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Ausgabe November 2006
Ein Glücksfeld für die Zukunft - Zukunftsaufstellungen

Die Psychotherapeutin Christiane Knöß lässt bei ihrer Arbeit Wahrscheinlichkeitsfelder entstehen, die wie Magneten funktionieren sollen, um das gewünschte Zukunftsbild anzuziehen. Haidrun Schäfer hat es ausprobiert.

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Mit einer Zukunftsaufstellung erschaffe ich ein gewünschtes Bild für meine Zukunft und lasse dadurch ein Wahrscheinlichkeitsfeld entstehen. Dabei sind alle Themen willkommen: nicht nur Familienthemen wie Partnerfindung oder Kinderwunsch, sondern auch Projekte jeglicher Art. Ich komme mit einem ganz klaren Zielbild vor Augen: Ich möchte Bücher schreiben und davon leben können und zwar in Südfrankreich, wenn unser Sohn die Schule abgeschlossen hat. Das Manuskript “Zu Gast bei den 12 Tierkreiszeichen” ist fertig und jetzt möchte ich einer Verlagsfindung nicht mit versteckten, boykottierenden Vorstellungen im Wege stehen.



Praktisches Beispiel

Bevor die eigentliche Arbeit der Aufstellungen beginnt, leitet Donald Schubert eine Meditation des Soul Ankering, bei der jeder Teilnehmer zu der Weisheit seiner Seele vordringt und Bilder als Symbole erkennt, die ihm auf dem Weg in eine glückliche Zukunft hilfreich sein können. Ich sehe ein Pferd und einen Stift. Dann beginnt die Aufstellung. Christiane bittet mich, mir meine Lebenslinie im Raum vorzustellen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Ich wähle einen Stapel übereinander gestellter Stühle – quasi für die gesammelten Erfahrungen – für meine Vergangenheit und durchquere den Raum diagonal auf eine große Schale mit Kristallen zu. In der Mitte symbolisiere ich die Gegenwart mit einem vierblättrigen Kleeblatt. Dann wähle ich die Stellvertreter aus: einen für mich, einen für das Pferd und einen für den Stift. Mich stelle ich an die Zukunftsschale, daneben das Pferd. Den Stift stelle ich zwischen Gegenwart und Zukunft. Damit ist mein Part erstmal getan und Christiane leitet den nun beginnenden Prozess. Jede der drei Positionen soll sagen, wie es ihm dort geht. Dem Pferd geht’s gut, es braucht Weite. Den Blick auf die Zukunft empfindet es als wertvoll – es fühlt Lebendigkeit und Freiheit. Der Stift allerdings kann nicht stillstehen, sondern zappelt rum. Ihm fehlt etwas – was ist es? Christiane stellt immer wieder Fragen, die weiterhelfen. Die “Freude” fehlt, also wird sie auch aufgestellt: auf dem Kleeblatt in der Gegenwart mit Blick auf die Zukunft. Sofort winkt der Stift ihr zu. Jetzt fängt die Freude an zu zappeln: im Rücken ist etwas. Christiane fragt mich, ob ich eine Idee habe. Und die habe ich in der Tat. Auf einmal ist dieser Stuhlhaufen kein Symbol für meine Erfahrungen, sondern ein Knäuel. Und in dem Knäuel sitzt mein Vater mit einer gehörigen Portion Pessimismus. Dank Christianes sicherer Führung finden wir schnell zwei Sätze, die mir im Nacken sitzen: “Ich schaff’ das nicht” und “Das schafft man eh nicht.” Durch den kinesiologischen Muskeltest vergewissert sich Christiane, ob es wirklich diese Sätze sind, die mich blockieren – beide tun es. Jetzt bringt sie ihre Fähigkeiten des wingwave-coachings ein. Ich lokalisiere den Ort, an dem der jeweilige Satz in meinem Körper sitzt und während ich den Satz denke, wedelt Christiane vor meinen Augen ganz schnell hin und her, um den Satz zu löschen. Wie bei der REM-Phase wird der Satz im Langzeitgedächtnis abgelegt und ist dann einfach nicht mehr relevant. Der anschließende Muskeltest beweist, dass die Sätze mich nicht mehr beherrschen – ich bin begeistert! Jetzt geht es mit der Aufstellung weiter. Der Stift hat sehr emotional auf den Vater reagiert, er muss sich schützen und empfindet ihn als Blockade. Meine Stellvertreterin geht auf den Vater zu und sagt zu ihm: “Papa, ich mache jetzt meins.” Der Stift stellt sich dahinter. Mein Lektor-Vater empfindet die beiden als Bedrohung – Schreiben ist sein Metier, ich bin eine Konkurrenz. Er hat Angst, dass ich besser bin als er. Er verliert an Autorität, wenn ich besser bin. Der Stift wird aktiv und will zu ihm, um Anerkennung zu finden. Daraufhin wird die innere Anerkennung des Vaters aufgestellt, direkt neben ihm. Mit diesem Gefühl der Sicherheit und Wärme kann er die Tochter so lassen, wie sie ist. Wenn der Vater sich an seine innere Anerkennung anschließt, entsteht Achtung und Respekt füreinander. Zum Schluss nehme ich selber meine Position ein und stehe direkt neben dem Stift – die Kreativität gehört zu mir und das wird auch in Zukunft so sein. Direkt daneben stehen Freude und Freiheit und sind meine Wegbegleiter. Das Bild atme ich an die Stelle, wo vorher der Satz “ich schaff das nicht” war, denn da ist ja Platz frei geworden. Im Nachhinein ist mir noch eingefallen, dass ein Pferd doch auch für Beweglichkeit steht. Das ist die jüngste Zukunftsvision: Ich schreibe weiter an den 12 Tierkreiszeichen und gehe mit ihnen auf Reisen.


Buchtipp: Ursula Franke, Familienstellen in der Einzeltherapie und -beratung - ein Handbuch für die Praxis, Carl Auer Verlag, Heidelberg, 2002



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