musik ja zur Beruhigung und Abrundung der Sitzung fungieren. Nur, ich kann leider mit diesen englisch-gesungenen Texten nun überhaupt nicht abschalten. Ich versuche verschiedene Tricks: Einfach wegschieben. - Klappt nicht. - Extra hinhören (vielleicht sollen mir die Texte ja was sagen?). - Klappt nicht. - Ignorieren. - Klappt nicht. - Nach einer halben Stunde ist die Behandlung der linken Gesichtshälfte abgeschlossen. Dagmar reicht mir einen Handspiegel: Ob ich eine Veränderung in meinem Gesicht sehe. Leider nein. Wie auch, nach einem 30-minütigen Musik-Verdrängungs-Kampf?


Jetzt kommt für 30 Minuten die rechte Gesichtshälfte dran, und zwar auf meine Bitte hin - in absoluter Ruhe. Herrlich! Entspannung stellt sich ein. Und dann fügen sich innerlich Dinge zusammen: Passend zur vorangegangenen Musik-Kampf-Thematik bekomme ich mal wieder “mein” Thema präsentiert: “Annehmen”! Aber ich kann auch einen Schritt weitergehen und “kreieren” und durchaus noch einen Schritt weiter, der dann heißt: “nichts mehr zu brauchen”. Da ich mir das 1. und 3. ziemlich langweilig vorstelle, würde ich es gerne mit “kreieren” versuchen. In der letzen halben Stunde hätte ich mir einen Springbrunnen gewünscht. Ja, sowas Plätscherndes - das wär’s gewesen!


Am Schluss der Massage reibt Dagmar einige Reflexpunkte an den Füßen, dann muss ich leider “aufwachen”. Nach Recken und Strecken reicht sie mir erneut den Spiegel. Oh!? Hallo!? Wer sieht mich denn da an? So bin ich aber nicht hergekommen! Meine Locken sind zwar jetzt ziemlich verstrubbelt, aber das meine ich nicht. Ich sehe irgendwie ..... frei aus. Als ob ich irgendetwas losgelassen hätte, was ich aber nicht konkret benennen kann. Mein ganzer Gesichtsausdruck ist viel offener, gelöster, entspannter, lockerer und strahlender. Was macht Menschen schön? Ausstrahlung? Das gewisse Etwas, das man nicht in Worte fassen kann? Natürlichkeit? Individualität? Innere Balance? Mit sich in Frieden sein? Oder vielleicht ja doch die Creme XY, die eine im Durchschnitt um 29,81 % verminderte Faltentiefe verspricht?

Solch einen Effekt hatte ich mir ehrlich gesagt nach nur einer Sitzung nicht vorstellen können. Insgesamt 7 Sitzungen werden angeraten, wovon die erste ganz allgemeiner Natur ist,

die 2. Sitzung dem Augenbereich,

die 3. Sitzung den Wangen,

die 4. Sitzung den Kiefermuskeln,

die 5. Sitzung dem Hals und

die 6. + 7. Sitzung dem individuellen Bedürfnis

gewidmet ist.

Dagmar erzählt mir von den Assoziationen, die sie während der Massage über mich hatte, unterteilt nach linker (weiblicher) und rechter (männlicher) Gesichtshälfte. Im Gegenzug fragt sie mich nach meinen Empfindungen während der Sitzung. Ich berichte ihr alle Eindrücke meinerseits, u.a. auch, dass ich mir hier so gerne einen Springbrunnen kreiert hätte. Sie steht auf und geht zur Fensterbank. Dort steht ein viereckiger Springbrunnen, den ich vorher, wahrscheinlich wegen seiner unkonventionellen Form, überhaupt nicht wahrgenommen hatte. Sie macht ihn an und ein Plätschern erfüllt den Raum. Jetzt staune ich nicht schlecht. Vielleicht sollte man sich einfach nur mehr zutrauen? Wie war das ..... kreieren? – Na, geht doch!



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