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Ausgabe November 2006
Ein heilsamer Schock - Ein Fallbeispiel für eine Einzelaufstellung

Diplom-Psychologin Petra Wermeling erläutert anhand eines Beispieles, wie man Aufstellungen auch für die Einzelarbeit nutzen kann.

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Die Trennung

Saskia wurde von ihrem Mann nach mehr als 10 Jahren Ehe von heute auf morgen verlassen. “Du nicht mehr”, sagte er zu ihr und zog aus. Allein im gemeinsam gebauten Haus saß sie vor den Trümmern ihres Lebens. Ein Leben ohne ihren Mann war unvorstellbar. Als sie mir ihre Geschichte erzählte, wurde klar, dass sich aus der Ehe die Liebe und das Begehren allmählich verabschiedet hatten. Saskia möchte, dass es ihr wieder besser geht. Vertrauensvoll und sicher will sie in die Zukunft schauen, auch ohne ihren Mann.



Die Einzelaufstellung

In einer Einzelaufstellung erarbeiteten wir die notwendigen Positionen. “Selbstakzeptanz und Selbstannahme” sind ihr Ziel. Unterstützt wird es von “innerer Ruhe und Ausgeglichenheit”. “Selbstzweifel” machen es Saskia schwer, ihr Ziel zu erreichen. Genährt werden die Selbstzweifel durch das Gefühl, “etwas Falsches zu tun”. Für diese vier Positionen und für ihre eigene Position wählte sie farbige Papierblätter und legte sie im Raum aus. Ich lud Saskia ein, sich auf die einzelnen Positionen zu stellen und zu spüren, welche Qualitäten darin enthalten sind und körperlichen Reaktionen, visuellen und verbalen Assoziationen Aufmerksamkeit zu schenken. Es gab leichte, unbelastete Positionen und welche, die sich belastet anfühlten.

Bei einer Position spürte Saskia ein unangenehmes Gefühl im Bauch. Tief und ruhig ließ ich sie in dieses Spannungsgefühl atmen. Eine tiefe Trauer kam hoch, Tränen bahnten sich ihren Weg. Nach einer Weile wurde Saskia ganz ruhig. Auf die Frage, was jetzt sei, antwortete sie: “Ich sehe ein Licht am Horizont.” – “Was möchtest Du jetzt tun?” – “Einen Schritt nach vorn.” Ruhig und gefestigt ging sie einen Schritt nach vorn. Sie fühlte sich stark und ausgeglichen.
Nacheinander wurden alle Positionen von Saskia erkundet. Am Ende des zweistündigen Prozesses hatte Saskia ein Gefühl der eigenen Ganzheit. Zum Abschied sagte sie mir: “Vielleicht ist es ein Glück, dass mich mein Mann verlassen hat. Es gibt so viele Dinge, die ich noch tun will.” Das “Du nicht mehr” ist keine Bedrohung mehr für sie, sondern eine Chance: “Ja, ich bin nicht mehr diejenige, die nur darauf schaut, dass es anderen gut geht und sich selbst nicht beachtet. Ich sorge ab heute selbst für mein Wohlergehen.” – Alles Gute auf diesem Weg, Saskia!


Petra Wermeling: Dipl. Psychologin, Einzelsitzungen und Seminare für Frauen.


Buchtipp: Eva-Maria Zurhorst: Liebe Dich selbst und es ist egal, wen Du heiratest, Goldmann, München, 2004



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