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Nur wer loslässt, kann auch fliegen ... von Ajahn Brahm / Master Guojun

ein Buchauszug ...

art96021
© Joachim Neumann_AdobeStock

Vergrößern hier klicken.
Aahayana: ein schneller Tritt in den Hintern von Glück und Weisheit
Sowohl der Ehrenwerte Guojun als auch ich wurden in ziemlich jungen Jahren Buddhisten und haben uns nicht nur im Hinblick auf den Dhamma weiterentwickelt, sondern auch hinsichtlich unserer Lehrmethoden.
Ich wurde mit sechzehn Buddhist. Zu der Zeit war ich in London auf der Latymer School und hatte meine erste schulische Auszeichnung bekommen – für das, was gemeinhin als A-Level bezeichnet wird (Advanced Level beziehungsweise General Certificate of Education Advanced Level). Vom Preisgeld konnte ich mir ein Hardcover kaufen. Und da ich mich damals besonders für Mathe interessierte, drängte mich ein Berater, mir eines über mein Lieblingsfach zu kaufen. Also ging ich zu Foyles, einem berühmten Buchladen, und schaute mir die Mathebücher an. Aber die waren so was von langweilig! Zudem kam ich aus einer sehr armen Familie und sah absolut nicht ein, dass ich mein schwer verdientes Preisgeld für Gleichungen und mathematische Lehrsätze ausgeben sollte. Viel mehr stand mir der Sinn nach etwas Ausgeflipptem, leicht Anrüchigem. Die Esoterik-Abteilung von Foyles befand sich im ersten Stock des Nebengebäudes. Da ging ich hin. Ich blätterte Bücher über Buddhismus durch, zum Beispiel Lobsang Rampas Das Dritte Auge. Der Autor behauptete, die Reinkarnation eines tibetischen Rinpoche zu sein. (In Wirklichkeit war er Klempner und lebte in Irland.)
Das Buch war wirklich faszinierend geschrieben. Wie Carlos Castaneda war auch Rampa (eigentlich Cyril Henry Hoskin) sowohl Fantast als auch ein fantastischer Schriftsteller. Ich entschied mich dann für eine allgemeine Einführung in den Buddhismus. An ihm gefiel mir, dass er keinen Gott kannte und dass so großer Wert auf Güte und Mitgefühl gelegt wurde. Und auch die Idee der Reinkarnation fand ich cool. Denn warum sollte man sich ausgerechnet das menschliche Leben als gerade Linie mit Anfang und Ende vorstellen? Alles, was ich aus den Naturwissenschaften kannte, war eher kreisförmiger Natur. Die Erde: eine Kugel ohne Kanten. Das Universum: gekrümmt und grenzenlos. Selbst die Jahreszeiten folgten einander kreisförmig. Warum also sollte es sich mit dem Leben anders verhalten? Was für eine Sorte Buddhist ich wurde, war mir wurscht. In den frühen Siebzigern gab es in Britannien eh noch keine große Auswahl. Und so besuchte ich alles, was irgendwie mit dem Dhamma zu tun hatte.
Ein Vortrag, den ich hörte, stammte von einem japanischen Zen-Meister, der praktisch kein Englisch konnte. Doch trotz seines beschränkten Vokabulars beeindruckte er mich durch die Eloquenz, die er an den Tag legte. So antwortete er etwa auf die Frage, wie er den Buddhismus in England einschätzte: »Bücher, Bücher, Bücher. Viel zu viele! Müllkippe!«
Wenig später beschloss ich, Mönch zu werden. Und es mag sich allzu simpel anhören, aber dass ich mich für die thailändische Waldtradition entschied, lag daran, dass deren Mönche am meisten lächelten. Es hatte also nichts mit Philosophie zu tun, sondern einfach mit der Tatsache, dass sie lächelten. Sie waren glücklich. Ihre lächelnden Gesichter sprachen mich an, und so begann ich mich für das zu interessieren, was ich Hahayana nenne, mein Fahrzeug auf dem buddhistischen Pfad. Kein Mahayana, Hinayana, Theravada, Mantrayana. Sondern Hahayana.
In meinen buddhistischen Anfängen empfand ich mich schon allein deshalb nicht als Angehörigen einer »Sekte«, weil es in dem Teil Thailands, in dem sich Wat Pah Pong befindet, keine anderen buddhistischen Strömungen gab! Und ja: Wir waren dort schon sehr isoliert. Später dann, als ich anfing zu reisen, traf ich auch Mönche, die anderen Traditionen angehörten. Heute bin ich natürlich sehr viel unterwegs und halte mich auch oft in anderen Tempeln auf. Wir organisieren Veranstaltungen zusammen und schließen wunderbare Freundschaften. Jeder Tempel von Freunden ist für mich wie mein eigener. Ich sehe gar keine Differenzen mehr. Wir tragen einfach nur unterschiedliche Roben: derselbe Kuchen mit einer anderen Glasur.
Im Hahayana kommt alles Freudvolle und Beglückende am spirituellen Pfad voll zum Ausdruck. Viel zu lange hatte man mir eingetrichtert, dass der spirituelle Pfad etwas Trockenes, Intellektuelles und die Weisheit kühl sei. Doch ich konnte mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass in den Händen großer Meister die Weisheit warm und humorvoll ist. Und dass sie immer und unter allen Umständen den Primat von Beziehungen anerkennt. Es geht ihr um den Aufbau warmer, erhebender und von Heiterkeit getragener Verbindungen. Und auch darauf besteht die Weisheit: dass es nie um mich geht oder um Sie, sondern immer, immer, immer um uns.
Und wenn Religion die Beziehung der Menschen zur Wahrheit bezeichnet: Warum sollte diese Beziehung dann nicht auch lustig sein können? Keinen Spaß machen? Genau so ist es nämlich in Wirklichkeit. Diese Beziehung ist tatsächlich freudvoll. Vergnüglich. Und nicht etwa irgendwie larifari erfreulich, sondern auf bedeutsame Art und Weise. Die Leute nehmen unsere Angebote wahr – besuchen zum Beispiel unsere Kurse und Vorträge –, weil sie der Weisheit näherkommen wollen. Und beim Abschied sind sie nicht nur weiser, sondern auch glücklicher als zuvor. Und genau so könnte man auch die Liebe definieren: als Zusammentreffen von Glück und Weisheit.
Finden auch Sie heraus, was sich für Sie persönlich richtig anfühlt – und Sie entdecken die Kraft des Hahayana.

Als ich anfing, die vier edlen Wahrheiten im Westen zu lehren, begann ich, wie man sich leicht vorstellen kann, mit der ersten: dass Leben Leiden ist. Was viele Zuhörer, wenn nicht die meisten, dazu brachte, den Raum zu verlassen. Denn Leiden hatten sie auch so schon genug, zu Hause, bei der Arbeit. Bitte nicht noch mehr davon, sagten sie. Danke, aber danke nein.
Mhm, überlegte ich. Effektiv geht irgendwie anders …
Und dann kam ich auf die Idee, mir ein Beispiel an guten Marketingleuten zu nehmen und die attraktiven Seiten der vier Wahrheiten an den Anfang zu stellen. Also änderte ich die Reihenfolge.
Ich begann mit Nummer drei, der »Aufhebung des Leidens«. Was ist das Ende des Leidens? Glück. Zufriedenheit. Und sobald ich darüber sprach, hörten die Leute zu und blieben.
Aus der zweiten edlen Wahrheit – der Ursache des Leidens – wurde die Ursache von Glück und Zufriedenheit.
Dann räumte ich ein, dass wir zweifellos alle mitunter unglücklich sind – die erste Wahrheit. Und warum ist das so? Ich erklärte, dass wir unglücklich sind, weil wir dem Leben Dinge abverlangen, die es uns nicht geben kann. Und zu guter Letzt deutete ich einen Lösungsweg für dieses Dilemma an, die vierte edle Wahrheit, den Pfad des Buddhismus.
Ich halte diese Neuordnung der vier edlen Wahrheiten immer noch für gerechtfertigt. Freunde von mir, die in der Werbung tätig sind, bestätigen, dass sie so viel attraktiver sind: dasselbe Produkt, nur in neuer Verpackung.

Im Buddhismus ist es entscheidend, sich nie an einen bestimmten Weg oder ein bestimmtes Verfahren zu klammern. Und rebellische Tendenzen hatte ich schon früh herausgebildet. An der Wand des Instituts für Physik der Cambridge University, an dem ich studierte, standen die Worte »Das Ansehen großer Naturwissenschaftler bemisst sich daran, wie lange sie den Fortschritt auf ihrem Fachgebiet aufhalten«.
Wenn wir uns zu sehr auf eine bestimmte Lehre versteifen, beschneiden wir unsere Erkenntnisfähigkeit. Unsere Kreativität. Unser Vermögen, Neues zu entdecken. Zu spielen. Spaß zu haben.
Genau dieser Geist herrschte bei mir am Institut. Mir wurde beigebracht, mich an keine bestimmte Theorie oder Schule zu klammern, sondern stets zu zweifeln. Zu verändern. Außerordentliches hervorzubringen. Vorzupreschen und neu zu definieren. Mit diesem Ansatz ging (und gehe) ich auch an den Buddhismus heran. Orthodoxien aller Art stehe ich noch heute skeptisch gegenüber.
Es heißt ja immer, nicht im Schatten großer Persönlichkeiten solle man stehen, sondern auf ihren Schultern.
Ich dagegen sage: Nein, stellen wir uns ruhig in ihren Schatten. Dann treten wir ihnen in den Hintern und schicken sie in die Wüste.

Ein schneller Tritt in den Hintern. Das Zusammentreffen von Glück und Weisheit. Das ist Hahayana! ...

nächstes Kapitel:
Nach der Entscheidung spielt die Musik
Es verblüfft mich immer wieder, was für einen Kopf sich die Leute machen, wenn sie eine Entscheidung treffen müssen. Biege ich rechts ab oder links? Gehe ich da- oder dorthin? Tue ich dies oder das?
Ständig kommen Leute zu mir und fragen: »Ich bin verliebt, kann mich aber nicht entscheiden, ob ich heiraten soll oder lieber nicht.«
»Die Frage ist eigentlich gar nicht so relevant«, antworte ich dann meistens. »Viel wichtiger ist, was danach kommt. Nach der Entscheidung.«
Je gewichtiger die Entscheidung, desto größer auch das Kopfzerbrechen. Das Für und Wider der verschiedenen Optionen abzuwägen kostet unglaublich viel Energie. Wir alle versuchen die Zukunft vorherzusagen, nicht viel anders als die Wahrsagerinnen mit ihren Kristallkugeln. Wir treffen Entscheidungen, als hinge unser Lebensglück davon ab. Kein Wunder, dass wir in dem Moment, in dem die Wahl schließlich getroffen ist, nicht mehr genug Energie haben, sie auch praktisch umzusetzen!
Sparen wir unsere Energie also lieber für die Zeit nach der Entscheidung. Und sorgen auf diese Weise dafür, dass sie sich wirklich als die richtige erweist.
Mit der Frage der Frauenordination hätte ich mich ewig herumschlagen können: »Soll ich oder soll ich nicht?« Ich wusste genau, dass mir ein praktiziertes Ja Unmengen Ärger einbringen würde. Aber mein Herz sagte mir nun einmal, dass ich im Grunde gar keine Wahl hatte: Die Vollordination von Frauen war einfach richtig. Punkt. Wenn Kopf und Herz widerstreitende Auffassungen vertreten, sollten wir immer auf das Herz hören.
Wie gesagt: Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach der Entscheidung. Und ein Teil dieser Arbeit besteht darin, der allzu menschlichen Versuchung des Zurückblickens zu widerstehen.
Dass man also nicht ständig an das »Was wäre gewesen, wenn« denkt: Was wäre gewesen, wenn ich mich anders entschieden hätte? Mit jemand anderem die Ehe eingegangen wäre? Einen anderen Job angenommen hätte?
Diesem »Was – wenn« können wir nicht auf die Spur kommen. Was wirklich geschehen wäre, erfahren wir nie.
Gönnen wir der Vergangenheit ihre Ruhe. Ständig an ihr herumzudeuteln ist nichts als eine selbst verschuldete
Tortur und totale Zeitverschwendung. Mit dem Leben Frieden schließen können wir erst, wenn wir aufhören, uns mit dem Wäre-Gewesen, Hätte-sein-Können und Hätte-sein-Sollen aufzuhalten.
Also vertrauen Sie Ihrem Herzen, wenn Sie eine Entscheidung treffen. Und konzentrieren Sie Ihre Energie anschließend darauf, diese Entscheidung zur richtigen zu machen.

Abdruck des Buchauszugs mit freundlicher Genehmigung des Verlags.


Buchtipp:
Ajahn Brahm, Master Guojun: Nur wer loslässt, kann auch fliegen. Buddhistische Lebensweisheit, um Schwierigkeiten gelassen zu meistern. Lotos 10.2019, 178 Seiten, Hardcover, 16 Euro.



 

Nur wer loslässt, kann auch fliegen ... von Ajahn Brahm / Master Guojun

ein Buchauszug ...

art96021
© Joachim Neumann_AdobeStock

Vergrößern hier klicken.
Aahayana: ein schneller Tritt in den Hintern von Glück und Weisheit
Sowohl der Ehrenwerte Guojun als auch ich wurden in ziemlich jungen Jahren Buddhisten und haben uns nicht nur im Hinblick auf den Dhamma weiterentwickelt, sondern auch hinsichtlich unserer Lehrmethoden.
Ich wurde mit sechzehn Buddhist. Zu der Zeit war ich in London auf der Latymer School und hatte meine erste schulische Auszeichnung bekommen – für das, was gemeinhin als A-Level bezeichnet wird (Advanced Level beziehungsweise General Certificate of Education Advanced Level). Vom Preisgeld konnte ich mir ein Hardcover kaufen. Und da ich mich damals besonders für Mathe interessierte, drängte mich ein Berater, mir eines über mein Lieblingsfach zu kaufen. Also ging ich zu Foyles, einem berühmten Buchladen, und schaute mir die Mathebücher an. Aber die waren so was von langweilig! Zudem kam ich aus einer sehr armen Familie und sah absolut nicht ein, dass ich mein schwer verdientes Preisgeld für Gleichungen und mathematische Lehrsätze ausgeben sollte. Viel mehr stand mir der Sinn nach etwas Ausgeflipptem, leicht Anrüchigem. Die Esoterik-Abteilung von Foyles befand sich im ersten Stock des Nebengebäudes. Da ging ich hin. Ich blätterte Bücher über Buddhismus durch, zum Beispiel Lobsang Rampas Das Dritte Auge. Der Autor behauptete, die Reinkarnation eines tibetischen Rinpoche zu sein. (In Wirklichkeit war er Klempner und lebte in Irland.)
Das Buch war wirklich faszinierend geschrieben. Wie Carlos Castaneda war auch Rampa (eigentlich Cyril Henry Hoskin) sowohl Fantast als auch ein fantastischer Schriftsteller. Ich entschied mich dann für eine allgemeine Einführung in den Buddhismus. An ihm gefiel mir, dass er keinen Gott kannte und dass so großer Wert auf Güte und Mitgefühl gelegt wurde. Und auch die Idee der Reinkarnation fand ich cool. Denn warum sollte man sich ausgerechnet das menschliche Leben als gerade Linie mit Anfang und Ende vorstellen? Alles, was ich aus den Naturwissenschaften kannte, war eher kreisförmiger Natur. Die Erde: eine Kugel ohne Kanten. Das Universum: gekrümmt und grenzenlos. Selbst die Jahreszeiten folgten einander kreisförmig. Warum also sollte es sich mit dem Leben anders verhalten? Was für eine Sorte Buddhist ich wurde, war mir wurscht. In den frühen Siebzigern gab es in Britannien eh noch keine große Auswahl. Und so besuchte ich alles, was irgendwie mit dem Dhamma zu tun hatte.
Ein Vortrag, den ich hörte, stammte von einem japanischen Zen-Meister, der praktisch kein Englisch konnte. Doch trotz seines beschränkten Vokabulars beeindruckte er mich durch die Eloquenz, die er an den Tag legte. So antwortete er etwa auf die Frage, wie er den Buddhismus in England einschätzte: »Bücher, Bücher, Bücher. Viel zu viele! Müllkippe!«
Wenig später beschloss ich, Mönch zu werden. Und es mag sich allzu simpel anhören, aber dass ich mich für die thailändische Waldtradition entschied, lag daran, dass deren Mönche am meisten lächelten. Es hatte also nichts mit Philosophie zu tun, sondern einfach mit der Tatsache, dass sie lächelten. Sie waren glücklich. Ihre lächelnden Gesichter sprachen mich an, und so begann ich mich für das zu interessieren, was ich Hahayana nenne, mein Fahrzeug auf dem buddhistischen Pfad. Kein Mahayana, Hinayana, Theravada, Mantrayana. Sondern Hahayana.
In meinen buddhistischen Anfängen empfand ich mich schon allein deshalb nicht als Angehörigen einer »Sekte«, weil es in dem Teil Thailands, in dem sich Wat Pah Pong befindet, keine anderen buddhistischen Strömungen gab! Und ja: Wir waren dort schon sehr isoliert. Später dann, als ich anfing zu reisen, traf ich auch Mönche, die anderen Traditionen angehörten. Heute bin ich natürlich sehr viel unterwegs und halte mich auch oft in anderen Tempeln auf. Wir organisieren Veranstaltungen zusammen und schließen wunderbare Freundschaften. Jeder Tempel von Freunden ist für mich wie mein eigener. Ich sehe gar keine Differenzen mehr. Wir tragen einfach nur unterschiedliche Roben: derselbe Kuchen mit einer anderen Glasur.
Im Hahayana kommt alles Freudvolle und Beglückende am spirituellen Pfad voll zum Ausdruck. Viel zu lange hatte man mir eingetrichtert, dass der spirituelle Pfad etwas Trockenes, Intellektuelles und die Weisheit kühl sei. Doch ich konnte mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass in den Händen großer Meister die Weisheit warm und humorvoll ist. Und dass sie immer und unter allen Umständen den Primat von Beziehungen anerkennt. Es geht ihr um den Aufbau warmer, erhebender und von Heiterkeit getragener Verbindungen. Und auch darauf besteht die Weisheit: dass es nie um mich geht oder um Sie, sondern immer, immer, immer um uns.
Und wenn Religion die Beziehung der Menschen zur Wahrheit bezeichnet: Warum sollte diese Beziehung dann nicht auch lustig sein können? Keinen Spaß machen? Genau so ist es nämlich in Wirklichkeit. Diese Beziehung ist tatsächlich freudvoll. Vergnüglich. Und nicht etwa irgendwie larifari erfreulich, sondern auf bedeutsame Art und Weise. Die Leute nehmen unsere Angebote wahr – besuchen zum Beispiel unsere Kurse und Vorträge –, weil sie der Weisheit näherkommen wollen. Und beim Abschied sind sie nicht nur weiser, sondern auch glücklicher als zuvor. Und genau so könnte man auch die Liebe definieren: als Zusammentreffen von Glück und Weisheit.
Finden auch Sie heraus, was sich für Sie persönlich richtig anfühlt – und Sie entdecken die Kraft des Hahayana.

Als ich anfing, die vier edlen Wahrheiten im Westen zu lehren, begann ich, wie man sich leicht vorstellen kann, mit der ersten: dass Leben Leiden ist. Was viele Zuhörer, wenn nicht die meisten, dazu brachte, den Raum zu verlassen. Denn Leiden hatten sie auch so schon genug, zu Hause, bei der Arbeit. Bitte nicht noch mehr davon, sagten sie. Danke, aber danke nein.
Mhm, überlegte ich. Effektiv geht irgendwie anders …
Und dann kam ich auf die Idee, mir ein Beispiel an guten Marketingleuten zu nehmen und die attraktiven Seiten der vier Wahrheiten an den Anfang zu stellen. Also änderte ich die Reihenfolge.
Ich begann mit Nummer drei, der »Aufhebung des Leidens«. Was ist das Ende des Leidens? Glück. Zufriedenheit. Und sobald ich darüber sprach, hörten die Leute zu und blieben.
Aus der zweiten edlen Wahrheit – der Ursache des Leidens – wurde die Ursache von Glück und Zufriedenheit.
Dann räumte ich ein, dass wir zweifellos alle mitunter unglücklich sind – die erste Wahrheit. Und warum ist das so? Ich erklärte, dass wir unglücklich sind, weil wir dem Leben Dinge abverlangen, die es uns nicht geben kann. Und zu guter Letzt deutete ich einen Lösungsweg für dieses Dilemma an, die vierte edle Wahrheit, den Pfad des Buddhismus.
Ich halte diese Neuordnung der vier edlen Wahrheiten immer noch für gerechtfertigt. Freunde von mir, die in der Werbung tätig sind, bestätigen, dass sie so viel attraktiver sind: dasselbe Produkt, nur in neuer Verpackung.

Im Buddhismus ist es entscheidend, sich nie an einen bestimmten Weg oder ein bestimmtes Verfahren zu klammern. Und rebellische Tendenzen hatte ich schon früh herausgebildet. An der Wand des Instituts für Physik der Cambridge University, an dem ich studierte, standen die Worte »Das Ansehen großer Naturwissenschaftler bemisst sich daran, wie lange sie den Fortschritt auf ihrem Fachgebiet aufhalten«.
Wenn wir uns zu sehr auf eine bestimmte Lehre versteifen, beschneiden wir unsere Erkenntnisfähigkeit. Unsere Kreativität. Unser Vermögen, Neues zu entdecken. Zu spielen. Spaß zu haben.
Genau dieser Geist herrschte bei mir am Institut. Mir wurde beigebracht, mich an keine bestimmte Theorie oder Schule zu klammern, sondern stets zu zweifeln. Zu verändern. Außerordentliches hervorzubringen. Vorzupreschen und neu zu definieren. Mit diesem Ansatz ging (und gehe) ich auch an den Buddhismus heran. Orthodoxien aller Art stehe ich noch heute skeptisch gegenüber.
Es heißt ja immer, nicht im Schatten großer Persönlichkeiten solle man stehen, sondern auf ihren Schultern.
Ich dagegen sage: Nein, stellen wir uns ruhig in ihren Schatten. Dann treten wir ihnen in den Hintern und schicken sie in die Wüste.

Ein schneller Tritt in den Hintern. Das Zusammentreffen von Glück und Weisheit. Das ist Hahayana! ...

nächstes Kapitel:
Nach der Entscheidung spielt die Musik
Es verblüfft mich immer wieder, was für einen Kopf sich die Leute machen, wenn sie eine Entscheidung treffen müssen. Biege ich rechts ab oder links? Gehe ich da- oder dorthin? Tue ich dies oder das?
Ständig kommen Leute zu mir und fragen: »Ich bin verliebt, kann mich aber nicht entscheiden, ob ich heiraten soll oder lieber nicht.«
»Die Frage ist eigentlich gar nicht so relevant«, antworte ich dann meistens. »Viel wichtiger ist, was danach kommt. Nach der Entscheidung.«
Je gewichtiger die Entscheidung, desto größer auch das Kopfzerbrechen. Das Für und Wider der verschiedenen Optionen abzuwägen kostet unglaublich viel Energie. Wir alle versuchen die Zukunft vorherzusagen, nicht viel anders als die Wahrsagerinnen mit ihren Kristallkugeln. Wir treffen Entscheidungen, als hinge unser Lebensglück davon ab. Kein Wunder, dass wir in dem Moment, in dem die Wahl schließlich getroffen ist, nicht mehr genug Energie haben, sie auch praktisch umzusetzen!
Sparen wir unsere Energie also lieber für die Zeit nach der Entscheidung. Und sorgen auf diese Weise dafür, dass sie sich wirklich als die richtige erweist.
Mit der Frage der Frauenordination hätte ich mich ewig herumschlagen können: »Soll ich oder soll ich nicht?« Ich wusste genau, dass mir ein praktiziertes Ja Unmengen Ärger einbringen würde. Aber mein Herz sagte mir nun einmal, dass ich im Grunde gar keine Wahl hatte: Die Vollordination von Frauen war einfach richtig. Punkt. Wenn Kopf und Herz widerstreitende Auffassungen vertreten, sollten wir immer auf das Herz hören.
Wie gesagt: Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach der Entscheidung. Und ein Teil dieser Arbeit besteht darin, der allzu menschlichen Versuchung des Zurückblickens zu widerstehen.
Dass man also nicht ständig an das »Was wäre gewesen, wenn« denkt: Was wäre gewesen, wenn ich mich anders entschieden hätte? Mit jemand anderem die Ehe eingegangen wäre? Einen anderen Job angenommen hätte?
Diesem »Was – wenn« können wir nicht auf die Spur kommen. Was wirklich geschehen wäre, erfahren wir nie.
Gönnen wir der Vergangenheit ihre Ruhe. Ständig an ihr herumzudeuteln ist nichts als eine selbst verschuldete
Tortur und totale Zeitverschwendung. Mit dem Leben Frieden schließen können wir erst, wenn wir aufhören, uns mit dem Wäre-Gewesen, Hätte-sein-Können und Hätte-sein-Sollen aufzuhalten.
Also vertrauen Sie Ihrem Herzen, wenn Sie eine Entscheidung treffen. Und konzentrieren Sie Ihre Energie anschließend darauf, diese Entscheidung zur richtigen zu machen.

Abdruck des Buchauszugs mit freundlicher Genehmigung des Verlags.


Buchtipp:
Ajahn Brahm, Master Guojun: Nur wer loslässt, kann auch fliegen. Buddhistische Lebensweisheit, um Schwierigkeiten gelassen zu meistern. Lotos 10.2019, 178 Seiten, Hardcover, 16 Euro.



 

Nur wer loslässt, kann auch fliegen ... von Ajahn Brahm / Master Guojun

ein Buchauszug ...

art96021
© Joachim Neumann_AdobeStock

Vergrößern hier klicken.
Aahayana: ein schneller Tritt in den Hintern von Glück und Weisheit
Sowohl der Ehrenwerte Guojun als auch ich wurden in ziemlich jungen Jahren Buddhisten und haben uns nicht nur im Hinblick auf den Dhamma weiterentwickelt, sondern auch hinsichtlich unserer Lehrmethoden.
Ich wurde mit sechzehn Buddhist. Zu der Zeit war ich in London auf der Latymer School und hatte meine erste schulische Auszeichnung bekommen – für das, was gemeinhin als A-Level bezeichnet wird (Advanced Level beziehungsweise General Certificate of Education Advanced Level). Vom Preisgeld konnte ich mir ein Hardcover kaufen. Und da ich mich damals besonders für Mathe interessierte, drängte mich ein Berater, mir eines über mein Lieblingsfach zu kaufen. Also ging ich zu Foyles, einem berühmten Buchladen, und schaute mir die Mathebücher an. Aber die waren so was von langweilig! Zudem kam ich aus einer sehr armen Familie und sah absolut nicht ein, dass ich mein schwer verdientes Preisgeld für Gleichungen und mathematische Lehrsätze ausgeben sollte. Viel mehr stand mir der Sinn nach etwas Ausgeflipptem, leicht Anrüchigem. Die Esoterik-Abteilung von Foyles befand sich im ersten Stock des Nebengebäudes. Da ging ich hin. Ich blätterte Bücher über Buddhismus durch, zum Beispiel Lobsang Rampas Das Dritte Auge. Der Autor behauptete, die Reinkarnation eines tibetischen Rinpoche zu sein. (In Wirklichkeit war er Klempner und lebte in Irland.)
Das Buch war wirklich faszinierend geschrieben. Wie Carlos Castaneda war auch Rampa (eigentlich Cyril Henry Hoskin) sowohl Fantast als auch ein fantastischer Schriftsteller. Ich entschied mich dann für eine allgemeine Einführung in den Buddhismus. An ihm gefiel mir, dass er keinen Gott kannte und dass so großer Wert auf Güte und Mitgefühl gelegt wurde. Und auch die Idee der Reinkarnation fand ich cool. Denn warum sollte man sich ausgerechnet das menschliche Leben als gerade Linie mit Anfang und Ende vorstellen? Alles, was ich aus den Naturwissenschaften kannte, war eher kreisförmiger Natur. Die Erde: eine Kugel ohne Kanten. Das Universum: gekrümmt und grenzenlos. Selbst die Jahreszeiten folgten einander kreisförmig. Warum also sollte es sich mit dem Leben anders verhalten? Was für eine Sorte Buddhist ich wurde, war mir wurscht. In den frühen Siebzigern gab es in Britannien eh noch keine große Auswahl. Und so besuchte ich alles, was irgendwie mit dem Dhamma zu tun hatte.
Ein Vortrag, den ich hörte, stammte von einem japanischen Zen-Meister, der praktisch kein Englisch konnte. Doch trotz seines beschränkten Vokabulars beeindruckte er mich durch die Eloquenz, die er an den Tag legte. So antwortete er etwa auf die Frage, wie er den Buddhismus in England einschätzte: »Bücher, Bücher, Bücher. Viel zu viele! Müllkippe!«
Wenig später beschloss ich, Mönch zu werden. Und es mag sich allzu simpel anhören, aber dass ich mich für die thailändische Waldtradition entschied, lag daran, dass deren Mönche am meisten lächelten. Es hatte also nichts mit Philosophie zu tun, sondern einfach mit der Tatsache, dass sie lächelten. Sie waren glücklich. Ihre lächelnden Gesichter sprachen mich an, und so begann ich mich für das zu interessieren, was ich Hahayana nenne, mein Fahrzeug auf dem buddhistischen Pfad. Kein Mahayana, Hinayana, Theravada, Mantrayana. Sondern Hahayana.
In meinen buddhistischen Anfängen empfand ich mich schon allein deshalb nicht als Angehörigen einer »Sekte«, weil es in dem Teil Thailands, in dem sich Wat Pah Pong befindet, keine anderen buddhistischen Strömungen gab! Und ja: Wir waren dort schon sehr isoliert. Später dann, als ich anfing zu reisen, traf ich auch Mönche, die anderen Traditionen angehörten. Heute bin ich natürlich sehr viel unterwegs und halte mich auch oft in anderen Tempeln auf. Wir organisieren Veranstaltungen zusammen und schließen wunderbare Freundschaften. Jeder Tempel von Freunden ist für mich wie mein eigener. Ich sehe gar keine Differenzen mehr. Wir tragen einfach nur unterschiedliche Roben: derselbe Kuchen mit einer anderen Glasur.
Im Hahayana kommt alles Freudvolle und Beglückende am spirituellen Pfad voll zum Ausdruck. Viel zu lange hatte man mir eingetrichtert, dass der spirituelle Pfad etwas Trockenes, Intellektuelles und die Weisheit kühl sei. Doch ich konnte mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass in den Händen großer Meister die Weisheit warm und humorvoll ist. Und dass sie immer und unter allen Umständen den Primat von Beziehungen anerkennt. Es geht ihr um den Aufbau warmer, erhebender und von Heiterkeit getragener Verbindungen. Und auch darauf besteht die Weisheit: dass es nie um mich geht oder um Sie, sondern immer, immer, immer um uns.
Und wenn Religion die Beziehung der Menschen zur Wahrheit bezeichnet: Warum sollte diese Beziehung dann nicht auch lustig sein können? Keinen Spaß machen? Genau so ist es nämlich in Wirklichkeit. Diese Beziehung ist tatsächlich freudvoll. Vergnüglich. Und nicht etwa irgendwie larifari erfreulich, sondern auf bedeutsame Art und Weise. Die Leute nehmen unsere Angebote wahr – besuchen zum Beispiel unsere Kurse und Vorträge –, weil sie der Weisheit näherkommen wollen. Und beim Abschied sind sie nicht nur weiser, sondern auch glücklicher als zuvor. Und genau so könnte man auch die Liebe definieren: als Zusammentreffen von Glück und Weisheit.
Finden auch Sie heraus, was sich für Sie persönlich richtig anfühlt – und Sie entdecken die Kraft des Hahayana.

Als ich anfing, die vier edlen Wahrheiten im Westen zu lehren, begann ich, wie man sich leicht vorstellen kann, mit der ersten: dass Leben Leiden ist. Was viele Zuhörer, wenn nicht die meisten, dazu brachte, den Raum zu verlassen. Denn Leiden hatten sie auch so schon genug, zu Hause, bei der Arbeit. Bitte nicht noch mehr davon, sagten sie. Danke, aber danke nein.
Mhm, überlegte ich. Effektiv geht irgendwie anders …
Und dann kam ich auf die Idee, mir ein Beispiel an guten Marketingleuten zu nehmen und die attraktiven Seiten der vier Wahrheiten an den Anfang zu stellen. Also änderte ich die Reihenfolge.
Ich begann mit Nummer drei, der »Aufhebung des Leidens«. Was ist das Ende des Leidens? Glück. Zufriedenheit. Und sobald ich darüber sprach, hörten die Leute zu und blieben.
Aus der zweiten edlen Wahrheit – der Ursache des Leidens – wurde die Ursache von Glück und Zufriedenheit.
Dann räumte ich ein, dass wir zweifellos alle mitunter unglücklich sind – die erste Wahrheit. Und warum ist das so? Ich erklärte, dass wir unglücklich sind, weil wir dem Leben Dinge abverlangen, die es uns nicht geben kann. Und zu guter Letzt deutete ich einen Lösungsweg für dieses Dilemma an, die vierte edle Wahrheit, den Pfad des Buddhismus.
Ich halte diese Neuordnung der vier edlen Wahrheiten immer noch für gerechtfertigt. Freunde von mir, die in der Werbung tätig sind, bestätigen, dass sie so viel attraktiver sind: dasselbe Produkt, nur in neuer Verpackung.

Im Buddhismus ist es entscheidend, sich nie an einen bestimmten Weg oder ein bestimmtes Verfahren zu klammern. Und rebellische Tendenzen hatte ich schon früh herausgebildet. An der Wand des Instituts für Physik der Cambridge University, an dem ich studierte, standen die Worte »Das Ansehen großer Naturwissenschaftler bemisst sich daran, wie lange sie den Fortschritt auf ihrem Fachgebiet aufhalten«.
Wenn wir uns zu sehr auf eine bestimmte Lehre versteifen, beschneiden wir unsere Erkenntnisfähigkeit. Unsere Kreativität. Unser Vermögen, Neues zu entdecken. Zu spielen. Spaß zu haben.
Genau dieser Geist herrschte bei mir am Institut. Mir wurde beigebracht, mich an keine bestimmte Theorie oder Schule zu klammern, sondern stets zu zweifeln. Zu verändern. Außerordentliches hervorzubringen. Vorzupreschen und neu zu definieren. Mit diesem Ansatz ging (und gehe) ich auch an den Buddhismus heran. Orthodoxien aller Art stehe ich noch heute skeptisch gegenüber.
Es heißt ja immer, nicht im Schatten großer Persönlichkeiten solle man stehen, sondern auf ihren Schultern.
Ich dagegen sage: Nein, stellen wir uns ruhig in ihren Schatten. Dann treten wir ihnen in den Hintern und schicken sie in die Wüste.

Ein schneller Tritt in den Hintern. Das Zusammentreffen von Glück und Weisheit. Das ist Hahayana! ...

nächstes Kapitel:
Nach der Entscheidung spielt die Musik
Es verblüfft mich immer wieder, was für einen Kopf sich die Leute machen, wenn sie eine Entscheidung treffen müssen. Biege ich rechts ab oder links? Gehe ich da- oder dorthin? Tue ich dies oder das?
Ständig kommen Leute zu mir und fragen: »Ich bin verliebt, kann mich aber nicht entscheiden, ob ich heiraten soll oder lieber nicht.«
»Die Frage ist eigentlich gar nicht so relevant«, antworte ich dann meistens. »Viel wichtiger ist, was danach kommt. Nach der Entscheidung.«
Je gewichtiger die Entscheidung, desto größer auch das Kopfzerbrechen. Das Für und Wider der verschiedenen Optionen abzuwägen kostet unglaublich viel Energie. Wir alle versuchen die Zukunft vorherzusagen, nicht viel anders als die Wahrsagerinnen mit ihren Kristallkugeln. Wir treffen Entscheidungen, als hinge unser Lebensglück davon ab. Kein Wunder, dass wir in dem Moment, in dem die Wahl schließlich getroffen ist, nicht mehr genug Energie haben, sie auch praktisch umzusetzen!
Sparen wir unsere Energie also lieber für die Zeit nach der Entscheidung. Und sorgen auf diese Weise dafür, dass sie sich wirklich als die richtige erweist.
Mit der Frage der Frauenordination hätte ich mich ewig herumschlagen können: »Soll ich oder soll ich nicht?« Ich wusste genau, dass mir ein praktiziertes Ja Unmengen Ärger einbringen würde. Aber mein Herz sagte mir nun einmal, dass ich im Grunde gar keine Wahl hatte: Die Vollordination von Frauen war einfach richtig. Punkt. Wenn Kopf und Herz widerstreitende Auffassungen vertreten, sollten wir immer auf das Herz hören.
Wie gesagt: Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach der Entscheidung. Und ein Teil dieser Arbeit besteht darin, der allzu menschlichen Versuchung des Zurückblickens zu widerstehen.
Dass man also nicht ständig an das »Was wäre gewesen, wenn« denkt: Was wäre gewesen, wenn ich mich anders entschieden hätte? Mit jemand anderem die Ehe eingegangen wäre? Einen anderen Job angenommen hätte?
Diesem »Was – wenn« können wir nicht auf die Spur kommen. Was wirklich geschehen wäre, erfahren wir nie.
Gönnen wir der Vergangenheit ihre Ruhe. Ständig an ihr herumzudeuteln ist nichts als eine selbst verschuldete
Tortur und totale Zeitverschwendung. Mit dem Leben Frieden schließen können wir erst, wenn wir aufhören, uns mit dem Wäre-Gewesen, Hätte-sein-Können und Hätte-sein-Sollen aufzuhalten.
Also vertrauen Sie Ihrem Herzen, wenn Sie eine Entscheidung treffen. Und konzentrieren Sie Ihre Energie anschließend darauf, diese Entscheidung zur richtigen zu machen.

Abdruck des Buchauszugs mit freundlicher Genehmigung des Verlags.


Buchtipp:
Ajahn Brahm, Master Guojun: Nur wer loslässt, kann auch fliegen. Buddhistische Lebensweisheit, um Schwierigkeiten gelassen zu meistern. Lotos 10.2019, 178 Seiten, Hardcover, 16 Euro.