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Ausgabe Juni 2005
Eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte

Geld und Spiritualität

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Der buddhistische Mönch Geshe Michael Roach begab sich 17 Jahre in das schnelllebige und mit Ellenbogen ausgefochtene Geschäftsleben New Yorks, um die Möglichkeiten der buddhistischen Lehre zu testen, ob sie persönliche Erfüllung UND geschäftlichen Erfolg bringen kann. Anlässlich seines Besuches im Juni drucken wir einen Auszug aus seinem Buch “Die Weisheit des Diamanten” mit freundlicher Genehmigung des Theseus Verlages.

Für die Arbeit in einem normalen Firmenbüro hatte mein tibetischer Lama mir ein paar Leitsätze auf den Weg gegeben: Mein Bekenntnis zum Buddhismus für mich zu behalten, mir einen Haarschnitt in der üblichen Länge zuzulegen und mich ganz ’normal’ zu kleiden. Wann immer ich mich in meiner Arbeit nach buddhistischen Grundsätzen richte, habe dies stillschweigend zu geschehen, statt es an die große Glocke zu hängen. Innerlich müsse ich ein buddhistischer Weiser sein, von außen betrachtet jedoch ein gewöhnlicher amerikanischer Geschäftsmann.
Und so begann mein Versuch, die Abteilung nach buddhistischen Grundsätzen zu führen, jedoch ohne das anderen überzuhängen. Mit meinen Chefs hatte ich frühzeitig folgende Vereinbarung getroffen: Ich war in allen Belangen für die Diamantenabteilung verantwortlich und hatte dafür zu sorgen, dass die Steine einen guten Gewinn einbrachten. Auf der anderen Seite hatte ich die uneingeschränkten Handlungsvollmachten, wenn es darum ging, Mitarbeiter einzustellen oder zu entlassen. Ich allein hatte über ihre Bezahlung oder über Lohnerhöhungen zu entscheiden, über die Anzahl ihrer täglichen Arbeitsstunden und darüber, wer für welchen Bereich die Verantwortung übernahm. Ich musste lediglich zum vereinbarten Zeitpunkt das Produkt abliefern und zwar mit ansehnlichem Profit.
So habe ich – gestützt auf überlieferte Prinzipien buddhistischer Weisheit – die Diamantenabteilung bei Andin International in einer Weise aufgebaut, dass sie aus dem Nichts zu einem weltweit operierenden Unternehmen wurde, das jährlich viele Millionen Dollar Gewinn erzielte.

Natürlich habe ich all dies nicht im Alleingang auf die Beine stellen können. Auch hat sich nicht alles bei uns nur nach meinen Auffassungen gerichtet. Ich darf aber sagen, dass während meiner Zeit als Vizepräsident bei Andin International diese von mir dargelegten Prinzipien für die meisten Entscheidungen und Geschäftsstrategien maßgebend waren.Worin bestehen, in aller Kürze, diese Prinzipien?
Im Wesentlichen geht es um drei Punkte:
Das Unternehmen soll erfolgreich sein, also Gewinn erwirtschaften. In den USA und in anderen westlichen Ländern herrscht die Meinung vor, dass bei denen, die ein spirituelles Leben zu führen versuchen und gleichzeitig Erfolg haben und Geld verdienen, etwas nicht in Ordnung sei. Doch am Geld als solches ist aus buddhistischer Sicht nichts auszusetzen. Denn wer über größere finanzielle Mittel verfügt, kann der Welt ja tatsächlich mehr materielle Unterstützung geben. Vielmehr stellt sich die Frage, wie wir das Geld verdienen. Begreifen wir, woher das Geld kommt, dass wir dafür sorgen können, dass es uns auch weiterhin zufließt. Können wir eine gesunde Einstellung zum Geld bewahren?
Entscheidend ist also, dass wir unser Geld auf ehrliche und anständige Weise verdienen; dass wir uns genau darüber im Klaren sind, woher es kommt, damit es nicht versiegt und eine gesunde Einstellung zum Geld wahren, solange wir es haben. Halten wir uns daran, so lässt sich beides sehr wohl miteinander vereinbaren – gutes Geld zu verdienen und ein spirituelles Leben zu führen. Ja, auf diese Weise wird der Gelderwerb zum Bestandteil einer spirituellen Lebensführung!Geld sollte uns Freude bereiten. Mit anderen Worten, wir sollten geistig und körperlich gesund bleiben, während wir Geld verdienen. Die Aktivität, die uns materiellen Wohlstand bringt, sollte uns weder körperlich noch geistig derart auslaugen, dass wir uns des Wohlstandes nicht mehr erfreuen können. Ein Geschäftsmann, der durch seine Tätigkeit die eigene Gesundheit ruiniert, macht den eigentlichen Sinn der Arbeit zunichte.
Wenn Sie schließlich auf Ihr Berufsleben zurückblicken, sollten Sie aufrichtig sagen können, dass all die Jahre Ihrer beruflichen Tätigkeiten einen Sinn hatten. Das Ende jeder geschäftlichen Unternehmung, die wir in Angriff nehmen, wie auch das Ende unseres Lebens rücken unausweichlich näher – für jeden von uns. Und am wichtigsten Punkt unserer Tätigkeit – wenn wir schließlich auf alles zurückblicken, was wir erreicht haben – sollten wir erkennen können, dass unser Verhalten und die Art und Weise, wie wir unsere Aufgaben erledigt haben, einen bleibenden Wert haben und eine positive Prägung in unserer Welt hinterlassen.
Fassen wir diese Gedanken noch einmal zusammen:
Unsere berufliche Tätigkeit dient ebenso wie die überlieferte Weisheit Tibets, wie einfach jedes menschliche Streben, dem Ziel, äußeren Wohlstand und inneres Wohlergehen herbeizuführen. Daran können wir uns allerdings nur erfreuen, solange wir körperlich und geistig weitgehend gesund bleiben. Und im Laufe unseres Lebens werden wir herausfinden, auf welche Weise wir diesem Wohlergehen eine tiefere und umfassendere Bedeutung geben können.
All dies führt uns die Erfolgsgeschichte von Andin International vor Augen. Jeder von uns kann diese Dinge lernen und sie in die Tat umsetzen, unabhängig davon, welchen persönlichen Hintergrund und welche persönliche Überzeugung er oder sie hat.


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