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Ausgabe Juli 2006
Homöopathie und das Meer

Mareen Muckenheim schreibt mit Birgit Dechant und Andrea Dattler, über homöopathische Mittel, die der Arzneimittel-Familie des Meeres zugeordnet werden.

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Mareen Muckenheim leitet die Chiron-Schule für Klassische Homöopathie in Berlin, an der sich ein Arbeitskreis gebildet hat, der sich mit Arzneimittel-Familien in der Klassischen Homöopathie beschäftigt.



Alles Leben begann im Meer. Etwa 70 % unseres Planeten ist von Meeren bedeckt, in denen sich die größte Menge und auch Vielfalt an Tieren befindet. Die verschiedenen Meerestiere repräsentieren unterschiedliche Phasen und Stufen der Evolution. Im Laufe der Evolution bewegten sich einige von ihnen im Zeitalter des Devons – also vor mehr als 355 Mio Jahren – aus dem Wasser heraus an Land, wo sie sich bedeutend weiterentwickelten, um anschließend im Tertiärzeitalter vor ca. 50 Mio Jahren in das Meer zurückzukehren. Es gibt eine eindeutige Verbindung zwischen dem Leben im Meer und unserer Entwicklung im Uterus: Die Wasserzusammensetzung ist ähnlich, dort entstand und entsteht das Leben und beides stellt einen abgeschlossenen, geschützten, dunklen Raum dar. So ist das Meer eine Metapher für den Uterus.

Das Leben im Meer ist für uns nach wie vor eine fremde Welt, denn es ist noch immer sehr unerforscht. Wohl aber kann man in der Homöopathie diese aus verschiedenen Zeitaltern stammenden Tiere in einer Familie zusammenfassen und ihnen gemeinsame Themen zuordnen, wie z.B. das Gefühl, in einer fremden Welt zu leben oder sich unverbunden zu fühlen. Jedoch findet dieses Grundgefühl bei jeder einzelnen Meeresarznei einen individuellen Ausdruck.

Die Kaurischnecke – Cypraea eglantina


Menschen, die diese Arznei benötigen, erleben sich als Außenseiter: “Die Welt draußen kann mich nicht verstehen”. Sie leiden an dem Unvermögen, aus ihrem Schneckenhaus herauskommen zu können und zugleich dringen alle Wahrnehmungen ungefiltert in sie ein. Diese Eindrücke können sie nicht verarbeiten und so entsteht große Verwirrtheit, Unsicherheit, Angst und Panik. Sie ziehen sich in sich selbst zurück und finden keinen Weg heraus. Das Schneckenhaus der Kauri symbolisiert dies mit seiner winzigkleinen Öffnung und dem im Verhältnis dazu viel größerem Inneren. Ihre unverhältnismäßig großen Augen stehen für die ungehindert eindringenden Wahrnehmungen. Die Kaurischnecke wurde früher als weltweites Zahlungsmittel verwendet und in diesem Zusammenhang taucht bei diesen Patienten häufig auch das Thema Geld auf. Die Kaurischnecke wurde von der Münchener international bekannten Homöopathin Anne Schadde 1996 geprüft und in die Homöopathie eingeführt. Sie stellte uns die Kauri anhand eines Falles auf ihrem Seminar über die Meeresmittel in Torgau vor.


Calcium carbonicum

Bei dem Mittel Calcium carbonicum wird der Austernschalenkalk zerbrochen und nur die mittlere, weiße Kalkschicht verwendet. Hierbei zerstört man etwas, das vorher heil war und beraubt die empfindliche Muschel ihrer schützenden Hülle. Zurück bleiben auf der psychischen Ebene bei diesen Patienten Abhängigkeit, Unreife, Unsicherheit und Schüchternheit. All diese Eigenschaften lassen den Calcium-carbonicum-Menschen am Gewohnten festhalten. Dieses Verharren drückt sich auf der körperlichen Ebene z.B. durch Verstopfung ohne Unwohlsein oder auch durch kalzifizierende Prozesse an den Knochen aus.


Spongia marina tosta

Der Badeschwamm, einer der ältesten Organismen der Evolution, der sich seit 650 Mio Jahren nicht weiterentwickelt hat, ist reich an Jod. So war er schon in der alten Medizin als wichtiges Schilddrüsenmittel bekannt. Akute Zeichen für die Verwendung in der Homöopathie sind: Kehlkopfentzündung, trockener, hohler, bellender, leicht blechern klingender Husten, unterbrochen von geräuschvollem, schwierigem Atemholen, welches wie eine Säge im Wald klingt. Die Lebenstätigkeit des Schwammes besteht in einer pumpenden Bewegung, mit der er das Wasser filtert. Dieser Organismus hat kein Verdauungssystem, keine Wahrnehmung und keine Fortpflanzungsorgane. Hiervon lässt sich die äußerst einfache psychische Struktur der Spongia-Patienten ableiten: starke Abhängigkeit in ihren Beziehungen, das Unvermögen allein zu sein, gleichzeitig jedoch eine absolute Unfähigkeit, eine wirklich emotionale Verbindung einzugehen.



Lac delphinum

Der Delphin ist ein Säugetier, der seine Jungen lebend gebiert. Delphine sind sehr soziale Tiere: Bei der Geburt halten sich immer einige “Tanten” in der Nähe auf und helfen dem Jungen, seinen ersten Atemzug zu nehmen, indem sie es sanft an die Wasseroberfläche drücken. Die Delphine, die ähnlich intelligent wie Menschen eingestuft werden, verwenden Ultraschall zu ihrer Verständigung und können sogar mittels Ultraschall jegliche Veränderungen in allen Lebewesen wahrnehmen. Der Delphin-Mensch ist hellsichtig und kann sich sehr gut in andere hineinversetzen. Zusammen mit der sozialen Komponente stellt sich ein überaus fürsorglicher Mensch mit ausgeprägter Großzügigkeit dar, der gerne zum Spielen aufgelegt ist.



Bei all diesen verschiedenartigen Tieren findet sich die gemeinsame Thematik von Abhängigkeit und Unreife, welche durch den Wunsch nach einer sicheren Umgebung kompensiert wird. Die Menschen haben das Gefühl, in einer anderen Welt zu leben und möglicherweise darum nicht dazuzugehören. Je nach der Stufe der Evolution haben die Menschen eine weniger entwickelte oder sehr ausdifferenzierte Persönlichkeit.


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