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Ausgabe Juni 2003
Sommerzeit - Joggingzeit

Thomas Schramm veranschaulicht an einem Beispiel, was für negative Auswirkungen das Joggen haben kann und bietet im Juni die Möglichkeit, den eigenen Laufstil zu überprüfen.

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Bei den Joggern im Grunewald beobachte ich viele Variationen des Laufens, die dem angestrebten gesunden Effekt entgegenwirken. Da läuft ein Jogger mit einseitig hochgezogener Schulter, der andere ist im Beckengürtel völlig unbeweglich, der nächste hält die Füße, als ob er beim Ski Fahren bremsen wollte, der folgende kippt insgesamt beim Laufen zu einer Seite weg und wieder ein anderer hält den Kopf permanent schief. Was dabei im Körper passieren kann, erläutere ich am Beispiel des dauerhaft schräg gehaltenen Kopfes. Joggt ein Mensch längere Zeit mit dieser schrägen Kopfhaltung, ist davon auszugehen, dass es eine wie auch immer entstandene Gewohnheit ist.

Eine derartige Gewohnheit bedeutet zugleich, dass dieser Mensch in seiner Selbstwahrnehmung davon ausgeht, dass er den Kopf gerade hält. Dies ist eine natürliche Funktion unseres Gehirns. Denn das Gehirn begreift die Schräghaltung als dauerhaft und beginnt, Notprogramme zu entwickeln, um den Menschen trotz dieser Fehlhaltung optimal reagieren zu lassen. Das heißt, die Sinneseindrücke der Augen, der Ohren und des Gleichgewichtssinnes werden so korrigiert, dass der Mensch sich wie mit gerader Kopfhaltung sicher im Raum bewegen kann. So intelligent sind unser Gehirn und unsere unbewussten Steuerungssysteme. Gleichzeitig sorgt das ganze menschliche System für Ausgleich in der Statik. So ein Kopf wiegt nun mal drei bis vier Kilo, und wenn dieses Gewicht zwei Meter über dem Boden aus der stabilen Mitte geraten ist, müssen die Halsmuskeln, die Schultern, der gesamte Rücken, die Beckenmuskulatur bis hin zu den Füßen mit viel Kraft verhindern, dass der Mensch umkippt. Diese Kompensationsleistung funktioniert aber nur unter Inkaufnahme von Abscherkräften am Skelett. Auf diese Abscherkräfte ist der menschliche Körper grundsätzlich eingestellt, denn sie kommen natürlich auch im Alltag immer wieder vor. Nur hier haben wir es mit dauerhaft wirkenden Abscherkräften zu tun. Und diese dauerhafte Zusatzbelastung führt über kurz oder lang zu Verschleißerscheinungen im Bewegungsapparat. Das nennen wir dann Bandscheibenschaden, Arthrose, Knieschmerzen, Gelenkschmerzen im Allgemeinen etc. Und diese schmerzenden Symptome werden dann dem Arzt vorgestellt. Da dieser in der Praxis kaum eine Chance hat, dem Jogger beim Laufen zuzusehen, behandelt er vor allem das Symptom. Die Ursache bleibt also unberücksichtigt, und so helfen die Therapien oft nur kurze Zeit, die Schmerzen werden chronisch oder ein anderes Symptom taucht im Körper auf. Das wird dann “altersbedingte Verschleißerscheinung” genannt, und der Jogger muss mehr und mehr Aktivitäten in seinem Leben vermeiden.

Langfristige Auswirkungen dysfunktionaler Laufstile
Statt Sport für die Fitness ist aus dem Joggen der schleichende Verfall des Bewegungsapparates geworden. Und nicht nur das, denn die zusätzliche Kraftanstrengung für den Ausgleich in der Skelettstatik fehlt dem Jogger natürlich als freie Energie, um bessere Leistung und mehr Ausdauer zu entwickeln. Für den Hobbysportler ist das vielleicht nur frustrierend. Für den Profi gehen wertvolle Gewinnchancen verloren, und er muss eventuell vorzeitig aus dem aktiven Sport ausscheiden. Ganz nebenbei erfährt der Körper durch eine derartige Fehlhaltung massiven Stress. Stress ist das Gegenteil von Lust, und vermutlich haben deshalb viele Jogger so verbissene und gequälte Gesichtszüge bei ihrem (Freizeit)-sport. Und natürlich bedeutet die schiefe Kopfhaltung unseres Beispiels auch eine aus der Mitte, der Balance geratene Sinnlichkeit. Zunächst eine räumlich erschwerte Orientierung in der Welt und als Reaktion auf die unbewusst wahrgenommene Instabilität des Körpers im Verhältnis zur Schwerkraft natürlich auch eine subtil wirkende Unsicherheit im emotionalen Gefüge. Das ist für Freizeitsportler vor allem unangenehm. Für die Profis im Sport bedeutet es einen echten Nachteil in der mentalen Wettkampfvorbereitung.
Mit der von mir entwickelten Schrammschen Methode kann ich Schäden am Körper vorbeugend begegnen und den Menschen wieder in seine ursprüngliche, ideal funktionierende Beweglichkeit zurückführen. Für die Jogger biete ich im Juni deshalb folgende Möglichkeit an:
1. Phase: Kontrolle des Laufstils am Anfang und am Ende Ihres Laufpensums und Überprüfung Ihrer Vorbereitungs- und Nachbereitungsphase.
2. Phase: In der Gruppe unterrichte ich Sie darin, welche Übungen für die Vorbereitungs- und Nachbereitungsphase sinnvoll sind. Dabei greife ich alle mir am ersten Termin präsentierten Vorgehensweisen auf und kommentiere sie.
3. Phase: Falls in Ihrer Körperstatik und Dynamik belastende Bewegungsmuster erkannt wurden, können Sie zu deren Behebung Einzelsitzungen bei mir buchen.
4. Phase: Falls bei Ihnen Änderungen für Ihr Lauftraining eingeführt wurden, findet nach acht Wochen mit regelmäßigem Training und Teilnahme am Gruppenunterricht bzw. nach der letzten Einzelsitzung eine Überprüfung des Laufstils statt.


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