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Erkenne, wie wundervoll du bist. Das große Dilemma ... aus dem Buch von Bahar Yilmaz


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© Amir Kaljikovic_AdobeStock

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Im Hier und Jetzt sein und sich gleichzeitig für eine größere Vision öffnen
Die meisten Menschen haben weder Gegenwart noch Zukunft. Sie leben eine Kopie ihrer Vergangenheit.


Die Abgeschiedenheit des Klosters auf einem Hügel bewirkte, dass ich mich zumindest oberflächlich gut fühlte. Es lag weit weg von dem Ort, an dem mein Leben zusammengebrochen war, weit weg von allen Menschen, die mich kannten. Mit jeder Woche, die verging, wurde ich mehr und mehr ein Teil der Rituale der Gemeinschaft und des Lebensstils der Mönche. Ich musste mich nicht mit meiner Vergangenheit beschäftigen und auch nicht mit meiner Zukunft. Ich war hier in einer geschützten Blase und meditierte jeden Tag für mehr als acht Stunden.

Immer wieder brachte ich meine Gedanken zurück zu meinem Atem, zurück ins Hier und Jetzt. Alle Gedanken und Gefühle, die aufkamen, deponierte ich für die Zeit im Kloster in einer Ecke meines Bewusstseins. Ich wollte so, wie es mir von einem der Mönche geraten wurde, vollkommen gegenwärtig sein. Meine Gedanken loslassen, in den gedankenstillen Raum eintauchen und einfach nur sein. An manchen Tagen ging das besser als an anderen. Aber ich fühlte mich gut, ich hätte mich an dieses Leben gewöhnen können.

Dann kam der Tag der Rückreise. Am Flughafen war ich innerlich noch immer sehr ruhig, auch wenn die Menschen und der Lärm ein kleiner Schock nach dieser ruhigen Zeit waren. Der Flug verlief wunderbar. Ich machte meine Meditationsübungen. Der Flieger landete. Ich stieg aus. Meine Eltern empfingen mich am Gate. Als ich im Auto saß auf dem Weg nach Ingolstadt wieder zurück ins Elternhaus und mein Vater mich fragte, wie es jetzt mit mir weitergehen würde, brach ich innerlich komplett zusammen. Eine Welle an unterdrückten Emotionen, Gedanken und Sorgen überkam mich dermaßen heftig, dass ich einen Heulkrampf bekam. So etwas hatte ich noch nie gehabt. Ich konnte gar nicht aufhören, zu schluchzen. Alles, was ich in dieser abgelegenen Ecke meines Bewusstseins deponiert hatte, wurde nun wieder freigesetzt und flutete unkontrolliert mein ganzes System. Es überrollte mich wie ein Tsunami aus vielen verschiedenen Emotionen wie Wut, Angst, Unsicherheit und Zweifel. Gleichzeitig verurteilte ich mich selbst dafür, in den Wochen im Kloster kein Stück weitergekommen zu sein, denn sonst hätte mich doch all das nicht so stark mitnehmen können. Ich sah damals noch nicht, dass ich in dieser Klosterzeit eines am intensivsten betrieben hatte: Unterdrückung.

Es vergingen mehr als drei Monate, die die dunkelste Zeit in meinem Leben waren. Ich blieb den ganzen Tag im Bett, aß tagelang nichts und dann wieder alles, was ich finden konnte. Ich wollte niemanden sehen, und ich verletzte Menschen, die ich über alles liebte. Es war eine ganz schlimme Zeit für meine Familie, aber vor allem für meine Schwester. Wir haben eine intensive Verbindung, aber nicht mal sie ließ ich an mich heran. Ich hatte so oft den Gedanken, sterben zu wollen, mich aufzulösen, ich empfand mich als Wesen und Mensch einfach nicht lebenswert.
Vielleicht hast auch du schon einmal so eine Phase in deinem Leben durchlebt. Mittendrin kann es fast unmöglich erscheinen, dort jemals wieder herauszukommen. So war es für mich auch. Ich dachte, dass ich all meine Freude und mein Leuchten verloren hatte. Das war aber nicht so. Ich erholte mich einfach nur von all der Unterdrückung meiner Gefühle, die ich nicht nur während der Wochen im Kloster, sondern über viele Jahre lang betrieben hatte. Meine Emotionen eroberten mich wieder zurück, und das war heftig. Ich fühlte auf einmal all den Schmerz, den ich jahrelang in einer unglücklichen Beziehung und Lebenssituation unterdrückt hatte. Der Schmerz wollte gesehen und erlebt werden. Und er hat mich geformt, reifen lassen, und ich kann heute Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, Hoffnung schenken. Die Hoffnung, dass sich die Dinge verändern werden und dass wir alle einen inneren Reflex zum Leuchten haben, egal wie lange es in uns dunkel war.

Wir alle wurden in den Sternen geschrieben.

Dieser Teil meiner Lebensgeschichte verdeutlicht ziemlich konkret das große Dilemma zwischen dem Sein im »Hier und Jetzt« und der Aufforderung, sich der eigenen Vergangenheit und vor allem der eigenen Zukunft zu widmen. Für viele Menschen erscheint es unlogisch, Gegenwärtigkeit zu üben und sich trotzdem Gedanken über die Zukunft zu machen und zum Beispiel eine ideale Form ihrer Zukunft zu visualisieren. Ich bin der Überzeugung, dass beides möglich ist, und gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wenn wir unsere Vergangenheit geheilt und abgeschlossen haben und uns für unsere Visionen öffnen, dann sind wir erst wahrhaft im Hier und Jetzt. Vorher nutzen wir Gegenwärtigkeit eher als ein Ablenkungsmanöver und wollen vor der Tatsache flüchten, uns mit Vergangenheit und Zukunft auseinandersetzen zu müssen. Genau das habe ich damals im Kloster gemacht.
Meine Gegenwärtigkeit war nur eine Unterdrückungsstrategie und oberflächlich. Ich zwang mich mit Kontrolle und Willenskraft, im Hier und Jetzt zu sein, ohne mich voll und ganz all dem hinzugeben, was in mir gerade da war. Emotional ging nämlich die Post ab: Ich glaubte, ich hätte versagt, in meiner Beziehung, in meinem Beruf, familiär, freundschaftlich, nichts war mehr da, und ich fühlte mich komplett fehl am Platz und verloren. Aber das durfte keinen Raum bekommen, ich wollte ja im Hier und Jetzt sein, atmen, mich auf den Moment fokussieren.
Dann würden all diese Verspannungen von allein weggehen. Das taten sie aber nur kurzfristig, um mich später dann komplett einzunehmen. Ich glaube, wir müssen alle irgendwann in unserem Leben erkennen und lernen, dass wir nicht gegen unsere Emotionen arbeiten können und dass sie eine Macht über uns haben, wenn wir sie nicht bewusst spüren, einladen, kommen lassen, von ihnen lernen und sie wieder gehen lassen. Ob im Kloster oder in der Welt.
Ein wichtiger Moment meines Übergangs von der dunklen Nacht meiner Seele hin zu einem Wandel in meinem Leben war, als eine innere Stimme in mir sagte: »Du bist davor weggelaufen, deine Aufgaben zu erledigen, und jetzt laufen deine Aufgaben auf dich zu.« Das öffnete mir die Augen, es war ein kleiner Erleuchtungsmoment für mich. Ich sah ein, dass ich mich nun endlich all meinen Ängsten und Emotionen stellen musste, wenn ich meine Seele verwirklichen und meinem Leben wieder Sinn verleihen wollte. (Und natürlich weiß ich heute, dass mir auch die Zeit im Kloster mit all den Erlebnissen dort dabei geholfen hat. Sie bereitete meine Heilung in der Tiefe vor.)

Am Anfang noch ganz leise. Kaum zu hören.
Doch dann immer lauter. Immer stärker.
Wie ein Sturm, der aufkommt.
Du kannst diesen Sturm nicht stoppen. Nichts kann die Stimme deines Herzens übertönen.
Wenn die Zeit gekommen ist, musst du dich für dein Herz entscheiden.


Es gibt eine Magie der energetischen Singularität. Singularität ist ein Begriff, der meist in einem Kontext der Astronomie oder Geografie genutzt wird. Hier wende ich diesen Begriff auf den Moment an, in dem wir absolut offen, verschmolzen und kongruent sind mit all unseren Teilen, Emotionen, Gedanken und Energien. Singularität stammt von singularis aus dem Lateinischen und bedeutet »einzeln«, »vereinzelt« oder »außergewöhnlich«. Die energetische Singularität geschieht in den Momenten, in denen wir allen Widerstand gegenüber unseren Emotionen und Gedanken verlieren, alles wahrnehmen und spüren, im Frieden mit der Vergangenheit sind und gleichzeitig in der Vorfreude auf eine nicht vollständig bestimmte Zukunft, losgelöst vom Endergebnis und offen für alle Wunder des Lebens. In diesem Moment findet eine Konvergenz in uns statt. Alles richtet sich auf eine innere Mitte aus. Zeit wird inaktiv. Wir spüren alles gleichzeitig. Wir empfinden alles viel intensiver und fühlen uns lebendig und ruhig zugleich. Wir verschmelzen mit all unseren Aspekten, Talenten und Potenzialen. Wir richten uns an einem inneren Kompass aus, denken sehr wenig bis gar nicht und fühlen unser Herz deutlich und stark.
Vielleicht hattest du solch einen Moment schon im Leben. Vielleicht war es ein Moment, in dem dich die Natur mit ihrer Schönheit in ihren Bann gezogen hat und du plötzlich außerhalb deiner Geschichte über dich und dein Leben warst. Oder es war ein Moment der Liebe oder Zuneigung. Vielleicht war es ein Moment voller Lachen und Freude. Vielleicht war es während einer Meditation. Oder du hast so einen Moment noch nicht erlebt.
Diese Momente der energetischen Singularität sind real. Sie verändern uns, indem sie uns mit allem, was wir jemals waren, sind und sein werden, verschmelzen lassen. Ich sehe das gern so, als würde die normalerweise horizontale Zeitachse zu einer vertikalen Zeitachse werden. Alles passiert gleichzeitig in diesem Moment. Die lineare Zeit ist inaktiv, und es öffnet sich dieses Tor hin zur unendlichen Quantensuppe voller Möglichkeiten. Wir können in diesen Raum nicht eintreten, wenn wir uns vor dem schützen wollen, was wir fühlen, denken und sind. Manchmal sind wir so stark in einer Geschichte über uns und unser Leben gefangen, dass wir uns von all dieser Magie abkapseln. Wir wollen lieber recht behalten, als uns zu verändern und zu öffnen.

Was kannst du konkret tun, um diese Magie der energetischen Singularität in deinem Leben immer wieder zu erschaffen und immer mehr Teile deines Lichts zurückzuerobern?

Die folgenden 8 Ratschläge können Sie im Buch weiterlesen. Buchtitel, siehe am Ende dieses Auszugs

Bahar Yilmaz: Vielleicht ist der folgende Satz für dich eine Stütze dafür, dich immer wieder daran zu erinnern, was dich in deinem Aufblühen unterstützen kann.

»Ich kann im Hier und Jetzt sein,
um den Moment voll und ganz zu erleben.
Aber ich bin nicht im Hier und Jetzt,
weil ich Angst vor meiner Vergangenheit habe oder Angst vor meiner Zukunft.
Ich integriere alles jetzt und trete in die Magie der Singularität ein. Danke.«


Buchauszug mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Bahar Yilmaz ist eine der bekanntesten Lebenscoaches im deutschsprachigen Raum. Mit ihrer erfrischenden und humorvollen Art erreicht sie Menschen jeden Alters. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Heilung, Transformation und die Erforschung von Energie, Bewusstsein und Spirit.

Buchtipp:
Bahar Yilmaz: Du wurdest in den Sternen geschrieben. Erkenne, wie wundervoll du bist, Integral 9.2019, 224 Seiten, 16 Euro, ISBN: 978-3-7787-9296-4



 

Erkenne, wie wundervoll du bist. Das große Dilemma ... aus dem Buch von Bahar Yilmaz


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© Amir Kaljikovic_AdobeStock

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Im Hier und Jetzt sein und sich gleichzeitig für eine größere Vision öffnen
Die meisten Menschen haben weder Gegenwart noch Zukunft. Sie leben eine Kopie ihrer Vergangenheit.


Die Abgeschiedenheit des Klosters auf einem Hügel bewirkte, dass ich mich zumindest oberflächlich gut fühlte. Es lag weit weg von dem Ort, an dem mein Leben zusammengebrochen war, weit weg von allen Menschen, die mich kannten. Mit jeder Woche, die verging, wurde ich mehr und mehr ein Teil der Rituale der Gemeinschaft und des Lebensstils der Mönche. Ich musste mich nicht mit meiner Vergangenheit beschäftigen und auch nicht mit meiner Zukunft. Ich war hier in einer geschützten Blase und meditierte jeden Tag für mehr als acht Stunden.

Immer wieder brachte ich meine Gedanken zurück zu meinem Atem, zurück ins Hier und Jetzt. Alle Gedanken und Gefühle, die aufkamen, deponierte ich für die Zeit im Kloster in einer Ecke meines Bewusstseins. Ich wollte so, wie es mir von einem der Mönche geraten wurde, vollkommen gegenwärtig sein. Meine Gedanken loslassen, in den gedankenstillen Raum eintauchen und einfach nur sein. An manchen Tagen ging das besser als an anderen. Aber ich fühlte mich gut, ich hätte mich an dieses Leben gewöhnen können.

Dann kam der Tag der Rückreise. Am Flughafen war ich innerlich noch immer sehr ruhig, auch wenn die Menschen und der Lärm ein kleiner Schock nach dieser ruhigen Zeit waren. Der Flug verlief wunderbar. Ich machte meine Meditationsübungen. Der Flieger landete. Ich stieg aus. Meine Eltern empfingen mich am Gate. Als ich im Auto saß auf dem Weg nach Ingolstadt wieder zurück ins Elternhaus und mein Vater mich fragte, wie es jetzt mit mir weitergehen würde, brach ich innerlich komplett zusammen. Eine Welle an unterdrückten Emotionen, Gedanken und Sorgen überkam mich dermaßen heftig, dass ich einen Heulkrampf bekam. So etwas hatte ich noch nie gehabt. Ich konnte gar nicht aufhören, zu schluchzen. Alles, was ich in dieser abgelegenen Ecke meines Bewusstseins deponiert hatte, wurde nun wieder freigesetzt und flutete unkontrolliert mein ganzes System. Es überrollte mich wie ein Tsunami aus vielen verschiedenen Emotionen wie Wut, Angst, Unsicherheit und Zweifel. Gleichzeitig verurteilte ich mich selbst dafür, in den Wochen im Kloster kein Stück weitergekommen zu sein, denn sonst hätte mich doch all das nicht so stark mitnehmen können. Ich sah damals noch nicht, dass ich in dieser Klosterzeit eines am intensivsten betrieben hatte: Unterdrückung.

Es vergingen mehr als drei Monate, die die dunkelste Zeit in meinem Leben waren. Ich blieb den ganzen Tag im Bett, aß tagelang nichts und dann wieder alles, was ich finden konnte. Ich wollte niemanden sehen, und ich verletzte Menschen, die ich über alles liebte. Es war eine ganz schlimme Zeit für meine Familie, aber vor allem für meine Schwester. Wir haben eine intensive Verbindung, aber nicht mal sie ließ ich an mich heran. Ich hatte so oft den Gedanken, sterben zu wollen, mich aufzulösen, ich empfand mich als Wesen und Mensch einfach nicht lebenswert.
Vielleicht hast auch du schon einmal so eine Phase in deinem Leben durchlebt. Mittendrin kann es fast unmöglich erscheinen, dort jemals wieder herauszukommen. So war es für mich auch. Ich dachte, dass ich all meine Freude und mein Leuchten verloren hatte. Das war aber nicht so. Ich erholte mich einfach nur von all der Unterdrückung meiner Gefühle, die ich nicht nur während der Wochen im Kloster, sondern über viele Jahre lang betrieben hatte. Meine Emotionen eroberten mich wieder zurück, und das war heftig. Ich fühlte auf einmal all den Schmerz, den ich jahrelang in einer unglücklichen Beziehung und Lebenssituation unterdrückt hatte. Der Schmerz wollte gesehen und erlebt werden. Und er hat mich geformt, reifen lassen, und ich kann heute Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, Hoffnung schenken. Die Hoffnung, dass sich die Dinge verändern werden und dass wir alle einen inneren Reflex zum Leuchten haben, egal wie lange es in uns dunkel war.

Wir alle wurden in den Sternen geschrieben.

Dieser Teil meiner Lebensgeschichte verdeutlicht ziemlich konkret das große Dilemma zwischen dem Sein im »Hier und Jetzt« und der Aufforderung, sich der eigenen Vergangenheit und vor allem der eigenen Zukunft zu widmen. Für viele Menschen erscheint es unlogisch, Gegenwärtigkeit zu üben und sich trotzdem Gedanken über die Zukunft zu machen und zum Beispiel eine ideale Form ihrer Zukunft zu visualisieren. Ich bin der Überzeugung, dass beides möglich ist, und gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wenn wir unsere Vergangenheit geheilt und abgeschlossen haben und uns für unsere Visionen öffnen, dann sind wir erst wahrhaft im Hier und Jetzt. Vorher nutzen wir Gegenwärtigkeit eher als ein Ablenkungsmanöver und wollen vor der Tatsache flüchten, uns mit Vergangenheit und Zukunft auseinandersetzen zu müssen. Genau das habe ich damals im Kloster gemacht.
Meine Gegenwärtigkeit war nur eine Unterdrückungsstrategie und oberflächlich. Ich zwang mich mit Kontrolle und Willenskraft, im Hier und Jetzt zu sein, ohne mich voll und ganz all dem hinzugeben, was in mir gerade da war. Emotional ging nämlich die Post ab: Ich glaubte, ich hätte versagt, in meiner Beziehung, in meinem Beruf, familiär, freundschaftlich, nichts war mehr da, und ich fühlte mich komplett fehl am Platz und verloren. Aber das durfte keinen Raum bekommen, ich wollte ja im Hier und Jetzt sein, atmen, mich auf den Moment fokussieren.
Dann würden all diese Verspannungen von allein weggehen. Das taten sie aber nur kurzfristig, um mich später dann komplett einzunehmen. Ich glaube, wir müssen alle irgendwann in unserem Leben erkennen und lernen, dass wir nicht gegen unsere Emotionen arbeiten können und dass sie eine Macht über uns haben, wenn wir sie nicht bewusst spüren, einladen, kommen lassen, von ihnen lernen und sie wieder gehen lassen. Ob im Kloster oder in der Welt.
Ein wichtiger Moment meines Übergangs von der dunklen Nacht meiner Seele hin zu einem Wandel in meinem Leben war, als eine innere Stimme in mir sagte: »Du bist davor weggelaufen, deine Aufgaben zu erledigen, und jetzt laufen deine Aufgaben auf dich zu.« Das öffnete mir die Augen, es war ein kleiner Erleuchtungsmoment für mich. Ich sah ein, dass ich mich nun endlich all meinen Ängsten und Emotionen stellen musste, wenn ich meine Seele verwirklichen und meinem Leben wieder Sinn verleihen wollte. (Und natürlich weiß ich heute, dass mir auch die Zeit im Kloster mit all den Erlebnissen dort dabei geholfen hat. Sie bereitete meine Heilung in der Tiefe vor.)

Am Anfang noch ganz leise. Kaum zu hören.
Doch dann immer lauter. Immer stärker.
Wie ein Sturm, der aufkommt.
Du kannst diesen Sturm nicht stoppen. Nichts kann die Stimme deines Herzens übertönen.
Wenn die Zeit gekommen ist, musst du dich für dein Herz entscheiden.


Es gibt eine Magie der energetischen Singularität. Singularität ist ein Begriff, der meist in einem Kontext der Astronomie oder Geografie genutzt wird. Hier wende ich diesen Begriff auf den Moment an, in dem wir absolut offen, verschmolzen und kongruent sind mit all unseren Teilen, Emotionen, Gedanken und Energien. Singularität stammt von singularis aus dem Lateinischen und bedeutet »einzeln«, »vereinzelt« oder »außergewöhnlich«. Die energetische Singularität geschieht in den Momenten, in denen wir allen Widerstand gegenüber unseren Emotionen und Gedanken verlieren, alles wahrnehmen und spüren, im Frieden mit der Vergangenheit sind und gleichzeitig in der Vorfreude auf eine nicht vollständig bestimmte Zukunft, losgelöst vom Endergebnis und offen für alle Wunder des Lebens. In diesem Moment findet eine Konvergenz in uns statt. Alles richtet sich auf eine innere Mitte aus. Zeit wird inaktiv. Wir spüren alles gleichzeitig. Wir empfinden alles viel intensiver und fühlen uns lebendig und ruhig zugleich. Wir verschmelzen mit all unseren Aspekten, Talenten und Potenzialen. Wir richten uns an einem inneren Kompass aus, denken sehr wenig bis gar nicht und fühlen unser Herz deutlich und stark.
Vielleicht hattest du solch einen Moment schon im Leben. Vielleicht war es ein Moment, in dem dich die Natur mit ihrer Schönheit in ihren Bann gezogen hat und du plötzlich außerhalb deiner Geschichte über dich und dein Leben warst. Oder es war ein Moment der Liebe oder Zuneigung. Vielleicht war es ein Moment voller Lachen und Freude. Vielleicht war es während einer Meditation. Oder du hast so einen Moment noch nicht erlebt.
Diese Momente der energetischen Singularität sind real. Sie verändern uns, indem sie uns mit allem, was wir jemals waren, sind und sein werden, verschmelzen lassen. Ich sehe das gern so, als würde die normalerweise horizontale Zeitachse zu einer vertikalen Zeitachse werden. Alles passiert gleichzeitig in diesem Moment. Die lineare Zeit ist inaktiv, und es öffnet sich dieses Tor hin zur unendlichen Quantensuppe voller Möglichkeiten. Wir können in diesen Raum nicht eintreten, wenn wir uns vor dem schützen wollen, was wir fühlen, denken und sind. Manchmal sind wir so stark in einer Geschichte über uns und unser Leben gefangen, dass wir uns von all dieser Magie abkapseln. Wir wollen lieber recht behalten, als uns zu verändern und zu öffnen.

Was kannst du konkret tun, um diese Magie der energetischen Singularität in deinem Leben immer wieder zu erschaffen und immer mehr Teile deines Lichts zurückzuerobern?

Die folgenden 8 Ratschläge können Sie im Buch weiterlesen. Buchtitel, siehe am Ende dieses Auszugs

Bahar Yilmaz: Vielleicht ist der folgende Satz für dich eine Stütze dafür, dich immer wieder daran zu erinnern, was dich in deinem Aufblühen unterstützen kann.

»Ich kann im Hier und Jetzt sein,
um den Moment voll und ganz zu erleben.
Aber ich bin nicht im Hier und Jetzt,
weil ich Angst vor meiner Vergangenheit habe oder Angst vor meiner Zukunft.
Ich integriere alles jetzt und trete in die Magie der Singularität ein. Danke.«


Buchauszug mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Bahar Yilmaz ist eine der bekanntesten Lebenscoaches im deutschsprachigen Raum. Mit ihrer erfrischenden und humorvollen Art erreicht sie Menschen jeden Alters. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Heilung, Transformation und die Erforschung von Energie, Bewusstsein und Spirit.

Buchtipp:
Bahar Yilmaz: Du wurdest in den Sternen geschrieben. Erkenne, wie wundervoll du bist, Integral 9.2019, 224 Seiten, 16 Euro, ISBN: 978-3-7787-9296-4



 

Erkenne, wie wundervoll du bist. Das große Dilemma ... aus dem Buch von Bahar Yilmaz


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Im Hier und Jetzt sein und sich gleichzeitig für eine größere Vision öffnen
Die meisten Menschen haben weder Gegenwart noch Zukunft. Sie leben eine Kopie ihrer Vergangenheit.


Die Abgeschiedenheit des Klosters auf einem Hügel bewirkte, dass ich mich zumindest oberflächlich gut fühlte. Es lag weit weg von dem Ort, an dem mein Leben zusammengebrochen war, weit weg von allen Menschen, die mich kannten. Mit jeder Woche, die verging, wurde ich mehr und mehr ein Teil der Rituale der Gemeinschaft und des Lebensstils der Mönche. Ich musste mich nicht mit meiner Vergangenheit beschäftigen und auch nicht mit meiner Zukunft. Ich war hier in einer geschützten Blase und meditierte jeden Tag für mehr als acht Stunden.

Immer wieder brachte ich meine Gedanken zurück zu meinem Atem, zurück ins Hier und Jetzt. Alle Gedanken und Gefühle, die aufkamen, deponierte ich für die Zeit im Kloster in einer Ecke meines Bewusstseins. Ich wollte so, wie es mir von einem der Mönche geraten wurde, vollkommen gegenwärtig sein. Meine Gedanken loslassen, in den gedankenstillen Raum eintauchen und einfach nur sein. An manchen Tagen ging das besser als an anderen. Aber ich fühlte mich gut, ich hätte mich an dieses Leben gewöhnen können.

Dann kam der Tag der Rückreise. Am Flughafen war ich innerlich noch immer sehr ruhig, auch wenn die Menschen und der Lärm ein kleiner Schock nach dieser ruhigen Zeit waren. Der Flug verlief wunderbar. Ich machte meine Meditationsübungen. Der Flieger landete. Ich stieg aus. Meine Eltern empfingen mich am Gate. Als ich im Auto saß auf dem Weg nach Ingolstadt wieder zurück ins Elternhaus und mein Vater mich fragte, wie es jetzt mit mir weitergehen würde, brach ich innerlich komplett zusammen. Eine Welle an unterdrückten Emotionen, Gedanken und Sorgen überkam mich dermaßen heftig, dass ich einen Heulkrampf bekam. So etwas hatte ich noch nie gehabt. Ich konnte gar nicht aufhören, zu schluchzen. Alles, was ich in dieser abgelegenen Ecke meines Bewusstseins deponiert hatte, wurde nun wieder freigesetzt und flutete unkontrolliert mein ganzes System. Es überrollte mich wie ein Tsunami aus vielen verschiedenen Emotionen wie Wut, Angst, Unsicherheit und Zweifel. Gleichzeitig verurteilte ich mich selbst dafür, in den Wochen im Kloster kein Stück weitergekommen zu sein, denn sonst hätte mich doch all das nicht so stark mitnehmen können. Ich sah damals noch nicht, dass ich in dieser Klosterzeit eines am intensivsten betrieben hatte: Unterdrückung.

Es vergingen mehr als drei Monate, die die dunkelste Zeit in meinem Leben waren. Ich blieb den ganzen Tag im Bett, aß tagelang nichts und dann wieder alles, was ich finden konnte. Ich wollte niemanden sehen, und ich verletzte Menschen, die ich über alles liebte. Es war eine ganz schlimme Zeit für meine Familie, aber vor allem für meine Schwester. Wir haben eine intensive Verbindung, aber nicht mal sie ließ ich an mich heran. Ich hatte so oft den Gedanken, sterben zu wollen, mich aufzulösen, ich empfand mich als Wesen und Mensch einfach nicht lebenswert.
Vielleicht hast auch du schon einmal so eine Phase in deinem Leben durchlebt. Mittendrin kann es fast unmöglich erscheinen, dort jemals wieder herauszukommen. So war es für mich auch. Ich dachte, dass ich all meine Freude und mein Leuchten verloren hatte. Das war aber nicht so. Ich erholte mich einfach nur von all der Unterdrückung meiner Gefühle, die ich nicht nur während der Wochen im Kloster, sondern über viele Jahre lang betrieben hatte. Meine Emotionen eroberten mich wieder zurück, und das war heftig. Ich fühlte auf einmal all den Schmerz, den ich jahrelang in einer unglücklichen Beziehung und Lebenssituation unterdrückt hatte. Der Schmerz wollte gesehen und erlebt werden. Und er hat mich geformt, reifen lassen, und ich kann heute Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, Hoffnung schenken. Die Hoffnung, dass sich die Dinge verändern werden und dass wir alle einen inneren Reflex zum Leuchten haben, egal wie lange es in uns dunkel war.

Wir alle wurden in den Sternen geschrieben.

Dieser Teil meiner Lebensgeschichte verdeutlicht ziemlich konkret das große Dilemma zwischen dem Sein im »Hier und Jetzt« und der Aufforderung, sich der eigenen Vergangenheit und vor allem der eigenen Zukunft zu widmen. Für viele Menschen erscheint es unlogisch, Gegenwärtigkeit zu üben und sich trotzdem Gedanken über die Zukunft zu machen und zum Beispiel eine ideale Form ihrer Zukunft zu visualisieren. Ich bin der Überzeugung, dass beides möglich ist, und gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wenn wir unsere Vergangenheit geheilt und abgeschlossen haben und uns für unsere Visionen öffnen, dann sind wir erst wahrhaft im Hier und Jetzt. Vorher nutzen wir Gegenwärtigkeit eher als ein Ablenkungsmanöver und wollen vor der Tatsache flüchten, uns mit Vergangenheit und Zukunft auseinandersetzen zu müssen. Genau das habe ich damals im Kloster gemacht.
Meine Gegenwärtigkeit war nur eine Unterdrückungsstrategie und oberflächlich. Ich zwang mich mit Kontrolle und Willenskraft, im Hier und Jetzt zu sein, ohne mich voll und ganz all dem hinzugeben, was in mir gerade da war. Emotional ging nämlich die Post ab: Ich glaubte, ich hätte versagt, in meiner Beziehung, in meinem Beruf, familiär, freundschaftlich, nichts war mehr da, und ich fühlte mich komplett fehl am Platz und verloren. Aber das durfte keinen Raum bekommen, ich wollte ja im Hier und Jetzt sein, atmen, mich auf den Moment fokussieren.
Dann würden all diese Verspannungen von allein weggehen. Das taten sie aber nur kurzfristig, um mich später dann komplett einzunehmen. Ich glaube, wir müssen alle irgendwann in unserem Leben erkennen und lernen, dass wir nicht gegen unsere Emotionen arbeiten können und dass sie eine Macht über uns haben, wenn wir sie nicht bewusst spüren, einladen, kommen lassen, von ihnen lernen und sie wieder gehen lassen. Ob im Kloster oder in der Welt.
Ein wichtiger Moment meines Übergangs von der dunklen Nacht meiner Seele hin zu einem Wandel in meinem Leben war, als eine innere Stimme in mir sagte: »Du bist davor weggelaufen, deine Aufgaben zu erledigen, und jetzt laufen deine Aufgaben auf dich zu.« Das öffnete mir die Augen, es war ein kleiner Erleuchtungsmoment für mich. Ich sah ein, dass ich mich nun endlich all meinen Ängsten und Emotionen stellen musste, wenn ich meine Seele verwirklichen und meinem Leben wieder Sinn verleihen wollte. (Und natürlich weiß ich heute, dass mir auch die Zeit im Kloster mit all den Erlebnissen dort dabei geholfen hat. Sie bereitete meine Heilung in der Tiefe vor.)

Am Anfang noch ganz leise. Kaum zu hören.
Doch dann immer lauter. Immer stärker.
Wie ein Sturm, der aufkommt.
Du kannst diesen Sturm nicht stoppen. Nichts kann die Stimme deines Herzens übertönen.
Wenn die Zeit gekommen ist, musst du dich für dein Herz entscheiden.


Es gibt eine Magie der energetischen Singularität. Singularität ist ein Begriff, der meist in einem Kontext der Astronomie oder Geografie genutzt wird. Hier wende ich diesen Begriff auf den Moment an, in dem wir absolut offen, verschmolzen und kongruent sind mit all unseren Teilen, Emotionen, Gedanken und Energien. Singularität stammt von singularis aus dem Lateinischen und bedeutet »einzeln«, »vereinzelt« oder »außergewöhnlich«. Die energetische Singularität geschieht in den Momenten, in denen wir allen Widerstand gegenüber unseren Emotionen und Gedanken verlieren, alles wahrnehmen und spüren, im Frieden mit der Vergangenheit sind und gleichzeitig in der Vorfreude auf eine nicht vollständig bestimmte Zukunft, losgelöst vom Endergebnis und offen für alle Wunder des Lebens. In diesem Moment findet eine Konvergenz in uns statt. Alles richtet sich auf eine innere Mitte aus. Zeit wird inaktiv. Wir spüren alles gleichzeitig. Wir empfinden alles viel intensiver und fühlen uns lebendig und ruhig zugleich. Wir verschmelzen mit all unseren Aspekten, Talenten und Potenzialen. Wir richten uns an einem inneren Kompass aus, denken sehr wenig bis gar nicht und fühlen unser Herz deutlich und stark.
Vielleicht hattest du solch einen Moment schon im Leben. Vielleicht war es ein Moment, in dem dich die Natur mit ihrer Schönheit in ihren Bann gezogen hat und du plötzlich außerhalb deiner Geschichte über dich und dein Leben warst. Oder es war ein Moment der Liebe oder Zuneigung. Vielleicht war es ein Moment voller Lachen und Freude. Vielleicht war es während einer Meditation. Oder du hast so einen Moment noch nicht erlebt.
Diese Momente der energetischen Singularität sind real. Sie verändern uns, indem sie uns mit allem, was wir jemals waren, sind und sein werden, verschmelzen lassen. Ich sehe das gern so, als würde die normalerweise horizontale Zeitachse zu einer vertikalen Zeitachse werden. Alles passiert gleichzeitig in diesem Moment. Die lineare Zeit ist inaktiv, und es öffnet sich dieses Tor hin zur unendlichen Quantensuppe voller Möglichkeiten. Wir können in diesen Raum nicht eintreten, wenn wir uns vor dem schützen wollen, was wir fühlen, denken und sind. Manchmal sind wir so stark in einer Geschichte über uns und unser Leben gefangen, dass wir uns von all dieser Magie abkapseln. Wir wollen lieber recht behalten, als uns zu verändern und zu öffnen.

Was kannst du konkret tun, um diese Magie der energetischen Singularität in deinem Leben immer wieder zu erschaffen und immer mehr Teile deines Lichts zurückzuerobern?

Die folgenden 8 Ratschläge können Sie im Buch weiterlesen. Buchtitel, siehe am Ende dieses Auszugs

Bahar Yilmaz: Vielleicht ist der folgende Satz für dich eine Stütze dafür, dich immer wieder daran zu erinnern, was dich in deinem Aufblühen unterstützen kann.

»Ich kann im Hier und Jetzt sein,
um den Moment voll und ganz zu erleben.
Aber ich bin nicht im Hier und Jetzt,
weil ich Angst vor meiner Vergangenheit habe oder Angst vor meiner Zukunft.
Ich integriere alles jetzt und trete in die Magie der Singularität ein. Danke.«


Buchauszug mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Bahar Yilmaz ist eine der bekanntesten Lebenscoaches im deutschsprachigen Raum. Mit ihrer erfrischenden und humorvollen Art erreicht sie Menschen jeden Alters. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Heilung, Transformation und die Erforschung von Energie, Bewusstsein und Spirit.

Buchtipp:
Bahar Yilmaz: Du wurdest in den Sternen geschrieben. Erkenne, wie wundervoll du bist, Integral 9.2019, 224 Seiten, 16 Euro, ISBN: 978-3-7787-9296-4