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Ausgabe Juni 2003
“Sweat your prayers” - Die 5 Rhythmen von Gabrielle Roth

Stefan Körber führte ein Interview über die 5 Rhythmen von Gabrielle Roth mit Susannah Darling Khan, einer autorisierten „5 Rhythmen“-Lehrerin, die im Juni nach Berlin kommt.

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“Heilende Landkarten für die Seele” nennt Gabrielle Roth ihren Tanz, die Arbeit mit den von ihr entwickelten fünf “heiligen” Rhythmen, die eine Brücke bauen zwischen schamanischen, heilenden und künstlerischen Kontexten der persönlichen und spirituellen Entwicklung. Sie sind die Basis, von der aus die Bewegung und Erforschung der inneren und äußeren Landkarten ihren Anfang nimmt : flowing, staccato, chaos, lyric und stillness - nacheinander in spontaner Bewegung, improvisiertem Tanz und Bewegungsmeditation, verbunden zu einer Welle, genannt “WAVE”.

Stefan: Susannah, kannst du uns die 5 Rhythmen in einigen Worten erklären?
Susannah: Leben ist Bewegung. Energie kann als Teilchen oder Welle betrachtet werden. Die 5 Rhythmen sind eine Landkarte für eine Bewegungsimprovisation, die Türen öffnet zu ausgelassenen, ekstatischen Tänzen voll Frieden und Bewusstsein. In seinem tiefsten Grund ist es eine spirituelle Praxis, die darauf gegründet ist, hier zu sein, auf der Erde, in einem Körper, in der Welt und sich gleichzeitig vom Ego zu re-identifizieren. Je nach Person und Zeitpunkt wird die Gewichtung mal mehr auf dem einen oder dem anderen Aspekt liegen. Es sind hier keine Schritte zu lernen, dafür ist dein eigener Tanz zu entdecken. Mit den damit verbundenen Landkarten oder maps bieten sie den Schlüssel zum Verständnis verschiedener Ebenen des menschlichen Lebens.

Wie bist du zu den 5 Rhythmen gekommen?
Ich hatte die Medical School verlassen und wusste, dass ich heilend tätig sein wollte, ohne den mechanischen Blick auf den Menschen. Ich studierte Anthropologie in London und wurde Gestalttherapeutin. Ich hatte Sehnsucht nach etwas, das den Wunsch nach körperlicher Aktivität mit den Gefühlen und der Heilung des Herzens, mit Bewusstsein von Geist und der Möglichkeit von Zeremonien verbindet, für das Individuum und die Gemeinschaft. 1988 hatte ich etwas, das ich nur als eine Vision bezeichnen kann, nämlich dass Tanzen mein Weg war, meine Art zu dienen, mein Beitrag an das Leben. Ein paar Monate später traf ich Gabrielle Roth auf einem Workshop in London. Ya´Akov - mein Mann - und ich waren damals schon zwei Jahre zusammen und wir gingen beide hin. Innerhalb kürzester Zeit wusste ich, wir beide wussten es, das ist unser Weg, das ist unsere Lehrerin. Es war wie ein „Nach-Hause-Kommen“. Keine Zweifel.

Wie haben die Rhythmen dein Leben verändert?
Die Rhythmen haben Integration in mein Leben gebracht. Sie zu tanzen und sie anderen anzubieten, füllt mein ganzes Leben aus. Ich liebe es! Ich bin intellektuell, ich brauche konzeptionelles Denken. Ich bin ein physisches Wesen, ich habe das Bedürfnis, meinen Körper zu bewegen, seine Kraft und sein Verlangen zu spüren. Ich bin auf einer Farm aufgewachsen, ich bin ein Erden-Mensch. Ich muss schwitzen! Und ich habe ein Herz, wir alle haben unsere Herzen mit ihren Schatten, mit ihren Farben, unserer Verletzung, unserer Leidenschaft, unserer Sehnsucht, unserer Wut, unserer Freude, unserer Dankbarkeit, das alles ist willkommen, alles ist ein Teil von allem, alles hat seinen Platz, auch ohne immer gleich im Mittelpunkt der Bühne zu sein. Es ist wunderbar, ein Privileg, andere zu sehen, wie sie ihre Flügel in Besitz nehmen und ihre Freiheit wieder entdecken, ihre Kreativität, oder zum ersten Mal im Leben erkennen, dass die Weisheit zu wissen, was zu tun ist, schon die ganze Zeit in ihnen vorhanden war. Dies wird auf der Tanzfläche lebendig und befähigt die Menschen dann dazu für den Rest ihres Lebens. Mich auch! Es erscheint mir, als müssen menschliche Wesen einfach tanzen. Gibt es eine Kultur, die nicht tanzt? Es ist eine Form, unseren Dank an das Leben auszudrücken, Dank für das Leben selbst. Eine Art, das Leben zu zelebrieren und seine Kostbarkeit und Zerbrechlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Hast du einen bestimmen Stil zu unterrichten?
Ich lerne immer weiter, ich entdecke neue Wege, ich finde weiter heraus, was funktioniert. Die Menschen sagen, das Besondere an meinem Stil sei die Klarheit und dass sie sich bei mir sicher fühlen, unbekannte Territorien zu erkunden. Ich liebe meinen Humor und meine Begeisterung für den Tanz. Ich denke, das ist ansteckend.

Gibt es Grenzen bei dieser Arbeit?
Ja, sie ist nicht für jeden geeignet und bestimmt nicht zu jeder Zeit. In manchen Bereichen der Heilung kann nichts die individuelle Aufmerksamkeit und Führung durch einen guten Therapeuten ersetzen. Ich glaube, die 5 Rhythmen sind ein sehr gutes Werkzeug. Wie bei allem hängt es von den Qualitäten der Person ab, in deren Händen das Werkzeug liegt.


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