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Ausgabe Oktober 2004
Quan Dao - Ein Weg zu innerem und äußerem Frieden

Die Quan Dao Kung Fu-Lehrerin Gabriele Busmann beschreibt Kampfkunst als Weg zur spirituellen Quelle.

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Wer eine Kampfkunst übt, will kämpfen und gewinnen, so denken viele. Auf den ersten Blick ist es uns nicht einsichtig, wie das ernsthafte Studium der Kampfkünste mit einer spirituellen Suche und Frieden in Einklang gebracht werden kann. Allerdings haben das, was uns zunächst uneinsichtig erscheint, weise Menschen auf ihrem spirituellen Weg entdeckt. Als Boddhidharma, ein buddhistischer Mönch aus Indien, im 6. Jahrhundert im Shaolin-Kloster in China ankam und dort jahrelang in völliger Abgeschiedenheit auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung meditierte, entdeckte er die Notwendigkeit, nicht nur den Geist, sondern auch den Körper durch Übungen zu stärken. Er entwickelte ein System von Übungen und Bewegungsabläufen, zu denen z.B. die Qi Kung-Übungen gehören, welches die Grundlage aller späteren Kampfkunstschulen bildet. In dieser Tradition ist es das höchste Ziel der Kampfkünste, eine Kunst des Friedens zu sein und durch Schulung von Körper und Geist den spirituellen Zielen näher zu kommen. Der Kampf ist dabei der besondere Ort, an dem sich im miteinander Ringen und aneinander Wachsen zeigt, wie vertraut man mit dem eigenen Körper und mit den eigenen Energien ist, wie sehr Körper und Geist im Einklang sind.

Der Weg ist das Ziel
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Unterscheidung in die sogenannten inneren und äußeren Kampfkünste, um die unterschiedliche Gewichtung von Körper und Geist in den verschiedenen Kampfkünsten zum Ausdruck zu bringen. Dabei bedingt die Einheit von Körper und Geist, dass es sich immer nur um unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel handeln kann. Kampfkünste wie das Quan Dao Kung Fu beinhalten nicht nur einen spirituellen Weg, sondern stellen auch eine effektive Hilfe dar, sich im Falle eines Falles gut verteidigen zu können. Um im Moment eines Angriffs den Weg des Friedens gehen zu können, ist nicht nur moralische Reife und geistige Konzentration nötig, sondern auch vollkommene technische Beherrschung. Denn es ist schwieriger, einen Gegner zu entwaffnen als sich mit einem gleichermaßen aggressiven Gegenangriff zur Wehr zu setzen. Um diese Fähigkeit ausbauen zu können, muss man beständig üben. Deshalb werden die Kampfkünste auch nicht als Ziel bezeichnet, sondern als Weg. Die alte chinesische Lehre vom Qi, der Energie und Lebenskraft, die den lebenden Körper durchströmt, bietet für die Kampfkünste eine Grundlage ihrer Arbeit. Durch Körperübungen entdecken wir unsere Energien und lernen, sie fließen zu lassen. Dieser Weg der Vervollkommnung, der mit Hilfe der Kampfkunsttechniken beschritten wird, hilft uns auch, im Alltag in einem Konflikt nicht den Kopf zu verlieren, sondern uns bewusst und konzentriert der Situation zu stellen. Dabei muss es nicht zur Auseinandersetzung kommen, denn die Offenheit des Geistes eröffnet uns auch ein breiteres Handlungsspektrum, so dass wir durch eine unerwartete Geste oder überraschende Initiative die zugespitzte Situation im Nu auflösen und befrieden können. Insofern lehren die Kampfkünste eben auch eine viel weiter gefasste Weisheit, den drohenden Konflikt zu entschärfen, den Kampf erst gar nicht entstehen zu lassen.

Quan Dao
Quan Dao ist eine Kampfkunst, die in der Tradition des Kung Fu steht. Quan Dao heißt übersetzt “Weg zur Quelle”. Es geht darum, den Weg zur Quelle, dem Selbst, zu finden, über die Arbeit mit dem Körper den Geist zu “verkörpern” und den Körper zu “begeistern”. Auf der Sehnsucht nach Frieden und innerer Ruhe zeigt das Quan Dao Kung Fu einen Weg, auf dem wir in der Auseinandersetzung mit dem Kämpfen sowohl unserer sanften und friedlichen als auch unserer entschlossenen und kämpferischen Seite begegnen. Dabei ist es auch ein Ziel, in einer Welt kämpferischer Konflikte Ruhe und Gelassenheit zu bewahren sowie einen Weg zu innerem Frieden zu finden.


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