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Ausgabe November 2006
Multiperspektivisch aufstellen - Systemische Strukturaufstellungen

Bei der Systemischen Strukturaufstellung geht man davon aus, dass Probleme bestimmte Strukturen haben, die sehr unterschiedlich sein können und nicht zwangsläufig auf ein Familienthema zurückzuführen sind. Holm von Egidy berichtet.

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Die Systemischen Strukturaufstellungen – kurz SySt – wurden von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer vor über 15 Jahren entwickelt und bilden eine Synthese aus Familientherapie, Hypnotherapie, Familienaufstellungen, lösungsfokussierter Beratung und Gewaltfreier Kommunikation.



Unterschiede zu anderen Aufstellungsarten

SySt sind ein stark lösungsfokussiertes Verfahren. Das fängt mit einem ausführlichen lösungszentrierten Vorgespräch an, in dem das Anliegen genau herausgearbeitet wird: Welche Veränderung ist gewünscht? Was soll besser werden? Auch der Aufstellungsprozess orientiert sich an der gesuchten Lösung. Das Lösungsbild muss kraftvoller sein als das Anfangsbild. Bei den SySt gibt es also keine Abbrüche, mit denen die Klientin allein gelassen wird. Es wird solange gearbeitet, bis die Klientin mit mehr Ressourcen in ihr Leben gehen kann.

In den SySt wird davon ausgegangen, dass Probleme eine bestimmte Struktur haben. So haben Entscheidungsfragen andere Strukturen als die Suche nach Versöhnung, wiederum andere findet man bei rätselhaften Situationen, bei verstellten Kraftquellen, bei schwer erreichbaren Zielen etc. Entsprechend wird passgenau eine Aufstellungsform für das Anliegen gewählt. Hier hat man etwa zehn Standardformate zur Verfügung. So wird dafür gesorgt, dass jeder Klient seine Aufstellung bekommt. In den SySt werden also nicht nur Personen aufgestellt: es können im Bild z.B. Lust, Frust, das Knie, die Liebe, der Urlaub und das Geld stehen.

Der Prozess des Aufstellens wird sehr offen und multiperspektivisch gestaltet. In den SySt wird nicht davon ausgegangen, dass jedes Problem auf ein Familienthema zurückzuführen ist. Häufig wird ein X mit aufgestellt, von dem nur gesagt wird, dass es irgendwie wichtig für das Thema ist. Tatsächlich „melden“ sich an solchen Stellen oft Familienmitglieder, in vielen Aufstellungen aber auch nicht. Die Leiter der SySt halten sich mit Deutungen möglichst zurück. Nicht sie wissen, was richtig und gut für den Klienten ist, sondern dieser weiß es selbst am besten, und der Prozess spiegelt das und bringt es so ans Licht.

Für die Prozessarbeit verfügen die SySt eine Fülle von Interventionen, die in anderen Aufstellungsarten unbekannt sind: rasches Trennen von Kontextüberlagerungen, Alter-Ego-Methode, Informationsübertragung über die Augen, Arbeit mit der kataleptischen Hand, verdecktes Aufstellen und vieles mehr. Mit all dem erhalten die SySt eine bewährt hohe Wirksamkeit.



Dr. Holm v. Egidy wurde am SySt-Institut in München in SySt ausgebildet. Er arbeitet als Aufsteller und Coach in Berlin und deutschlandweit. Dazu Forschungen über die philosophischen und systemischen Grundlagen von Aufstellungen, www.constellaris.de


Buchtipp: Insa Sparrer: Systemische Strukturaufstellungen – Theorie und Praxis, Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 2006



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