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Ausgabe September 2009
Angst – ein Geschenk Gottes

Vom Opferdasein zum Schöpferbewusstsein: Ängste sind ein zentrales Thema in unserem Leben. Ofir Touval betrachtet Ängste aus einem spirituellen Blickwinkel und verdeutlicht, dass man Ängste nicht besiegen, sondern nur transformieren kann.

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Ein Beitrag von Ofir Touval


Ängste sind ein zentrales Thema in unserem Leben. Ofir Touval betrachtet Ängste aus einem spirituellen Blickwinkel und verdeutlicht, dass man Ängste nicht besiegen, sondern nur transformieren kann.

Jeder Mensch kennt Gefühle von Angst - sei es die Angst vorm Sterben, vor Unfällen, vorm Armwerden, vor Krankheiten, vor Verlusten oder vor Schmerzen. Ängste sind ein zentrales Thema in unserem Leben. Vom Augenblick unserer Geburt erleben wir alle Arten von Situationen und unter anderem auch angsteinflößende Erlebnisse. Das können durchaus reale Gefahrensituationen wie z.B. ein Unfall oder ein Krankenhausaufenthalt oder auch die peinliche Situation in der Schule, als der Lehrer uns vor der Klasse bloßstellte. Alle unangenehmen Situationen sind angsteinflößend, weil wir bequeme Wesen sind, die weder Angst noch Schmerzen fühlen wollen. Das liegt in unserer Natur. All das, was mit negativen Empfindungen zu tun hat, wollen wir vermeiden. Vermeidung ist der aktive Part, während Angst der Schutzmechanismus im Vorfeld ist: Bei Angst vor Verkehrsunfällen sind wir besonders vorsichtig im Straßenverkehr und bei Angst vor Krankheiten achten wir auf eine gesunde Ernährung.

Vom Opferdasein zum Schöpferbewusstsein
Ich möchte hier einen spirituellen Ansatz für den Umgang mit Ängsten skizzieren, der sich grundsätzlich von allen anderen Therapieformen unterscheidet. Von meinem Lehrer Rav Berg habe ich gelernt, dass jeder Mensch seit seiner Geburt einen vorherbestimmten Weg geht. Im Moment der Zeugung beginnt eine vorgegebene Reise und in den ersten Jahren der Entwicklung haben wir kaum Entscheidungsmöglichkeiten. Hier finden wir die Bedingungen, die für uns nötig sind, um uns zu entwickeln. Diese Bedingungen werden von einer höheren Kraft vorgeschrieben, die man Gott, Schöpfer oder auch Licht nennen kann. Diese Kraft weiß, was für uns am allerbesten ist und damit haben wir keinen Einfluss darauf, ob sich unsere Eltern scheiden lassen oder zusammenbleiben, ob sie arm oder reich sind, ob wir als Kind krank werden und ob wir Geschwister haben werden oder nicht. All diese Dinge sind vorgegeben als Bedingungen, die wir für unsere Entwicklung brauchen. Wir können es mit der Inszenierung eines Theaterstückes vergleichen: Das Bühnenbild und die Inszenierung wird immer weiter entwickelt und vervollständigt bis zur Premiere. Die Premiere ist der Augenblick, ab dem wir die Entscheidungsfreiheit zur Gestaltung unseres Lebens aktiv einsetzen können. Bei Mädchen ist dieser Zeitpunkt mit 12 und bei Jungen mit 13 Jahren. Erst ab diesem Moment haben Menschen die Möglichkeit, ihren freien Willen zu gebrauchen - vorher nicht. Und dann beginnt der sogenannte "Korrekturprozess". Das bedeutet, dass wir bestimmte Aufgaben zu überwinden haben, damit wir uns entwickeln können. Eine der wichtigsten Aufgaben der Menschen ist, vom Opferdasein zu einem Schöpferbewusstsein zu wachsen - vom reaktiven Verhalten zu einer aktiven Gestaltung des Lebens zu gelangen und damit Erfüllung zu finden. Das ist das Ziel der Menschen. Das ist das Spiel des Lebens und dafür werden wir geboren. Mit dem freien Willen können wir in jeder Situation neu entscheiden, wie wir uns verhalten: Ob wir den Weg der Transformation einschlagen oder ob wir in dem reaktiven Opferdasein verharren.

Ängste sind eine der wichtigsten Bausteine in diesem Spiel. Ängste sind Mechanismen, die uns in unserem Opferdasein festhalten. Ängste schränken ein und lähmen. Ich rede hier nicht von den Ängsten, die das Überleben sichern. Hier geht es um Ängste, die unsere Lebensqualität einschränken, weil sie uns klein halten und dazu zählen soziale Ängste, Höhenängste, Zukunftsängste, Ängste vor Prüfungen, vor Insekten, vor Armut und so weiter und so fort.

Der spirituelle Weg aus der Angst
Der spirituelle Weg aus der Angst beginnt mit der Erkenntnis, dass wir eine freie Wahl haben: Wir müssen nicht reagieren, so wie unsere Angst es uns vorgibt. Die Fähigkeit zu reagieren ist in unseren Instinkten, in unserem Unterbewusstsein und in unserem Nervensystem implantiert. Die Kunst besteht darin, diese Ausstattung durchaus zu nutzen, um zu überleben, aber nicht, uns von unseren Re-aktionen beherrschen zu lassen. In dem Moment, in dem irrationale Ängste auftauchen, müssen wir unser Bewusstsein verwenden, um pro-aktiv zu handeln und nicht in das Muster der instinktiven Reaktionen zu verfallen.

Der zweite Schritt besteht darin zu verstehen, dass jede angstmachende Situation eine Chance darstellt, um mein spirituelles Wachstum zu ermöglichen und meinen Transformationsprozess zu beschleunigen. Jeder dieser Angstsituationen ist wie ein verkapseltes Licht. Es ist Lebensenergie, die so versteckt ist, dass ich nur das Dunkle sehe. Wenn ich als Kind die Angst vor dem Sprung vom 3-Meter-Brett überwinde und springe, bin ich überwältigt von Stolz und Freude. Energetisch habe ich die Schale, die das Licht eingekapselt hat, geknackt und bin in Kontakt mit dem Licht gekommen. Je größer die Angst, desto mehr potentielles Licht verbirgt sich dahinter. Warum machen Menschen Bungee-Springen? Es ist die Überwindung der Angst, die das Glücksgefühl auslöst.

Der spirituelle Ansatz besagt, dass nur der Weg der Transformation zu einem Ergebnis führt. Wir können auf Dauer weder vor unseren Ängsten weglaufen noch sie vermeiden. Sie sind potentielle Lichtquellen, die transformiert werden müssen. In meiner Arbeit unterstütze ich Menschen auf dem Transformationsprozess und vermittele spirituelle Werkzeuge, die Menschen befähigen, auch zukünftig mit Ängsten proaktiv umgehen zu können.

Der Autor Ofir Touval ist Psychologe und Naturheilpraktiker. Schwerpunkte: Homöopathie, Kinesiologie und spirituelle Psychotherapie. „In meiner Arbeit unterstütze ich Menschen auf dem Transformationsprozess und vermittle spirituelle Werkzeuge, die Menschen befähigen, auch zukünftig mit Ängsten proaktiv umgehen zu können“. Er lebt und arbeitet in Berlin.


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