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Ausgabe Juli 2002
Über die Überwindung des wild gewordenen „Affen“ des Verstandes

Erfahrungsabend/Seminar - mit Keith Sherwood

art17015
Overcoming the Monkey-Mind: Wie viele Gedanken wir am Tag denken, ist fast undenkbar. Keine Sekunde, wo nicht ein Gedankenblitz unser Gehirn durcheilt. Keith Sherwood verrät, wie meditiert werden kann, wenn der Verstand zu geschäftig ist. Der Text wurde von Anja Brandl übersetzt und mit Erläuterungen von Giselle Scheperjans versehen.


Die alten Yogis haben oft gesagt, dass der menschliche Verstand (das englische Wort „mind“ wird mit dem deutschen Wort „Verstand“ nur teilweise wiedergegeben) wie ein wilder Affe sei, der - nachdem er sich betrunken hat - von einem Baum fällt, mit dem Kopf auf einem Stein aufschlägt und von einer Schlange gebissen wird. Da sie wussten, wie unberechenbar der menschliche Verstand sein konnte, war ihnen klar, dass der Versuch, den Verstand zu kontrollieren, vergeblich ist. Und falls jemand verrückt genug war, sich dahingehend zu bemühen, würde sich dieses Bemühen früher oder später lediglich in einen hoffnungslosen Kampf zwischen verschiedenen Verstandesaspekten verwandeln. Sich dieser Tatsache bewusst, entwickelten sie eine andere Methode, die es ihnen ermöglichte, den Verstand zu transzendieren (überwinden), anstatt zu versuchen, ihn zu kontrollieren. Ihre Methode bestand darin, sich in der reinen Lebensenergie zu zentrieren, im „Prana“, das keine Eigenschaften hat und das durch jedes menschliche Energiesystem strahlt. (Sie befanden sich somit im bloßen Gewahrsein, in dem Gedanken, Glaubenssätze und bildhafte Vorstellungen ebenso erscheinen wie Emotionen und körperliche Empfindungen - nur waren sie an all das nicht mehr gebunden.) Auf diese Art konnten sie sich von ihrem Verstand lösen und dessen Beobachter werden. Zum Beobachter geworden und nicht mehr länger Teilnehmer, konnte sie der Verstand nicht länger beeinflussen. Wie ein Kinogänger konnten sie metaphorisch im Theater sitzen und ihren Film des Verstandes ansehen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Bedingungen, wie Prana, also die Konzentration eigenschaftsloser Energie, zugänglich werden kann. Die reine Lebensenergie taucht zusammen mit Atman, der göttlichen Intelligenz, aus einem Punkt rechts vom Herzchakra auf. Diese Konzentration von Energie ohne Eigenschaften (Prana) ist aus zwei Gründen überaus schwer zu erreichen: Zunächst einmal ist der Ort, aus dem das Prana auftaucht, in der Regel mit unzähligen Sediment-Schichten überzogen, die ein Produkt von früherem Karma sind. Jene Sediment-Schichten sind Energie, die mit Eigenschaften behaftet ist (d.h. mit Anbindung an Vorstellungen, Emotionen und Körperempfindungen). Außerdem verstreut sich das Prana durch das Energiesystem fast unmittelbar, nachdem es aufgetaucht ist.
Die Konzentration eigenschaftsloser Energie kann jedoch noch auf zwei andere Arten hergestellt werden: Reines Prana fließt mit jedem Prozess der Einatmung in das menschliche Energiesystem. Durch die Trennung des Atems vom „Ich“ (das „Ich“ oder Ego ist der Brennpunkt des niederen Verstandes im Universum der Erscheinungen) ist es möglich, die bewusste Aufmerksamkeit vom „Ich“ zu lösen und erneut der Beobachter des Verstandes zu werden (wie bei der buddhistischen Vipassana-Meditation). Um den Atem vom „Ich“ zu trennen, ist es nötig, die eigene Aufmerksamkeit in einem Pool von Prana zu zentrieren, und zwar sowie er das menschliche Energiesystem erfüllt und noch bevor er sich durch die Chakren (Energiezentren im Körper), Meridiane (Energiebahnen) und Aura (Ausstrahlung von Energie außerhalb der Körpergrenze) zerstreuen kann. Wie unerfahrene Studenten schon herausgefunden haben, kann das sehr schwierig sein, da ein gut entwickeltes Unterscheidungsvermögen dafür unabdingbar ist, die Fähigkeit, Energiefelder und individuelle Wellen von Energie auf den höheren Ebenen wahrzunehmen. Wenn dieses Unterscheidungsvermögen nicht durch Übung entwickelt wird, zerstreut sich der Prana-Pool innerhalb des Energiesystems, noch ehe der Schüler sich darin zentrieren konnte. Die dritte Methode ist die attraktivste für Schüler, für die Meditation und Energiearbeit noch etwas Neues sind. Dabei werden eines oder mehrere Chakren aktiviert und man soll in der Lebensenergie ohne Eigenschaften, die aus den Chakren auftaucht, zentriert bleiben. Das Wort Chakra bedeutet Rad. Alte yogische und tantrische Texte gehen meist von sieben Chakren aus. Die meisten modernen Quellen stimmen darin überein, dass sich sowohl sieben Chakren innerhalb des Körperraumes als auch sechs weitere darüber befinden. Für den Anfänger und den leicht fortgeschrittenen Schüler sind die Chakren innerhalb des Körperraumes einfacher zugänglich. Sogar der Anfänger wird bemerken, dass es mit ein bisschen Übung überraschend einfach ist, eines der Chakren im Körperraum zu aktivieren, wenn er die folgende Technik ausübt: Die Aktivierung des Herzchakras ist die beste Methode für den Anfänger oder Novizen, denn schließlich ist es das Herzchakra, durch das die begrenzte Wahrnehmung in Form der dominanten Persona auftaucht. („Persona“ ist der Hauptwesenszug eines Menschen aufgrund einer Anbindung an einen tief verankerten Glaubenssatz wie z.B. „Was ich mache, ist sowieso alles verkehrt.“)
Das Herzchakra befindet sich an einer Stelle innerhalb des Körperraumes, die auf der Wirbelsäule in der Höhe der Mitte des Brustbeins liegt. Auf dem Rücken ist der männliche Pol des Herzchakras, vorne am Brustbein der weibliche. Um die Meditation zu beginnen, muss man die Absicht haben, die Rückseite des Herzchakras zu aktivieren und seine bewusste Wahrnehmung dort zu zentrieren. „Die Absicht haben“ ist eine Verbalisierung des bewussten und unbewussten Willens. In diesem Fall würde die Absicht dieser Aussage folgendermaßen lauten: „Es ist meine Absicht, die Rückseite meines Herzchakras zu aktivieren und mein Bewusstsein dort zu zentrieren.“ Wenn man diese Absicht ausgesprochen hat, muss man seine mentale/geistige Aufmerksamkeit zu der Stelle bringen, wo der männliche Pol des Chakras erscheint - das ist innerhalb des Körperraumes am Rückrat. Sobald man seine Absicht ausgesprochen hat, kann man fühlen, wie das Chakra mit der reinen Lebensenergie zu glühen beginnt. Solange man die Zentrierung im männlichen Pol des Chakras aufrechterhält und dem Impuls abzudriften widersteht, wird man feststellen, dass man von seinen Gedanken losgelöst ist und dass sie entweder verschwinden oder aufhören, einen zu behelligen. In beiden Fällen wird man zu einem Beobachter des Verstandes, des „mind“. Wenn man diese Technik regelmäßig praktiziert, wird man feststellen, dass die Meditation bald tiefer geht und erfüllender wird.
Erfahrungsabend - 20 Euro,
Seminar - 160 Euro.


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