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Ausgabe Januar 2010
Die Gesetze der Naturheilkunde
von Andreas Krüger


Andreas Krüger ist nicht nur Homöopath, Schulleiter und Visionär, sondern außerdem ein Mensch, den man zu den unterschiedlichsten Themen befragen kann – und er findet immer inspirierende Antworten. So auch in diesem Interview mit Haidrun Schäfer über die

Haidrun Schäfer: Heute geht es um die Gesetze des Lebens. Bevor wir auf mögliche Gesetze der Naturheilkunde zu sprechen kommen, habe ich die Frage: Gelten Gesetze auch für die Gesundheit des Menschen, nachdem Sie bei unserem letzten Treffen die Individualität eines jeden Menschen betont haben?


Andreas Krüger: Auf dem Hintergrund der demokratischen Medizin gehen wir davon aus, dass jeder Mensch ein unwiederholbares und einmaliges Individuum ist und damit seine eigenen Gesetze hat. Die Idee einer globalen Gesetzmäßigkeit läuft demnach einem kreativen Anarchismus zuwider. Darum könnte man sagen – wenn man sich auf das bezieht, was wir das letzte Mal gesagt haben – , dass es so etwas wie generelle Gesetze innerhalb eines demokratischen Weltbildes nicht geben kann, sondern dass jeder Mensch seine eigenen Gesetzmäßigkeiten hat, um glücklich, gesund und erleuchtet zu werden.

Wenn der Mensch tatsächlich Schöpfer seiner Realität ist, schöpft er sich ja auch seine eigenen Gesetze. Wenn man jetzt die 5000 Jahren Naturheilkunde betrachtet – die Zeit, seitdem sie überliefert wurde – gibt es natürlich Gesetze: Es gibt die Säulen des Heilwerdens und die Säulen eines naturheilkundlichen Weltbildes, aber die haben nichts mit Demokratie zu tun. Ich sage nicht, dass es allgemeingültige Gesetze nicht gibt, aber ich erlebe immer wieder, dass, wenn man versucht, allgemeingültige Gesetze in einer Individualtherapie anzuwenden, viele Menschen einfach aus dem Konzept rausfallen, für die die allgemeingültigen Gesetze nicht gelten. Um das herauszufinden, nutzen wir den kinesiologischen Muskeltest, um das Energiesystem des Patienten zu befragen.


Und trotzdem gibt es die Gesetze der Naturheilkunde.

Auf jeden Fall! Und keiner hat sie besser und deutlicher beschrieben als der große Arzt und Homöopath Prof. Mathias Dorcsi, mein erster Homöopathielehrer. Er sagte, wenn wir Menschen therapieren, gibt es Säulen, die wir gesetzmäßig befolgen müssen – sehr undemokratisch und patriarchalisch – , sonst kriegen wir Menschen nicht gesund. Nach Dorcsi ist die erste gesetzmäßige Säule der Naturheilkunde, dass wir uns bei jedem Patienten um seine Atmung kümmern müssen.

Ein Mensch, der nicht richtig atmet, war nach Dorcsi nicht heilbar. Der Mensch muss durch Achtsamkeitsschulung, durch atemtherapeutische oder gymnastische oder körpertherapeutische Maßnahmen in die Lage versetzt werden, dass sein Leib von seinem Atem frei durchströmt wird. Stimmt oft, stimmt aber nicht immer.


Was ist das zweite Gesetz?

Ein weiteres Grundgesetz des Lebendigen und einer sich am Lebendigen orientierten Medizin ist die Ernährung. Stimmt oft, stimmt aber auch nicht immer – weiß ich einfach. Dorcsi sagt, bevor wir irgendetwas anderes therapeutisch mit Menschen anstellen, nachdem wir uns um den Atem gekümmert haben, müssen wir uns um die Ernährung kümmern. Die alten Homöopathen waren zum Teil so streng in ihren Ernährungsanweisungen, dass die Gegner der Homöopathen ihnen oft vorwarfen, dass die Menschen aufgrund der strengen Diäten gesundeten und nicht aufgrund der homöopathischen Mittel.

Gerade bei Ernährungskonzepten gibt es aber doch die unterschiedlichsten Modelle, die sich auch noch widersprechen.

Na klar und hier sind wir wieder bei der Demokratie. Wir testen, ob für jemanden ein Ernährungskonzept in Frage kommt und wenn ja, welches. In der demokratischen Medizin haben wir über den Test den direkten Zugang zur Wahl des Energiesystems. Dorcsi hat auch nie ein bestimmtes Ernährungssystem verteidigt. Er hat lediglich gesagt, dass Ernährung Basis, Gesetz und Pfeiler einer sich am Lebendigen orientierten Therapie ist.


Was ist die dritte Säule?

Für Dorcsi unverzichtbar war das Sich-Bewegen. Er hat immer gesagt, dass der Mensch ein gehendes Wesen ist. Als Wiener war er kein Anhänger des Marathonlaufes, sondern er hat das Bild mit unseren Urahnen in Afrika erklärt, die nicht rannten, sondern schnell gingen. Der Massai ist kein Renner, sondern ein schneller und forscher Geher. Man könnte heute sagen, es geht eher in Richtung Nordic-Walking. Der Massai hatte sogar einen Walking-Stick – zwar nur einen, aber er hatte immer diesen Stock. Darum war Dorcsi ein großer Befürworter, jeden Klienten in eine ihm adäquate Form des Gehens hineinzuführen.


Und das vierte Heilgesetz?

Für Dorcsi war es die Seelsorge. Damit meinte er keine Psychotherapie, sondern das emphatische Gespräch, das hinbewegte Hören, die Ermunterung und vielleicht auch mal die Belehrung. Für Dorcsi war wichtig, dass jeder Therapeut von seinem Patienten als Seelsorger erlebt wurde. Und erst wenn das alles nicht hilft – und er war damals der größte Homöopath Europas – dann erst kommt ein homöopathisches Mittel oder sonst eine naturheilkundliche Methode zum Einsatz. Und wenn man diese Gesetze mal in die Mitte einer Beurteilung von Medizin heutzutage stellt, gibt es kaum jemanden, der sich danach richtig. Nach dieser Definition leben wir in einer völlig gesetzlosen Medizin. Die Kliniker kümmern sich weder um die Atmung noch um die Ernährung oder Bewegung oder Seelsorge, sondern sie machen nur Arznei. Die meisten Psychotherapeuten kümmern sich nur um die Psyche. Die meisten Homöopathen kümmern auch nur um ihr Fachgebiet genauso wie die Atemtherapeuten. So etwas wie einen ganzheitlichen oder holistischen Therapeuten gibt es kaum. Die Gesetze hat Dorcsi nicht erfunden, die sind antik. Aber im Grunde kümmert sich die Naturheilkunde nicht darum.


Und warum?

Weil es so einfache Dinge sind, mit denen man kein Geld verdienen kann. Man braucht keine jahrelange Atemtherapie. Wenn man Atmung und Bewegung miteinander kombiniert, entsteht eine gute Atmung wie von selbst. Wenn man sich dann noch einigermaßen gesund ernährt, hat man eine Summe von heilender Energie, dass ein Therapeut überflüssig wird. Volksgesundheitlich wäre es auf jeden Fall interessant, wie vielen Krankheiten man vorbeugen könnte, wenn man sich auf diese uralten Gesetzmäßigkeiten bezieht. Wenn wir es schaffen könnten, in Schulen auf diese Dinge zu achten, wären wir einen großen Schritt weiter. Ich bin ein großer Anhänger von dem chinesischen Brauch, morgens vor jeglicher Tätigkeit Tai Chi zu machen – damit ist der Bereich Atmung und Bewegung schon abgedeckt.


Es war – wie immer – sehr anregend, Ihren Gedanken zu folgen. Vielen Dank.

Buchtipp:
Elfrida Müller-Kainz, Hedwig Hajdu, Lebensgesetze als Wegweiser von universeller Gültigkeit, 272 S., geb., 19,95 [D], ISBN: 978-3-7787-9189-9, Integral Verlag.

Auf geistig-seelischem Gebiet sind wir alle ständig mit Lebensgesetzen in Verbindung. Ein Mensch, der sich zum Positiven verändert, folgt dem Gesetz der Weiterentwicklung. Wer vergeben kann, verwirklicht ein Gesetz der zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn unsere Handlungen sich im Einklang mit diesen universellen Gesetzen befinden, dann geht es uns gut. Sind wir im Begriff, eine falsche Entscheidung zu treffen, so bekommen wir häufig Warnungen durch Ereignisse oder Gefühle. So wirken die Lebensgesetze – bewusst wie unbewusst – als kosmisches Ordnungsprinzip in unserem Leben.

Weitere Infos unter www.mueller-kainz.de


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