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Ausgabe Mai 2009
Ziele

- die Bausteine der Schöpfung

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Ein Themenbeitrag über persönliche Wünsche, die Macht des Willens oder Wollens und die „Arbeit mit Zielen“ im NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) von Christoph Mahr

Wenn Menschen mit ihrem Leben unzufrieden sind, leiden oder erkranken, dann liegt es häufig daran, dass sie keine wirklichen Ziele haben. Die Betonung liegt auf „wirklich“, womit gemeint ist, dass wir wirklich entschieden sind und ein Ziel mit Leidenschaft verfolgen. Keine Ziele zu haben, bedeutet in gewisser Weise keine Zukunft für sich zu sehen. Auf der bewussten Ebene mögen dies viele verneinen, doch bleibt hier zu berücksichtigen, dass die inneren Kommunikationswege komplexer sind als wir mit unserem Normalbewusstsein erfassen können.
Durch klare und eindeutige Ziele projizieren wir uns in die Zukunft hinein, wobei der Wunsch der Beginn dieses Prozesses ist. Der nächste Schritt heißt definitiv aktives Handeln, um das Ersehnte aus dem Raum der Fantasie in den Raum der relativen Wirklichkeit zu bringen. Ohne Handlung lässt sich nichts verändern, doch darum geht es ja gerade, das schöpferische Gestalten einer Zukunft, die ich sehnsüchtig für mich erhoffe.


Zu fühlen, was ich für mich wünsche, um es dann mit Entschiedenheit zu wollen, macht mich leidenschaftlich.


Die Seele als Bewahrer unserer Sehnsüchte ist bestrebt, ihre höchste gedankliche Vorstellung durch die Handlung zu verwirklichen. Dieser Drang zum Tun wird Leidenschaft genannt.
Herauszufinden, welches der uns ureigene Weg ist und um ihn dann auch zu gehen, ist die größte Herausforderung in dieser Existenz. Es ist unsere Aufgabe, egal ob wir leidend sind oder nicht. Ein Ziel bedeutet genau genommen nichts anderes, als auf eine selbstlose Art für sich selbst zu sorgen. Es ist die Bewegung auf das Ziel zu, die wichtig ist und die die Veränderung bringt. Das Streben nach Zielen verleiht dem Leben Sinn, nicht ihre Verwirklichung.


Es kommt nicht nur darauf an, was wir vom Leben zu erwarten haben, sondern auch darauf, was das Leben von uns erwartet.


Das Leben als ein ununterbrochener Lernprozess fordert uns auf, die Summe unserer Fähigkeiten und Veranlagungen einzusetzen, um das gegebene Leben aktiv und schöpferisch zu gestalten.
Indem wir uns Ziele setzen, bekunden wir unser Vertrauen in unsere Fähigkeit, Bedürfnisse durchzusetzen. Die Ziele zeigen, dass wir Eigenverantwortung für unser Leben übernehmen. Wir geben unseren Kräften eine Richtung, auf die wir uns dann konzentrieren können.


Ja, wir geben unserem Leben eine Richtung und damit auch
einen Sinn.


Unumgänglich bei jeder Zielsetzung ist, wie bereits erwähnt, die Entscheidung.
Sprachlich gesehen ist die Formulierung „Ich will“ die, die am deutlichsten zum Ausdruck bringt, dass wir uns wirklich entschieden haben. Dies sind die Zauberworte, die wir auf den innersten seelischen Ebenen verstehen, sie greifen ein in unsere tiefsten Strukturen und repräsentieren das, wovor so viele Menschen Angst haben: Die Angst vor der Endgültigkeit einer Entscheidung mit all ihren Konsequenzen und der Übernahme von Eigenverantwortung.
Es geht mir hier nicht um Sprachüblichkeiten, sondern um die innere Einstellung, die Verantwortung scheut. Formulierungen wie: „Ich werde versuchen“, „Ich möchte“ oder „Ich würde gerne“, „Eigentlich hätte ich gerne“ oder „Im Grunde genommen würde ich gerne“ öffnen schon die Hintertür, bevor überhaupt gehandelt wurde.
Diese Wortformationen legen Zeugnis ab, dass man allenfalls mit einer Entscheidung flirtet. Es handelt sich um raffinierte Wege, sich selbst auszutricksen, mit der Absicht, der Verantwortung für eine wirkliche Entscheidung, die Opfer und Verzicht mit einschließt, zu entgehen. Eine Vorabentschuldigung fürs Scheitern. Sie zeigt an, dass es jemand nicht in seiner Macht hat und erbittet gleich mildernde Umstände fürs Scheitern.


Die Grenze zwischen Illusion und Hoffnung ist schmal.


Während sich die Illusion der Ausschließlichkeit im Sinne von
„Ich werde …“ bedient, schließt die Hoffnung in Form von „Ich will …“ den unerwünschten Verlauf mit ein. Aber das, was wir brauchen, ist gerade die Hoffnung und keine Illusionen. Lassen wir andere die Luftschlösser bauen und entscheiden wir uns für die Hoffnung, denn sie ist die Gewissheit, dass etwas einen Sinn macht.

Christoph Mahr: Gründer und Leiter des Instituts Christoph Mahr und von NLP & Hypnose in Berlin.
Als NLP-Lehrtrainer (DVNLP) und Trainer für Erickson‘sche Hypnotherapie hat er seit 1998 rund 40 NLP- und Hypnoseausbildungen durchgeführt. Des Weiteren ist er Dozent für den Fachbereich Psychiatrie und Psychotherapie im Rahmen der Vorbereitung auf die Heilpraktikererlaubnis Psychotherapie.


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