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Ausgabe April 2006
Inspirationen zum Thema „Führung“


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Das Ehepaar Fromm arbeitet als Business- und Lifecoaches mit Menschen in Führungsverantwortung. Das alte, mechanistische Denken ist ihres Erachtens nicht mehr zeitgemäß und hat uns in die aktuelle Krise geführt. Neue Führung braucht ein neues Denken. Haidrun Schäfer hat aus dem neuen Buch der Fromms, „Führen aus der Mitte“, einige Überlegungen zusammengestellt, die nicht nur Führungskräfte interessieren dürften.

Bestandsaufnahme
Unsere Gesellschaft steckt in einer Krise, in einer Sinn-, Struktur- und Wachstumskrise und in einer tiefgreifenden Führungskrise. Die Volkswirtschaftslehre misst das wirtschaftliche Wachstum an der Zunahme des Sozialproduktes pro Einwohner. Diesem Begriff von Wachstum fehlt eine qualitative Komponente. Wachstum ist begrenzt. Das einzige, was ungebremst wächst, ist die Krebszelle. Ihr Wachstum führt zum Zusammenbruch des Systems und zum Tod. Die Abhängigkeit von der Theorie des immerwährenden Wachstums ist eine tödliche Bedrohung für das Leben auf dem Globus. Die Chance der Krise liegt darin, unser Verständnis von Führung zu überdenken. Management ist, wenn man die Dinge richtig macht. Führung ist, wenn man die richtigen Dinge macht. Die gegenwärtige Phase ist eine Chance zu erkennen, dass die bisherige Strategie, Erfolg und Lebensqualität zu erreichen, indem wir zunächst das Außen verändern, gescheitert ist. Wenn wir die Zukunft sinnvoll gestalten wollen, muss der Einzelne sich ändern. Der Weg besteht darin, die Mechanismen des Ego zu durchschauen. Je öfter wir uns bewusst gegen die Mechanismen und damit gegen das Gewohnte entscheiden, umso mehr verliert das Ego an Einfluss. Was es braucht, ist Bereitschaft.

Wahlfreiheit
Ich bin für meine Handlungen verantwortlich. Jeder Manager, der Sachzwänge für zwangsläufig hält, verstellt sich selbst den Blick auf mögliche Handlungsspielräume. Wer eigenverantwortlich denkt, sieht jede Situation als grundsätzlich veränderbar an und gewinnt Handlungsfreiheit zurück. Es gibt immer eine Ursache=Auslöser und eine Wirkung=Handlung. Die Verantwortung für die Handlung liegt immer bei uns, denn wir sind es, die auf den Auslöser reagieren. Einer Handlung geht ein Handlungsimpuls voraus: entweder ein Gedanke oder ein Gefühl. Gedanken sind physikalisch gesehen elektro-magnetische Wellen, die sich über neuronale Verbindungen zu Bildern oder Vorstellungen zusammensetzen. Es sind zunächst einmal nicht-manifeste Energiewellen, die erst durch Handlungen zur Manifestation gebracht werden. Wir können jeden Moment neu wählen, ob wir unseren Gedanken den Platz des Dieners zuweisen oder ob wir ihnen die Herrschaft über uns überlassen. Prüfen bedeutet immer denken UND fühlen. Die Umstände sind, wie sie im Moment sind. Wie ICH darauf reagiere, ist meine Entscheidung. Ein wichtiger Indikator, dass man gerade dabei ist, Verantwortung abzugeben, ist das Wörtchen „müssen“. Niemand muss müssen, außer pinkeln und sterben. Sinnvoll ist es, „müssen“ durch „wählen“ zu ersetzen.

Mitschöpfer
Alles, was wir denken, wird mehr oder weniger schnell Wirklichkeit. Noch mächtiger als die offensichtlichen Gedanken ist das, was wir unbewusst für wahr halten. Das, was wir in unserem Leben wahrnehmen, entspricht in seiner Struktur der Struktur der zugrunde liegenden gedanklichen Energie. Wir sind immer schöpferisch tätig, meistens jedoch unbewusst. Die Auswirkungen, die die Wahl unserer Verhaltensweisen herausgebracht hat, nennen wir Erfahrungen. Dabei verwechseln wir oft Ursache und Wirkung: Wir machen eine Erfahrung, die ihrer Natur nach ein Ergebnis unserer Gedanken und Einstellungen ist, zur Ursache dieser Gedanken und Einstellungen. Auf diese Weise reproduzieren wir immer wieder die gleichen Ergebnisse. Aber wir haben immer die Wahl – entscheidend ist, welchen Gedanken wir Raum geben. Der bewusste Gedankenwechsel ist die Herausforderung. Aus der Hirnforschung wissen wir, dass ein Gedanke kein kontinuierlicher Prozess ist, sondern sich aus unzähligen Einzelimpulsen zusammensetzt, die uns als kontinuierlich erscheinen. Wir haben jeden Moment die Möglichkeit, zwischen den einzelnen Impulsen einzuhalten und den Gedankenstrom zu unterbrechen. In diesem Sinne gibt es den sogenannten Zufall nicht. Zufälle sind die Antworten auf das, was ich abgeschickt habe. Zufälle sind Hilfsmittel, mit denen uns das Schicksal hilft, unser Leben entsprechend unserer Lebensaufgabe zu leben.

Das magische Dreieck
1. Aufmerksam sein. - Auf der Basis der Eigenverantwortung sind nur noch drei Schritte nötig, um die bewusste Verbindung mit dem inneren Wesenskern wieder aufzunehmen. Der erste Schritt: „aufmerksam sein“ - nur das Jetzt ist wirklich real. Alles andere ist ein Konstrukt unseres Verstandes. In dem Moment, in dem ich mich an ein Ereignis erinnere, beschäftige ich mich nur mit meinen Gedanken – nicht mit dem Ereignis selbst. Alle Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen und Erinnerungen sind Gedanken. Jede Wirklichkeit erfahren wir als ein Zerrbild, zusammengesetzt aus unseren individuellen Speicherkomponenten. Das gilt auch für das Bild, das wir von uns selbst haben. Ich bin die Summe meiner Erfahrungen, Erinnerungen, Vorstellungen, Überzeugungen und Glaubenssätze: Ich bin ein Kind der Vergangenheit. Die Gegenwart ist der Moment, wo Veränderungen stattfinden können. Aufmerksamkeit ist der Schlüssel, um in der Gegenwart präsent zu sein. Aufmerksam sein heißt, nach innen zu blicken und sich zu fragen: Welche Gedanken sind da? Lohnt es im Sinne meiner Absicht, diese Gedanken weiterzuverfolgen? Welche alternativen Gedanken sind sinnvoller?
2. Nicht bewerten - In Bewertung steckt „Wert“. Sobald wir einen Wert identifiziert haben, messen wir ihm eine Bedeutung bei. Bedeutung heißt, dass wir etwas deuten, also interpretieren. Und damit beginnen die Schwierigkeiten, denn Bewertungen sind immer subjektiv. Bewertungen führen weg aus der Gegenwart, denn die Maßstäbe sind Produkte der Vergangenheit. Statt Situationen zu bewerten, sollten wir sie betrachten und beobachten und dann überlegen, was zu tun ist. Es gibt zwei Regeln: Was ist, ist und was nicht ist, ist nicht. Punkt. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Nicht bewerten heißt einfach, die Realität anzunehmen. Es heißt nicht, sie zu lieben. Nur annehmen, was ohnehin bereits existent ist. Nicht die Dinge an sich sind schlecht, erst unsere Gedanken machen sie dazu.

3. Loslassen statt Festhalten - Loslassen heißt, im Jetzt zu leben. Loslassen bedeutet: Loslassen der Abhängigkeiten. Für ein erfülltes Leben muss ich meine Abhängigkeit von Faktoren aufgeben, d.h. meine Vorstellung, dass ich ohne ... nicht glücklich werde. Aber um etwas loszulassen, muss ich es erst einmal in der Hand halten. Unangenehme Gefühle wollen wir gar nicht erst haben. Was ich nicht habe, kann ich nicht loslassen. Also: Um unerwünschte Gefühle loszulassen, muss ich sie erst einmal annehmen. Wie kann ich z. B. Wut annehmen? Indem ich sie nicht bewerte, sondern beobachte: Was ist jetzt? „Ich bin wütend. Und was kann ich jetzt tun?“ Entweder der Wut Ausdruck verleihen, indem ich z. B. bewusst auf den Tisch haue. Auch wenn ich wütend auftrete, heißt das nicht, dass ich von der Wut beherrscht bin. Wenn ich der Wut keinen Raum geben will, kann ich mich fragen: „Was ist jetzt? Jetzt habe ich Zeit gewonnen. Wie kann ich sie nutzen?“ Mit dieser Frage locke ich den Verstand von der Wut weg. Unser Verstand ist eine Gedankenmaschine, die nichts lieber tut, als Bilder und Ideen herauszusprudeln. Wenn er eine sinnvolle Aufgabe hat, wird er sie gerne bearbeiten. Das magische Dreieck führt ins Hier und Jetzt und damit in den inneren Wesenskern, in das Original.

Ziele
Wir sind die Anführer, auf die wir gewartet haben. Wir sind die sozialen Erneuerer und Unternehmer, die wir gesucht haben. Wir sind diejenigen, die zur Selbstorganisation herausgefordert sind und sich aus eigenem Antrieb aufrichten müssen. Nicht zuletzt gibt es so etwas wie Führung auch in der Keimzelle unserer Gesellschaft – der Familie. Hier werden die geistigen Grundlagen dafür geschaffen, ob junge Menschen nachhaltiges Denken, Ehrfurcht vor der Schöpfung und Respekt vor dem Leben praktizieren oder nicht. Hier kann die Grundlage für ein neues Bewusstsein gelegt werden.


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