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Ausgabe April 2009
Sich über den Körper begegnen

Ein Themenbeitrag von Karin Klepsch über die Somato-Psychopädagogik, eine neue Form der Körperarbeit nach Danis Bois

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Die Somato-Psychopädagogik nach der Methode Danis Bois (MDB) ist bislang in Deutschland noch recht unbekannt. Es handelt sich um eine außergewöhnliche Form der Selbstannäherung über den Körper, die sich mit den bereits existierenden Formen der Körpertherapie oder Körperpädagogik weder vergleichen noch erklären lässt.
Die Entstehung und Entwicklung der Somato-Psychopädagogik ist untrennbar mit dem Leben ihres Begründers Prof. Dr. Danis Bois verbunden. Der heute 60-jährige Franzose Danis Bois hat nach Beendigung seiner Fußballer-Karriere seine ersten Erfahrungen mit dem Innersten im Körper als Osteopath gemacht. Während seiner Tätigkeit als manueller Therapeut hat er sich intensiv der Erforschung der körpereigenen Regulationskräfte, deren Entdeckung den Begründern der Osteopathie Still und Sutherland zu verdanken ist, gewidmet.
Über die intensive Wahrnehmung einer sehr langsamen - alle Lebensfunktionen beeinflussenden - inneren Bewegung gewann Danis Bois ein vertieftes Verständnis der eigentlichen Zusammenhänge zwischen dem menschlichen Körper und der menschlichen Psyche. Er erkannte zunehmend, dass diese innere Bewegung nicht nur eine Regulationskraft der Organe, sondern auch eine Regulationskraft der Denk- und Verhaltensschemen ist. Für Danis Bois war damit der menschliche Körper nicht mehr nur eine - wenn auch intelligente - gelenkige Struktur, sondern ein lebendiger, bewohnbarer und sinnlicher Körper, der mit einem individuellen Existenzgefühl und biographischen Gedächtnis versehen ist.
Danis Bois befasste sich in der Folge intensiv mit grundlegenden philosophischen, psychologischen und spirituellen Fragen des Lebens, deren Erkenntnisse er in seine therapeutische Praxis und Forschung einfließen ließ. Die Methode ist bereits an verschiedenen Universitäten erforscht und gelehrt worden, wie der Universität in Rimouski (Kanada), der Modernen Universität in Lissabon und der Universität Witten/Herdecke. Heute wird die Methode in Europa an der Universität Fernando Pessoa in Porto gelehrt und in Anbindung an diese Universität in Europa unterrichtet.
Danis Bois ging vor allem der Frage nach, wie den Menschen über spezifische körpervermittelte Erfahrungen ein Zugang zu dieser inneren Bewegung und damit zu ihrer ureigensten Lebensquelle ermöglicht werden kann. Er entwickelte ein höchst überzeugendes und relativ leicht zu erlernendes Therapiekonzept, das das bewusste Wahrnehmen und sinnliche Erleben der inneren Bewegung ermöglicht, wodurch in einem tiefgreifenden Prozess die Selbstheilungskräfte aktiviert werden. Der hierdurch ausgelöste bzw. unterstützte innere Transformationsprozess vermag selbst schwerste chronische Krankheiten zu heilen und schützt den Menschen präventiv vor der Entstehung von Krankheiten.
Die Somato-Psychopädagogik ist weder eine manuelle Therapie, noch eine Psychotherapie; sie ist aber auch keine Pädagogik; sie ist all dies zusammen.
Die Werkzeuge der Somato-Psychopädagogik lassen sich im Wesentlichen wie folgt beschreiben.

Die Berührung
Es handelt sich um eine sanfte und zugleich kraftvolle, sehr respektvolle und nicht manipulative Berührung, die den Patienten begleitet und ihn einlädt und auffordert, in die Tiefe zu gehen. Der Therapeut entwickelt durch eine Sensibilisierung seiner eigenen inneren Bewegung eine bestimmte Qualität des Zuhörens und der Wahrnehmung, die es ihm ermöglicht, der inneren Bewegung des Patienten Raum zur freien Entfaltung zu geben. Im sog. Stützpunkt - einem Haltepunkt, den der Therapeut im Einklang mit den erspürten Bedürfnissen des Patienten setzt - wird die Fähigkeit des Körpers mobilisiert, neue Antworten zu finden. Das ist der Moment, in dem die wieder gefundene Vitalität sich neu ordnet und eine verdichtete, verspannte und blockierte Stelle befreit. In ihrer sinnlichen Dimension wendet sich diese Berührung an das Innerste des Patienten, der sich dadurch in seinem individuellen Existenzgefühl verstanden fühlt und neu wahrnimmt.

Die gestische Bewegung
Hierbei geht es darum, die gefühlte innere Bewegung äußerlich sichtbar auszudrücken. Der Patient entdeckt und erfährt die praktische Verbindung zwischen der inneren Bewegung und seinen Handlungen im Alltag. Das hierdurch neu entwickelte Körperbewusstsein unterstützt den Patienten darin, in seinem Leben hinderliche Bewegungs-, Gedanken- und Verhaltensmuster zu überwinden, sein inneres Wesen zu erkennen, ein neues inneres Freiheitsgefühl zu gewinnen und durch Entfaltung des eigenen Potenzials ein selbstbestimmtes eigenverantwortliches Leben zu führen.
In Abgrenzung zu anderen Formen der Körpertherapie besteht hier das Besondere in den sogenannten kodifizierten Bewegungen. Diese bringen die Bewegtheit in der Tiefe des Gewebes äußerlich zum Ausdruck und geben ihr eine sichtbare Form. Durch das Ausführen dieser kodifizierten Bewegungen kann der Patient wieder Zugang zu seiner Tiefe finden. Darüber hinaus lernt der Patient durch diese kleinen Choreographien, sich in seiner ureigensten Körpersprache auszudrücken mit dem Ziel, später in einer nur ihm gehörenden, völlig freien Bewegung sein Innerstes nach außen zu bringen und mit diesem Zwiesprache zu halten.

Die Pädagogik
Ist nach der manuellen Behandlung und/oder der gestischen Arbeit die somato-psychische Einheit wieder hergestellt, kann ein Gespräch stattfinden, in dem mit hohem Einfühlungsvermögen die neuen körpervermittelten Erfahrungen herausgearbeitet und ein Sinn für das Leben des Patienten abgeleitet werden. Der Patient wird hierdurch in seinem persönlichen Selbsterkenntnis- und Transformationsprozess nachhaltig unterstützt.
Die in zahlreichen Ländern (z.B. Frankreich, Kanada, USA, Schweiz, Belgien, Griechenland, Portugal, Dänemark, Brasilien) gelehrte und praktizierte Methode Danis Bois erfreut sich wegen der konsequenten ganzheitlichen Verbindung von Körper und Psyche und beachtlicher Behandlungserfolge bei ansonsten schwer therapierbaren Erkrankungen (z.B. Magersucht) wachsender Beliebtheit. Sie verdient großen Respekt, da sie sich vor allem als Hilfe zur Selbsthilfe versteht, nicht manipulativ ist und das Leben in seiner Ganzheit und Einzigartigkeit erfasst und erfahrbar macht. Sie ist deshalb weit mehr als eine Heilmethode. Durch einen völlig neuen Zugang zu sich selbst gelingt es, mehr im Einklang mit dem eigenen Körper und damit im Einklang mit sich selbst zu leben.
Karin Klepsch: Die Autorin ist Heilpraktikerin und Somato-Psychopädagogin und hat das Buch von Danis Bois, das Erneuerte Ich, ins Deutsche übersetzt. Als ehemalige Balletttänzerin und langjährige Yoga-Übende hat sie in der Methode Danis Bois die Möglichkeit einer allumfassenden Begleitung der Person gefunden.

Buchtipp: Danis Bois, Das erneuerte Ich - Einführung in die Somato-Psychopädagogik, 224 Seiten, 15,80 Euro, Leutner Verlag Berlin

Nähere Informationen zur Methode unter www.methodedanisbois.de
www.mdb-workshop.de


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