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Ausgabe März 2002
Ostern - Frühling lässt sein blaues Band...

Die Göttin Ostara und die Ursprünge unseres Osterfestes - von Dorothea Prill

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Wer oder was ist Ostara?

Zum einen war und ist Ostern das Fest der Saaten und des Frühlings mit vielerlei und doch einheitlichen Bräuchen und zum anderen galt Ostara den Germanen als Göttin des Frühlings und der Fruchtbarkeit. Unsere AhnInnen feierten am 21. März das Fest der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche. Auch heute noch beginnt der Frühling offiziell zu diesem Datum. Die Lichtzunahme seit dem Julfest am 21. Dezember ist so weit vorangeschritten, dass sie nun die dunkle Jahreshälfte überholt. Die Energie dieser Zeit beinhaltet Harmonie, Gleichgewicht, Ausgewogenheit zum einen und zum anderen frische Wachstums-Kräfte. Wenn ich diese Zeit bewusst erlebe und den Symbolgehalt der Traditionen wieder mit Leben und Sinn erfülle, können mich diese Kräfte bei der Entfaltung meiner Vorhaben in diesem Jahr sehr unterstützen.

Was sind die Traditionen von Ostara?

Bereits die alten Griechen feierten die Rückkehr von Persephone (römisch: Kore) aus dem Schattenreich ihres Gemahls Hades (Pluto) auf die Erde. Gemeinsam mit ihrer Mutter Demeter (röm. Ceres, keltisch Frigg), der Erd- und Vegetationsgöttin, fährt sie nun über das Land in einem Wagen, der von einer Kuh gezogen wird, und hinter ihnen beginnt es zu grünen und zu blühen: das Sinnbild des Frühlings. Bei Ausgrabungen in einer Germanensiedlung in Berlin-Schöneberg 1958 wurde ein kleines, bronzenes Rinderfigürchen gefunden, das heute im Museum Schöneberg zu begutachten ist. Aufgrund ähnlicher Funde in Norddeutschland konnte es als zur Göttin Nerthus zugehörig erkannt werden - Tacitus bestätigt in seinem Werk „Germania“ ihre Verehrung als oberste Gottheit, als Mutter Erde der Elb-Germanen. Der Mythos ist dem griechischen verwandt. Die Vorstellung der Wiedervereinigung von Demeter und Persephone findet ihre Umsetzung z.B. als Gebildbrot in Form der Brezel - eine Variante der Lemniskate, des Ewigkeitszeichens. Wir kennen sie als Alltagsgebäck, aber ihr ursprünglicher Symbolgehalt ist heute sicher nur wenigen bekannt.

Um Ostern ist die Zeit, in der sich die Knospen der Büsche und Bäume mit der zunehmenden Wärme und Helligkeit öffnen. Triebe kommen aus dem Boden hervor und die Winterlinge wie Schneeglöckchen, Krokusse und Tulpen schicken als erste ihre grünen Spitzen, aber auch die Zaubernuss stemmt sich mit zerzauster Blüte früh gegen den Winter. Dazu braucht es viel Kraft, die zweifache Kraft der Doppelgöttin - ein weiteres uraltes Sinnbild, wie unsere AhnInnen das Frühlings-Geschehen dargestellt haben.


Mit welchen Zeremonien und Symbolen haben unsere Ahnen diese Zeit begangen?

Ursymbol und Urform allen Lebens ist das Ei als Sinnbild für den Schoß: das Weltenei. Dem Ei wurden seit jeher auch magische Kräfte zugeschrieben. Zu Ostara wurden Eier rot gefärbt, denn rot ist die Farbe des Lebenssaftes Blut, und die Eier schenkte man sich gegenseitig. Dieser Brauch ist bereits aus dem alten China belegt, aus Ägypten und auch von den Frühlingsfesten im alten Persien, dem Einzugsgebiet der Ishtar/Astarte. Bei Ausgrabungen in Polen und Südmähren fand man ebenfalls verzierte Eier - ein uralter, weltumspannender Kult.

Im Bezirk Cottbus gilt heute noch das Walaien als dörflicher Osterbrauch - eine Art Eierboccia, dem ein alter Fruchtbarkeitsritus zugrunde liegt: Das Kullern der Eier über Wiesen und Felder soll das Gedeihen der Saat günstig beeinflussen. Ein ähnlicher Brauch ist die Feldweihe: Die Bauern schreiten mit den alten Feen- bzw. Ostara-Pflanzen, zu denen Birke, Beifuß, Pfefferminze, Primel, Erle und Distel gehören, ihre Felder ab und stecken sie zusammen mit einer Kerze in jeder Ecke des Ackers in den Boden - begleitet von Anrufungen und Gebeten. Beifuß heißt im lateinischen Artemesia und ist gleichzeitig der Name der kleinasiatischen Fruchtbarkeitsgöttin. In Schottland werden zu Ostara die Quellen und Brunnen geschmückt („well-dressing“) und im Ritual wiederbelebt und geweiht. Weit verbreitet ist auch das Holen des Osterwassers: Jungfräuliche Mädchen holen am frühen Morgen schweigend Quellwasser - in Kontemplation und Achtung vor dem Feenvolk.

Weder das Ei noch er selber sind eine Erfindung des Osterhasen. Der Hase gehört seit altersher zum Fest als Symbol der Fruchtbarkeit und galt als der heilige Mondhase der Göttin, was Sagen und Märchen belegen. Ein Mythos gibt Kunde davon, dass sich weise Frauen in Vollmondnächten in Hasen verwandeln können. Als weitere Symboltiere gelten die Löwin als Symbol der Kraft oder die Schlange als Symbol der ewigen Erneuerung durch Häutung und ein Ursymbol der Großen Erdmutter.


Und was gibt’s zum Festessen?

Zu einem Fest gehört auch ein Festessen, denn das hält Leib und Seele zusammen, erdet und schafft Gemeinschaft - zu empfehlen sind Speisen, die Symbolpflanzen und die Symbolfarben von Ostara enthalten. Es ist nicht zufällig jetzt die Zeit der Frühjahrskur mit Brennnessel- und sonstigen Kräutertees. Wichtig für das Festessen sind immer die Gebildbrote: diesmal Brezeln, Zopfbackwerk oder ein runder Laib mit Vulva.

Das Wichtigste am Frühling sind das wachsende Gras und die grünen Triebe allenthalben. Grün ist also Trumpf, und somit ist die Kultspeise des Ostarafestes die Frankfurter Grüne Soße. Dazu gehören 7 bis 9 symbol- und inhaltsträchtige Kräuter, Quark, Joghurt, und natürlich Eier. In Frankfurt kann man die entsprechenden Kräuter in einer zusammengerollten Packung überall kaufen. Hierzulande muss man sie sich mühsam - am besten auf den Märkten - zusammensuchen. Doch es lohnt sich. Schon das Kräuterschneiden und Zubereiten der Speise schenkt einen ungeahnten Energieschub - ganz zu schweigen vom genüsslich-bewussten Verzehr. Da spürt frau die göttlichen Frühlingskräfte am eigenen Leib und Seele.


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