aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Mai 2006
„Wie ein Hauch von Pfefferminz...“

Über Integrative Körperarbeit und Bewegungstherapie - von Maren Hillert

art46340
In der Integrativen Körperarbeit und Bewegungstherapie nach Linda Hartley erfährt die Klientin ihren Körper über die Berührung der Hände der Therapeutin sowie über Bewegung, die aus körpereigenen Impulsen der Klientin entsteht, über angeleitete Bewegung, Töne, Somatisation oder Visualisation. Die in Deutschland noch recht unbekannte Methode beruht im wesentlichen auf den Prinzipien des Body-Mind-Centering, der Somatischen Psychologie und des Authentic Movement und beachtet aktuelle Erkenntisse aus der westlichen Psychoneuroimmunologie genauso wie jahrtausendealtes medizinisches sowie spirituelles Wissen der östlichen Welt.

Body-Mind-Centering
Die Berührung im Body-Mind-Centering ist sanft, sehr gezielt und klar, umfasst aber auch Zug, manchmal starken Druck oder leichtes Schaukeln des gesamten Körpers. Sie richtet sich an verschiedenste Körperstrukturen und -gewebe, wie z.B. an Organe, Knochen, Gelenke, aber auch an Bindegewebe, Lymphflüssigkeit, Nerven oder Drüsen. Über die spezifische Berührung werden Verspannungen, Blockaden oder Verklebungen in diversen Körpergeweben gelöst und vielfältige, neue Informationen auf zellulärer Ebene empfangen und weitergeleitet. Unsere Nervenzellen haben die Fähigkeit, immer wieder neue neuronale Verbindungen einzugehen. Hierdurch erweitern und verfeinern sich unsere Bewegungs- und Handlungsmöglichkeiten. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht im Aufgreifen und Wiedererlernen frühkindlicher Bewegungsmuster und Reflexe, die unseren heutigen Bewegungen zu Grunde liegen. Durch Wieder-Erlernen dieser Bewegungen werden teilweise überflüssige Körperspannungen abgebaut oder bisher ungenutzte Potenziale für neue Bewegungserfahrungen wachgerufen.

Somatische Psychologie
Die Somatische Psychologie stellt eine Brücke zwischen Körpertherapie und Psychotherapie dar. Sie beleuchtet die Bedeutungen körperlichen Ausdrucks und körperlicher Symptome im Zusammenhang mit ihren psychologischen Implikationen. Einige angewandte Methoden dieses Bereiches sind: “Inner body dialogues” - was für Informationen sprechen aus einer körperlichen Empfindung oder Blockade? “Dreambodywork” – unbewusste Bewegungen werden verstärkt und unterschiedliche Wahrnehmungskanäle genutzt. “Authentic Movement” – Bewegung mit geschlossenen Augen, die von einem Partner gespiegelt wird.

Behandlungsablauf
Zu Beginn jeder Session wird in einem Gespräch das Thema und der Anfangs-Berührungsort am Körper herausgefunden. Von hier ergibt sich eine Reise ins Innere des Körpers. Nicht selten kommen dabei Bilder, Gefühle oder Erinnerungen an die Oberfläche, die in diversen Körperzellen gespeichert waren. Lena beschreibt ihre erste Behandlung so: “Zu Beginn der Stunde schwirren mir sämtliche Gedanken an den vergangenen Tag durch den Kopf. Durch das Gespräch mit der Therapeutin fühle ich mich zunehmend wacher und klarer. Ich erzähle von dem Stress auf meiner Arbeit und meinen Rückenschmerzen. Sie stellt mir einige Fragen bezüglich des Schmerzes, meiner Lebensumstände, meines Körpergefühls in diesem Moment und wo ich mir gerade Unterstützung vorstellen kann. Ich bin zu aufgeregt und habe keine Idee. Deshalb nehme ich gerne ihren Vorschlag an, mich auf dem Boden auszubreiten. Ich bin erstaunt, wie gut sich das anfühlt, alles Gewicht in den Boden sinken zu lassen und meine Sorgen und Gedanken für die nächste Stunde ebenfalls in die Erde zu versenken. Die erste Berührung findet erst statt, nachdem ich mich ganz aufgehoben fühle. Als ich zunächst an den Füßen berührt werde, spüre ich eine große Ruhe in mir. Später zuckt meine linke Schulter. Ich erinnere mich nicht mehr an jedes Detail dieser ersten Behandlung, aber irgendwann spüre ich Wut in mir aufsteigen. Die Therapeutin fordert mich auf, dieser Wut nachzuspüren, auch wie sich der Körper dabei anfühle, wo genau ich mich zusammenziehe oder festhalte. Erstaunt registriere ich einige Vorgänge in meinem Körper, auf die ich sonst nicht geachtet habe. Irgendwann fängt mein Magen oder Darm an zu gluckern, mein unterer Rücken beginnt sich zu entspannen und ich spüre plötzlich große Kraft in mir aufsteigen. Ich habe Lust aufzuspringen und zu rennen, meine Kraft auszutesten. Am Ende der Stunde kommt mir alles leicht und beweglich vor, ich fühle mich wie Pfefferminz, außenrum wie ein frischer Hauch, innen mehr Platz und Verbindung. Ich bin im Fluss mit meinem Leben und habe Lust auf einen ausgiebigen Abendspaziergang.”
Die Effekte der Behandlung sind vielfältig: erhöhtes Körperbewusstsein, erweiterte Bewegungsmöglichkeiten, müheloseres Bewegen und mit dem besseren Körpergefühl häufig einhergehende Selbstwertsteigerung und Vertrauen. Achtsame Berührung und Massage reduzieren die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und stärken so das Immunsystem. Störungen im zentralen Nervensystem werden positiv beeinflusst und das autonome Nervensystem wird ausbalanciert. Dies hilft, viele Erkrankungen zu vermeiden oder sie ganz loszuwerden. Ein klares Körpergefühl führt zu mehr Respekt sich selbst, seinem Körper und dem Leben gegenüber sowie zu entschlossenem und freudevollem Handeln.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.