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Ausgabe Mai 2002
Young at heart

Der Herzlehrer Thomas Young im Gespräch

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Thomas Young hat auf seinen Reisen um die Welt mehrere Herzeinweihungen erfahren, die ihn verwandelt haben. Nach dem Zusammentreffen mit dem Mystiker Brugh Joy in Arizona und auf Hawaii starb sein altes Ich in einer alles umwälzenden Todeserfahrung. Er ließ alles hinter sich und verpflichtete sich, herzzentrierte Transformationsarbeit zu leisten. In dem folgenden Interview von Udo Carstensen spricht er über Erleuchtung, Selbst-Verwirklichung, das Geheimnis des Herzens und das erwachte Herzzentrum.

Udo Carstensen: Sind Sie erleuchtet?


Thomas Young: Sie stellen vielleicht Fragen. Was ist Erleuchtung? Was verstehen Sie darunter? Meinen Sie jemanden, der über das Wasser wandelt? Heißt Erleuchtung, dass Heilkraft aus den Händen strömt? Ist es ein Zugang zu direktem höherem Wissen? Oder das mit jeder Zelle des Körpers gefühlte Einssein mit der Umgebung, mit allem? Oder vielleicht wie Buddha sagt, etwas, was nicht ist, die Abwesenheit von etwas, nämlich Leiden, also unmittelbare Glückseligkeit. Wir fangen an, uns der Erleuchtung zu nähern, wenn wir aufhören, sie als übermenschliche Leistung zu betrachten, wenn wir aufhören, uns als getrennt von unserem Gegenüber zu erleben, wenn wir keinen Mangel mehr spüren. Offensichtlich hat es etwas mit Nähe zu tun. Der Schlüssel aus meiner Sicht ist praktizierte Liebe, Herzensliebe.


Sind Sie denn nun erleuchtet oder nicht?

Jeder von uns hat einen erleuchteten Kern, das Herz. Dort sind wir zeitlose, ewige Wesen. Das Erstaunliche ist, dass wir diesen Zugang erlernen können. Um auf Ihre Frage zurückzukommen. Was heißt Erleuchtung? Heißt es 24 Stunden am Tag in einem bestimmten Zustand zu sein? Während des Schlafens und während des Wachens. Oder nur während des Wachens? Oder vielleicht nur während des Schlafens? Einige sind in diesem Zustand sicherlich erleuchteter als am Tage. Ich bevorzuge den Begriff „Selbst-Verwirklichung“ oder „Erwacht sein“. Hier wird mehr die Idee spürbar von einer Erfahrung, die sowohl plötzlich als auch stufenweise geschehen kann. Ich weiß, Sie möchten immer noch eine Antwort. In meinem persönlichen Leben gibt es Momente absoluter Klarheit und vollständiger Liebe, ausgelöst durch ein erwachtes Herzzentrum. Ich bin in Liebe und glückselig. Die Frage nach der Erleuchtung ist für mich nicht wichtig. Ich habe aufgehört, meine Person als etwas Besonderes zu sehen und empfinde, dass die Kraft, die durch mich hindurchwirkt, in allen Menschen wirkt.


Aber offensichtlich gibt es Unterschiede?

Ja, im Zugang, aber nicht in der Essenz. Der sicherste Weg ist, sich der reinen Absicht seines Herzens anzuvertrauen. Erstaunlicherweise gibt es in den unterschiedlichsten spirituellen Traditionen Einigkeit über die Bedeutung des Herzzentrums. Nehmen Sie die Verehrung des Heiligen Herzens im Christentum, die Bedeutung des Herzsutra im Buddhismus oder den Sufismus, welcher den Augenblick des Erwachens „tauba“ nennt, das „Wenden des Herzens“. Auch die ägyptischen, griechischen und keltischen Mysterienschulen sind sich der Bedeutung des Herzzentrums bewusst, selbst wenn sie es sich nicht vollständig erklären können.


Wieso können diese Schulen es nicht vollständig erklären?

In einer der heiligen Schriften finden Sie den Satz: „Das Herz birgt ein Geheimnis, welches größer ist als alle Geheimnisse aller Kulturen aller Jahrhunderte.“ Es geht darum, sich diesem Geheimnis zu nähern, es zu schauen, es zu erleben. Ein Teil davon bleibt jedoch immer Geheimnis. Das Wochenende „Young at heart“ ist ein erster Schritt, diesen Weg des Herzens zu gehen, und die Teilnehmer spüren unmittelbar, wie sich diese Energie tatsächlich anfühlt. Wer einmal die wirkliche Tiefe des Herzzentrums erlebt hat, wagt dann den Schritt auf die 12-Tages-Conference „Sacred Heart“, ich sage bewusst „wagt“, weil die Herzeinweihung, die dort stattfindet, sehr tief greifende Transformationen im persönlichen Leben bewirkt. Wer wirklich sucht, wird dieses Wagnis jedoch frohen Herzens eingehen. Sie wissen doch: Nur Veränderungen führen zu Veränderungen.


Was konkret verändert sich durch die Herzarbeit?

Die Art, wie Wirklichkeit erlebt, erspürt und erfahren wird. Es ist, wie wenn man eine gleißende Sonne in der Mitte der Brust zum Schwingen bringt, die über kurz oder lang die anderen Kraftzentren integriert und zum Zentrum der Persönlichkeit wird. Wir denken fühlen und handeln direkt aus dem Herzen. Wichtig dabei ist: Das Herz lernt durch Berührung. Es schließt nichts aus, insbesondere nicht den Humor. Aus meiner Sicht ist Humor ein Königsweg zur Transformation. Er setzt einen transpersonalen Standpunkt voraus und betrachtet das Endliche vom Unendlichen. Wenn wir dem herzlichen Lachen eines heiligen Narren lauschen, hören wir ihn sofort, den Klang der Freiheit. Er kommt aus heiterem Himmel. Das erwachte Herzzentrum ist wie das Umstellen des Lebens auf eine andere Frequenz, eine andere Schwingung. Es ist wie ein Beschwingt-Sein, oder einfacher ausgedrückt: wie ein Herz mit Flügeln, ein Beflügelt-Sein. Der Volksmund kennt die Worte, aber häufig nicht den Weg dorthin, denn wir suchen die Herbeiführung dieser Zustände in der Regel durch äußere Stimulanz und nicht durch innere Arbeit. Das Herzzentrum ist das Fenster in die zeitlose Ebene der Glückseligkeit, und dieses Fenster geht nach innen auf. Jeder kann diesen Weg gehen und die Meditationsform ist sehr alltagstauglich. Es geht darum, in jedem Moment, egal ob im Beruf, in der Familie oder beim Einkaufen diese Energie zur Verfügung zu haben und nicht nur bei einem Klosterurlaub in Assisi oder an einem Kraftplatz in der Natur.


Ist es wichtig, diese Meditation allein zu praktizieren oder braucht man die Unterstützung einer Gruppe?

Natürlich ist es letztlich wichtig, dass jedes Individuum allein in der Lage ist, in seinem oder ihrem persönlichen Alltag dies zu praktizieren, dennoch sollte die bewusstseinserweiternde Transformation in einem Gruppenprozess nicht unterschätzt werden. Sie setzt die Kräfte in Bewegung und es bedarf zu Beginn eines Lehrers, der den Funken zündet und die Klarheit besitzt, Hindernisse zu erkennen und aus dem Weg zu räumen. Der Lehrer erzeugt mit der Gruppe ein Energiefeld, das den Teilnehmern den Zugang zu ihrem eigenen Herzzentrum öffnet. Das Erstaunliche ist, viele Menschen sind sich darüber im Klaren, dass bedingungslose Liebe einer, wenn nicht der zentrale Schlüssel ist, um Einweihungen zu bestehen und in Glückseligkeit zu leben. Doch der Weg von dieser Einsicht hin zur Umsetzung ist gespickt mit spirituellen Fallen.


Was ist eine dieser spirituellen Fallen?

Zu viele Fragen immer wieder neu zu stellen! Sie sehen, Journalisten fallen besonders schnell, schon aus beruflichen Gründen.


Eine letzte Frage?


Ihre Entscheidung!


Wie schaffe ich es, mit der Vergangenheit abzuschließen?

Dankbarkeit! . . . .

Thomas Young, vielen Dank für dieses Gespräch.


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