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Ausgabe Juli 2005
„Die Musik soll Power haben...“

Anlässlich eines Konzertes in Berlin führte Alexandra Giray ein Interview mit dem Musiker Prem Joshua.

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A. Giray: Wie war deine Erfahrung mit Osho und wie hat diese deine Musik und dein Wirken beeinflusst?
Prem Joshua: Über die letzten 20 Jahre habe ich insbesondere in Indien von vielen Meistern der Musik gelernt. Unter anderem lerne ich immer noch von Maestro Ustad Usman Khan die Kunst des Sitar-Spiels, zu dessen vollkommener Beherrschung wohl ein einziges Leben nicht ausreicht. Aber Musik als Klang ist nur die eine Seite. Die höchste musikalische Feier ist die Stille. Und Osho ist mein Meister der Stille, der Meditation. Er hat mich gelehrt, dass Musik ein Medium sein kann, das aus der Tiefe der inneren Stille kommt, auflodert wie ein wildes Feuer, überspringt auf den Zuhörer, aber dann den Zuhörer auch wieder dorthin zurückführen soll in die innere Stille: Musik als Feier und Wegweiser zurück zur Quelle. Welch eine radikale Botschaft in einem Zeitalter, wo Musik zum bloßen massen-produzierten Wegwerfartikel degradiert worden ist. Musik hat die Fähigkeit und Magie, ganz tief in unsere Seele einzudringen, wo bloße Worte nie gelangen können. Wenn Musik nicht die Seele berührt, dann ist sie nur organisierter Lärm. Welch eine enorme Verantwortung für den Musiker. Es bedeutet, dass es nicht nur darum geht, sein Instrument oder eine bestimmte Stilrichtung zu beherrschen im musikalisch-technischen Sinne, sondern es bedarf viel mehr auch einer ständigen inneren Läuterung der Person des Musikers, um bereit zu sein, dass Musik in ihrer ursprünglichen Hei-ligkeit fließen kann. Dies bedeutet für mich aber im musikalischen Sinne ganz sicher nicht, dass ich jetzt einschläfernde New-Age-schmalzige Plastik-Töne produzieren muss oder irgendwelche Hindu-Mantras mit pseudo-religiöser Inbrunst tausendmal wiederholen muss, was heutzutage ja leider generell von der esoterischen oder spirituellen Szene als ”Meditationsmusik” bezeichnet wird. Um es mal im spirituellen Jargon auszudrücken: Für mich muss Musik eher alle ”Chakras” ansprechen. Der Groove soll deine Beine und Hüften bewegen. Tut er das nicht, dann ist deine Musik eben auch nicht sexy und lebendig. Die Musik soll Power haben, it has to rock. Und was ist Musik, wenn die Klänge und Melodien dich nicht in deinem Herzen berühren können? Sie soll auch mit hohem spielerischen Niveau und Können dargeboten werden, aber letztendlich soll sie ekstatisch sein und dich aus deinem kleinen engen Hirn herausfliegen lassen.

Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben und was ist deine Botschaft?
Obwohl ich über die letzten 20 Jahre indische Musik erlernt habe, liegt die Faszination für mich immer im Experimentieren, im Vermischen der Kulturen von Ost und West. Ich bin eben nicht Inder, sondern Europäer, der aber viele viele Jahre in Indien gelebt hat, und somit bin ich in beiden Kulturen verwurzelt. ”Fusion Music” ist für mich etwas absolut Natürliches. Dies ist wirkliche World Music für mich: eine musikalische Feier und Vermischung unserer verschiedenen Weltkulturen. Dies geschieht aber in tiefem Respekt und als Tribut an die jeweiligen musikalischen Traditionen. Ich finde, es ist zudem fast die Pflicht eines Musikers, Musiktraditionen nicht zu konservieren, sondern sie immer neu zu interpretieren für die jetzigen Generationen.

Was ist deine Botschaft?
Einfach nur Spaß. Vielleicht ist die Botschaft meiner internationalen Band, dass wir jede Menge Spaß haben, obwohl wir alle von einem anderen Winkel der Erde kommen. Wir sind aus Indien, Singapur, Iran, Deutschland oder sonst woher und reisen zusammen um die Welt mit unseren Konzerttourneen. Unsere Musik ist frisch und in Harmonie, obwohl doch klar alle verschiedenen Kulturen und Himmelsrichtungen herausklingen. Weltmusik hat diese Power, uns zu zeigen, dass wir alle mit jeder Menge Spaß zusammenleben können, trotz unserer ethnischen Unterschiede. Es ist darüber hinaus viel interessanter, als sich nur in einem Kulturkreis zu bewegen. Ich weiß es, da ich es ja dauernd erfahre. In diesem Sinne hat Weltmusik auch eine politische Aussage und Power. Aber all unsere idiotischen Religionsvertreter und Politiker erzählen uns ständig das Gegenteil und machen uns obendrauf Glauben, dass ”wir” besser sind als ”die”. Alles nur Angst.

Welche Instrumente sind in deiner Musik bei eurer diesjährigen Tour vertreten?
Aus Indien Sitar, Dilruba, Tabla, Santoor, Bambusflöten und Gesang. Aus dem Mittleren Osten sind die persische Fiddle, die Rahmentrommel, Darbouka und Gesang dabei. Aus Afrika Djembe, aus Brasilien Berimbao und aus der westlichen Hemisphäre Keyboards, Loops und Sopran Sax.
Vielen Dank und ich freue mich auf das Konzert.


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