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Ausgabe März 2009
Neue Flügel für die Liebe

Ein Plädoyer von Bettina Wessolowski und Dr. Jürgen Höhn für das Wagnis eines zweiten Frühling

art290319
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Wirklich nur dem Anfang? Oberflächlich betrachtet mag es wie das Versiegen der Liebe mit der Zeit aussehen. Doch es ist oft die Konsequenz früherer tiefer Verbundenheit. Wir sind uns inzwischen so wichtig geworden, dass sich tief unter der Oberfläche eine Angst vor dem Scheitern der Beziehung breit macht – und diese Angst lähmt. Sie betäubt die Erotik und blockiert die individuelle Weiterentwicklung von beiden Partnern.

Wie war das denn ganz am Anfang, zu Beginn unserer Partnerschaft? Da sind sich doch zwei Menschen begegnet, die eine jeweils eigene Lebensgeschichte hatten, und unsere Vertrautheit entstand dann aus der Wahrnehmung unserer Ähnlichkeit, die prickelnde Erotik aus der Wahrnehmung unserer Verschiedenheit.

Nach einigen gemeinsamen Jahren als Paar sind nun die Bereiche unserer Verschiedenheit geringer geworden. Wir haben das Gemeinsame stärker betont, haben uns in einen Zustand „emotionaler Verschmelzung“ hineinbewegt. Wer traut sich, das zu riskieren?

So spricht die Angst. Jede Veränderung scheint unsere brüchige Beziehung zu bedrohen. Doch die Angst ist ein schlechter Ratgeber! Sie provoziert den Kampf um das richtige Maß von Nähe und Distanz: Vorwürfe werden laut, die an der Substanz der Beziehung nagen.

Was wir brauchen, ist die Kraft für einen Neuanfang. Einen Neuanfang, der getragen ist von dem Mut, neue Wege auszuprobieren und der Zuversicht, dass diese Wege sich lohnen, dass wir eine Strategie finden zur Überwindung der Stagnation, dass wir voranschreiten in eine neue Wachstumsphase.

Es geht darum, uns wieder neu zu positionieren im Spannungsfeld zwischen den beiden Polen „Individuation und Zugehörigkeit“. Individuation bedeutet, mich auf den Weg zu machen, um ganz der absolut einmalige Mensch zu werden, der in meinen Potentialen angelegt ist und auf seine Verwirklichung wartet – also ganz anders zu sein als alle anderen! Eben einmalig!

Zugehörigkeit hingegen bedeutet Verbundenheit mit denen, die mir gleichen, wo das wortlose Verstehen möglich ist. Bin ich sehr in der Verbundenheit mit anderen, scheint der Preis dafür meine Individualität zu sein. Widme ich mich aber ganz meiner persönlichen Entwicklung, so befürchte ich, aus der Verbundenheit zu fallen. Hier braucht es unsere Pendelbewegung – zwischen dem luftigen Seiltanz der Individuation und der Sicherheit des Nesthockens.

Oft sind es die Entbehrungen unserer frühen Kindheit, die uns später im sicheren Nest festhalten. Die Angst, dieses Nest wieder zu verlieren, verleitet uns immer mehr dazu, Konflikte zu vertuschen, eigene Bedürfnisse zu vernachlässigen und uns zunehmend weiter anzupassen. Aus diesem Verrat an uns selbst entsteht ein Groll, den wir dann auf unsere Partner richten, weil diese irgendwie nicht „richtig“ sind. Wo ich selber doch so viel für die Beziehung geopfert habe, da könnte/sollte/müsste der/die Andere doch auch ...!

Hallo Falle! Wenn es erst mal so weit ist, dass die Unzufriedenheit und die Vorwürfe regieren, dann ist es höchste Zeit für eine Kehrtwende – für Maßnahmen, die die Herzen wieder öffnen. Für frischen Wind in der Partnerschaft. Für „Neue Flügel für die Liebe!

www.partnerschafts-training.de


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