aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Juni 2003
Initiation in der Mondhütte

Oft reduziert sich das Ritual, eine Frau zu werden, auf die Überreichung einer Packung Tampons. Dass Mütter und Töchter diesen Schritt auch zeremonieller begehen können, beschreibt die Leiterin des Wuivenkraft-Instituts, Antje Uffmann.

art23474
Zickenzeit - wenn Müttern und Töchtern Hörner wachsen......brauchen beide Unterstützung, Spaß und Entspannung. Es ist die Zeit, in der wir zu Frauen werden - hier prägt sich unser Selbstvertrauen, unser Körpergefühl und wie die künftige Beziehung von Mutter und Tochter sein wird. Hier stellen wir die Weichen ganz existentieller weiblicher Entwicklung: wie wir uns als Frauen fühlen werden, mit unserer Menstruation, unserer Sexualität und unserem Körper.

Gemeinsam Frausein feiern
Mit uns ist eine Generation von Müttern in der Welt, die sich für ihre Töchter eine liebevolle und schöne Einführung in das Frau-Sein wünscht. Manche Mütter geben ihren Töchtern kleine Geschenke zum Tag der ersten Menstruation, feiern diese neue Lebensphase mit einem besonderen Essen oder Ritual. Doch wir empfinden dabei verständlicherweise auch Unsicherheit, Einsamkeit und einen Rest ererbter Verlegenheit. Unser Problem ist, dass wir als erste Generation wieder beginnen, etwas elementar Wichtiges zu geben, was wir jedoch nicht bekommen haben. Deshalb macht es tiefen Sinn, wenn Mütter und Töchter sich in Gruppen zusammenfinden, um diesen Übergang im Leben beider Frauen bewusst zu feiern. Verankert im Kreis der Frauen können beide, Mutter und Tochter, Bestärkung erfahren, um eine Einweihung in die weiblichen Geheimnisse und Kräfte gemeinsam zu erleben. Anregungen und Kommunikationshilfen für den Alltag zu Hause, Begegnung, Vergnügen, Tanz und Entspannung gehören zum Basiswerkzeug unseres Seminars.

Die Mondhütten-Tradition
Als berührendes Einweihungsritual in der Natur verwenden wir eine indianische Mondhütte. Das niedrige Rundhaus, aus Ruten geflochten und mit roten Decken verhüllt, stand den amerikanischen Ureinwohnerinnen während der Menstruation offen - als Ort, an dem sie nach innen spüren und entspannen durften. Es wurde als Notwendigkeit gesehen für das Wohl des ganzen Stammes, dass die Frauen sich in dieser Zeit mit dem Größeren verbinden, wichtige Träume empfingen, neue Lieder und Geschichten erschufen. Bei der ersten Mondblutung wurde das Mädchen zur Mondhütte gebracht. Dort schenkten ihr die Frauen eine persönliche, anerkennende Zeremonie. Sie wurde gesegnet und willkommen geheißen im Kreis der Frauen.

Unsere alte Scham
Unsere europäischen Vorfahren gingen anders damit um. Die Blutung war Quelle großer Angst, wurde als Unreinheit, als Fluch, als dämonisches Werkzeug verdammt. Unsere heutige, ”aufgeklärte” Einstellung reduziert die Blutung auf eine Körperausscheidung, die am besten weder zu spüren noch zu sehen sein sollte. Und so erlebten viele Frauen ihre ersten Menstruation, ihre Pubertät, ihre Einführung ins Frausein in Verbindung mit einem Schamgefühl. Das wortlose Überreichen einer Packung Binden, vielleicht ein Hinweis, dass man sich jetzt gründlicher zu waschen habe, war das “Ritual”, das wir und unsere Mütter bekommen haben.

Unsere Töchter sollen das anders erleben
Diesen Satz höre ich oft von Müttern, die sich für ein Mutter/Tochter-Seminar anmelden. Es ist mir eine besondere Freude, in Seminaren und Trainings einen Raum zu öffnen, in dem das geschehen kann.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.