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Ausgabe März 2006
All you need is love Bryan Kest – der Begründer des Power-Yogas

In Amerika zählt der 40jährige Bryan Kest, der Begründer des Power-Yogas, zu den bekanntesten unter den Yogalehrern.

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Doris Iding hat mit ihm ein Interview geführt, das in der Maiausgabe 2005 in Yoga Aktuell erschienen ist. Anläßlich seines Besuches in Berlin drucken wir einen Auszug.

D. Iding.: Wie sind Sie zum Power-Yoga gekommen?
Bryan Kest: Zuerst möchte ich einmal erklären, was Power-Yoga ist. Power-Yoga stärkt dich, macht dich kraftvoll. Alle Yogarichtungen, die dich kraftvoll machen, sind letztendlich Power-Yoga. Auf einer tieferen Ebene machen wir Hatha-Yoga, haben aber alle möglichen lustigen Namen dafür entwickelt: Jivamukti-Yoga, Power-Yoga, Ashtanga-Yoga, Flow-Yoga. Es sind alles verschiedene Namen, die das Gleiche meinen: Yoga. Korrekt ausgedrückt müsste es heißen: Power-Yoga ist: Hatha-Yoga von Bryan gelehrt. Was glauben Sie macht Yoga gerade so attraktiv?
Es ist ganz einfach. Der Mensch hat drei Bedürfnisse: Er möchte körperlich zufrieden sein, mental zufrieden sein und emotional zufrieden sein. Aber was fehlt? Es fehlt die Liebe, weil die meisten Menschen emotional unzufrieden sind. Und deshalb ist Yoga jetzt so populär geworden. Die Liebe wird durch Yoga vermittelt und gibt dem Menschen genau das, was ihm fehlt.

Fehlt den Menschen diese Liebe erst heutzutage?
Nein, die Liebe fehlte den Menschen eigentlich schon immer. Oder haben Sie schon einmal von einer Zeit in der Menschengeschichte gehört, in der es keine Kriege gegeben hat oder in der es keinen Hass, keine Verurteilungen, Eifersucht gegeben hat? Erst durch die Liebe wird der Mensch emotional zufrieden. Das Ziel von Yoga ist es, diese Liebe zu vermitteln. Und erst dann werden wir vollkommen und können in Frieden mit uns und anderen leben. Die fehlende Liebe ist auch der Grund, warum viele Menschen so unausgeglichen sind und von einem zum anderen hetzen: Es ist die Liebe, die ihnen fehlt. Es ist ein Loch, dass die Menschen mit Konsum, Geld, Schönheit zu stopfen versuchen. Dabei wissen wir noch nicht mal, ob uns diese Dinge wirkliche Befriedigung bringen. Aber das Fernsehen vermittelt uns das Gefühl, dass wir diese Dinge brauchen, um zufrieden zu sein. Doch dieses emotionale Loch kann nur mit Liebe gefüllt werden.
Sind Sie direkt von Anfang an mit dieser tiefen Liebe in Kontakt gekommen?
Nein. Am Anfang ging es mir nur darum, gesund zu sein. Aber je länger ich Yoga praktiziert habe, desto mehr bin ich damit in Kontakt gekommen. Ich habe realisiert, dass ich mich lieben muss, wenn ich gesund sein will.
Bezogen auf Power-Yoga entsteht leicht der Eindruck, dass es sich hier um einen rein körperlichen Yoga handelt. Das ist zumindest das, was in den Fitness-Studios vermittelt wird. Wenn ich aber höre, dass Sie bei Ihren Ausbildungen sehr viel Wert auf diese Ganzheitlichkeit legen und auch Spiritualität eine große Rolle spielt, dann frage ich mich, wie es möglich ist, dass hier nur ein Teil von dem ankommt, was Sie eigentlich vermitteln möchten.
Das frage ich mich auch (lacht). Es liegt daran, dass viele Menschen es in der Tiefe nicht verstehen. Es ist aber genauso unverständlich wie die Frage: Wie kann es bei Christen zum Krieg kommen? Man kann es auch so ausdrücken: Viele Leute transportieren ihren Müll in den Yoga und machen aus Yoga Müll. Das soll aber nicht bedeuten, dass Yoga Müll ist, sondern dass sie es nicht richtig verstanden haben. Das heißt, dass es Leute hier in Deutschland gibt, die es nicht wirklich verstehen und dass es Leute hier gibt, die es richtig verstehen. Aber das Gleiche gilt auch für die Menschen in Amerika. Dort gibt es ebenso einige, die es verstehen und andere, die es nicht verstehen. Für viele Menschen ist es so, dass sie zuerst einmal über den Körper Zugang zu Yoga finden. Aber vielleicht kommen diese Menschen irgendwann an den Punkt, wo sie realisieren, dass ihr Körper begrenzt ist. Und dann fangen sie vielleicht an, sich auf einer tieferen Ebene mit Yoga zu beschäftigen.
Sie haben vorhin gesagt, dass Sie in Hawaii mit Yoga angefangen haben. Hatten Sie dann später einen Yogalehrer?
Ja. (Bryan zeigt auf seine Brust). Er ist in mir. Und bald werde ich noch einen neuen haben: meine Frau ist schwanger und wird bald einen Sohn gebären. Er wird dann mein neuer Yogalehrer sein. In Indien war Patthabi Jois mein Lehrer. Dann habe ich bei vielen großen spirituellen Lehrern dieser Welt gelernt, die mir alle zeigen, wie ich den Lehrer in mir finde. Aber mein größter Lehrer war S.N. Goenka, von dem ich die Vipassana-Meditation gelernt habe. Er war derjenige, der in meinem Leben den größten Einfluss auf mich gehabt hat. Die Vipassana-Meditation ist sehr kraftvoll, um meinen Lehrer in mir zu finden.
Eine letzte Frage: Wenn Sie drei Wünsche hätten. Was würden Sie sich wünschen?
Liebe, Liebe, Liebe. Was sonst hilft uns?


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