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Ausgabe April 2006
“Wenn es verletzt, ist es keine Liebe” - Wege zu erfüllenden Beziehungen

Gritt Sarina Kirsch schreibt über mediale intuitive Aufstellungen nach Chuck und Lency Spezzano.

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Nach Chuck Spezzano ist das, was wir bei Eltern oder Partnern vermissen, genau das, was uns heilt, wenn wir es aktiv selber geben.

“Wenn es verletzt, ist es keine Liebe” sehe ich in einer Buchhandlung und kaufe mir dieses Buch von Chuck Spezzano. Zunächst empfinde ich es als Provokation und bin bereit, dem Titel des Buches mit lautem Protest zu begegnen. Und doch beginne ich zu ahnen, welch tiefe innere Wahrheit da in mir aufsteigen will. Beim anschließenden Lesen tauche ich in eine Welt völlig neuer Perspektiven und Lösungsansätze ein. Beziehung wird hier als ein Weg des Lernens und Heilens begriffen und es geht vor allem darum, sich wieder füreinander zu verpflichten. “Je mehr du in eine Beziehung hineingibst, um so mehr bekommst du zurück - denn was ich gebe, erfüllt auch mich.”

Heilen von Beziehungen
Der Psychotherapeut, Seminarleiter, Buchautor und Begründer der „Psychology of Vision“ aus Hawaii, Chuck Spezzano, behauptet: „Jedes Problem ist ein Beziehungsproblem.“ Aus eigener leidvoller Erfahrung heraus hat er sich auf das Heilen von Beziehungen spezialisiert, denn Beziehungen sind für ihn die stärkste treibende Kraft des Menschen. Und dann wird es mir klar: Chuck Spezzano ist der Mann, der Herzensbrüche und Burn Out heilt, Aufopferungs- und Märtyrermuster erlöst, Beziehungfähigkeit und Bindungsbereitschaft wiederherstellt, unzählige Rollen aufdeckt und verlorene Persönlichkeitsanteile integriert. Das Ziel ist es, die Menschen wieder mit ihren Gaben und ihrer Lebensaufgabe in Kontakt zu bringen und damit dem Leben wieder einen Sinn zu geben.

“Vertraue dem Prozess”
An einem Seminar der “Psychology of Vision” teilzunehmen bedeutet, einen inneren Wandel zu erleben und sich den eigenen nächsten Schritten im Leben bewusst zu werden. “Vertraue dem Prozess!”, heißt es da. Und dazu braucht es Mut. Es handelt sich dabei um einen Prozess, der mittels Aufstellungen in Gang gesetzt wird.
Eine Fokusperson wird ausgewählt und es beginnt die Erarbeitung einer Aufstellung. Muster, Spiele, Verschwörungen und Strategien werden jetzt aufgedeckt, losgelassen und neues, von Liebe getragenes Verhalten ausprobiert. Dabei ist eine von Chuck Spezzanos zentralen Aussagen, dass das, was wir an unseren Partnern vermissen und meist auch bei unseren Eltern schmerzlich entbehrt haben, genau das ist, was uns heilt, wenn wir es aktiv selber geben. Es ist auch das, was wir als Geschenk auf die Erde mitgebracht haben. Leider haben die meisten von uns stattdessen die Probleme unserer Eltern übernommen.

Aufstellungsbeispiel
Bei dieser Aufstellung geht es darum, die verlorenen inneren Teile wieder zu integrieren. Den “abgespaltenen Anteilen” – meist als Person auf dem Boden liegend – wird neues Leben eingehaucht. Als die Musik beginnt, löst sich der Schmerz der Fokusperson in einem herzzerreißenden Schrei, der auch alle anderen Seminarteilnehmer mitreißt. Jeder wird an seine eigenen toten Anteile erinnert und so ist es gut, dass so viele Kleenexboxen im Raum stehen. Die Fokusperson integriert einen Anteil nach dem anderen, zu denen auch Gaben und Geschenke gehören. Diese übergibt sie in einer tiefen Umarmung an die Eltern und schließlich an die Welt. Dabei findet Vergebung, neues Verbinden und Erlösung statt. Am Ende kann die Befreiung und Heilung dieses Prozesses jeder im Raum spüren – es ist, als würde die vibrierende Energie im Raum die Menschen zum Schweben bringen.

Joining
Nach einer Pause kommt der Teil der Arbeit, den Lency Spezzano hat einfließen lassen. Es ist das Joining – sich verbinden. Wir werden aufgefordert, uns zu zweit gegenüber zu setzen, uns in die Augen zu schauen und uns voll und ganz mit dem anderen zu verbinden. In mir steigt Angst auf, wie ich das nur so lange aushalten soll und ob ich das nicht lächerlich finden würde. Doch dann ist es zunächst ganz einfach. Ich tauche in die Augen meines Gegenübers ein und fühle mich unendlich verbunden. Dann spüre ich eine innere Unruhe und möchte am liebsten abbrechen, doch im nächsten Moment bricht ein Schmerz aus mir heraus und ich beginne laut zu weinen. Es fühlt sich an, als ob ich einmal durchgespült werde von der Liebe meines Joiningpartners und immer wieder tauchen Wellen des Schmerzes und der Verzweiflung in mir auf. “Immer, wenn Liebe in eine Person eintritt, muss Leid verschwinden”, sagt Lency Spezzano. Schließlich fühle ich mich immer verbundener und erlebe, wie ich emporgetragen werde. Plötzlich muss ich grundlos lachen. Eine Welle von Glück und jener universellen Liebe erfüllt mich, die ich schon lange gesucht habe. Ich könnte vor lauter Freude die ganze Welt umarmen. Als ich mich im Raum umschaue, sehe ich Menschen, die sich lachend und weinend in den Armen liegen und bin erfüllt von Dankbarkeit für diese wundervolle heilende Arbeit von Chuck und Lency Spezzano.


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