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Ausgabe Oktober 2002
Kommunikation mit Tieren

Vortrag mit Amelia Kinkade

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Die in Amerika bekannte Tierkommunikatorin Amelia Kinkade kommt im Oktober nach Berlin. Ihr Anliegen ist es, allen interessierten Menschen ihre Kommunikationsmöglichkeiten mit Tieren zu vermitteln. Der folgende Artikel von Haidrun Schäfer stützt sich auf Informationen aus ihrem Buch „Tierisch gute Gespräche“ und enthält einen Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
"Tiere können sprechen - wir müssen nur lernen zuzuhören.“ (Amelia Kinkade)
Kommunikation ist mehr als der Austausch von Worten, und Sprache ist nur ein Aspekt von Kommunikation. Wir sprechen nicht, anstatt telepathisch zu kommunizieren, wir sprechen, während wir telepathisch kommunizieren. Bei allem, was wir einander per Sprache beschreiben, halten wir stets im Geist eine Serie von Bildern fest, die manchmal von starken Emotionen begleitet sind.
Der linken Gehirnhälfte werden unsere analytischen Fähigkeiten und das Denken zugeordnet, während die rechte für alle intuitiven Vorgänge zuständig ist. Uns fällt es schwer, die aktive linke Hälfte mit unserem beurteilenden Denken ruhigzustellen, aber nur wenn keine Beurteilung mehr stattfindet, können die telepathischen Fähigkeiten in Erscheinung treten. Der Mensch hat an einem einzigen Tag etwa 40.000 Gedanken. Wenn nun ein Tier oder eine andere Person versucht, Kontakt aufzunehmen, werden sie immer ein Besetztzeichen erhalten. Um telepathisch zu kommunizieren, muss man aufhören, Signale auszusenden und stattdessen den sechsten Sinn aktivieren und auf Empfang gehen. Dieser sechste Sinn ist nicht mysteriöser als unser Seh- oder Geruchsorgan. Sein einziger Zweck ist, Gedanken zu übertragen und zu empfangen. Er kann Gedanken und Energieimpulse, die von anderen Lebewesen - einschließlich der Tiere - stammen, wahrnehmen, abwägen, registrieren und analysieren.

„Ich schließe meine Augen, um zu sehen.“ (Paul Gauguin)Im Grunde ist die nicht-verbale Kommunikation eine Kunst wie alle anderen Künste. Telepathie ist künstlerisch, denn sie ist die Fähigkeit, in Bildern zu denken - Bilder zu senden und zu empfangen, die wir im Geist wie auf der Leinwand eines Malers erschaffen haben.
Tiere sind erstaunlich hellsichtig. Sie sind intelligente Geschöpfe mit eigenen Gedanken und Gefühlen, die beobachten und logisch denken können. Die moderne Wissenschaft meint, dass Tiere nicht denken können, weil sie keine Stirnlappen haben. Die vielen Beispiele von Amelia Kinkade, die sie in ihrem Buch beschreibt, bezeugen das Gegenteil. Es sind überwiegend Geschichten von Hunden und Katzen, aber auch ungewöhnliche Begegnungen wie die mit einer Gottesanbeterin oder einem Elefanten. Im täglichen Leben bietet sie einem sich im Haus verirrten Schmetterling ihre Hilfe an und auch Stubenfliegen verstehen in den meisten Fällen die Aufforderung, sich nach draußen zu begeben. Der Erfolg ist größer, wenn man sie nicht als aufdringliche Widerlinge betrachtet, sondern als freundliche, neugierige Kreaturen. Sendet man ihnen Gedanken von frischer Luft und Sonne, die sie draußen erwartet, sind sie meist sehr schnell wieder weg.Hier ein ungewöhnliches und beeindruckendes Beispiel einer Begegnung aus Amelia Kinkades Buch:

„Eines der faszinierendsten Gespräche, das ich in meinem Leben geführt habe, war mit einem Jaguar im Zoo in San Diego. ... Er hing rittlings in einem Baum, wie Jaguare es gerne tun. Auch er döste, richtete aber seine Augen auf mich, sobald ich mich ihm näherte - und was für Augen: scharf wie Sternenlicht, uralt wie der Mond. Dieses Paar leuchtender Smaragde durchdrang mich förmlich. Auch wenn diese Katze in einen Käfig gesperrt war, entging ihr kaum etwas.
Ich formulierte die Frage: „Glücklich?“ Er erzeugte das Gefühl: gelangweilt. Ich fragte ihn nach dem Außmaß seiner Beschränkung und er produzierte das Bild eines wild wuchernden Dschungels mit einem meilenweiten Territorium, das er für sich beanspruchte. Das war ein ferner Schrei aus dieser Gefängniszelle. Ich entwarf ein Bild von ihm, wie er fraß und fragte: „Nahrung?“ Er antwortete, Tot ... und kalt. Ich sah Stücke toten Fleisches in seinen Käfig fallen. Er war so gelangweilt, weil er nicht jagen konnte, dass er sich nur mit Mühe am Leben hielt. Er teilte mir mit, dass Jaguare leben, um zu jagen. Alles andere ist sinnlos für einen Jaguar.Dann wurden Worte zwischen uns gewechselt, die ich niemals vergessen werde: Ich sandte ein Bild vom Dschungel, so weit mir das möglich war, und sagte: „Es tut mir so leid, dass du nicht in deinem natürlichen Lebensraum bist.“ Seine Antwort brachte mich fast um den Verstand. Du auch nicht, sagte er. Er schickte ein Bild von mir, barfuß im Wald, unbekümmert, tanzend wie eine Waldnymphe. Gleichzeitig beschwor er das Bild des Zementdschungels herauf, in dem ich lebte, völlig isoliert von der unberührten Natur, in einem Gefängnis, das mich von meinem ursprünglichen Zustand isolierte.
Zum ersten Mal hatte ich nun einen Hinweis erhalten, dass sich Tiere Meinungen über andere Wesen machen - starke, gut begründete Meinungen - und dass sie sowohl Menschen als auch Individuen erfassen können als auch die Menschheit als Ganzes und den Schaden, den die Menschheit als Ganzes dem Planeten zugefügt hat.
Die Übermittlung erfolgte wie immer blitzschnell. Dies hatte ich erwartet. Aber die tiefe Bedeutung von dem, was diese Katze mir sagte, ließ mich aus den Latschen kippen. Ich komme aus den Südstaaten und bin auf dem Lande aufgewachsen. Ich wünsche mir, irgendwann einmal in einem Gebiet zu wohnen, wo es Berge und Wälder gibt. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich in der Stadt ersticke, aber nie habe ich einen anderen Menschen gefunden, der das erkannte. Offenbar war es nur einer Katze möglich, das klar und deutlich auszusprechen.Mit dem Bild des Betons sandte er das Gefühl der Trauer, ganz als wäre ich die bedrohte Tierart, nicht er. Er wusste, dass mein Körper und mein Geist nicht das taten, wofür sie bestimmt waren. Ich sandte das Gefühl: „Du bist traurig.“ Ja, sagte er, wie du. Die Menschheit hat Käfige für uns beide gebaut; und sogar in seiner Gefangenschaft hatte dieser Jaguar eine klare Vorstellung des Schadens, dem seinen natürlichen Lebensraum angetan worden war. Geh dahin, wo du hin gehörst. Ich kann es nicht, aber du kannst es wenigstens. Rette dich, sagte er. Während des ganzen Gesprächs hielt er den Augenkontakt zu mir aufrecht. Es war die längste Kommunikation, die ich jemals mit einem wilden Tier hatte.“


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