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Ausgabe März 2008
Cistus incanus

Multitalent unter den Heilpflanzen

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Cistus incanus, die graubehaarte Zistrose, ist ein immergrüner reichverzweigter Strauch mit einer Höhe von 0,5 -1m. Er kommt vor allem auf felsigen und trockenen Standorten an den Küsten Südeuropas vor und breitet sich großflächig aus. Die Pflanze ist ein wahrer Überlebenskünstler und besitzt eine hohe ökologische Bedeutung für die entsprechenden Gebiete. In den Bereichen der Macchien (Hartlaubvegetationszone) kommt es aufgrund von Hitze und Trockenheit häufig zu Waldbränden. Durch das feuerfeste Wurzelwerk gehört Cistus incanus hiernach zu den Erstbesiedlern und sorgt für eine schnelle Verjüngung der Pflanzenwelt. 1999 wurde die griechische Pflanze, die fest in der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) verankert ist, von der wissenschaftlichen Verreinigung Herba Historica zur „Pflanze Europas“ gekürt.

Eine Pflanze mit Geschichte
Die Verwendung von Cistus incanus L. lässt sich bis ins 4. Jh. v. Chr. zurückverfolgen. Seit dieser Zeit findet Cistus incanus als Haus- und Genusstee Verwendung und wird als Therapeutikum eingesetzt. Schon damals wurde der Pflanzenextrakt zur Wundheilung und bei Körperwaschungen vor allem bei Wöchnerinnen verwendet. In der traditionellen Anwendung wurden gekochte Pflanzenextrakte bei lokalen bakteriellen Infektionen sowie als Infektionsprophylaxe in Form von Waschungen und Breiumschlägen verwendet. Außerdem sollten sie den Juckreiz bei Hämorrhoiden und Allergien mildern. In Form von mühevoll gewonnenem Harz – sogenanntes Ladanum – brachten die Menschen die Pflanze nach Ägypten und in den Sudan. Das Harz ist auch heute noch als wichtiger Bestandteil des Weihrauchs in christlichen Kirchen bekannt.

Cystus
Cistus ist mit seinen zahlreichen Spezies und Unterarten in seiner Form- und Gestaltvielfalt fast unübertroffen. Bei der Unterscheidung der Unterarten kommt es vor allem auf die Zusammensetzung und Menge der sekundären Pflanzenstoffe wie z.B. der Polyphenole an. Extrakte aus besonders aromatischen Varietäten werden unter dem Namen „Cystus“ zusammengefasst. Dem Extrakt wird aufgrund seiner ganz speziellen Polyphenolzusammensetzung eine stark antivirale Wirkung zugeschrieben. Insgesamt übertrifft die Vielfalt und Menge der Cystus-Polyphenole bei weitem den Gehalt im Rotwein, in Zwiebeln und Heidelbeeren.

Äußerliche Anwendung
Bei der äußerlichen Anwendung hat sich der Cystus-Extrakt bei Neurodermitis als hilfreich erwiesen. Auch kleine Fältchen, die das Alter verraten, können über Nacht verschwinden und bei kleine Läsionen der Haut oder Schleimhaut kann man nach Auftragen der Salbe mit schnellerem Abheilen rechnen. Gleiches gilt für die Anwendung im Mund- und Rachenraum. Nicht nur bei der Aphten-Therapie, sondern auch bei der Behandlung von Mandelentzündung werden der Heilpflanze positive Wirkungen zugeschrieben.
Von besonderer Bedeutung ist die starke antivirale Wirkung. Wissenschaftler am Friedrich-Loeffler-Institut in Tübingen fanden heraus, dass durch bestimmte Cistus-Präparate Vogelgrippe-, menschliche Influenza- und die Schnupfenviren Rhino-Viren gehemmt werden. Durch den Kontakt mit dem speziellen Extrakt kommt es zu einer physikalischen Bindung und Inaktivierung der pathogenen Keime. Die Viren werden so am Eindringen in die Körperzellen gehindert und eine grundsätzliche Infektion des Körpers kann vermieden werden. Eine entsprechende Anwendungsmöglichkeit als Prophylaktikum während einer Grippe-Pandemie und für infektionsgefährdete Personen wird von den Forschern durch ihre zahlreichen Untersuchungen bestätigt.

Innerliche Anwendung
Bei der innerlichen Anwendung stehen die schwermetallbindenden und ausleitenden Wirkungen der speziellen Cystus-Polyphenole im Vordergrund. Im Magen-Darm-Trakt soll der Pflanzenextrakt aufgenommene Schwermetalle bzw. Eiweißverbindungen binden. Diese dann auf natürlichem Wege ausgeschieden. Eine kontinuierliche Anwendung eignet sich besonders bei ernährungs-, berufs- oder amalgambedingter Schwermetallbelastung.



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