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Ausgabe März 2006
Yungchen Lhamo – Stimme aus Tibet

Konzert

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Yungchen Lhamo lebt seit dem Jahr 2000 in New York. 1989 floh sie über den Himalaya von Tibet nach Dharamsala. Dort erhielt sie den Segen des Dalai Lama und er forderte sie auf zu singen, um ihre Stimme mit der Welt zu teilen. Heute gibt sie weltweit Konzerte. Alexandra Clara Giray sprach mit der Sängerin.
Alexandra Giray: Du bist 1989 aus Tibet geflohen. 1000 Meilen zu Fuß über den Himalaya bis Dharamsala. Was hast du erlebt und was gab dir die Kraft, diesen Marsch zu überstehen?
Yungchen Lhamo: Die meisten Tibeter, die aus Tibet fliehen, riskieren ihr Leben. Es ist nicht einfach. Du packst eine kleine Tasche und gehst – nicht wissend, ob du jemals ankommst. Wir wurden beraubt und mussten auf der Hut sein, um nicht gefasst zu werden und dann im Gefängnis zu landen. Viele Tibeter überleben diesen Marsch nicht. Ich sagte zu mir: “Selbst wenn du den Dalai Lama nicht siehst, auf dem Weg stirbst oder irgendwo nicht mehr weiter kommst, so ist es eine besondere Pilgerreise.” Dann bekommt es eine Bedeutung und ich glaube, das hat mir Kraft gegeben. Und natürlich der Wunsch, ein Leben in Freiheit zu leben.
Wie drückt sich diese Erfahrung in deiner Musik aus?
Wenn ich an die Flucht denke, den Himalaya, dann sind die Bilder da, die Emotionen, dann fühle ich die Berge. Es gibt keine Worte, diese Erfahrung zu beschreiben, aber Melodien, um sie auszudrücken und die Menschen daran teilhaben zu lassen.
Wann hast du deine Stimme entdeckt und erkannt, dass du mit deiner Stimme etwas bewegen kannst?
In Dharamsala fing ich an zu singen, als Teil einer Gruppe, die in tibetischen Flüchtlingslagern auftrat, um den anderen im Exil lebenden Tibetern von der Lebenssituation und dem Zustand ihres Heimatlandes zu berichten. Dabei wurde meine Stimme entdeckt. Ich erhielt den Segen des Dalai Lama und wurde von ihm und auch anderen ermutigt, das Geschenk meiner Stimme und die Botschaft Tibets in die Welt zu tragen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich eine Sängerin werden würde, im Besonderen eine Solokünstlerin. Ich wollte Menschen helfen, aber ich dachte, es ist besser, ein Mann zu sein, um etwas zu erreichen. Aber meine Großmutter belehrte mich eines Besseren: “Du musst singen und du wirst Menschen helfen.” Sie konnte nicht wissen, wie sehr sich dies bewahrheiten würde.
Welche Lieder singst du bevorzugt? Und wer lehrte dich die traditionellen Gesänge?
Am liebsten singe ich von der Hingabe, von Liebe – Lieder von Mitgefühl.Manchmal schreibe ich neue Lieder für meine Konzerte, lasse mich davon inspirieren und schenke diese Lieder dem Publikum. Wenn ich singe, stelle ich mir vor, den höchsten geistigen Wesen Geschenke in Form von Liedern zu geben und sie damit zu bitten, einen Regenschauer voller Segnungen an jene Menschen zu senden, die diese Gesänge hören. Daher begreift das Publikum die subtile Bedeutung und Kraft der Lieder auch dann, wenn es die Texte nicht verstehen kann. Ich liebe es, mit dem Publikum zu singen. Meine Großmutter und meine Mutter lehrten mich die traditionellen Gesänge.



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