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Ausgabe Januar 2010
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Der Traum von einem Haus


In den mir zugeschickten Träumen ist ein Thema prominent: das Haus. Sicher haben auch Sie schon von Häusern geträumt, eines der häufigsten Traumsymbole in unserer Kultur. Hier ein ungewöhnlicher Haustraum in zweierlei Hinsicht: zum einen beginnt mit einem

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Ich bin ein Haus. Es ist ein Hotel mit gelber Fassade und blauem Schild, das schmal in einer Straße zwischen anderen Häusern steht.
Dass ein ähnlicher Traum in der Weltliteratur erscheint, zeigt, dass es sich um einen archetypischen Traum handelt. Solche Träume gehören zum Sprachrepertoire unseres kollektiven Unbewussten. Sie sind in allen Zeiten und Kulturen zu finden. Der Traum vom Haus ist einer von der eigenen Identität. Dies wird der Träumerin zu Beginn deutlich. Das Haus ist ein öffentliches, ein Hotel, in dem man vorrübergehend verweilt. Die Gäste kommen und gehen. Jenseits der sexuellen Bedeutung, die Freud erfreut hätte, können wir die Gäste als Impulse der Außenwelt sehen. Die gelbe Farbe zeigt: es geht um Kommunikation. Ideen kommen und gehen, nichts bleibt. Die Identität der Träumerin ist schmal, da sie keine Idee halten kann. Sie fühlt sich eingeengt zwischen den anderen Häusern, den anderen Menschen. Der Konflikt ist deutlich: die Träumerin möchte kommunizieren – sie sehnt sich nach einem beständigen Austausch, aber diese Beständigkeit gelingt ihr nicht. Da das Hotelschild blau ist, nehme ich an, die Träumerin wünscht sich eine feste emotionale Beziehung. Sie lockt mit der Farbe Blau, jenem Symbol der Sehnsucht, das Novalis mit der blauen Blume weltberühmt gemacht hat. Mit den Farben Blau und Gelb trifft „der farbige Stellvertreter der Finsternis“ (Goethe) auf den „farbigen Stellvertreter des Lichts“. Dies lässt vermuten: die Träumerin präsentiert sich widersprüchlich und kann deswegen keine Beziehung halten. Sie sollte sich überlegen, ob sie mit ihrer Selbstdarstellung die Menschen anzieht, nach denen sie sich sehnt.
Ein Tipp zum Schluss: Farben sollten im Traum eingehend und zu Anfang der Deutung betrachtet werden.

Klausbernd Vollmar, Dipl.Psych., wird auch weiterhin an dieser Stelle im KGS Berlin auf Träume unserer Leser eingehen. Wünschen Sie Hinweise zum Verständnis Ihrer Träume, schicken Sie Ihren Traum an mail@kbvollmar.de, Stichwort: KGS Traumkolumne, alles natürlich anonym und kostenlos.


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