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Ausgabe Oktober 2004
Amma - Das Leben umarmen

Haidrun Schäfer hat anhand der Biografie von Judith Cornell “Amma - das Leben umarmen” die wichtigsten Schritte zusammengefasst. Im Oktober kommt Amma nach Mannheim und München.

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Amma wird weltweit als “heilige Mutter” verehrt. Sie hat zahlreiche Wohltätigkeitseinrichtungen zum Leben erweckt und auf ihren Reisen um die Welt Millionen Menschen in ihre Arme genommen. Ihre Metamorphose von einer ungebildeten und ausgebeuteten häuslichen Dienstbotin zu einer international verehrten spirituellen Führerin ist eine der bemerkenswertesten Geschichten unserer Zeit.

Amma wurde in die Tradition des hinduistischen Glaubens geboren. Hindus verehren viele Göttinnen und Götter als die verschiedenen Aspekte Gottes. In der indischen Kunst werden der Gott Krishna und die Göttin Kali mit blauer oder blauschwarzer Haut dargestellt - ein Symbol für den unendlichen Raum des Universums. Amma kam mit dem Namen Sudhamani, was nektargleicher Juwel bedeutet, zur Welt. Ihre Haut war bei ihrer Geburt dunkelblau und wechselte erst im Laufe der Zeit zu einem Dunkelbraun. Aufgrund dieser dunklen Hautfarbe wurde sie in ihrer ganzen Kindheit von ihrer Familie schlecht und ungeduldig behandelt, da keiner den Bezug zu einem göttlichen Zusammenhang herstellte.

Die spirituelle Geburt
Mit 21 Jahren änderte sich ihr Leben grundlegend. Während einer Lesung mit Gesängen über Krishnas Geburt und sein Leben, der sie “zufällig” beiwohnte, begann ihr Körper zu vibrieren und ihr Gesichtsausdruck verwandelte sich in den Krishnas. Ihre Hände nahmen genau dieselben yogischen Fingerpositionen und ihr Körper die Haltung an, in der Krishna in der klassischen hinduistischen Kunst dargestellt wird. Später kehrte sie wieder in ihren normalen körperlichen Zustand, ihr Bewusstsein jedoch blieb in göttliche Seligkeit getaucht. Die Menschen um sie forderten ein Wunder von ihr, um an sie glauben zu können. Sie sagte: “Ich bin nicht daran interessiert, Glauben durch Wunder zu erzeugen, sondern ich bin hier, um euch zu helfen, die Wahrheit zu erkennen. ... Wunder sind nur Illusionen. ... Ich bin hier, um Verlangen auszurotten, nicht, um es zu erzeugen. ... Um euch Glauben zu schenken, werde ich euch ein Wunder zeigen. ... Und danach bittet mich nie wieder, ein Wunder zu vollbringen.” Später verwandelte sie vor einer großen Menschenmenge Wasser zuerst in Milch und dann in Pudding. Immer mehr Menschen kamen, und obwohl in dieser Nacht etwa 1000 Menschen aus einem Literkännchen mit dem wohlschmeckenden Pudding bedient wurden, wurde es dabei nicht leer und der süße Duft des Puddings haftete noch für mehrere Tage an den Händen der Menschen. - Unsere physische Realität ist nichts weiter als eine “elektronische Traumwelt” Gottes. Durch die Kraft ihrer Gedanken, Visualisierung und Willenskraft können die großen Meister die Atome in jeder gewünschten Form kombinieren und manifestieren.
Es gab viele Skeptiker in Ammas näherem Umfeld und einige versuchten, sie mit tödlicher Asche oder vergifteter Milch umzubringen, aber vergebens, denn die Gifte konnten ihrem Körper nichts antun. Andere dagegen baten um Heilung und Sudhamani nahm sie liebevoll und mitfühlend in ihre Arme - so wurde diese Geste zur natürlichen mütterlichen Art und Weise, in der sie jedem Liebe und Segen zuteil werden ließ. In Indien umarmt eine tugendhafte Frau niemanden und schon gar keine Männer, was dazu führte, dass die Familie zuerst die junge Tochter verbannte.

Devi
Krishna ist ein großer göttlicher Aspekt, aber über allen Göttern steht Devi, die göttliche Mutter. Sudhamani erfuhr eine tiefgreifende spirituelle Wandlung mit extremer physischer und psychischer Pein, aber am Ende dieser Periode erlebte sie das Eingehen in die göttliche Mutter in ihrem Inneren. Devi war eine strahlende Erscheinung, die wie tausend Sonnen leuchtete. Vor ihrer Transformation hatte sie alles als von Krishna durchdrungen erlebt. Nun sah sie, dass sich der grenzenlose, weibliche Aspekt Gottes in allem widerspiegelt. In einer Meditation vernahm sie die Stimme der göttlichen Mutter: “Mein Kind, ich bin allgegenwärtig und wohne in den Herzen aller Wesen. Dein Leben ist nicht einfach dafür gedacht, dich der reinen Glückseligkeit deiner eigenen Seele zu erfreuen, sondern der leidenden Menschheit Trost zu spenden. Ehre von nun an meine Gegenwart in allen Herzen und erlöse die Menschen von den Leiden weltlicher Existenz.” Im Verlauf der folgenden Jahre wurde sie von ihren Anhängern “Amma” genannt, was auf Malayalam “Mutter” bedeutet. Sie traf bewusst die Entscheidung - zum Leidwesen ihrer Krishna-Anhänger - nur noch Liebe und Mitgefühl zu manifestieren: Eigenschaften, die Hindus der göttlichen Mutter bzw. dem weiblichen Aspekt Gottes zuschreiben.

Heilung durch Umarmung
Ammas Umarmungen und Küsse sind nicht wie übliche zu betrachten. Wenn sie jemanden umarmt, erfolgt eine innere Heilung. Sie übermittelt einen Teil ihrer reinen Lebensenergie und teilweise nimmt sie bestehendes Leid auf sich. Aufgrund ihrer geistigen Kraft und Stärke macht sie nur Bruchstücke von dem durch, was eine andere Person zu erleiden hätte. Nach Aussagen von Dr. Ragavan entzieht sich Ammas Körper medizinischem Verständnis. Sie ist in der Lage, sich mit einem Augenaufschlag oder tiefen Atemzug von ihrem Körper abzuschalten, um für einen verbleibenden Darshan schmerzfrei zu sein. Durch eine Vielzahl von Interviews wurde deutlich, dass Amma in der ganzen Welt Menschen auf verschiedenen Ebenen heilt - körperlich, psychisch und spirituell.

Die vedische Kultur
Viele der großen Heiligen entstammen der vedischen Kultur. Die Weisen waren Männer und Frauen, die große spirituelle Wahrheiten intuitiv erfuhren oder erlebten und sie in Sanskrit-Versen als Mantren niederschrieben. Diese aufgezeichneten Offenbarungen bilden die heiligen Bücher des Hinduismus, die als Veden und Upanischaden bekannt sind. In der vedischen Kultur wurde den Frauen großer Respekt entgegengebracht – galten sie doch als ein wesentlicher schöpferischer Bestandteil der göttlichen Mutter. Ihnen wurde spirituell der gleiche Wert wie den Männern beigemessen. In der vedischen Zeit gab es kein Ringen, um die materiellen Grundbedürfnisse zu befriedigen, da das Land fruchtbar und das Klima mild war. Dadurch stand der Freiraum zur Verfügung, sich mit den großen Mysterien des Lebens zu befassen.
In diesem Zeitraum war die Gesellschaft in vier Hauptgruppen aufgeteilt. Die Farben, die diesen Rollen in der Gesellschaft zugeordnet waren, entsprachen dem jeweiligen Naturell, d.h. der Beschaffenheit der Aura der betreffenden Menschen. Die Brahmanen - die Priester und Dichter - wurden durch die Farbe Weiß symbolisiert, denn ihre Aufmerksamkeit galt der Wahrheit und einer spirituellen Lebensführung, in der die Qualität der Reinheit vorherrschte. In der Aura der Kshatryas - der Krieger und Regenten - dominierte die Farbe Rot mit einer Energie, die von Willen und Handlung geprägt ist. Die Vaishyas - die Händler und Landbesitzer - waren durch die Farbe Gelb gekennzeichnet, denn der Handel bestimmte die Energie. Wer wenig spirituelles Interesse hatte, wurde ein Shudra - ein Diener oder Arbeiter.
Das vedische Wissen geriet in Vergessenheit und Indien wurde von fremden Ländern erobert und regiert, die an materiellem Gewinn und Sinnesfreuden interessiert waren. Unterdrückung und Dunkelheit waren die Folgen. In der Hindu-Tradition heißt es, dass sich große Meister wie Buddha, Krishna und Jesus Christus dann inkarniert haben, wenn es nötig war, die heilige, ethische und moralische Ordnung wiederherzustellen. Daher sind viele Inder überzeugt, dass Amma den großen religiösen Führern ebenbürtig ist. Es gibt auch Beobachtungen, dass wenn ein Mahatma auf Erden erscheint, geistige Wissenschaften wie z.B. die vedische Astrologie neu belebt werden.

Neue Hindutempel
Aufgrund einer Vision begann Amma eine neue Art von Hindutempeln in Indien zu etablieren - inzwischen hat sie mehr als 15 in ganz Indien geweiht. Etwas Besonderes und Neues in der Tempelkunst ist ein vierseitiger Tempelstein, wobei die Symbole auf jeder Seite dazu gedacht sind, uns zu vermitteln, den all-einen Gott hinter allen verschiedenen äußeren Formen zu sehen und insbesondere das Göttliche in uns selbst. Vor der Installierung des Steins werden neun Edelsteine geweiht: Rubin, Perle, Smaragd, rote Koralle, gelber Topas, Saphir, Diamant, Tigerauge und Gomeda. Zwei der neuen Tempel werden von Priesterinnen geleitet - ein revolutionärer Schritt für die Gleichberechtigung der Frau im heutigen Indien. Aber Amma ist überzeugt: “Wie sollten wir jemand als Gott bezeichnen, der Männer und Frauen als ungleich betrachtet und der nicht dasselbe göttliche Prinzip in allen sieht? Folglich wird Christus so etwas wohl kaum gesagt haben. Es war üblich, dass nur Männer den Lebensunterhalt verdienten. Die Frauen blieben zu Hause, um sich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern. Vielleicht nahm es so seinen Anfang, dass nur Männer Priester wurden.”

Reinigung der mentalen Ebene
In unserer Welt gibt es eine mentale Atmosphäre, die durch Egoismus verseucht ist und die der Reinigung bedarf. Diese Reinigung können nur selbstverwirklichte Seelen durch selbstlose Arbeit und mit Hilfe ihrer Liebe bewerkstelligen. Gäbe es in der Natur keinen Sauerstoff generierenden Prozesse, würde alles Leben verschwinden. In gleicher Weise würde die Menschheit eingehen, wenn es keine Heiligen gäbe, die die mentale Sphäre durch ihre spirituelle Wirkung reinigen.Weise und Yogis verfügen über eine hoch entwickelte spirituelle Intuition, d.h. eine direkte Wahrnehmung der Wahrheit ohne die Zwischenschaltung von Sinneseindrücken oder irgendwelchen Informationen. Für sie ist alles Geschaffene nichts anderes als verschiedene Bewusstseinsformen. Der Körper eines Mahatma unterscheidet sich von den üblichen. Entspricht es seinem Willen, so kann er ihn solange erhalten, wie er möchte, ohne dass dieser von Krankheit und Leiden heimgesucht wird. Ein Meister kann sich aber auch bewusst dafür entscheiden, seinen Körper dieselben Erfahrungen machen zu lassen, wie ein gewöhnlicher Mensch.
Amma lehrt, dass ausschließlich Bewusstsein existiert. Ihr größtes Wunder, die alljährliche Umarmung von Millionen von Menschen, dazu ihre Wandlung von Wasser in Pudding und die Heilung eines Leprakranken sind Beispiele dafür, dass sie selbst die Grenzen der bekannten Physik überschritten hat. Ihr großes Geschenk an die Menschheit ist, dass sie für alle erreichbar ist.

Mata Amritanandamayi Math
Der Ashram in Amritapuri ist ein Zentrum, wo Amma tausend Arme hat, die weltweit agieren. Sie hat den gemeinnützigen Verein Mata Amritanandamayi Math gegründet, bei dem nicht nur Ashrambewohner mitwirken, sondern Tausende von Anhängern auf der ganzen Welt. Neben zahlreichen karitativen Einrichtungen für Kinder, Frauen, alte Menschen und Kranke liegt ein weiterer Schwerpunkt im Ausbildungsbereich. Zahlreiche Institute bieten Ausbildungen für verantwortungsvolles Management, Informatik, Computer und Technik an. Weiterhin wurden in ganz Indien 45 Schulen errichtet, die höchst erfolgreich und angesehen sind. Der Unterrichtsplan ist auf körperliche Fitness, geistige Wachheit und spirituelle Bewusstwerdung der Kinder ausgerichtet. Sogar ein Umweltschutzprojekt gehört zu den Aktivitäten von Math. Bisher sind mehr als 30 Bücher publiziert, die Ammas Leben und Lebensgeschichte ausführlich behandeln. Sie können über www.mothersbooks.org bezogen werden. www.amaritapuri.org ist eine umfangreiche Webseite des Math. www.ammachi.org und www.amma-europe.org berichten über Ammas Aktivitäten im Ausland.


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