aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe November 2001
Tanz der Göttinnen mit Pramoda Sabine Habenicht

Die griechischen Göttinnen sind Archetypen - Urbilder der Weiblichkeit - die in jeder Frau wohnen.

art10383
Warum fällt es uns Frauen so schwer, den Wert unserer eigenen weiblichen Qualitäten zu fühlen und zu sehen? Die Geschichte der Unterdrückung des Weiblichen ist lang und hat sich tief in unsere Körper eingegraben. Viele von uns haben sich mit männlichen Idealen wie Leistung, Kampf, Kontrolle oder Dominanz identifiziert und damit von ihren weiblichen Wurzeln wie Liebe, Hingabe, Empfindsamkeit oder Natürlichkeit abgeschnitten. Im Zentrum meiner Tanzwochenenden steht die Frage, wie ich meine eigenen weiblichen Qualitäten wiederfinden und wachsen lassen kann. Die Welt der weisen Göttinnen und die spielerische Kraft des Tanzes werden diese Reise zu unseren Wurzeln unterstützen. Die griechischen Göttinnen verkörpern all die Ausdrucksmöglichkeiten, die wir Frauen haben. Sie stehen symbolisch für je eine spezielle weibliche Seinsweise. Jede Frau trägt sie alle in sich, die einen mehr, die anderen weniger ausgeprägt. Die folgenden Archetypen sind schöne, alte und innerseelische Bilder, die uns stärken und sie sind Vor-bilder, mit denen wir uns rück-verbinden können.

So fragt Artemis, die Göttin der Jagd: Lebe ich in meinem Körper? Gebe ich ihm das Maß an Bewegung und Aktivität, das er braucht? Spüre ich meine Vitalität, meine Kraft, meine Lebensenergie? Athene, die Göttin der Weisheit, untersucht mein Verhältnis zur Struktur und Klarheit: Wage ich die Konfrontation? Kann ich ein Ziel anvisieren? Hestia, die Göttin des Herdfeuers, verkörpert die Ruhe, die ich brauche. Kann ich mit mir alleine sein? Erlaube ich mir, eine erotische Frau zu sein? Kenne ich meine statische Energie? Hera, die Göttin der Ehe, fragt nach meinem Verhältnis zur Sicherheit und Beständigkeit. Welche Regeln, Normen und Werte bestimmen mein Leben? Welchen Stellenwert hat die Gemeinschaft in meinem Leben? Demeter als Göttin der Kornfelder thematisiert den Raum, den ich meiner eigenen Mütterlichkeit gebe. Welchen Kindern möchte ich das Leben schenken - biologischen und/oder geistigen, sozialen, kreativen Kindern? Kann ich Verantwortung tragen? Persephone, die Göttin der Unterwelt, fragt, ob ich Kontakt zu meinem inneren Kind und meiner Empfänglichkeit habe. Darf ich spielerisch sein? Erlaube ich mir, die Fülle all meiner Möglichkeiten wahrzunehmen und daraus zu schöpfen? Aphrodite, die Göttin der Liebe, möchte genießen. Genieße ich das Leben, andere Menschen, mich selbst? Darf ich eine lustvolle, sexuelle und spontane Frau sein? Gestatte ich mir die Freiheit, die ich für meine Entwicklung brauche?


Nicht wie gewohnt über unseren Verstand, sondern über unseren Körper können wir diese Göttinnen im Tanz entdecken und erleben. Auf diese Weise finden wir Zugang zu den sieben in uns schlummernden Urkräften, die bis heute nichts an Aktualität für uns moderne Frauen eingebüßt haben. Haben wir uns diese Eigenschaften im Tanz bewusst gemacht, stehen sie uns als Kraftquellen im Alltag zur Verfügung. An diesem Wochenende gehen wir der Frage nach: „Welche dieser Göttinnen hat mein bisheriges Leben am stärksten bestimmt?“ und „Was ist meine Stärke?“ Oft ist es die Göttin, die unser Verhalten ausmacht und die uns auch in Notzeiten zur Seite steht. In vielen Fällen entwickeln wir unseren Hauptarchetyp in der Kindheit als Reaktion auf die an uns gestellten Erwartungen, sozusagen als Überlebensmuster. Er muss also nicht unbedingt mit unserem eigentlichen Wesen übereinstimmen, und deswegen ist es so wichtig, ihn zu kennen. In anderen Fällen liegt im Hauptarchetyp genau das, was wir von der Existenz als Geschenk mitbringen. Mit Hilfe speziell ausgewählter Musikstücke können wir herausfinden, auf welche Göttin wir bislang die meiste Energie gesetzt haben. Jeder Frau wohnt ein ureigener Tanzausdruck und Bewegungsrhythmus inne. Der Hauptarchetyp ist dann der Tanz, der aus der Frau quasi wie von selbst und ganz leicht ,herausfließt’. Jede Frau hat dann den Raum, ihre eigene ,Göttin’, von der sie bis dahin noch nicht weiß, wer sie ist, im Tanz zu vertiefen, zu spüren und zu erleben. Erst nachdem alle Frauen ihren Hauptarchetyp getanzt haben, wird das Geheimnis „wer ist wer?“ gelüftet.


Die bisher beobachtete prozentuale Verteilung der Hauptarchetypen in den Seminaren sieht folgendermaßen aus: Artemis 24,5 %, Athene 24,5 %, Hestia 7,9 %, Hera 5,3 %, Demeter 15,9 %, Persephone 14,5 % und Aphrodite 7,2 %. Dieses Ergebnis zeigt eine Tendenz an, die vielleicht nicht absolut repräsentativ ist - die unterschiedliche Gewichtung spricht jedoch für sich. An erster Stelle stehen Artemis und Athene: Beide sind unabhängige und extrovertierte Archetypen, die Kraft, Klugheit und Leistung symbolisieren. An zweiter Stelle folgen Demeter und Persephone: Beide sind beziehungsorientierte Archetypen, die für Mutter und Tochter stehen. Weniger stark vertreten sind Aphrodite, deren Metier die Erotik und Sexualität ist. Dass der Hera-Archetyp an letzter Stelle steht, scheint darauf zurückzuführen zu sein, dass eher weniger ,Hera-Frauen’ zu den Seminaren kommen. Da unsere Gesellschaft gewisse Archetypen eher fördert und unterstützt, andere dagegen weniger oder gar nicht, nimmt die Auseinandersetzung mit der eigenen Sehnsucht einen wichtigen Stellenwert in diesem weiblichen Selbsterfahrungsprozess ein.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.