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Ausgabe Mai 2009
Ein Engel in Berlin

Von einer Begegnung der 3. Art mitten in Berlin berichtet Karl Gamper.

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Es ist noch gar nicht so lange her. Der Abend war früh und ich war nüchtern, stocknüchtern. Das musst du wissen, denn was ich erzähle, kann seltsam klingen. Möglicherweise…
Ich ging gedankenverloren durch den Berliner Tiergarten an diesem lauen Frühlingstag, da hörte ich in mir ein Ziehen. Es waren dunkle, lange, schleifende Töne, wie aus einem langen Horn, seltsam fremd und doch rhythmisch in ihren weiten Wellen. Ich schaute auf und sah – direkt vor mir – den Stein. Obwohl ich ihn schon öfter sah, diesmal erschien er mir fremd und vertraut, nah und geheimnisvoll einladend zugleich.


Am meisten verblüffte mich, wie normal mir das erschien.


So ging ich hin, zu diesem Stein, der wie ein bunter Felsen in bekannter Umgebung liegt und setze mich auf ihn. Sofort umhüllte mich jener Frieden, den ich aus langen Stunden der Meditation kannte. Etwas in mir dachte: Australien, Global Stone. Frieden. Dann dehnte sich dieses Gefühl und eine Weite … eine Stille übernahm mich. Ich verlor mich. Getragen von einer sanften Welle aus Liebe. Alles war gut. Alles ist gut. Alles ist, wie es ist. Ich bin Mensch gewordener Frieden auf diesem australischen Stein im Outback Berlins.
Wie lange ich da saß? Ich weiß es nicht. Es war jener zustandslose Zustand, dessen herausragendes Merkmal Einfachheit ist. Eine Schlichtheit, aus der das Einverständnis mit der Welt, dem Leben, dem Moment geboren wird. Etwas in mir war verloren und gleichzeitig umhüllte mich eine Wachheit, eine Klarheit, die ich so nicht kannte und die ich unaufgeregt genoss. Es musste nichts geschehen und alles konnte geschehen, denn alles war, wie es ist und ich bin einverstanden.
Einverstanden auch mit dem, was sich meinen Augen zeigte und was ich jetzt, Wochen später, als selten, doch als zutiefst nährend empfinde. Denn tatsächlich, ich wage es kaum zu sagen, sah ich einen Engel. Am meisten verblüffte mich, wie normal mir das erschien. Als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Ich lauschte in mich hinein und suchte nach Aufgeregtheit, nach dem Gefühl von Sensation, nach einem „Das gibt’s doch nicht“ - doch da war nichts außer diesem Einverstanden Sein mit dem, was ist. Und das war, neben der Natur, dem Stein, der eigenartigen Menschenleere an diesem oft begangenen Weg – dieser Engel.
„Du denkst zu viel über Geld nach, Felix,“ sprach mich der Engel unvermittelt und direkt an. „Zu viel!“ Das stimmt, dachte ich, denn ich arbeite als Bibliothekar und nütze jede freie Minute, um mich tiefer mit diesem Thema zu befassen, das nicht nur mich, sondern die gesamte Welt, alle Menschen zu beherrschen scheint. Gewiss, nicht in jenem Übermaß wie mich, der ich eine gewisse Besessenheit zu diesem Thema zu meinem eigenen Schrecken feststellen muss. Eine Art Sucht. Ein mentaler Zwang, der mein Gemüt beherrscht. Denn so wie andere Gier nach Geld haben, so habe ich ein gieriges Verlangen, den Geist des Geldes zu durchdringen, den Geist des Geldes verstehend zu beherrschen.
„Geld gibt es nicht, Felix, Geld gibt es nicht. Wenn du diese Information tief in dein Bewusstsein sinken lässt, dann erfährst du jene Befreiung, nach der du im Grunde suchst. Denn jenseits deines mentalen Drängens, hinter die Kulissen der Geldschöpfung schauen zu wollen – jenseits dieses permanenten Suchens, das letztlich die Gräben der Schuld, die Räume der Verschwörung, den Geist der Ignoranz vor der Gleichwertigkeit allen Lebens wach hält – jenseits von all dem begegnest du dir. Und wenn du das tiefer verstehst, dann erkennst du letztlich, dass dieses dein nie erlahmendes Suchen und Forschen dich selbst gefangen hält in einem Gitter aus Schuld, Verschwörung und krimineller Energie. Da du dich denkend stets in diese Räume begibst und meinst, du denkst über andere nach, übersiehst du, dass du in dir die Frequenz dieser Gedanken nährst. Dass du in dir einen Boden düngst und dein Gemüt füllst mit etwas, das dich weder fördert noch dein Herz befreit.“


Ich konnte lauschen. Spüren. Resonanzen aus meinem Inneren empfangen. Und ich konnte fühlen, wie ein großes Ja in mir erblühte.


Da ich alle Zeit der Welt hatte, eingehüllt in den Frieden auf meinem Stein, konnte ich das Echo dieser Worte in mir ausloten. Und da diese Worte absolut befreit von Druck oder Vorwurf gesprochen waren, gab es nichts in mir, gegen das ich mich wehren musste. Ich konnte lauschen. Spüren. Resonanzen aus meinem Inneren empfangen. Und ich konnte fühlen, wie ein großes Ja in mir erblühte. Ein Ja zu dem, was der Engel sagte.
Mein Engel lachte. Es war jenes wundervolle, innige, herzhafte Lachen, das aus dem Raum der Liebe kommt. Dieses Lachen verbindet. So ein Lachen geht immer mit Einsicht einher. Denn es ist das Lachen der Befreiung. Mein Engel wandte sich in göttlicher Zartheit mir zu. Ich konnte sein Mitgefühl und seine Liebe spüren. Und so waren seine Worte der Beginn meiner Erlösung.
„Spüre in erster Linie den Schmerz in dir. Erkenne, dass dieses Geldsystem dir hilft, dich aus deiner Angst, deinem Mangel, deinen Schuldzuweisungen, deinen Urteilen…. zu befreien. Sieh die gegenwärtige Krise als Chance für alle. Für alle, die – so wie du – im Prozess des Erwachens sind. Vermeide in diesem Stadium einen nach außen gerichteten Aktionismus. Das tun ohnehin andere. Du kannst dich anschließen oder auch nicht. Schau, was für dich stimmig ist. Doch heile dich zuerst selbst. Heile dich! Sieh das Geld als deinen Lehrmeister. Du weißt genau, es ist möglich, Angst fühlend zu erlösen. Du weißt genau, was du für dich tun musst, um die Räume der Angst, des Mangels, der Schuld… IN dir nicht mehr zu betreten. Du weißt, dass in den Gefilden der Freude und der Liebe Gnade wirkt. Nun ist die Zeit gekommen, dieses Wissen für dich – und zwar nur für dich – anzuwenden. Du bist dein eigener Patient! Die Heilung deiner Geldwunde – ist die Morgendämmerung einer neuen Wirtschaft.“

Karl Gamper ist Autor und lebt mit seiner Frau Jwala in Tirol/Österreich. Die „Heilung der Geldwunde“ und „Menschen erkennen einander als Menschen“ sind seine Kernanliegen.


weitere Infos: www.gamper.com


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