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Ausgabe Januar 2010
In Resonanz mit der Liebe
Dr. Jochen Meyer über das Gesetz der Resonanz in Beziehungen


Warum erleben Menschen so viel Leid in ihren Beziehungen? Wozu suchen wir uns Partner, die uns nicht gut tun? Was bedeutet es, wenn ich mich immer wieder in Menschen verliebe, die mich nicht an sich heranlassen, mich abwerten oder unerwartet verlassen? An

Das Resonanzprinzip in Beziehungen bewirkt, dass wir unbewusst Menschen anziehen, die uns mit unseren unaufgelösten inneren Konflikten konfrontieren. Wenn wir uns verlieben, reagiert mein Unbewusstes auf das Unbewusste meiner Partnerin oder meines Partners. Unbewusst versuchen wir dann, unsere Leidensthemen an- und miteinander aufzulösen. Und stecken meist solange in destruktiven Mustern fest, bis wir die verborgenen Themen ans Licht bringen und aufarbeiten. Wir kreieren also in unseren Partnerschaften Konflikte und Dramen, die uns dazu auffordern, unsere unbewussten Themen bewusst zu machen. Nehmen wir den hiermit verbundenen Wachstumsauftrag an, so gelangen wir über den Weg der Bewusstwerdung zu liebevollerer Selbstannahme und einer tieferen Verbindung zu uns selbst und anderen.
Zu erkennen, dass nicht die Welt da draußen die Ursache ist für das, was mir an Leidvollem begegnet, sondern dass ich es durch mein Erleben selbst mit bewirke; zu erkennen, was in mir ist und was ich in Resonanz mit meinen unaufgelösten Konfliktthemen unbewusst kreiere, ist der entscheidende Schritt hin zu erwachsenen, unabhängigen Beziehungen, die auf den Prinzipien von Wachstum, Selbsterkenntnis und Verantwortung basieren.


Partneranziehung und “Problemanziehung”

Für Menschen auf Partnersuche, die destruktive Partnerwahlmuster verwandeln wollen, ist die Frage spannend: Was strahle ich aus? Und wen ziehe ich auf diese Weise unbewusst an? Bin ich von Liebe erfüllt und strahle Zufriedenheit, Unabhängigkeit und Offenheit aus, so werde ich vermutlich andere Begegnungen erleben als wenn ich mich unerfüllt, unwohl mit mir selbst und zutiefst bedürftig fühle.
Menschen in Partnerschaften leiden häufig an den vermeintlichen Defiziten ihres Partners und fragen sich: “Womit habe ich das verdient?”
Hier kann es hilfreich sein, die Frage zu erweitern: Welche Probleme ziehe ich unbewusst an und wozu dient mir das? Was trägt mein Partner im Außen an mich heran, was ich bei mir im Inneren noch nicht erkannt und aufgearbeitet habe? Wir alle haben unsere Beziehungsthemen wie zum Beispiel Rivalität, Angst zu kurz zu kommen, Autonomie und Abhängigkeit, Nähe und Abgrenzung.
Wenn ich mich des weiteren frage, welche Probleme ich in meine Beziehung hineintrage und womit ich sie auf destruktive Weise belaste, dann habe ich die Chance zu erkennen, was ich in mir verändern kann, um aus diesem Muster auszusteigen. Leide ich beispielsweise passiv ergeben an einem Partner, der mich nicht wertschätzt, so bin ich in Resonanz mit den Themen Achtung und Respekt und kann mich fragen, wo ich mich in der Tiefe selbst nicht achte und warum ich den mir zustehenden Respekt nicht aktiv von meinem Partner einfordere. Im Mich-klein-Machen verweigere ich mir, meine Würde oder Größe zu leben, gestehe sie meinem Partner aber auch nicht wirklich zu. So trage ich Angst und Anspannung in die Partnerschaft hinein und verletze uns beide. Im Hintergrund steht hier fast immer die negative Grundüberzeugung “Ich bin nicht liebenswert!”
Die Lösung ist wie so oft nicht eine Verhaltensveränderung des Partners, sondern die Entwicklung von mehr Selbstliebe, das heißt ein inneres Wachstum bei mir. Verfüge ich erst über eine gut ausgebildete Selbstachtung, so bringt mich mein Partner auch nicht mehr in einen Konflikt.


Alte Konditionierungen überwinden

Wollen wir alte Beziehungsmuster wirklich in der Tiefe verändern, so gelingt dies, indem wir neue Prägungen anlegen. Mit zunehmender Bewusstheit können wir das, was wir ausstrahlen, immer mehr bestimmen. Anstatt uns mit Problemen zu identifizieren, können wir uns auf unsere Stärken besinnen. Wir können positive Resonanzphänomene der Liebe wie Offenheit, Großzügigkeit oder Akzeptanz im Alltag üben und reduzieren so jedes Mal unsere innere Affinität zu Abneigung, Kleinlichkeit oder Verurteilung. Wenn wir eine negative Äußerung unseres Partners mit Zuwendung beantworten: “Was ist denn gerade los bei dir? Erzähl’ doch mal, was dich so aufregt!”, dann sind wir in Resonanz mit Offenheit und ermöglichen vielleicht auch ihm oder ihr, sich zu öffnen. Auf jeden Fall strahlen wir nicht Abwehr aus oder vergrößern die vorhandene Negativität. Grundsätzlich haben wir immer die Möglichkeit, auf eine unangenehme Situation offen oder abwehrend zu reagieren. Das heißt, wir können uns bewusst entscheiden. Sehen wir unser Gegenüber als “Lernpartner” beim Wachsen und nicht mehr als Feind, der uns bekämpfen will, so beenden wir das Drama und können uns tieferen Dimensionen der Liebe öffnen.

Fragen zur Situation in der Beziehung:

-Womit bin ich gerade in Resonanz?
Bin ich mehr mit Liebe, Vertrauen und Wohlwollen verbunden oder eher mit Angst, Misstrauen oder Groll?
Gestalte ich meine Beziehungen aktiv und bewusst oder lasse ich sie mehr oder weniger unbewusst laufen? Erlebe ich mich dabei mehr als Schöpfer oder mehr als Opfer?

-In welchem Schwingungsfeld lebe ich?
Wie präge ich dieses Feld und wie sorge ich dafür, dass ich mich frei, erfüllt und unbelastet fühle oder problembeladen, unerfüllt und schuldig? Was könnte ich tun, um dies im positiven Sinne zu verändern?

-Mit welchem Selbstbild bin ich auf der Suche?
Wie denke ich von mir? Was sind meine tiefsten Absichten im Hinblick auf eine neue Partnerschaft? Will ich primär etwas bekommen, will ich eher geben oder bin ich auf der Suche nach einer tieferen Verbindung?

An diesen Fragen zu arbeiten führt oft zu vollkommen neuen Erfahrungen in den nachfolgenden Beziehungen.


Dr. Jochen Meyer, CoreDynamik-Trainer und –Therapeut, Single-Coaching und Paarberatung www.jochen-meyer-coaching.de


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