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Bellis perennis – das Gänseblümchen. Über das Prinzip der Hoffnung ... von Andreas Krüger

Beitragsreihe über wichtige homöopathische Heilmittel – Andreas Krüger im Interview mit der Journalistin Haidrun Schäfer

art96141
© tainar_AdobeStock

Vergrößern hier klicken.
H. Schäfer: Wir beginnen ein neues Jahrzehnt. Was ist Ihr homöopathisches Geschenk für das neue Jahr?
Andreas Krüger: Das Gänseblümchen! Es gibt in der Homöopathie sogenannte große und auch kleine Mittel. Nach meiner Erfahrung gibt es weder groß noch klein, sondern es gibt Mittel, von denen man viel weiß und andere, von denen man weniger weiß. Je mehr man über ein Mittel weiß, umso größer wird es empfunden, weil man es einfach besser kennt. Heute möchte ich über ein Mittel sprechen, das ein ganz kleines Mittel in der Homöopathie ist, was aber in meiner Praxis immer häufiger bei schweren psychischen Pathologien eingesetzt wird: Bellis perennis – das Gänseblümchen.

Was sind die klassischen Einsatzgebiete?
Gänseblümchen bevölkern große ungemähte Rasenflächen und werden meistens regelmäßig in einem Massenmord vernichtet. Mit nur einer Rasenmähung wird Millionen von Gänseblümchen der Kopf abgehackt. Nach einer Woche guckt man auf die Wiese und schon sind sie wieder alle da.
Das Gänseblümchen ist in der Homöopathie schon lange bekannt, und es wurde immer gegeben, wenn der Patient als Empfindung ein Wundsein beschreibt. Das können wunde Knochen, wunde Schleimhäute oder Muskelkater sein. Es ist auch ein wichtiges Mittel nach Schwangerschaften, wenn die Bänder gedehnt sind und Weichteile verletzt wurden, oder wenn die Mutter das Gefühl hat, dass die Gebärmutter herausgedrückt wird – gerne auch in Kombination mit Arnica oder/und Sepia. Über die Wirkungen auf die Psyche wusste man wenig.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Wirkungen auf die Psyche?
Vor fünf Jahren hatte ich eine Patientin, die wirklich eine furchtbare Biografie mit kindlichem Missbrauch, Mobbing in der Schule und schrecklichen Beziehungen hatte – es war einfach furchtbar. Ich habe ihr Natrium, Sepia, Ignatia und Aurum gegeben und nichts half. Die einzigen körperlichen Symptome waren Gebärmutterbeschwerden nach drei Geburten von Kindern von drei unterschiedlichen Männern, die sie alle während der Schwangerschaft verlassen hatten. An dieser Frau war auffällig, dass sie nie aufgab. Sie stand immer wieder auf und machte weiter. Ich habe einen therapeutischen Lieblingssatz: hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen. Das gilt auch für mich, denn wenn Mittel nicht so wirken, wie ich hoffe oder wenn Dinge in meiner Therapie scheinbar erfolglos sind, gehe ich trotzdem immer davon aus, dass das, was gerade passiert, helfen wird. Wolf Biermann sagte mal: „Wir müssen besinnungslos sein vor Hoffnung.“ Ich bin auf jeden Fall als Matrix gut bei schwer kranken Patienten für das Prinzip Hoffnung. Manchmal sitzen hoffnungslose und depressive Menschen auf meinem Sofa und ich muss trotz oder wegen des Leids lächeln, worauf sie immer mit der Frage reagieren, ob ich sie etwa auslache. Ich antworte dann, dass ich lächele, weil ich das so gut kenne. Die Patienten sind jedes Mal völlig erstaunt und meinen, dass ich doch so aussehe, als wenn es mir gut ginge. Heute geht es mir auch gut, ich bin der glücklichste 65-Jährige, den ich kenne. Aber ich hatte Zeiten, wo ich noch nicht mal auf die Straße gegangen bin, weil ich dachte, dass man mich lyncht. Ich war eineinhalb Jahre schlaflos, angstkrank, hatte schwerste Depressionen und Burn-out, aber jetzt geht es mir gut. Es hat lange gedauert und ich habe viel getan. Hiob, der ja auch verzweifelt war und trotzdem weiter geliebt hat, den hat Gott um ein Vielfaches belohnt. Ich habe in meinem Leben erlebt, dass Durchhalten und in der Essenz meiner Liebe zu bleiben auch belohnt wurde. Hoffnung wird belohnt. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Zurück zu der Patientin.
Sie machte trotz allem immer weiter und das ist ein Leitsymptom von Bellis perennis: macht immer weiter. Und dann hatte sie einen Traum. Nach fünf Jahren erfolgloser Therapie träumte sie von riesigen Rasenmähern. Und dann zählte ich zusammen: Gebärmutterbeschwerden, viel Leid, steht immer wieder auf und macht trotzdem weiter, träumt von Rasenmähern – Bellis perennis! In diesem Mittel ist die Kraft weiterzumachen. Seitdem setze ich dieses Mittel oft ein. Ich habe ja zu 90 % Menschen, die mit schweren psychischen Schicksalen zu mir kommen, und wenig Knieschmerzen oder Fußpilz in meiner Praxis. Wahrscheinlich, weil ich selbst ein Mensch war, der lange chronische Krankheiten erlebt hatte. Ich hatte 25 Jahre schwere Migräne und war lange angstkrank, bis mich die Homöopathie erlöste und deshalb bin ich diesen Patienten „ähnlich“. Es gibt den Satz von Herbert Fritsche „Nur die Hand, die vor Leiden zuckt, kann Leiden heilen.“ Für mich ist Bellis perennis ein Mittel für Hoffnung. Johannes Mario Simmel war ein Bestsellerautor, der das Buch „Wir heißen euch hoffen“ geschrieben hat, das auch verfilmt wurde, und wo es um einen Drogensüchtigen geht. Dieser Satz passt perfekt zu Bellis perennis. Wenn Menschen viel Schweres hinter sich haben, sich seelisch wund fühlen und trotzdem immer wieder aufgestanden sind, so wie diese kleinen Blümchen – hoch, Rasenmäher, hoch, Rasenmäher und sie geben nicht auf und blühen alle drei Tage wieder und – zack – wird der Kopf wieder abgehackt – dann sollten wir an dieses Mittel denken.
Wenn Bellis-Patienten Reinkarnationstherapien machen, träumen sie oft von Erlebnissen, wo sie guillotiniert oder mit einem Schwert enthauptet worden sind. Das kennen wir bisher nur von Hypericum, das Johanniskraut von Johannis dem Täufer, der ja auch enthauptet wurde. Es gibt einen Film auf youTube, der heißt „der Weltenmensch“. Er kann die Aura der Menschen sehen und sagt, dass ganz viele noch ihre Stricke um den Hals haben, mit denen sie erhängt wurden oder eine Garotte um den Hals. Es ist furchtbar, aber es ist wichtig, wenn wir um solche Dinge wissen, dass wir sie miteinbeziehen.
Ich liebe viele Therapieformen und habe auch schon viel ausprobiert, aber für mich ist die Homöopathie die wunderbarste Medizin. Du riechst an einer Flasche oder nimmst ein Kügelchen und auf einmal ist das Leben anders, ohne 100 Stunden auf der Couch zu liegen und über das Leben nachzudenken.

Fazit?
Bellis perennis ist das Mittel für Menschen mit sehr schweren Schicksalen und dem Leitsymptom, immer wieder aufzustehen. Andere bleiben liegen. Da braucht es andere Mittel. Bellis perennis sagt von sich, ein Stehaufmännchen zu sein. Und wenn Menschen doch mal verzweifeln und sich wie wund geprügelt fühlen – auch ohne Gebärmuttersymptome und auch Männer – dann gibt ihnen das Gänseblümchen die Kraft eines Stehaufmännchens. Homöopathie heilt ja nicht nur Symptome, sondern hat auch einen Nährpol, d. h. sie kann helfen, dass wir Stehaufmännchen werden. In diesem Sinne: Stellen wir das Prinzip Hoffnung an den Beginn eines neuen Jahrzehnts.

H. Schäfer: Als Astrologin möchte ich noch hinzufügen: Auch die Sternenkonstellationen weisen Anfang des Jahres auf eine leichtere, zwar auch fordernde, aber eben leichtere Zeitqualität für die nächsten 20 Jahre hin. Die Sterne „machen“ sie nicht, sie spiegeln lediglich, was möglich ist. Insofern steht dieses Interview über „Hoffnung“ an der richtigen Stelle.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag



 

Bellis perennis – das Gänseblümchen. Über das Prinzip der Hoffnung ... von Andreas Krüger

Beitragsreihe über wichtige homöopathische Heilmittel – Andreas Krüger im Interview mit der Journalistin Haidrun Schäfer

art96141
© tainar_AdobeStock

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H. Schäfer: Wir beginnen ein neues Jahrzehnt. Was ist Ihr homöopathisches Geschenk für das neue Jahr?
Andreas Krüger: Das Gänseblümchen! Es gibt in der Homöopathie sogenannte große und auch kleine Mittel. Nach meiner Erfahrung gibt es weder groß noch klein, sondern es gibt Mittel, von denen man viel weiß und andere, von denen man weniger weiß. Je mehr man über ein Mittel weiß, umso größer wird es empfunden, weil man es einfach besser kennt. Heute möchte ich über ein Mittel sprechen, das ein ganz kleines Mittel in der Homöopathie ist, was aber in meiner Praxis immer häufiger bei schweren psychischen Pathologien eingesetzt wird: Bellis perennis – das Gänseblümchen.

Was sind die klassischen Einsatzgebiete?
Gänseblümchen bevölkern große ungemähte Rasenflächen und werden meistens regelmäßig in einem Massenmord vernichtet. Mit nur einer Rasenmähung wird Millionen von Gänseblümchen der Kopf abgehackt. Nach einer Woche guckt man auf die Wiese und schon sind sie wieder alle da.
Das Gänseblümchen ist in der Homöopathie schon lange bekannt, und es wurde immer gegeben, wenn der Patient als Empfindung ein Wundsein beschreibt. Das können wunde Knochen, wunde Schleimhäute oder Muskelkater sein. Es ist auch ein wichtiges Mittel nach Schwangerschaften, wenn die Bänder gedehnt sind und Weichteile verletzt wurden, oder wenn die Mutter das Gefühl hat, dass die Gebärmutter herausgedrückt wird – gerne auch in Kombination mit Arnica oder/und Sepia. Über die Wirkungen auf die Psyche wusste man wenig.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Wirkungen auf die Psyche?
Vor fünf Jahren hatte ich eine Patientin, die wirklich eine furchtbare Biografie mit kindlichem Missbrauch, Mobbing in der Schule und schrecklichen Beziehungen hatte – es war einfach furchtbar. Ich habe ihr Natrium, Sepia, Ignatia und Aurum gegeben und nichts half. Die einzigen körperlichen Symptome waren Gebärmutterbeschwerden nach drei Geburten von Kindern von drei unterschiedlichen Männern, die sie alle während der Schwangerschaft verlassen hatten. An dieser Frau war auffällig, dass sie nie aufgab. Sie stand immer wieder auf und machte weiter. Ich habe einen therapeutischen Lieblingssatz: hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen. Das gilt auch für mich, denn wenn Mittel nicht so wirken, wie ich hoffe oder wenn Dinge in meiner Therapie scheinbar erfolglos sind, gehe ich trotzdem immer davon aus, dass das, was gerade passiert, helfen wird. Wolf Biermann sagte mal: „Wir müssen besinnungslos sein vor Hoffnung.“ Ich bin auf jeden Fall als Matrix gut bei schwer kranken Patienten für das Prinzip Hoffnung. Manchmal sitzen hoffnungslose und depressive Menschen auf meinem Sofa und ich muss trotz oder wegen des Leids lächeln, worauf sie immer mit der Frage reagieren, ob ich sie etwa auslache. Ich antworte dann, dass ich lächele, weil ich das so gut kenne. Die Patienten sind jedes Mal völlig erstaunt und meinen, dass ich doch so aussehe, als wenn es mir gut ginge. Heute geht es mir auch gut, ich bin der glücklichste 65-Jährige, den ich kenne. Aber ich hatte Zeiten, wo ich noch nicht mal auf die Straße gegangen bin, weil ich dachte, dass man mich lyncht. Ich war eineinhalb Jahre schlaflos, angstkrank, hatte schwerste Depressionen und Burn-out, aber jetzt geht es mir gut. Es hat lange gedauert und ich habe viel getan. Hiob, der ja auch verzweifelt war und trotzdem weiter geliebt hat, den hat Gott um ein Vielfaches belohnt. Ich habe in meinem Leben erlebt, dass Durchhalten und in der Essenz meiner Liebe zu bleiben auch belohnt wurde. Hoffnung wird belohnt. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Zurück zu der Patientin.
Sie machte trotz allem immer weiter und das ist ein Leitsymptom von Bellis perennis: macht immer weiter. Und dann hatte sie einen Traum. Nach fünf Jahren erfolgloser Therapie träumte sie von riesigen Rasenmähern. Und dann zählte ich zusammen: Gebärmutterbeschwerden, viel Leid, steht immer wieder auf und macht trotzdem weiter, träumt von Rasenmähern – Bellis perennis! In diesem Mittel ist die Kraft weiterzumachen. Seitdem setze ich dieses Mittel oft ein. Ich habe ja zu 90 % Menschen, die mit schweren psychischen Schicksalen zu mir kommen, und wenig Knieschmerzen oder Fußpilz in meiner Praxis. Wahrscheinlich, weil ich selbst ein Mensch war, der lange chronische Krankheiten erlebt hatte. Ich hatte 25 Jahre schwere Migräne und war lange angstkrank, bis mich die Homöopathie erlöste und deshalb bin ich diesen Patienten „ähnlich“. Es gibt den Satz von Herbert Fritsche „Nur die Hand, die vor Leiden zuckt, kann Leiden heilen.“ Für mich ist Bellis perennis ein Mittel für Hoffnung. Johannes Mario Simmel war ein Bestsellerautor, der das Buch „Wir heißen euch hoffen“ geschrieben hat, das auch verfilmt wurde, und wo es um einen Drogensüchtigen geht. Dieser Satz passt perfekt zu Bellis perennis. Wenn Menschen viel Schweres hinter sich haben, sich seelisch wund fühlen und trotzdem immer wieder aufgestanden sind, so wie diese kleinen Blümchen – hoch, Rasenmäher, hoch, Rasenmäher und sie geben nicht auf und blühen alle drei Tage wieder und – zack – wird der Kopf wieder abgehackt – dann sollten wir an dieses Mittel denken.
Wenn Bellis-Patienten Reinkarnationstherapien machen, träumen sie oft von Erlebnissen, wo sie guillotiniert oder mit einem Schwert enthauptet worden sind. Das kennen wir bisher nur von Hypericum, das Johanniskraut von Johannis dem Täufer, der ja auch enthauptet wurde. Es gibt einen Film auf youTube, der heißt „der Weltenmensch“. Er kann die Aura der Menschen sehen und sagt, dass ganz viele noch ihre Stricke um den Hals haben, mit denen sie erhängt wurden oder eine Garotte um den Hals. Es ist furchtbar, aber es ist wichtig, wenn wir um solche Dinge wissen, dass wir sie miteinbeziehen.
Ich liebe viele Therapieformen und habe auch schon viel ausprobiert, aber für mich ist die Homöopathie die wunderbarste Medizin. Du riechst an einer Flasche oder nimmst ein Kügelchen und auf einmal ist das Leben anders, ohne 100 Stunden auf der Couch zu liegen und über das Leben nachzudenken.

Fazit?
Bellis perennis ist das Mittel für Menschen mit sehr schweren Schicksalen und dem Leitsymptom, immer wieder aufzustehen. Andere bleiben liegen. Da braucht es andere Mittel. Bellis perennis sagt von sich, ein Stehaufmännchen zu sein. Und wenn Menschen doch mal verzweifeln und sich wie wund geprügelt fühlen – auch ohne Gebärmuttersymptome und auch Männer – dann gibt ihnen das Gänseblümchen die Kraft eines Stehaufmännchens. Homöopathie heilt ja nicht nur Symptome, sondern hat auch einen Nährpol, d. h. sie kann helfen, dass wir Stehaufmännchen werden. In diesem Sinne: Stellen wir das Prinzip Hoffnung an den Beginn eines neuen Jahrzehnts.

H. Schäfer: Als Astrologin möchte ich noch hinzufügen: Auch die Sternenkonstellationen weisen Anfang des Jahres auf eine leichtere, zwar auch fordernde, aber eben leichtere Zeitqualität für die nächsten 20 Jahre hin. Die Sterne „machen“ sie nicht, sie spiegeln lediglich, was möglich ist. Insofern steht dieses Interview über „Hoffnung“ an der richtigen Stelle.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag



 

Bellis perennis – das Gänseblümchen. Über das Prinzip der Hoffnung ... von Andreas Krüger

Beitragsreihe über wichtige homöopathische Heilmittel – Andreas Krüger im Interview mit der Journalistin Haidrun Schäfer

art96141
© tainar_AdobeStock

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H. Schäfer: Wir beginnen ein neues Jahrzehnt. Was ist Ihr homöopathisches Geschenk für das neue Jahr?
Andreas Krüger: Das Gänseblümchen! Es gibt in der Homöopathie sogenannte große und auch kleine Mittel. Nach meiner Erfahrung gibt es weder groß noch klein, sondern es gibt Mittel, von denen man viel weiß und andere, von denen man weniger weiß. Je mehr man über ein Mittel weiß, umso größer wird es empfunden, weil man es einfach besser kennt. Heute möchte ich über ein Mittel sprechen, das ein ganz kleines Mittel in der Homöopathie ist, was aber in meiner Praxis immer häufiger bei schweren psychischen Pathologien eingesetzt wird: Bellis perennis – das Gänseblümchen.

Was sind die klassischen Einsatzgebiete?
Gänseblümchen bevölkern große ungemähte Rasenflächen und werden meistens regelmäßig in einem Massenmord vernichtet. Mit nur einer Rasenmähung wird Millionen von Gänseblümchen der Kopf abgehackt. Nach einer Woche guckt man auf die Wiese und schon sind sie wieder alle da.
Das Gänseblümchen ist in der Homöopathie schon lange bekannt, und es wurde immer gegeben, wenn der Patient als Empfindung ein Wundsein beschreibt. Das können wunde Knochen, wunde Schleimhäute oder Muskelkater sein. Es ist auch ein wichtiges Mittel nach Schwangerschaften, wenn die Bänder gedehnt sind und Weichteile verletzt wurden, oder wenn die Mutter das Gefühl hat, dass die Gebärmutter herausgedrückt wird – gerne auch in Kombination mit Arnica oder/und Sepia. Über die Wirkungen auf die Psyche wusste man wenig.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Wirkungen auf die Psyche?
Vor fünf Jahren hatte ich eine Patientin, die wirklich eine furchtbare Biografie mit kindlichem Missbrauch, Mobbing in der Schule und schrecklichen Beziehungen hatte – es war einfach furchtbar. Ich habe ihr Natrium, Sepia, Ignatia und Aurum gegeben und nichts half. Die einzigen körperlichen Symptome waren Gebärmutterbeschwerden nach drei Geburten von Kindern von drei unterschiedlichen Männern, die sie alle während der Schwangerschaft verlassen hatten. An dieser Frau war auffällig, dass sie nie aufgab. Sie stand immer wieder auf und machte weiter. Ich habe einen therapeutischen Lieblingssatz: hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen. Das gilt auch für mich, denn wenn Mittel nicht so wirken, wie ich hoffe oder wenn Dinge in meiner Therapie scheinbar erfolglos sind, gehe ich trotzdem immer davon aus, dass das, was gerade passiert, helfen wird. Wolf Biermann sagte mal: „Wir müssen besinnungslos sein vor Hoffnung.“ Ich bin auf jeden Fall als Matrix gut bei schwer kranken Patienten für das Prinzip Hoffnung. Manchmal sitzen hoffnungslose und depressive Menschen auf meinem Sofa und ich muss trotz oder wegen des Leids lächeln, worauf sie immer mit der Frage reagieren, ob ich sie etwa auslache. Ich antworte dann, dass ich lächele, weil ich das so gut kenne. Die Patienten sind jedes Mal völlig erstaunt und meinen, dass ich doch so aussehe, als wenn es mir gut ginge. Heute geht es mir auch gut, ich bin der glücklichste 65-Jährige, den ich kenne. Aber ich hatte Zeiten, wo ich noch nicht mal auf die Straße gegangen bin, weil ich dachte, dass man mich lyncht. Ich war eineinhalb Jahre schlaflos, angstkrank, hatte schwerste Depressionen und Burn-out, aber jetzt geht es mir gut. Es hat lange gedauert und ich habe viel getan. Hiob, der ja auch verzweifelt war und trotzdem weiter geliebt hat, den hat Gott um ein Vielfaches belohnt. Ich habe in meinem Leben erlebt, dass Durchhalten und in der Essenz meiner Liebe zu bleiben auch belohnt wurde. Hoffnung wird belohnt. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Zurück zu der Patientin.
Sie machte trotz allem immer weiter und das ist ein Leitsymptom von Bellis perennis: macht immer weiter. Und dann hatte sie einen Traum. Nach fünf Jahren erfolgloser Therapie träumte sie von riesigen Rasenmähern. Und dann zählte ich zusammen: Gebärmutterbeschwerden, viel Leid, steht immer wieder auf und macht trotzdem weiter, träumt von Rasenmähern – Bellis perennis! In diesem Mittel ist die Kraft weiterzumachen. Seitdem setze ich dieses Mittel oft ein. Ich habe ja zu 90 % Menschen, die mit schweren psychischen Schicksalen zu mir kommen, und wenig Knieschmerzen oder Fußpilz in meiner Praxis. Wahrscheinlich, weil ich selbst ein Mensch war, der lange chronische Krankheiten erlebt hatte. Ich hatte 25 Jahre schwere Migräne und war lange angstkrank, bis mich die Homöopathie erlöste und deshalb bin ich diesen Patienten „ähnlich“. Es gibt den Satz von Herbert Fritsche „Nur die Hand, die vor Leiden zuckt, kann Leiden heilen.“ Für mich ist Bellis perennis ein Mittel für Hoffnung. Johannes Mario Simmel war ein Bestsellerautor, der das Buch „Wir heißen euch hoffen“ geschrieben hat, das auch verfilmt wurde, und wo es um einen Drogensüchtigen geht. Dieser Satz passt perfekt zu Bellis perennis. Wenn Menschen viel Schweres hinter sich haben, sich seelisch wund fühlen und trotzdem immer wieder aufgestanden sind, so wie diese kleinen Blümchen – hoch, Rasenmäher, hoch, Rasenmäher und sie geben nicht auf und blühen alle drei Tage wieder und – zack – wird der Kopf wieder abgehackt – dann sollten wir an dieses Mittel denken.
Wenn Bellis-Patienten Reinkarnationstherapien machen, träumen sie oft von Erlebnissen, wo sie guillotiniert oder mit einem Schwert enthauptet worden sind. Das kennen wir bisher nur von Hypericum, das Johanniskraut von Johannis dem Täufer, der ja auch enthauptet wurde. Es gibt einen Film auf youTube, der heißt „der Weltenmensch“. Er kann die Aura der Menschen sehen und sagt, dass ganz viele noch ihre Stricke um den Hals haben, mit denen sie erhängt wurden oder eine Garotte um den Hals. Es ist furchtbar, aber es ist wichtig, wenn wir um solche Dinge wissen, dass wir sie miteinbeziehen.
Ich liebe viele Therapieformen und habe auch schon viel ausprobiert, aber für mich ist die Homöopathie die wunderbarste Medizin. Du riechst an einer Flasche oder nimmst ein Kügelchen und auf einmal ist das Leben anders, ohne 100 Stunden auf der Couch zu liegen und über das Leben nachzudenken.

Fazit?
Bellis perennis ist das Mittel für Menschen mit sehr schweren Schicksalen und dem Leitsymptom, immer wieder aufzustehen. Andere bleiben liegen. Da braucht es andere Mittel. Bellis perennis sagt von sich, ein Stehaufmännchen zu sein. Und wenn Menschen doch mal verzweifeln und sich wie wund geprügelt fühlen – auch ohne Gebärmuttersymptome und auch Männer – dann gibt ihnen das Gänseblümchen die Kraft eines Stehaufmännchens. Homöopathie heilt ja nicht nur Symptome, sondern hat auch einen Nährpol, d. h. sie kann helfen, dass wir Stehaufmännchen werden. In diesem Sinne: Stellen wir das Prinzip Hoffnung an den Beginn eines neuen Jahrzehnts.

H. Schäfer: Als Astrologin möchte ich noch hinzufügen: Auch die Sternenkonstellationen weisen Anfang des Jahres auf eine leichtere, zwar auch fordernde, aber eben leichtere Zeitqualität für die nächsten 20 Jahre hin. Die Sterne „machen“ sie nicht, sie spiegeln lediglich, was möglich ist. Insofern steht dieses Interview über „Hoffnung“ an der richtigen Stelle.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

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