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Ausgabe Juni 2010
Ho’oponopono – der Zauberstab
Haidrun Schäfer fragt Klaus Jürgen Becker


Ho'oponopono ist eine hawaiianische Tradition, die davon ausgeht, dass alles, was in dieser Welt geschieht, auch in uns zu finden und damit veränderbar ist. Anlässlich seines Seminars in Berlin sprach Haidrun Schäfer mit Klaus Jürgen Becker.

Haidrun Schäfer: In unserem Kulturkreis nehmen wir uns als eigenständige Personen wahr mit einem begrenzten Einflussvermögen, was sowohl unser persönliches Leben als auch gesellschaftliche Belange betrifft. Ho'oponopono geht von einem ganz anderen Weltbild aus. Hier ist der Grundgedanke, dass alles, was in dieser Welt geschieht, auch in uns zu finden und zu beeinflussen ist. Wie ist das zu verstehen?


Klaus Jürgen Becker: Wir leben heute in einer Zeit, wo wir erkennen, dass wir sämtliche Probleme nur im Wir und nicht im Ich lösen können. Egal, ob wir die Situation in Griechenland betrachten, die weltweite Finanzkrise, politische Probleme oder Umweltkatastrophen - wir können die Probleme nur im Wir-Bewusstsein lösen. Die Zeit ist vorbei, in der ein hautverkapseltes Ego sich sagen kann: Hauptsache, mir geht es gut und wie es den anderen geht, ist mir egal. Viele große Länder sind dabei umzudenken und vom Raubtier-Kapitalismus und Raubtier-Kolonialismus Abstand zu nehmen. Diese neue Sichtweise entspricht ganz dem Geist von Ho'oponopono.

Ho'oponopono ist hawaiianisch und bedeutet "die Dinge mit dem Göttlichen in Einklang bringen". Dazu gehört, ein stimmiges Leben zu führen, aber auch die Gesamtverantwortung in einem Team zu übernehmen.


Sowohl die Misswirtschaft Griechenlands als auch der Ölteppich vor dem Golf von Mexiko sind doch aus egoistischen Motivationen entstanden.

Das sehe ich auch so. Ho'oponopono geht davon aus, dass die Erde selbst ein Lebewesen ist, das sich wehrt, wenn es missbraucht wird. Das geschieht auf allen Ebenen - sei es die Wolke aus Island, der Ölteppich oder die Finanzkrise Griechenlands. All die Katastrophen zeigen uns, dass wir noch längst nicht genug ökologisch denken und dass wir immer noch im Ausbeuterstadium sind.


Kommen wir auf die Wurzeln und Möglichkeiten von Ho´oponopono zu sprechen.

Es gibt traditionelles und modernes Ho´oponopono. Auf Hawaii ist es üblich, dass bei jeder Art von Unfrieden der ganze Stamm zusammen kommt, um zu trommeln, zu singen und die Ahnen anzurufen. In einem Ritual werden die Ahnen angerufen: "Aloha, göttlicher Schöpfer, Vater, Mutter, Kind in einem - wenn meine Familie, meine Verwandten oder meine Vorfahren jemanden beleidigt, verletzt oder unwürdig behandelt haben sollten vom Anbeginn der Schöpfung bis zum heutigen Tag, dann bitten wir hiermit um Vergebung."


Und worin liegt der Unterschied zum modernen Ho´oponopono?

Im modernen Ho'oponopono gehen wir soweit, dass jeder Einzelne sich als gesamtverantwortlich betrachtet und das - konsequent zu Ende gedacht - sogar für die ganze Welt.


Was kann ein Einzelner bei dem aktuellen Problem von Griechenland machen?

Jeder Einzelne kann sein eigenes Leben betrachten und sich fragen: "Wo lebe ich über meine Verhältnisse? Wo habe ich ein Problem mit Darlehnensgebern oder Banken?" Er kann "den faulen/verschwenderischen Griechen" oder auch "den gierigen Spekulanten" in sich heilen. Hierbei ist nicht wichtig, ob Griechen tatsächlich faul und verschwenderisch sind oder nicht - es geht stets darum, was in einem selbst als problemhafte Resonanz ausgelöst wird.
All die Emotionen, die bei dem Griechenlandproblem auftauchen, sind ja in jedem Menschen vorhanden. Und wenn man dieses Bild, dieses Wort, dieses Gefühl spürt, dann gibt es eine Art Formel, die aus vier Sätzen besteht, die man zu sich selber spricht:


Ich verstehe dich und es tut mir leid.
Bitte vergib mir.
Ich liebe dich.
Danke.


Das heißt, dass alles, was auf dieser Welt existiert oder sich manifestiert, ein Stück in jedem Menschen enthalten ist?

Das ist das moderne Bewusstsein, das immer mehr Verbreitung findet. Jeder Mensch ist ein Hologramm und wir wissen inzwischen, dass wenn man ein kleines Stück aus einem Hologramm isoliert, darin das ganze Bild zu erkennen ist. In diesem Lernprozess stecken wir gerade.


Kann man Ho´oponopono auch für andere anwenden?

Ja, dazu ein Beispiel. Meiner Partnerin stand ein schwieriges Gespräch bevor und sie bat mich um Hilfe. Nachdem sie sich auf den Weg zu dem Termin gemacht hatte, suchte ich den Teil in mir, der kreiert, dass ich eine Partnerin habe, die Schwierigkeiten mit anderen Menschen hat. Den habe ich durchaus gefunden - ja, ich habe einen Teil, der bewertend, urteilend und kritisch gegenüber meiner Partnerin ist. Und zu diesem Teil habe ich die vier Formeln gesagt. Das Ergebnis war, dass meine Partnerin ein entspanntes und kreatives Gespräch hatte und erleichtert nach Hause kam, ohne zu wissen, warum es so gut gelaufen war. Indem wir mit uns selbst arbeiten, können wir also durchaus ein "Schutzengel" für andere sein.
Wir prüfen stets in uns, wo wir feindselige Emotionen, negative Bilder oder Gedanken haben und erlösen diese mit Hilfe der vier Formeln - den Rest überlassen wir der Einen Kraft. Bei Dingen, wo wir schon relativ klar sind, geht das sofort - wie mit einem Zauberstab bei Alice im Wunderland. Und dort, wo es noch nicht klar ist, helfen die Techniken in meinen Büchern, um einen "Griff" zu finden. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was das für eine Befreiung ist, wenn ein Schleier abfällt, wie eine Wolke am Himmel sich in der Sonne auflöst. So eine Sonne ist Ho´oponopono - und die Hilfe guter Freunde!


Was ist Ihr neuestes Projekt?

Es ist gerade eine Doppel-CD "Ho´oponopono" mit 17 Kurzmeditationen entstanden. Der Impuls kam eigentlich von meinen Schülern, die sich von mir wünschten, dass die Meditationen, die ich mit ihnen in meinen Seminaren durchführte, auch als CD erhältlich seien. Ich gab diesen Wunsch "nach oben" ab. Kurz darauf meldete sich für mich völlig unerwartet von selbst der Musiker und Obertonsänger Christian Bollmann, den ich wegen seiner Musik schon lange verehrte, bei mir am Telefon. Kurz darauf entstand in seinem Tonstudio die neue Doppel-CD.
Eine weitere wunderbare Lieferung vom Universum ist Petra Wegmann, die in dem Berlin-Wochenende von ihren eigenen Erfahrungen auf Hawaii erzählen und ein sehr geschmackvolles typisch hawaiianisches Essen zubereiten wird.
Auch die Organisatorin für das Berlin-Seminar, Brigitte Körfer, ist ein Geschenk. Ich bin einfach zutiefst dankbar, wie das Universum mir die guten Freunde zuführt, die mich unterstützen, so dass die "Kraft des Wir" in vollem Umfang zum Tragen kommt.


Nehmen wir die Geschenke unserer Zeit und danken für Ihre Anregungen!

Buch- und CD-Tipps:
Klaus Jürgen Becker: Der innere Diamant, RiWEi-Verlag, Regensburg
Klaus Jürgen Becker: Ho’oponopono und die Kraft der Selbstverantwortung, RiWei-Verlag, Regensburg, 2009
Meditationen von Klaus Jürgen Becker mit Musik von Christian Bollmann: Doppel-CD, RiWei-Verlag, 2010


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