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Ausgabe November 2006
Der Friedhof als Kraftort

Xenia Fitzners Arbeit mit den Ahnen

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Xenia Fitzner arbeitet als rituelle Künstlerin und Therapeutin mit schamanischen Methoden. Sie schreibt über die Möglichkeit der heilsamen Ahnenarbeit auf dem Friedhof.


Einen Friedhof und das Grab nächster Angehöriger als Kraftort zu nutzen, scheint einigen zunächst  abwegig und unbehaglich. Für Ahnenarbeit ist es jedoch der stärkste und wirksamste Ort. Das Stammesgedächtnis, (besser bekannt als kollektives Unbewusstes) braucht archaische Orte und die sinnliche Wirklichkeit der  Rituale. Ahnenrituale werden in vielen Kulturen am Begräbnisort  gefeiert. Die Chinesinnen gehen davon aus, dass eine von den fünf Seelen des Menschen in den Knochen bleibt und in die Erde übergeht. Mexikanerinnen veranstalten am 1. November ein Festgelage auf den Gräbern. Unsere Vorfahren errichteten Hünengräber und Steinkreise um die Begräbnishügel, in denen Tote und Lebende miteinander kommunizierten. Die Ahnen wurden um Rat gefragt, beschworen, ihre Unterstützung war kostbar. Auf unseren heimischen Friedhöfen gibt es eindrucksvolle Grabmale und Pflanzen, wie z.B. die Eibe, die auf die weiche Grenze zwischen Lebenden und Toten hinweist. Strenge Grenzen zwischen Lebenden und Toten schneiden die Wurzeln ab. Am Grab eines lieben Toten können wir die Ermutigung der hilfreichen Ahnen spüren. Wir tragen die Blüten ihres Lebens weiter fort, wir sind nicht allein und willkürlich in die Welt geworfen, eine lange Kette von Leben steht hinter uns. Von allen, die vor uns waren, haben wir „etwas im Blut“. Wir, die wir jetzt leben, können entscheiden, welches Stammesmuster wir weiterführen und welches wir von uns weisen wollen. Beim Familienstellen kommen sehr oft bereits Verstorbene ins Spiel. Eine sinnliche und direkte Auseinandersetzung kann beim Grab dieses Toten stattfinden. Heilsame Ahnenarbeit auf dem Friedhof  ist leicht: Eine bestimmte Pflanze, die unsere Wertschätzung des „guten Erbes“ symbolisiert, wird auf das Grab gepflanzt. Z.B. eine Rose für befreite Liebe und die Fähigkeit, sich wehren und abgrenzen zu können. So halten wir stumme Zwiesprache mit den hilfreichen Ahnen und bekunden unsere Absicht, das gute Erbe weiterzutragen.

Xenia Fitzner leitet zu Neumond und Vollmond eine offene Frauengruppe zum Thema weibliche Magie, Heilungs- und Schutzrituale.


Buchtipp: Luisa Francia: Mond Tanz Magie, Verlag Frauenoffensive



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