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Ausgabe Juli 2006
Lughnasadh – das Fest der Ernte

Thomas Zerbst über das fünfte Fest im Jahreskreis: Lughnasadh, das am 1. August gefeiert wird.

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Lughnasadh oder Lammas wird in der Regel am 1. August gefeiert. Es sind die Hundstage, die Sonne scheint jetzt heißer als sonst im Jahr, aber dennoch werden die Tage wieder kürzer. Die Früchte bekommen von der Sonne noch einmal richtig Kraft, weshalb dieses Fest auch dem keltischen Sonnengott Lugh geweiht ist und wörtlich soviel bedeutet wie Fest des Lugh. Die Felder befinden sich in voller Blüte, doch über allem liegt bereits die Erwartung des nahenden Herbstes, die Rückkehr der Pflichten nach der Urlaubs- und Ferienzeit und die Ankunft kühleren Wetters. Somit ist Lugnasadh nicht nur ein Fest der Fülle, sondern auch des Abschiednehmens und damit eher von stillerem Charakter.



Die Zeit der Reife

Mit dem Nahen des Herbstes beginnt auch die Zeit der Ernte und Lughnasadh trägt als das erste der drei Herbst- und Erntefeste auch den Namen Schnitterfest. Der Sommer geht seinem Ende entgegen und die Ernte kann beginnen oder ist, je nach Region, bereits in vollem Gang. Mit dem Füllen der Kornkammern beginnen die ersten Vorbereitungen für die Zeit des Winters. Die Kraft des Sonnengottes ist jetzt im Korn gespeichert und ein zentraler Brauch an Lughnasadh ist das Schneiden der ersten Korngarbe und das feierliche Backen des ersten Brotes aus derselben. Dieses erste Brot, welches den Göttern geopfert wurde, um eine gute weitere Ernte zu gewährleisten, gab dem Fest auch seinen zweiten gebräuchlichen Namen “Lammas”, welcher sich von “Loaf-Mass”, also dem Fest des ersten Brot-Laibes, ableitet.



Der geopferte Gott

Lughnasad ist ein Fest mit größerer Betonung auf den Gott und ein Fest des Opfers. Noch heute werden an diesem Tag Kornpuppen aus Ähren, welche den sterbenden Korngott symbolisieren, in einem Feuer oder Fluss geopfert. In der Mythologie ist es die Göttin selbst, welche die Sichel in der Hand hält und in Gestalt der Schnitterin das Opfer vollzieht. So heißt es auch, dass Lugh mit dem ersten Schneiden der Ähren gejagt wird und von Ähre zu Ähre hüpft, bis er sich schließlich in der letzten Ähre versteckt. Dort bereitet er sich auf das Sterben vor, welches zu Mabon, der Herbst-Tagundnachtgleiche, wenn die Ernte komplett ist, vollendet wird. Interessant und vermutlich eine Verzerrung dieses Opfermythos ist, dass in der christlichen Mystik Luzifer, dessen Name ebenfalls der Lichtbringer bedeutet, an diesem Tag von Gott in die Hölle geworfen wurde. So gilt dieser Tag des Falls Luzifers für die christliche Kirche als Unglückstag, und dem heiligen Michael (Bezwinger Luzifers) gewidmete Kirchen sind oft auf alten Heiligplätzen des Lugh zu finden.



Heirat auf Probe

Ein weiterer, in Vergessenheit geratener Brauch zu Lughnasadh ist die sogenannte Tailtu-Heirat, welche nach der Mutter Lughs benannt ist. Dies ist eine lockere Form der Hochzeit, die als „Probeheirat“ für ein Jahr und einen Tag - bis zum nächsten Lughnasadh geschlossen wurde und die es wohl bis ins 16. Jahrhundert hinein gab. Allerdings waren dies keine Ehen, für die der Gemeindepriester geholt wurde, sie wurden meist von einem Dichter oder Priester der alten Religion abgehalten.

Lughnasadh lässt uns die Frage stellen, was in diesem Jahr im eigenen Leben gereift ist und geerntet werden kann. Es ist ein günstiger Zeitpunkt für alle Zeremonien, die mit finanziellen Wünschen und der Förderung der Karriere zu tun haben. Aber auch, um einfach die Fülle des Lebens zu genießen, eine Zeit für ausgedehnte Spaziergänge in der Natur, der Muße und des Genusses. In diesem Sinne wünsche ich einen beschaulichen, sinnlichen und genussreichen Sommer.



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