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Ausgabe Juni 2010
Ich-Stärkung zum Wohle des Wir
von Lutz Wilde


Ein gestärktes Ich für ein gesundes Gemeinschaftsleben
Wir können die anstehenden Aufgaben und Probleme nicht mehr aus der Sicht des Einzelnen lösen. Wir können das nur aus Sicht des WIR unter Einbeziehung der Einzelinteressen. Deswegen brauchen wir Mensc

Wir Menschen handeln, um unsere persönlichen Interessen zu befriedigen. Wir treten für uns selbst ein. Daran ist nichts “falsch“. Es ist wichtig, dass wir unsere Interessen kennen und für das Beachten dieser eintreten. Doch dabei kommt es – wie so oft im Leben – auf das „Wie“ an. Betrachten wir uns als einzelnes Individuum, getrennt von den anderen und unserer Umwelt, so ist es nur logisch, dass auf andere weniger Rücksicht genommen wird. Die Ich-Haftigkeit wird zum (selbstherrlichen) Egoismus. Die eigene Interessenbefriedigung wird auf Kosten anderer betrieben. Und das läuft aus Sicht des Gesamten in eine Sackgasse.
Was ist das Gesamte? Wir finden es in unterschiedlichen Lebensbereichen wie z.B. in der Familie, aber auch im Arbeitsteam, in der Gemeinschaft Gleichgesinnter (z.B. bei Hobbys), in der Gesellschaft, im Kulturkreis, in der Menschheit als solcher. In allen diesen Bereichen sind wir ein Teil des Ganzen, ein Teil des „Wir“ – ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Wenn wir uns dessen bewusst werden, ist es an uns, diese Beziehung zu gestalten. Denn wir sind immer beides: ein Ich (als Mensch) und ein Wir (im Ganzen wie z.B. Familie, Firma, Menschheit). Unsere (selbst gewählte) Betrachtungsweise entscheidet, ob wir das Ich oder das Wir empfinden.
Stellen Sie sich vor, wie wir täglich die eigenen Interessen mit denen unserer Familie und mit denen des Berufes in Einklang bringen müssen. Das gleicht nicht selten einem Spagat. Die Interessen sind häufig gegensätzlich. Aus diesem Interessenkonflikt entstehen z.B. Stress, Angstzustände, Ess- und Schlafstörungen. Ist es stattdessen möglich, in diesem Spannungsfeld widersprüchlicher Interessen gelassen und entspannt zu bleiben? Ist es egoistisch, wenn man das eigene Ich stärkt? Ist das das Gegenteil von Gemeinsamkeit, Gesellschaft und Miteinander? Andererseits – wenn man immer vom Wir spricht, wo bleibt dann das Ich? Komme ich dann nicht zu kurz?
Geben wir uns komplett dem Ganzen, dem Wir hin, gehen wir in einem Wir-Gefühl auf, lösen gar unser Ich darin auf, so mag das einerseits zu großen Glücksgefühlen führen. Doch andererseits würden wir – konsequent fortgeführt – die Fähigkeit verlieren „nein“ zu sagen. Denn was würde geschehen, wenn ich mich und meine Bedürfnisse komplett und unreflektiert dem Wir unterordne?
Wie würde ich reagieren, wenn die Aufforderung „ich will dein … haben“ an mich heran getragen wird? Da ich mich mit dem Anderen im Wir so verbunden fühle und mein „Ich“ aufgegeben habe, kann meine Antwort auf die Frage nur ein „Ja“ sein. Ein anderer sagt: „Tue das …“ und du tust es. Aber was bist du dann? Übertrieben gesagt: Ein willenloses Werkzeug, ein menschlicher Roboter, eine (ferngesteuerte?) Marionette. Das will sicherlich keiner sein.
Wir müssen auch akzeptieren, dass wir hier in der physischen Welt Grenzen haben. Sie erlauben uns, uns als Individuum zu erfahren. Wir dürfen lernen für diese Grenzen einzutreten und „nein“ zu sagen, wenn unsere Grenzen überschritten werden.
Was sind nun diese Grenzen? Sie sind ganz individuell. Ein Mensch kann spielend acht Stunden körperlich anstrengende Arbeit leisten und ist anschließend immer noch fit. Ein anderer könnte nicht mal zwei Stunden körperlich anstrengende Arbeit leisten. Mit einem Training lässt sich sicher eine ganze Menge verbessern und dennoch setzt die körperliche Konstitution eine natürliche Grenze für die körperliche Leistungsfähigkeit.
Ohne ein kraftvolles ICH kann es kein kraftvolles WIR geben.
Manch einer kann viel leisten, macht aber alles „verkehrt“, wenn der Chef unzufrieden ist oder zu viel Arbeit anliegt. Ein anderer kann nicht mit „Reklamationen“ oder Kritik anderer Menschen oder Kunden umgehen, fühlt sich dann klein oder empfindet Wut. Du merkst, du musst dich selber wirklich kennen bzw. kennen lernen - mit deinen Stärken und deinen Schwächen. Diese könntest du in eine kreative Landkarte symbolisch eintragen. So lernst du deine Grenzen wahrzunehmen.
Sind die eigenen Grenzen bekannt und akzeptiert, kannst du den eigenen (sicheren) Lebensraum wahrnehmen. Und auch Überschreitungen der Grenzen bzw. Überforderungen können nun bewusst erkannt, angemessenes (Re-)Agieren entwickelt und gelebt werden.
Das Training dieser Aspekte führt zu einer Ich-Stärkung und bewirkt, dass aufrechte, kraftvolle und selbstbewusste Menschen ihren Platz im Leben einnehmen, in der Familie, im Hobby, in der Gesellschaft, im Beruf. Diese Menschen sind leistungsfähig, entspannt, souverän im Umgang mit Kritik und (Interessen-)Konflikten, lösen kreativ und engagiert Probleme. Sie sind eine Bereicherung - auch für ihr Umfeld.
Der Einzelne fühlt sich dann sicher und ist frei darin, verschiedene Sichtweisen einnehmen zu können. Das wird zuerst die Sichtweise für sich selbst sein, mit den eigenen Interessen und Grenzen. Es können dann aber auch die Interessen und Grenzen des oder der anderen wahrgenommen und die Perspektive des Gesamten eingenommen werden. Aus den Erkenntnissen und dem Abwägen der verschiedenen Sichtweisen lässt sich nunmehr eine gute Lösung aus Sicht des Ganzen finden.
Das kann auch bedeuten, die eigenen Interessen (obwohl sie wahrgenommen werden) bewusst nicht zu bedienen, sondern zurück zu treten und eine Entscheidung aus Sicht des Gesamten zuzulassen. Doch müssen die Entscheidungen auch persönlich tragbar sein. Das gelingt deutlich besser, wenn der Betreffende ein gesundes Ich hat. Denn dann ist ihm klar, wo die eigenen Grenzen sind und er kann prüfen und dafür sorgen, dass immer ausreichend Sicherheit im eigenen Ich zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang können Wir-betonte Entscheidungen gute Lernaufgaben darstellen, eigene bestehende Grenzen bewusst und freiwillig zu erweitern bzw. auszudehnen.

Lutz Wilde ist promovierter Physiker und unterrichtet seit mehren Jahren energetische Lehren in der Akademie House of Shaman. Zusammen mit Peter Pollak stellt er am 7.8.2010 in Berlin sein neues Training „Ich-Stärkung zur Stressbewältigung und zum Umgang mit Grenzen und Konflikten“ vor.


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