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Ausgabe März 2008
Ernährungskonzepte

Ernährung ist ein zentrales Thema in unserem Leben, denn wir brauchen sie zum Überleben und um gesund zu bleiben. Ernährungskonzepte gibt es sehr unterschiedliche, die sich zum Teil auch widersprechen.

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Fangen wir bei Adam und Eva an, in der Zeit, in der es noch kein Feuer unter den Kochtöpfen gab. Wie alle Lebewesen auf der Erde ernährte sich auch der Mensch von roher Nahrung. Zu dieser Zeit gab es noch keine Pizza, Geschnetzeltes und noch nicht einmal Brot, denn ungekochtes Getreide ist nicht wirklich schmackhaft. Es ist interessant, ein heutiges Lebensmittelgeschäft mit den Augen von Adam und Eva zu betreten.

Rohkost – Genuss pur
Bei der instinktiven Rohkosternährung werden alle denaturierten Nahrungsmittel ausgeschlossen und ihre Befürworter haben sich ganz dem Genuss verschrieben. Sie wurde von dem Franzosen Guy Claude Burger entwickelt und seine persönliche Geschichte liest sich sehr unterhaltsam in seinem Buch „die Rohkosttherapie“. Von der Schulmedizin aufgegeben, hat er vor 30 Jahren einen Krebs mit Rohkost überwunden. Seit einigen Jahren lebt er mit seiner Frau und sechs inzwischen erwachsenen Kindern auf einem Chateau und verbreitet seine Idee. Die „Instinktos“ verlassen sich auf ihren Geruchssinn und entscheiden sich erst für ein Lebensmittel, wenn es angenehm riecht, denn nur so ist gewährleistet, dass es der Körper braucht. Wichtig ist natürlich, dass die Nahrung in einem ursprünglichen, unbehandelten Zustand ist: ungespritzt und ungekocht, wobei durchaus auch rohes Fleisch auf der Rohkosttafel steht. Der Instinkt erlaubt jedem einzelnen, seine Nahrungszufuhr entsprechend den wahren Bedürfnissen seines Körpers zu steuern. Deshalb ist es eine Antidiätkur schlechthin. Bei ihr beruht alles auf Genuss und nicht auf der Einhaltung irgendwelcher mehr oder weniger frustrierender Vorschriften. Es gibt einen Versand (www.orkos.com), der sich auf Rohkost spezialisiert hat, und in der Nähe von Paris steht das Schloss Chateau Montramé, wo man diese Möglichkeit der Ernährung im Urlaub testen kann (www.chateau-de-montrame.com).
Buchtipp: Guy Claude Burger: Die Rohkosttherapie, Heyne

Vegetarier, Veganer und Basenfasten
Eine der bekanntesten besonderen Ernährungsformen ist die vegetarische. Hier wird auf Fleisch- und Wurstwaren verzichtet, während Fisch entweder in Maßen oder auch gar nicht auf den Tisch kommt – die Grenzen sind individuell und fließend. Zum Speiseplan gehören allerdings verarbeitete tierische Produkte wie Milch, Quark, Butter und auch Eier. Diejenigen, die komplett auf tierische Lebensmittel verzichten, nennen sich Veganer.
Als Diätform ist das Basenfasten ein Begriff: Hier wird über einen begrenzten Zeitraum von z.B. 10 Tagen auf säurebildende Produkte wie Zucker, Weizen und tierisches Eiweiß verzichtet. Erlaubt ist natürlich Obst und Gemüse roh oder gekocht, Dinkelprodukte, Kartoffeln und Tofu, so dass man durchaus drei sättigende und auch wohlschmeckende Mahlzeiten auf den Tisch zaubern kann.
Buchtipp: Sabine Wacker/Dr. med. Andreas Wacker: Gesundheitserlebnis Basenfasten oder Basenfasten plus, Haug Verlag
Trennkost
In den 90er Jahren ist die Trennkost mit dem Konzept „Fit for Life“ des Ehepaars Diamond bekannt und beliebt geworden. Sie basiert auf zwei Pfeilern: Zum einen werden die natürlichen Körperzyklen für Aufnahme, Ausnutzung und Ausscheidung von Nahrungsmitteln berücksichtigt und zum anderen wird die gleichzeitige Aufnahme von eiweißhaltigen und stärkehaltigen Lebensmitteln vermieden. Die Diamonds gehen davon aus, dass die beste Zeit für die Nahrungsaufnahme 12 bis 20 Uhr ist. Die Verdauungs- und Resorptionssphase findet zwischen 20 und 4 Uhr statt – deshalb besser keine Mitternachtsgelage. Und da die Zeit für die Ausscheidung von Schlacken und Nahrungsresten zwischen 4 und 12 Uhr liegt, sollte man in der Zeit den Körper nicht mit reichhaltigen Frühstückbuffets belasten. Hält man sich nicht daran, kann der Körper seine Schlacken nicht loswerden und lagert sie in Arterien und Gelenken ab. Für die optimale Aufrechterhaltung des menschlichen Organismus sind sowohl die Nahrungsaufnahme als auch die Ausscheidung von Nahrungsrückständen und Schlackenstoffen gleichwertig lebensnotwendig. Der zweite Grundsatz basiert auf der Entdeckung, dass bestimmte Nahrungszusammenstellungen leichter verdaut und besser ausgewertet werden können als andere. Für die Verdauung von Eiweiß ist eine Säurelösung und für die Verdauung von Stärke eine alkalische Lösung notwendig. Säure und alkalische Lösungen neutralisieren sich gegenseitig. Verdauung hat für den Körper absolute Priorität, d.h. er verbraucht sehr viel Energie, um bei dem gleichzeitigen Verzehr von eiweißhaltigen und stärkehaltigen Lebensmitteln immer neue Verdauungssäfte bereitzustellen. Durch die zwangsläufig lange Aufenthaltsdauer im Magen hat sich das Eiweiß durch Fäulnis zersetzt und Teile der Kohlenhydrate sind in Gärung übergegangen. In diesem Zustand sind die Nährstoffe für den Körper nicht nur unbrauchbar, sondern erzeugen auch giftige Säuren. Auch die Kombination von zwei verschiedenen Eiweißarten sollte vermieden werden, weil ihre Zusammensetzungen so verschieden und kompliziert sind, dass eine notwendige Anpassung der Verdauungssäfte nicht möglich ist. Stärke ist leichter als Eiweiß abzubauen und kann untereinander kombiniert werden.
Buchtipp: Diamonds: Fit for life, Goldmann

5-Elemente-Ernährung
Der Trennkosttheorie widerspricht die 5-Elemente-Ernährung aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, denn dort läuft die Organuhr anders. Nach der klassischen Lehre der Akupunktur beginnt die Organuhr morgens um drei Uhr. Von 7 bis 9 läuft die Verdauung auf Hochtouren, daher der Spruch: „Iss morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein Edelmann und abends wie ein Bettler“. Gegen 13 bis 15 Uhr wird Blut für die Verdauung benötigt, so dass man keinen Sport treiben sollte, sondern lieber die Mittagspause einhalten. Von 19 bis 21 Uhr befindet sich der Magen in seiner Tiefphase. Deshalb sollte man nach 19 Uhr nur sehr leicht verdauliche Speisen zu sich nehmen, ansonsten entstehen Fäulnis und Gärstoffe. Besonders abzuraten ist von Rohkost, da sich über Nacht sogenannte Fuselalkohole bilden, die die Leber auf Dauer stark schädigen. Zwischen 20 und 21 Uhr ist die Phase der Erholung und Entspannung der Hauptorgane. Ab 21 Uhr gehen die Verdauungsorgane in die Erholungsphase über. Der Schwerpunkt der Ernährung liegt hier auf den fünf Geschmacksrichtungen, die den fünf Elementen zugeordnet werden: sauer-Holz, bitter-Feuer, süß-Erde, scharf-Metall, salzig-Wasser. Wichtig ist, dass in jeder Mahlzeit alle fünf Geschmacksrichtungen vorhanden sind, denn erst dann wird der Körper mit allem versorgt. Außerdem wird auf das Temperaturverhalten einer Speise – wärmend, neutral, kühlend – geachtet und auch die Farbe und die Konsistenz der Nahrung spielt eine Rolle. Bei der Auswahl der Nahrungsmittel werden der Gesundheitszustand, die Lebensumstände und die Gewohnheiten eines jeden Einzelnen berücksichtigt. Pauschale Ernährungsempfehlungen werden hier nicht gegeben.
Die Bausteine der Nahrung, die uns vor allem satt machen und nähren, sind Fette, Eiweiße und vollwertige Kohlehydrate, die überwiegend dem Erdelement zugehörig sind. Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte sind sehr nährend, weil sie reichlich Eiweiß enthalten. Sie sind jedoch relativ schwer verdaulich, weswegen sie mit Zutaten aus den vier anderen Geschmacksrichtungen kombiniert werden: frische grüne Kräuter, Zitronensaft und Essig entsprechen beispielsweise dem Holzelement. Bittere Gewürze und Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Kurkuma und Rosenpaprika gehören zum Feuerelement, das für die Fettverdauung zuständig ist. Kennzeichnend für das Metallelement sind scharfe Gewürze wie frischer Ingwer, Pfeffer, Meerrettich, Kardamom, Koriander, Nelke oder Kümmel, die den gesamten Stoffwechsel auf Trab bringen. Zum Wasserelement zählen Nahrungsmittel, die reich an Mineralien sind und einen hohen Gehalt an natürlichem Meersalz besitzen.
Buchtipp: Angelika Gräfin Wolffskeel von Reichenberg: Deine Nahrung sei dein Heilmittel, Mankau Verlag

Ayurvedische Ernährung
Eine reine Typenernährung ist die ayurvedische Variante. Hier spielen die grundlegenden Funktionsprinzipien der drei Doshas eine zentrale Rolle. Sie bilden das Herzstück des Ayurveda und stellen auch die Basis für die richtige Ernährung dar. Ayurveda geht davon aus, dass der Mensch von drei Energien gesteuert wird: Vata, Pitta und Kapha. Vata reguliert Bewegung, Atem und Kreislauf, Pitta Stoffwechsel und Verdauung, Kapha die Stabilität und Abwehrkraft. Jeder Mensch verfügt über eine individuelle Mischung dieser Bioenergien oder Doshas. Die Doshas setzen sich aus den fünf Elementen – Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde – zusammen und aus ihnen sind nicht nur die Natur, sondern auch alle Lebewesen hervorgegangen. Aus den fünf Elementen lässt sich ableiten, welche Eigenschaften ein Dosha besitzt: Vata beinhaltet das Element Luft, Kapha hat eine Beziehung zu Erde und Wasser, während Pitta Feuer und Wasser entspricht. Obwohl jeder Mensch alle drei Doshas besitzt, herrscht immer eines vor. Um körperliche Gesundheit zu erhalten oder herzustellen, sollte man ein Gleichgewicht über die Ernährung herstellen.
Buchtipp: Christian Salvesen/Doris Iding: Ayurveda hautnah, O.W. Barth
Blutgruppen
Eine noch relativ neue Form ist die Ernährung nach den Blutgruppen, die der amerikanische Naturheilmediziner Dr. Adamo entwickelt hat. Demnach sind Menschen mit der Blutgruppe 0 die ältesten Bewohner der Erde und waren damals als Jäger und Sammler unterwegs. Folglich vertragen sie am besten Rohkost und Fleisch, aber keine Milchprodukte und Getreide. Das wiederum ist die ideale Kost für die Blutgruppe A, die in der Jungsteinzeit entstand, als die Menschen sesshaft wurden und Getreide anbauten. Blutgruppe B ist die jüngste und entstand vor ca. 1200 Jahren. Sie verträgt die Mischkost mit Milchprodukten am besten. Blutgruppe AB bevorzugt Mischkost mit wenig Fleisch und auch Milchprodukten.
Buchtipp: Peter J. D’Adamo: 4 Blutgruppen – Vier Strategien für ein gesundes Leben, Piper

Hildegard von Bingen
Schließen wir den Kreis mit denjenigen, die der Meinung sind, dass rohe Lebensmittel schwer bis gar nicht verdaulich sind und nur Gekochtes die Gesundheit des Menschen gewährleistet.
Die Benediktinerin Hildegard von Bingen lebte Anfang des 12. Jahrhunderts und entwickelte u.a. eine Ernährungslehre, die den Dinkel als wichtigstes Nahrungsmittel in den Mittelpunkt stellt, denn er übertrifft an Vitaminen, Aminosäuren und Spurenelementen jede andere Getreidesorte.
Er kann in verschiedenen Formen, z.B. als Brot, Brei, Suppe oder Kaffee zu sich genommen werden. Ebenso wichtig sind verschiedene Gemüsesorten, allerdings immer gedünstet, nie als Rohkost. Typische Sorten sind beispielsweise Fenchel, Edelkastanien, Sellerie, Bohnen und Möhren.
Fleisch wird mäßig und je nach Jahreszeit genossen. Schweinefleisch ist tabu. Fisch ist dagegen immer empfehlenswert. Hildegard bereicherte die Gewürzküche um viele Kräuter, denen Heilkräfte nachgesagt wurden.
Eine Gewürzmischung für eine Entschlackungskur im Frühjahr ist die Bärwurzmischung, die man in der Apotheke beziehen kann. Universalmittel sind Bertram und Galgant, das vor allem profilaktisch zur Stärkung des Herzens eingesetzt wird. (www.hildegard.de)
Buchtipp: Hildegard von Bingen: Dinkelkochbuch, Christiana Verlag

Fazit
Jeder Mensch ist ein Individuum – sowohl charakterlich als auch auf der körperlichen Ebene. Wir können also sagen, dass es zum Glück so viele Ernährungsmodelle gibt, denn so kann sich jeder das heraussuchen, was ihn persönlich am meisten anspricht.

Die Verdauung
Da der Mensch ein Allesfresser ist, hat die Natur ein raffiniertes Netzwerk der Verdauung aufgebaut. Die menschliche Verdauung beginnt im Mund: mit Hilfe von Enzymen (kompliziert aufgebaute Eiweißkörper) werden die Riesenmoleküle, aus denen die Lebensmittel aufgebaut sind, an ganz bestimmten Stellen gespalten. Dabei werden Mineralstoffe freigesetzt, die für den Körper unersetzlich sind. Weiterhin weist die Mundhöhle eine reichhaltige Bakterienflora auf, die in ihrer natürlichen Zusammensetzung für die Abwehr von Mikroben sorgt, die dem Menschen nicht nützlich sind.
Im Magen wird mit Hilfe anderer Enzyme eiweißhaltige Nahrung aufgespalten. Andere Nährstoffe werden im Magen nicht bearbeitet.
Im Dünndarm werden mit wieder anderen Enzymen Kohlehydrate, Fette und Eiweiße zerlegt, deren Ein-zelteile danach von der Darmschleimhaut aufgenommen werden können. Hier kommt es zur eigentlichen Nahrungs-„Aufnahme“, der Resorption: Die zerlegten Nährstoffe gelangen über den Blutkreislauf in die Leber, wo der „Stoffwechsel“ stattfindet. Die Bakterienflora im Darm scheint ein hochkompliziertes Gebilde mit vielen „Mitbewohnern“ zu sein, über das es noch wenig Erkenntnisse gibt. Sie ist u. a.wichtig, weil dort bestimmte Darmbakterien für den Menschen lebensnotwendige Vitamine produzieren. Wieder andere Bakterien hemmen die Vermehrung fremder, krankmachender Bakterien und schädlicher Darmpilze.
Der Dickdarm ist hauptsächlich für die Vorbereitung zur Ausscheidung nicht verwertbarer Stoffe zuständig: Dem Nahrungsbrei wird Wasser entzogen und unverdauliche Fasern werden zerlegt. Hormone und andere Botenstoffe werden zu großen Teilen produziert. Billionen von Mikroorganismen synthetisieren dort außerdem K- und B-Vitamine. Hier siedeln weitere Bakterien, die für uns lebenswichtig sind. Ein Beispiel sind die Kolibakterien, die die Bindung von Ammoniak übernehmen, welches als Stoffwechselabfallprodukt von Eiweißen anfällt. Ammoniak ist für den menschlichen Organismus ein Gift, welches er in der ungebundenen Form nicht ausscheiden kann. Erst durch die Bindung an die Kolibakterien wird die Ausscheidung ermöglicht. Ein weiterer Aufgabenbereich der Kolibakterien ist die Produktion von Vitamin K, welches zur Blutgerinnung notwendig ist.
In der Leber findet der Stoffwechsel statt: Kohlehydrate werden je nach Bedarf zu Glukose (Blutzucker) oder Glukagon (Speicherzucker) verwandelt und Fette werden zu Fettsäuren verarbeitet. Aus den Aminosäuren, die im Darm aufgespalten wurden, wird hier das körpereigene Eiweiß aufgebaut, das bei jedem Menschen eine andere Struktur hat. Von der Leber aus werden sämtliche Organe des gesamten Körpers über den Blutkreislauf mit den aufgeschlüsselten und verwertbar gemachten Nährstoffen versorgt.


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