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Zeit für die Liebe ... von Christian Salvesen


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© Rido_AdobeStock

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Liebesleid und Liebesfreud
Glaubt man den unzähligen Liedern über Liebesschmerz, dann liegt hier der Schlüssel für alles Unglück der Menschheit. Kein Schmerz ist demnach so schrecklich wie der einer unerfüllten romantischen Liebessehnsucht. Goethe löste mit seinem Roman "Die Leiden des jungen Werther" Ende des 18. Jahrhunderts geradezu eine Selbstmordwelle von enttäuschten jugendlichen Liebhabern aus, die ihren Schmerz nicht mehr ertragen zu können glaubten. Kunst und Musik, Dichtung und Film leben von dem Stoff der Liebe. Intrigen, Mord, Verzweiflung, aber natürlich auch Ekstase, Erfüllung, Aufopferung, Heldentum - immer aus Liebe.
Menschen ab 30 oder 40 wissen meist aus Erfahrung, dass die erste Verliebtheit vergeht. Die Beziehung muss sich in einer längeren Partnerschaft in kleinen Dingen des Alltags bewähren. Da kommt es darauf an, wie gut die Partner harmonieren, wie sie einen gemeinsamen Rhythmus finden können. Bei einigen Naturvölkern werden heiratswillige Paare in stunden-, ja tagelangen Ritualen daraufhin getestet, ob sie zusammenpassen. Dabei spielen rhythmische Übungen eine entscheidende Rolle. Zum Beispiel schauen sich die Partner in die Augen. Spontan klatscht einer in die Hände, und der andere muss so schnell wie möglich darauf reagieren und möglichst gleichzeitig klatschen.
Ich lernte meine Frau in Oshos Ashram in Poona kennen. Eine Wahrsagerin hatte ihr aufgetragen, eine Geige zu kaufen und innerhalb von sieben Tagen einen passenden Lehrer zu finden. Wir begegneten uns am siebten Tag. Nach wenigen Tagen des Unterrichts hatten wir uns ineinander verliebt. Für jedes Paar sind ganz bestimmte Dinge wichtig. Für uns war und ist es seit 30 Jahren die spirituelle Suche, die Suche nach dem, was wir in Wahrheit sind. Ich glaube, das ist eine recht tiefe und tragende Gemeinsamkeit. Es hält vielleicht mehr zusammen als etwa das gemeinsame Interesse an Geld, Sport oder Mode. Doch es kann auch entzweien. Ich kenne einige Paare, die auseinander gegangen sind, weil der eine Partner einem anderen spirituellen Lehrer folgte als der andere. Bei uns war der Wechsel zu neuen Lehrern erstaunlicherweise bisher stets synchron.
Wir sind nicht nur als Individuen, sondern auch als Paare Rhythmen des Lebens unterworfen, die wir selbst nicht mit dem Verstand oder unserer Entscheidung beeinflussen können. Sie führen uns zueinander, halten uns einige Zeit, vielleicht bis zum Ende unseres Lebens zusammen und trennen uns wieder. In einem übergeordneten Sinn tanzen wir allerdings alle stets in einem gemeinsamen Rhythmus, ungeboren und unsterblich. Doch auf der ganz praktischen, relativen Ebene können wir etwas tun, um Probleme der Partnerschaft und der Sexualität zu lösen. Und das mit Hilfe von Rhythmus und Musik.


Liebeskummer bei Jugendlichen
Wenn ich die stets gleiche Litanei von Liebeskummer in Popsongs höre, muss ich oft lachen. Dabei erinnere ich mich gut, wie ich als 16-Jähriger auf einen Hochspannungsmast kletterte, um mich aus Liebeskummer herunterzustürzen. Ich kenne Eltern, deren Kind sich aus eben solchem Grund tatsächlich umbrachte. Und das ist nicht mehr witzig. Die Eltern fragen sich verzweifelt: Was haben wir falsch gemacht? Warum hat sich unser Kind nicht mit uns ausgesprochen? Das ist nicht etwa ein Ausnahmefall-Problem. Selbstmord ist in Deutschland und anderen westlichen Ländern nach dem Unfalltod die häufigste Todesursache bei Jugendlichen zwischen 10-20 Jahren. Täglich sterben in Deutschland drei Kinder bzw. Jugendliche durch Suizid, 40 werden wegen versuchten Suizids eingeliefert. Liebeskummer ist eine der Hauptursachen. (1) Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist Musik - neben Computerspielen - eine wichtige Quelle der Inspiration und Identifikation. Eltern sollten diese Quellen kennen und Interesse daran bekunden. So unaufdringlich wie möglich. Da ist besonderes Einfühlungsvermögen gefordert. Können, dürfen Eltern die Musik ihrer Kinder mithören, ist das schon ein ermutigendes Zeichen für Vertrauen. Vielleicht ist es sogar möglich, gemeinsam zu tanzen! Der Jugendliche sollte dazu ermuntert werden, seinen Frust zu seiner Lieblingsmusik auszuagieren, auszutanzen, auch mit der nötigen Lautstärke. Dazu können bestimmte Zeiten abgesprochen werden. Jede Art von Kreativität sollte unbedingt unterstützt werden. Sehr gut sind Trommelworkshops, Bands (in der Schule), Sport (Karate etc.). Das gilt für Jungen und Mädchen.


Rhythmen der Partnerschaft
Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen die Beziehung zu anderen. Sind unsere wichtigsten Beziehungen gestört, drückt sich das auch bald in gesundheitlichen Problemen aus. Die intime Partnerschaft spielt dabei eine besondere Rolle. Keine Frage, wir können mit einem anderen Menschen in tiefer Freundschaft verbunden sein, würden auch sagen, dass wir ihn lieben, ohne dass eine sexuelle Verbindung besteht. Und dann gibt es wiederum leidenschaftliche sexuelle Beziehungen, die mit einem abrupten Wechsel zwischen Zuneigung und Abneigung oder gar Hass einhergehen. In einem Moment: "Ich kann nicht ohne dich leben!" im nächsten: "Ich will dich nie wieder sehen!" Für Roman und Film zweifellos ein guter Stoff. Für die Menschen selbst bedeutet es wohl eher eine leidvolle Zerrissenheit.
Gescheiterte Partnerschaften und Ehen können Herzinfarkte, Schlaganfälle, Depressionen und viele andere Gesundheitsschäden verursachen. Das für jeden Menschen so wichtige Liebesleben scheitert meist an zwei Dingen: Die körperliche Liebe bzw. Sexualität läuft nicht wie gewünscht. Und: Die Partner reden aneinander vorbei. Beide Punkte hängen in der Regel zusammen. Wir nehmen uns zu wenig Zeit füreinander und achten zu wenig auf das, was uns verbindet. Rhythmus und Musik können hier helfen, sich wieder aufeinander einzustimmen.
Musik lehrt, wie wir einander besser zuhören und verstehen können. Sie lässt uns entspannen und genießen. Sie inspiriert. Wir strömen mit ihren Rhythmen, Harmonien und Melodien, und dabei stimmen sich Körper, Geist und Seele aufeinander ein. Die Momente der Vereinigung strahlen als "Energie der Liebe" in die gesamte Partnerschaft mit all ihren Problemen. Letztlich lässt sich Liebe nicht manipulieren - zum Glück. Doch mit Hilfe der Musik und einer praktischen Umsetzung von musikpsychologischen Erkenntnissen (Synchronizität, Entrainment) können wir die Liebe einladen.

Gehen wir zunächst einmal den Tagesablauf durch. Viele Paare stehen morgens zur gleichen Zeit auf, Frühstücken gemeinsam und brechen dann getrennt auf, um irgendwo anders, etwa in einem Büro zu arbeiten. Die Kinder müssen zur Schule. Meist ist die Familie erst wieder abends beisammen. Nach dem Fernsehen gehen zuerst die Kinder, dann die Ehepartner gemeinsam ins Bett. Dieses simple Schema gilt heute natürlich nur noch bedingt. Ob ein Paar Kinder hat oder nicht, ob es freiberuflich zu Hause arbeitet oder viel auf Reisen ist usw. - das alles macht einen Unterschied im Rhythmus der Gemeinschaft. Doch was immer zusammen erlebt wird, schafft eine innere Verbundenheit. Die muss gar nicht einmal als besonders harmonisch empfunden werden.
Gefängnisinsassen und Mönche erfahren dieses Phänomen meist stärker als Ehepartner und Familien. Über Monate und Jahre hinweg immer zur gleichen Zeit gemeinsam das Gleiche tun - und sei es nur gemeinsam essen - das schafft eine eigenartige Bindung zwischen Menschen. Auch wenn sich die Betroffenen, etwa in einem Gefängnis, nicht ausstehen können. Das Leben hat sie über den gemeinsamen Rhythmus gleichsam zusammengeschweißt. In einem überpersönlichen Sinn ist das Liebe.
Wenn wir als Ehepartner regelmäßig bestimmte Dinge gemeinsam tun - gemeinsam aufstehen, Frühstücken, Kochen, Geschirr abwaschen, Kinder versorgen, Termine besprechen, spazieren gehen, Filme sehen, dann sollten wir dieses Zusammensein möglichst bewusst wahrnehmen. Es ist ein Geschenk, Zeit gemeinsam zu verbringen, während unser Leben unaufhaltsam abläuft. Wir sollten uns das gegenseitig in Erinnerung rufen, wenn möglich auch mal gemeinsam zehn Minuten still sitzen und meditieren. Wir müssen nicht gegen die Routine ankämpfen. Ich empfehle stattdessen, jeden Moment als kostbar zu erleben. Wenn wir gemeinsam einschlafen, ist das wunderbar. Wir achten auf den Atem des Partners und unseren eigenen, und atmen gemeinsam. Ob wir den nächsten Morgen noch erleben, wer weiß?


Sexuelle Probleme
Die körperliche Vereinigung von Mann und Frau scheint einerseits die natürlichste Sache überhaupt, erweist sich aber bei genauerer Betrachtung oft als recht kompliziert und gestört. Ich möchte hier zunächst nur kurz zusammenfassen, was ich an anderer Stelle ausführlicher dargestellt habe: (2)
Im Unterschied zu allen Tieren sind viele Menschen beim Geschlechtsakt auf unterschiedliche Art geistig und dadurch dann auch körperlich gehemmt. Da kommen Schuld- und Schamgefühle ins Spiel, vor allem durch religiöse und moralische Belehrungen. Da werden durch die heutigen Medien bestimmte Leistungsnormen gesetzt - zum Beispiel wie oft ein Mann mit seinem durchtrainierten Körper und dem so wichtigen Waschbrettbauch "kann" oder gar "zu kommen hat". Was Mann und Frau an Vorstellungen und Meinungen über Sexualität im Kopf angesammelt haben, ist in der Regel wenig geeignet, zu einer natürlichen und entspannten körperlichen Vereinigung zurückzufinden!
Die körperliche Vereinigung ist für die Liebe zwischen Mann und Frau wichtig, nicht als Muss zur Erzeugung von Kindern, sondern als natürliche Energiequelle. Alle Traditionen, ob in Indien, China, oder in den verschiedenen indigenen Völkern, sehen in der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau die wichtigste Verschmelzung polarer Gegensätze auf dieser Erde, einen Energieschub, der Gesundheit, Kreativität, Lebensfreude und Harmonie fördert. Der Geschlechtsakt ist heilig. Er geschieht im gegenseitigen tiefen Einverständnis der Partner.
Schon deshalb wurden und werden Vergewaltigungen (auch innerhalb einer Ehegemeinschaft) verurteilt. In islamischen Ländern scheint heute dieses Bewusstsein für die Würde des Menschen weitgehend zu fehlen. Dabei entstand in der kulturellen Blütezeit des Islam (800-1200) wunderschöne Liebeslyrik, die in Europa zur einzigartigen Kultur der Minne, der liebevollen Umwerbung inspirierte. Aber auch hierzulande, ja überall - nämlich im Internet - wird nun der Mensch - Frau, Mann und Kind - zum sexuellen Lustobjekt degradiert.
Tatsache ist: Über zwei Millionen Männer leiden allein in Deutschland an "Potenzstörungen": Vorzeitige Ejakulation oder keine Erektion. In den Medien - im Fernsehen war es jahrelang die Sendung "Wa(h)re Liebe" - werden äußere Anregungen der Fantasie empfohlen. Reizwäsche, Stimulationsmaschinen, Swingerclubs usw. Das geht Hand in Hand mit der immer noch boomenden Pornoindustrie. Aber wenn ein Mann nur noch zu Sexfotos oder Filmen im Internet onaniert, verliert er allmählich den Kontakt zum eigentlichen Partner. Vollgestopft mit sexuellen Fantasien kann er sich nicht wirklich auf seine Partnerin einlassen, nicht voll da und gegenwärtig sein. Auf der anderen Seite steht die Frustration der Frau. Sie spürt, dass sie nicht als realer Mensch geliebt wird und reagiert zunehmend mit Verweigerung, Launen, Kopfschmerzen usw., medizinisch "Frigidität" genannt.
Wir müssen zu einer Sexualität finden, die frei von irreführenden Fantasien und Ideen und geschlechtlich gleichberechtigt ist. Einer Sexualität, die den Partnern gut tut und sie in ihrem Leben erfüllt. Das ist nicht so leicht. An welchen Vorbildern könnten wir uns orientieren? Etwa an Musikern und Komponisten?
Selbst ein so scheinbar mustergültiges Paar wie Clara und Robert Schumann zeigt bei heutiger kritischer Durchleuchtung der erhaltenen Briefe erhebliche Dissonanzen im Ehe- und Liebesleben. Schumann hielt in einem Tagebuch, das vor allem für hauswirtschaftliche Abrechnungen gedacht war, mit einem besonderen Zeichen die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs fest. Für ihn war es, wie für viele Männer seiner Zeit, die Bestätigung seiner Männlichkeit. Bis zu fünfmal wöchentlich findet sich das Zeichen. Für die letzten beiden Jahre seines Lebens gibt es dazu keine Eintragung. Er verbrachte sie in einer psychiatrischen Klinik, und seine Frau besuchte ihn nur ein Mal, kurz vor seinem Tod. Einige Biografen sind überzeugt, dass Clara ihn dort gegen seinen Willen einliefern ließ, um endlich - nach wenigstens neun Schwangerschaften - keine Kinder mehr kriegen zu müssen und sich ganz ihrer ehrgeizigen Selbstverwirklichung als Konzertpianistin widmen zu können. (3)
Auch der Schöpfer von "Tristan und Isolde", der wohl berühmtesten und tiefgründigsten Liebesoper aller Zeiten, kommt nicht als Vorbild für einen guten Liebhaber in Frage. Richard Wagner (1813-1883), nur 1,62 m groß, war eher herrisch und kreiste vor allem um sich und die Bedeutung seiner Musik. Profi-Musiker sind meist nicht in der Lage oder kommen gar nicht auf die Idee, die in ihrer Musik ausgedrückten Gefühle, die Qualität des Fließenden und das befreiende Potenzial in ihr praktisch in ihr Alltagsleben zu übertragen. Für alle anderen, für uns Laien, die Musik lieben, ist das nicht nur leichter möglich, sondern ein durchaus effektiver Weg, unser Leben in Richtung Glück zu gestalten. Wozu brauchen wir auch persönliche Vorbilder, wenn "Frau Musica" selbst unsere Lehrmeisterin sein kann?
Die eigentlich sexuell stimulierende Musik kam für unsere westliche Kultur erst mit der "schwarzen" Musik aus Amerika. Schon in den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts empfanden etliche Musikkritiker die Rhythmen des Jazz als obszön und sexuell anstößig. Heute ermutigen Psychologen und Sexualtherapeuten dazu, die Hüften zu den Synkopen des Jazz, Blues und Rock 'n' Roll wackeln zu lassen. Auch Ehepartner über 50 oder 70 dürfen das! Die oft erinnerungsgeschwängerte Musik und die Bewegungen törnen einfach an und machen wieder jung.
Jeder gemeinsame Tanz ist ein Tanz des Lebens. Zu einem langsamen Stück bewegen sich die Partner Körper an Körper, spüren den Atem, das Herzklopfen des anderen, die Finger berühren die Schulter und den Rücken, massieren leicht und wohltuend. Was immer gesagt wird, flüsternd, zögernd, ist von der Musik mitinspiriert.
Gegenseitige körperliche Massage zu geeigneter Entspannungsmusik ist für jedes Alter eine Wohltat und Liebesbezeugung, unabhängig davon, ob sie zur körperlichen Vereinigung führt oder nicht. Das kann natürlich auch ohne Musik geschehen. Doch Rhythmus und Harmonien guter Entspannungsmusik helfen schon bei der inneren Entspannung und leiten oft die Hände wie von selbst.
Wenn es nun zum Akt der körperlichen Vereinigung kommt, können wir uns von vorher ausgewählter Musik rhythmisch anleiten lassen. Viele Männer haben ihren Samenerguss zu früh, oft schon bevor ihr Penis in die Vagina hineingeht oder Sekunden danach. Ob Musik da helfen kann? Wenn, dann eher eine entspannende als eine rhythmisch erregende Musik. Frühzeitige Ejakulation ist medizinisch noch nicht eindeutig geklärt. Irgendwie hat es mit Stress zu tun, klar. Der Mann steht unter Leistungsdruck, kann sich nicht entspannen. Einfach nur eine CD abspielen, ist hier wohl kaum die Universallösung. Doch es ist eine gute Möglichkeit, mit der jeder experimentieren kann.
Die Partner müssen sich für die körperliche Liebe und für Zärtlichkeit so viel Zeit wie möglich nehmen. Eine für beide angenehme, entspannende Musik kann aus dem Uhrendenken - in 10 Minuten wird mich mein Chef über Handy anrufen - hinausführen. Keine Handys, Telefone und Termine! Das alles sollte möglichst ausgeschaltet sein, gar nicht mehr existieren! Dann sind wir uns selbst überlassen, und das ist ein Abenteuer für sich! Ausgewählte Musik kann der "Timer" für Tanz, Massage und das Liebesspiel selbst sein. Sie kann helfen, in die Gegenwart, in diesen Moment zu führen. Und dieses viel beschworene ganz "im Hier und Jetzt" sein - "Hör und Jetzt" nennt es sinnigerweise der amerikanische Musikpsychologe Dr. John M. Ortiz - kann sich durchaus als der Schlüssel zu einem erfüllten Liebesleben erweisen.
Das Hauptproblem ist unser Kopf bzw. Gedanken wie: "Mach ich das jetzt richtig, was denkt der andere, sollte ich nicht lieber …, müsste ich nicht …?!" Die Musik im Hintergrund hilft, sich in die Melodien und Rhythmen hinein zu entspannen und mitzuströmen. Das ist allerdings nur ein Hilfsmittel. In erster Linie geht es darum, zu spüren. Wie fühlt sich die Haut des anderen an, wie erlebe ich seinen und meinen Atem. Was spüre ich - als Mann - über den Penis in der Vagina, auch und gerade, wenn ich mich nicht bewege? Da gibt es viel zu entdecken und zu spüren! Das ist alles sehr fein, zart und vielfältig, wenn Mann nicht auf die Ejakulation hindrängt, sondern immer wieder innehält, im Empfinden des Ineinander- und Zusammenseins verweilt. Frau weiß das zu schätzen!


Entrainment: Ein intimer Abend

Im Folgenden schlage ich eine Art Experiment vor: Einen intimen Abend zu Zweit gestalten. Ein 20-Jähriger könnte so eine Angebetete für sich gewinnen, eine 50-Jährige ihren Ehemann zurückerobern. Das Konzept oder Rezept kann jede Art von Partnerschaft in jedem Alter beleben. Die Strategie basiert auf einer gezielten Abfolge von Musikstücken, die beide Partner zunehmend öffnet, seelisch und körperlich. Inspiriert haben mich hier die Untersuchungen und Vorschläge von Dr. Ortiz, der seit über 20 Jahren Ehepaaren, Kindern oder Bankdirektoren hilft, über Musik ihre psychischen und gesundheitlichen Probleme zu lösen. Die nun folgende kleine Geschichte unterstreicht ganz im Sinne von Ortiz das Spielerische. Der sprachliche Stil wendet sich vor allem an junge Menschen.

Bevor sie kommt, höre ich noch mal in "Love in Slow Motion" rein. Unwiderstehlich, wie Angela Bofill singt. Das muss einfach klappen. Drring. Da ist Jessica, an der Tür. Ein letzter Check. Der Duftaltar, Patschuli nicht zu penetrant, gut verteilt im Raum. Die sieben weißen Kerzen flackern wie sie sollen auf dem gedeckten Tisch. Dimmer auf niedrig. Die Rosen in der chinesischen Vase. Alles O.K. Jetzt die CD zur Begrüßung: Kubanisch, weil sie davon bei unserem gemeinsamen Cappuccino vor drei Tagen (seufz!) geschwärmt hat. Für die Musik ist gesorgt. Ich habe meine Musik beisammen, sogar einen Special-Mix auf CD gebrannt.
Jessica lacht: "Na, du hast dich ja gut auf mich vorbereitet. Meine Lieblingsmusik."
Amüsiert begleitet sie mich zum Tisch. "Und welche Musik gibt's zum Essen?" Kann sie etwa Gedanken lesen? Sind wir schon so gut aufeinander eingestimmt? Das kann ja heiter werden! "Wie wär's mit etwas Festlichem? Barock? Vivaldi?" sage ich im Ton eines Küchenchefs, der seine exquisite Karte parat hat, seinem Gast jedoch keinesfalls irgendetwas aufschwatzen will. Wir plaudern, lassen die Gläser klingen, knabbern mit Kaninchenschnuppergehabe kichernd an Salatblättern, sehen uns zwinkernd, bald auch länger in die Augen. Den musikalischen Übergang von Barock auf Romantik habe ich natürlich einfühlsam vorprogrammiert.
"Komm, lass uns tanzen!" Jessica springt auf. Ausgerechnet jetzt, wo die Smoothe-Jazz-Phase zum Massagieren und Schmusen anregen soll! "Hast du nicht etwas Flottes auf Lager?" Mein schönes Konzept ist erst mal durcheinander. Nervös krame ich eine Dancefloor Compilation hervor. Doch das Tanzen erweist sich als goldrichtig. Tatsächlich sind wir nämlich beide ziemlich angespannt und nervös. Der satte Bass vibriert im Becken, afrikanische Trommeln lassen alle Körperteile kreisen und schwingen. Ich überlege nicht mehr, welche Musik als nächste kommt. Jessica führt mich irgendwann tanzend durch den Raum und wir landen lachend und außer Atem auf dem alten "Omasofa". Es ist für diesen Abend eigentlich nicht eingeplant und quietscht nun umso vergnügter.
Wir liegen einfach da. Keine Musik. Draußen rauscht ein sanfter Juni-Wind in den Bäumen. Ich stehe auf, gehe zum CD-Spieler und lege ohne irgendeinen inneren Einwand meine "Selbstgebrannte" auf. Bei der Auswahl der Musik hatte ich mich an ein paar Regeln gehalten, die mir einleuchteten:
Willst du keine schnelle Nummer, sondern eine Liebesnacht, die in bester Erinnerung bleibt? Dann benutze Musik ohne allzu starken Drive als "Timer". Keine vorantreibenden Rhythmen. Eher relaxter Grundrhythmus. Du weißt, meist kommst du früher, als dir nachher lieb ist. Woran das liegt? Du denkst - ohne es selbst zu merken - immer stärker an den Höhepunkt. Achte immer wieder mal auf die Musik, tune dich da ein. Auch wenn es wie Distanzierung scheint - das Liebemachen wird im Grunde intimer. Gemeinsam mit der Musik zu schwingen vereint stärker, als wenn jeder seine eigenen Fantasien im Kopf entwickelt.
Was mir selbst am besten gefällt, ist meist die richtige Musik (sagen die Psychologen), ob es nun um Gesundheit oder Sex geht. Ich hatte einen Klang-Zaubermix aus "Soft Latin" (Corcovado von J. Gilberto/Getz), Indischer Musik und Ambient-Mixes vorbereitet. Wie es war? Finden Sie es selbst heraus!



Der "intime Abend" mit Musik kann als Teenager-Experiment ebenso wie als Überraschung zur Silbernen Hochzeit geplant und durchgeführt werden. Gleich bleibt, dass eine bestimmte Auswahl von Musikstücken bereitliegen muss - am besten schon auf Tonband oder selbst gebrannter CD. Und: Mann/Frau sollte sich darüber im Klaren sein, wohin die Sache führen soll. Geht es um sexuelle Verführung? Um eine Aussöhnung? Um eine Inspiration in einer etwas langweilig gewordenen Partnerschaft? Wie soll der Abend in etwa ablaufen? Die Auswahl der Musikstücke kann nur individuell sein. Gerade in einer langjährigen Beziehung weiß der Partner sehr gut, welche Musik welche Erinnerung auslöst. Doch ein solcher Abend hat gewisse voraussagbare und planbare Abläufe: Begrüßung, Gespräch zum Essen, intimer werden, sei es durch Massage oder Tanz, Liebespiel - eben je nachdem, was der wahre Wunsch ist und was der gemeinsame Rhythmus zulässt.

Vorbereitung: Die ausgewählten CDs liegen bereit, die Musikanlage ist am richtigen Platz. Der Raum, das Ambiente, ist bewusst gestaltet.

Begrüßung: Zu welcher Musik werden wir uns begrüßen? Welche Stücke finden wir beide auflockernd? Was erinnert an gemeinsame schöne Stunden?

Gespräch (beim Essen): Worüber möchte ich sprechen, während Er/Sie sich meine Salatkreation mit Meeresfrüchten auf der Zunge zergehen lässt? Mein Gast ist nicht gekommen, um sich vollzuschlagen. Wir wollen zusammen sein, miteinander reden, möglichst nicht über Arbeit und Geschäft. Die Musik sollte entspannend und zugleich spritzig sein. Atmosphäre wie damals am Strand von Puerto de Mogan, mit Meeresrauschen und Beach Boys? Flamenco? Hotel California oder Cafe Cubana? Vielleicht Telemanns Tafelmusik mit barocken Kerzen? Achten Sie einmal darauf, ob und wie die Musik Ihr Gespräch mitbestimmt.

Tanzen: Zu welcher Musik möchten Sie mit Ihrem Partner tanzen? Die tiefen Frequenzen und der hämmernde Beat von Drum n' Bass, Techno oder afrikanischen Trommeln wirken direkt auf das Becken und laden mit Energie auf, die sich in Bewegung und Sex entladen will. Walzer und Latin sorgen ebenfalls für Hormon-(Endorphin-)Ausschüttung, erreichen aber über ihre Melodien auch "das Herz". Das Entscheidende: Tanzen bringt uns aus dem Kopf in den Moment. Vielleicht eine Mischung aus:


In die Hände klatschen,
Wie vor dem Spiegel tanzen,
Sich selbst vergessen,
Lachend mit dem Finger aufeinander zeigen,
In die Augen schauen.


Gegenseitig massieren: Der Tanz ist vielleicht in einen Strip übergegangen. Jedenfalls sind Sie jetzt nackt. Wer die Haut des anderen berührt, reicht in ungeahnte Tiefen. Jede Art von entspannender Musik, die Sie gerne mögen, hilft dabei, behutsam und zärtlich im Takt zu massieren und zu streicheln.

Liebemachen: "Making Love" - nicht das deutsche "Bumsen". Sie können tatsächlich "Liebe" kreieren. Sie sind bereits auf Nähe, Vertrauen, Zärtlichkeit eingestimmt. Gibt es wirklich etwas Schöneres auf dieser Erde, als wenn Mann und Frau sich körperlich in Ekstase vereinen? Lassen Sie sich hier - noch stärker als beim Tanzen und Massieren - von der Musik führen.
Mann: Nicht "… kommen (und danach ziemlich schnell gehen)" ist angesagt, sondern "… dabei bleiben, im Moment sein, mitfließen". Die Erfahrung von Orgasmus ohne Samenerguss ist für jeden Mann unvergesslich. Es heißt oft, Sex passiert im Kopf. Stimmt: Sexuelle Fantasien drängen zur "Entladung". Liebemachen geschieht jedoch nicht im Kopf, sondern im Körper. Die Musik hilft, die Körper synchron zu schalten, den Rhythmus zu steuern, nicht in Gedanken "vorwegzugreifen".
Techno- und Trommelrhythmen haben ihren Job bereits beim Tanzen getan. Ist die Musik beim Liebemachen im Rhythmus gleichmäßig fließend, melodiös und "spacig", kann ein zeitloser Raum des Zusammenseins entstehen.

Gemeinsam in der Badewanne: Eine Möglichkeit, den Abend Revue passieren zu lassen, auch musikalisch: verspielt, romantisch oder meditativ.


Die Naturvölker haben, glaube ich, recht mit ihrer einfachen Art, passende Partner über rhythmische Rituale zueinander finden zu lassen. Üben Sie sich als Partner in gemeinsamen Rhythmen. Nehmen Sie an Trommel- oder Singworkshops teil, die Ihnen schon bald zeigen, wie Sie für sich regelmäßig in einen gemeinsamen Rhythmus kommen. Natürlich können Sie auch ohne solche Seminare einfach gemeinsam trommeln oder singen. Entscheidend ist der innere Impuls. Für manche Partner ist diese nichtverbale Kommunikation wichtiger als zum Beispiel immer wieder dieselben Probleme anzusprechen und durchzukauen. Andere Paare brauchen wiederum die Aussprache, und da kann es hilfreich sein, eine Musik im Hintergrund aufzulegen, die an gemeinsame schöne Zeiten erinnert.
Eine erfüllte Partnerschaft: Wer wünscht sich das nicht? Sie verspricht Glück, Harmonie und Gesundheit. Wir sind dem heute so nahe wie nie zuvor. Wir können - zumindest hier im freiheitlichen Europa - unsere Partner frei wählen, können uns auch öffentlich zur Homosexualität und Formen der Sexualität bekennen, die früher bestraft wurden. Wir haben alle nur erdenklichen Möglichkeiten, unser Glück in einer wie auch immer gearteten Partnerschaft zu finden. Der gemeinsame Rhythmus und die Musik können uns dabei helfen. Sollte das nicht genügen - und ich weiß aus meiner Erfahrung: Es wird letztlich nicht genügen! - Dann wird uns das Leben selbst neue Herausforderungen und Erkenntnisse bescheren, die uns zu neuen Ufern aufbrechen lassen.



Auszug aus dem Buch von Christian Salvesen: Leben im Rhythmus - Die heilende Kraft der Klänge, Schwingungen und Gefühle. O. W. Barth, München 2006. (Das Buch ist vergriffen.)

Christian Salvesen (1951) Magister der Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaften, arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Ghostwriter. Er ist Autor etlicher Bücher und Rundfunksendungen, ist Künstler und Komponist. Sein bewegtes Leben, seine Indienreisen und seine Begegnungen mit spirituellen Lehrern aus Ost und West spiegeln sich in seinen Büchern. Weitere Infos zur Arbeit des Autors auf www.christian-salvesen.de

Buchveröffentlichungen 2019:
Schmetterling und Tempelglocke. 23 Haikus von japanischen Dichtern – kommentiert, illustriert und vertont. BoD, Norderstedt, 2019, 14,99 Euro
GENveränderte Nahrungsmittel. Risiken für unsere Gesundheit und Umwelt. Kamphausen Media, September 2019, 17,50 Euro



 

Zeit für die Liebe ... von Christian Salvesen


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Liebesleid und Liebesfreud
Glaubt man den unzähligen Liedern über Liebesschmerz, dann liegt hier der Schlüssel für alles Unglück der Menschheit. Kein Schmerz ist demnach so schrecklich wie der einer unerfüllten romantischen Liebessehnsucht. Goethe löste mit seinem Roman "Die Leiden des jungen Werther" Ende des 18. Jahrhunderts geradezu eine Selbstmordwelle von enttäuschten jugendlichen Liebhabern aus, die ihren Schmerz nicht mehr ertragen zu können glaubten. Kunst und Musik, Dichtung und Film leben von dem Stoff der Liebe. Intrigen, Mord, Verzweiflung, aber natürlich auch Ekstase, Erfüllung, Aufopferung, Heldentum - immer aus Liebe.
Menschen ab 30 oder 40 wissen meist aus Erfahrung, dass die erste Verliebtheit vergeht. Die Beziehung muss sich in einer längeren Partnerschaft in kleinen Dingen des Alltags bewähren. Da kommt es darauf an, wie gut die Partner harmonieren, wie sie einen gemeinsamen Rhythmus finden können. Bei einigen Naturvölkern werden heiratswillige Paare in stunden-, ja tagelangen Ritualen daraufhin getestet, ob sie zusammenpassen. Dabei spielen rhythmische Übungen eine entscheidende Rolle. Zum Beispiel schauen sich die Partner in die Augen. Spontan klatscht einer in die Hände, und der andere muss so schnell wie möglich darauf reagieren und möglichst gleichzeitig klatschen.
Ich lernte meine Frau in Oshos Ashram in Poona kennen. Eine Wahrsagerin hatte ihr aufgetragen, eine Geige zu kaufen und innerhalb von sieben Tagen einen passenden Lehrer zu finden. Wir begegneten uns am siebten Tag. Nach wenigen Tagen des Unterrichts hatten wir uns ineinander verliebt. Für jedes Paar sind ganz bestimmte Dinge wichtig. Für uns war und ist es seit 30 Jahren die spirituelle Suche, die Suche nach dem, was wir in Wahrheit sind. Ich glaube, das ist eine recht tiefe und tragende Gemeinsamkeit. Es hält vielleicht mehr zusammen als etwa das gemeinsame Interesse an Geld, Sport oder Mode. Doch es kann auch entzweien. Ich kenne einige Paare, die auseinander gegangen sind, weil der eine Partner einem anderen spirituellen Lehrer folgte als der andere. Bei uns war der Wechsel zu neuen Lehrern erstaunlicherweise bisher stets synchron.
Wir sind nicht nur als Individuen, sondern auch als Paare Rhythmen des Lebens unterworfen, die wir selbst nicht mit dem Verstand oder unserer Entscheidung beeinflussen können. Sie führen uns zueinander, halten uns einige Zeit, vielleicht bis zum Ende unseres Lebens zusammen und trennen uns wieder. In einem übergeordneten Sinn tanzen wir allerdings alle stets in einem gemeinsamen Rhythmus, ungeboren und unsterblich. Doch auf der ganz praktischen, relativen Ebene können wir etwas tun, um Probleme der Partnerschaft und der Sexualität zu lösen. Und das mit Hilfe von Rhythmus und Musik.


Liebeskummer bei Jugendlichen
Wenn ich die stets gleiche Litanei von Liebeskummer in Popsongs höre, muss ich oft lachen. Dabei erinnere ich mich gut, wie ich als 16-Jähriger auf einen Hochspannungsmast kletterte, um mich aus Liebeskummer herunterzustürzen. Ich kenne Eltern, deren Kind sich aus eben solchem Grund tatsächlich umbrachte. Und das ist nicht mehr witzig. Die Eltern fragen sich verzweifelt: Was haben wir falsch gemacht? Warum hat sich unser Kind nicht mit uns ausgesprochen? Das ist nicht etwa ein Ausnahmefall-Problem. Selbstmord ist in Deutschland und anderen westlichen Ländern nach dem Unfalltod die häufigste Todesursache bei Jugendlichen zwischen 10-20 Jahren. Täglich sterben in Deutschland drei Kinder bzw. Jugendliche durch Suizid, 40 werden wegen versuchten Suizids eingeliefert. Liebeskummer ist eine der Hauptursachen. (1) Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist Musik - neben Computerspielen - eine wichtige Quelle der Inspiration und Identifikation. Eltern sollten diese Quellen kennen und Interesse daran bekunden. So unaufdringlich wie möglich. Da ist besonderes Einfühlungsvermögen gefordert. Können, dürfen Eltern die Musik ihrer Kinder mithören, ist das schon ein ermutigendes Zeichen für Vertrauen. Vielleicht ist es sogar möglich, gemeinsam zu tanzen! Der Jugendliche sollte dazu ermuntert werden, seinen Frust zu seiner Lieblingsmusik auszuagieren, auszutanzen, auch mit der nötigen Lautstärke. Dazu können bestimmte Zeiten abgesprochen werden. Jede Art von Kreativität sollte unbedingt unterstützt werden. Sehr gut sind Trommelworkshops, Bands (in der Schule), Sport (Karate etc.). Das gilt für Jungen und Mädchen.


Rhythmen der Partnerschaft
Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen die Beziehung zu anderen. Sind unsere wichtigsten Beziehungen gestört, drückt sich das auch bald in gesundheitlichen Problemen aus. Die intime Partnerschaft spielt dabei eine besondere Rolle. Keine Frage, wir können mit einem anderen Menschen in tiefer Freundschaft verbunden sein, würden auch sagen, dass wir ihn lieben, ohne dass eine sexuelle Verbindung besteht. Und dann gibt es wiederum leidenschaftliche sexuelle Beziehungen, die mit einem abrupten Wechsel zwischen Zuneigung und Abneigung oder gar Hass einhergehen. In einem Moment: "Ich kann nicht ohne dich leben!" im nächsten: "Ich will dich nie wieder sehen!" Für Roman und Film zweifellos ein guter Stoff. Für die Menschen selbst bedeutet es wohl eher eine leidvolle Zerrissenheit.
Gescheiterte Partnerschaften und Ehen können Herzinfarkte, Schlaganfälle, Depressionen und viele andere Gesundheitsschäden verursachen. Das für jeden Menschen so wichtige Liebesleben scheitert meist an zwei Dingen: Die körperliche Liebe bzw. Sexualität läuft nicht wie gewünscht. Und: Die Partner reden aneinander vorbei. Beide Punkte hängen in der Regel zusammen. Wir nehmen uns zu wenig Zeit füreinander und achten zu wenig auf das, was uns verbindet. Rhythmus und Musik können hier helfen, sich wieder aufeinander einzustimmen.
Musik lehrt, wie wir einander besser zuhören und verstehen können. Sie lässt uns entspannen und genießen. Sie inspiriert. Wir strömen mit ihren Rhythmen, Harmonien und Melodien, und dabei stimmen sich Körper, Geist und Seele aufeinander ein. Die Momente der Vereinigung strahlen als "Energie der Liebe" in die gesamte Partnerschaft mit all ihren Problemen. Letztlich lässt sich Liebe nicht manipulieren - zum Glück. Doch mit Hilfe der Musik und einer praktischen Umsetzung von musikpsychologischen Erkenntnissen (Synchronizität, Entrainment) können wir die Liebe einladen.

Gehen wir zunächst einmal den Tagesablauf durch. Viele Paare stehen morgens zur gleichen Zeit auf, Frühstücken gemeinsam und brechen dann getrennt auf, um irgendwo anders, etwa in einem Büro zu arbeiten. Die Kinder müssen zur Schule. Meist ist die Familie erst wieder abends beisammen. Nach dem Fernsehen gehen zuerst die Kinder, dann die Ehepartner gemeinsam ins Bett. Dieses simple Schema gilt heute natürlich nur noch bedingt. Ob ein Paar Kinder hat oder nicht, ob es freiberuflich zu Hause arbeitet oder viel auf Reisen ist usw. - das alles macht einen Unterschied im Rhythmus der Gemeinschaft. Doch was immer zusammen erlebt wird, schafft eine innere Verbundenheit. Die muss gar nicht einmal als besonders harmonisch empfunden werden.
Gefängnisinsassen und Mönche erfahren dieses Phänomen meist stärker als Ehepartner und Familien. Über Monate und Jahre hinweg immer zur gleichen Zeit gemeinsam das Gleiche tun - und sei es nur gemeinsam essen - das schafft eine eigenartige Bindung zwischen Menschen. Auch wenn sich die Betroffenen, etwa in einem Gefängnis, nicht ausstehen können. Das Leben hat sie über den gemeinsamen Rhythmus gleichsam zusammengeschweißt. In einem überpersönlichen Sinn ist das Liebe.
Wenn wir als Ehepartner regelmäßig bestimmte Dinge gemeinsam tun - gemeinsam aufstehen, Frühstücken, Kochen, Geschirr abwaschen, Kinder versorgen, Termine besprechen, spazieren gehen, Filme sehen, dann sollten wir dieses Zusammensein möglichst bewusst wahrnehmen. Es ist ein Geschenk, Zeit gemeinsam zu verbringen, während unser Leben unaufhaltsam abläuft. Wir sollten uns das gegenseitig in Erinnerung rufen, wenn möglich auch mal gemeinsam zehn Minuten still sitzen und meditieren. Wir müssen nicht gegen die Routine ankämpfen. Ich empfehle stattdessen, jeden Moment als kostbar zu erleben. Wenn wir gemeinsam einschlafen, ist das wunderbar. Wir achten auf den Atem des Partners und unseren eigenen, und atmen gemeinsam. Ob wir den nächsten Morgen noch erleben, wer weiß?


Sexuelle Probleme
Die körperliche Vereinigung von Mann und Frau scheint einerseits die natürlichste Sache überhaupt, erweist sich aber bei genauerer Betrachtung oft als recht kompliziert und gestört. Ich möchte hier zunächst nur kurz zusammenfassen, was ich an anderer Stelle ausführlicher dargestellt habe: (2)
Im Unterschied zu allen Tieren sind viele Menschen beim Geschlechtsakt auf unterschiedliche Art geistig und dadurch dann auch körperlich gehemmt. Da kommen Schuld- und Schamgefühle ins Spiel, vor allem durch religiöse und moralische Belehrungen. Da werden durch die heutigen Medien bestimmte Leistungsnormen gesetzt - zum Beispiel wie oft ein Mann mit seinem durchtrainierten Körper und dem so wichtigen Waschbrettbauch "kann" oder gar "zu kommen hat". Was Mann und Frau an Vorstellungen und Meinungen über Sexualität im Kopf angesammelt haben, ist in der Regel wenig geeignet, zu einer natürlichen und entspannten körperlichen Vereinigung zurückzufinden!
Die körperliche Vereinigung ist für die Liebe zwischen Mann und Frau wichtig, nicht als Muss zur Erzeugung von Kindern, sondern als natürliche Energiequelle. Alle Traditionen, ob in Indien, China, oder in den verschiedenen indigenen Völkern, sehen in der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau die wichtigste Verschmelzung polarer Gegensätze auf dieser Erde, einen Energieschub, der Gesundheit, Kreativität, Lebensfreude und Harmonie fördert. Der Geschlechtsakt ist heilig. Er geschieht im gegenseitigen tiefen Einverständnis der Partner.
Schon deshalb wurden und werden Vergewaltigungen (auch innerhalb einer Ehegemeinschaft) verurteilt. In islamischen Ländern scheint heute dieses Bewusstsein für die Würde des Menschen weitgehend zu fehlen. Dabei entstand in der kulturellen Blütezeit des Islam (800-1200) wunderschöne Liebeslyrik, die in Europa zur einzigartigen Kultur der Minne, der liebevollen Umwerbung inspirierte. Aber auch hierzulande, ja überall - nämlich im Internet - wird nun der Mensch - Frau, Mann und Kind - zum sexuellen Lustobjekt degradiert.
Tatsache ist: Über zwei Millionen Männer leiden allein in Deutschland an "Potenzstörungen": Vorzeitige Ejakulation oder keine Erektion. In den Medien - im Fernsehen war es jahrelang die Sendung "Wa(h)re Liebe" - werden äußere Anregungen der Fantasie empfohlen. Reizwäsche, Stimulationsmaschinen, Swingerclubs usw. Das geht Hand in Hand mit der immer noch boomenden Pornoindustrie. Aber wenn ein Mann nur noch zu Sexfotos oder Filmen im Internet onaniert, verliert er allmählich den Kontakt zum eigentlichen Partner. Vollgestopft mit sexuellen Fantasien kann er sich nicht wirklich auf seine Partnerin einlassen, nicht voll da und gegenwärtig sein. Auf der anderen Seite steht die Frustration der Frau. Sie spürt, dass sie nicht als realer Mensch geliebt wird und reagiert zunehmend mit Verweigerung, Launen, Kopfschmerzen usw., medizinisch "Frigidität" genannt.
Wir müssen zu einer Sexualität finden, die frei von irreführenden Fantasien und Ideen und geschlechtlich gleichberechtigt ist. Einer Sexualität, die den Partnern gut tut und sie in ihrem Leben erfüllt. Das ist nicht so leicht. An welchen Vorbildern könnten wir uns orientieren? Etwa an Musikern und Komponisten?
Selbst ein so scheinbar mustergültiges Paar wie Clara und Robert Schumann zeigt bei heutiger kritischer Durchleuchtung der erhaltenen Briefe erhebliche Dissonanzen im Ehe- und Liebesleben. Schumann hielt in einem Tagebuch, das vor allem für hauswirtschaftliche Abrechnungen gedacht war, mit einem besonderen Zeichen die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs fest. Für ihn war es, wie für viele Männer seiner Zeit, die Bestätigung seiner Männlichkeit. Bis zu fünfmal wöchentlich findet sich das Zeichen. Für die letzten beiden Jahre seines Lebens gibt es dazu keine Eintragung. Er verbrachte sie in einer psychiatrischen Klinik, und seine Frau besuchte ihn nur ein Mal, kurz vor seinem Tod. Einige Biografen sind überzeugt, dass Clara ihn dort gegen seinen Willen einliefern ließ, um endlich - nach wenigstens neun Schwangerschaften - keine Kinder mehr kriegen zu müssen und sich ganz ihrer ehrgeizigen Selbstverwirklichung als Konzertpianistin widmen zu können. (3)
Auch der Schöpfer von "Tristan und Isolde", der wohl berühmtesten und tiefgründigsten Liebesoper aller Zeiten, kommt nicht als Vorbild für einen guten Liebhaber in Frage. Richard Wagner (1813-1883), nur 1,62 m groß, war eher herrisch und kreiste vor allem um sich und die Bedeutung seiner Musik. Profi-Musiker sind meist nicht in der Lage oder kommen gar nicht auf die Idee, die in ihrer Musik ausgedrückten Gefühle, die Qualität des Fließenden und das befreiende Potenzial in ihr praktisch in ihr Alltagsleben zu übertragen. Für alle anderen, für uns Laien, die Musik lieben, ist das nicht nur leichter möglich, sondern ein durchaus effektiver Weg, unser Leben in Richtung Glück zu gestalten. Wozu brauchen wir auch persönliche Vorbilder, wenn "Frau Musica" selbst unsere Lehrmeisterin sein kann?
Die eigentlich sexuell stimulierende Musik kam für unsere westliche Kultur erst mit der "schwarzen" Musik aus Amerika. Schon in den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts empfanden etliche Musikkritiker die Rhythmen des Jazz als obszön und sexuell anstößig. Heute ermutigen Psychologen und Sexualtherapeuten dazu, die Hüften zu den Synkopen des Jazz, Blues und Rock 'n' Roll wackeln zu lassen. Auch Ehepartner über 50 oder 70 dürfen das! Die oft erinnerungsgeschwängerte Musik und die Bewegungen törnen einfach an und machen wieder jung.
Jeder gemeinsame Tanz ist ein Tanz des Lebens. Zu einem langsamen Stück bewegen sich die Partner Körper an Körper, spüren den Atem, das Herzklopfen des anderen, die Finger berühren die Schulter und den Rücken, massieren leicht und wohltuend. Was immer gesagt wird, flüsternd, zögernd, ist von der Musik mitinspiriert.
Gegenseitige körperliche Massage zu geeigneter Entspannungsmusik ist für jedes Alter eine Wohltat und Liebesbezeugung, unabhängig davon, ob sie zur körperlichen Vereinigung führt oder nicht. Das kann natürlich auch ohne Musik geschehen. Doch Rhythmus und Harmonien guter Entspannungsmusik helfen schon bei der inneren Entspannung und leiten oft die Hände wie von selbst.
Wenn es nun zum Akt der körperlichen Vereinigung kommt, können wir uns von vorher ausgewählter Musik rhythmisch anleiten lassen. Viele Männer haben ihren Samenerguss zu früh, oft schon bevor ihr Penis in die Vagina hineingeht oder Sekunden danach. Ob Musik da helfen kann? Wenn, dann eher eine entspannende als eine rhythmisch erregende Musik. Frühzeitige Ejakulation ist medizinisch noch nicht eindeutig geklärt. Irgendwie hat es mit Stress zu tun, klar. Der Mann steht unter Leistungsdruck, kann sich nicht entspannen. Einfach nur eine CD abspielen, ist hier wohl kaum die Universallösung. Doch es ist eine gute Möglichkeit, mit der jeder experimentieren kann.
Die Partner müssen sich für die körperliche Liebe und für Zärtlichkeit so viel Zeit wie möglich nehmen. Eine für beide angenehme, entspannende Musik kann aus dem Uhrendenken - in 10 Minuten wird mich mein Chef über Handy anrufen - hinausführen. Keine Handys, Telefone und Termine! Das alles sollte möglichst ausgeschaltet sein, gar nicht mehr existieren! Dann sind wir uns selbst überlassen, und das ist ein Abenteuer für sich! Ausgewählte Musik kann der "Timer" für Tanz, Massage und das Liebesspiel selbst sein. Sie kann helfen, in die Gegenwart, in diesen Moment zu führen. Und dieses viel beschworene ganz "im Hier und Jetzt" sein - "Hör und Jetzt" nennt es sinnigerweise der amerikanische Musikpsychologe Dr. John M. Ortiz - kann sich durchaus als der Schlüssel zu einem erfüllten Liebesleben erweisen.
Das Hauptproblem ist unser Kopf bzw. Gedanken wie: "Mach ich das jetzt richtig, was denkt der andere, sollte ich nicht lieber …, müsste ich nicht …?!" Die Musik im Hintergrund hilft, sich in die Melodien und Rhythmen hinein zu entspannen und mitzuströmen. Das ist allerdings nur ein Hilfsmittel. In erster Linie geht es darum, zu spüren. Wie fühlt sich die Haut des anderen an, wie erlebe ich seinen und meinen Atem. Was spüre ich - als Mann - über den Penis in der Vagina, auch und gerade, wenn ich mich nicht bewege? Da gibt es viel zu entdecken und zu spüren! Das ist alles sehr fein, zart und vielfältig, wenn Mann nicht auf die Ejakulation hindrängt, sondern immer wieder innehält, im Empfinden des Ineinander- und Zusammenseins verweilt. Frau weiß das zu schätzen!


Entrainment: Ein intimer Abend

Im Folgenden schlage ich eine Art Experiment vor: Einen intimen Abend zu Zweit gestalten. Ein 20-Jähriger könnte so eine Angebetete für sich gewinnen, eine 50-Jährige ihren Ehemann zurückerobern. Das Konzept oder Rezept kann jede Art von Partnerschaft in jedem Alter beleben. Die Strategie basiert auf einer gezielten Abfolge von Musikstücken, die beide Partner zunehmend öffnet, seelisch und körperlich. Inspiriert haben mich hier die Untersuchungen und Vorschläge von Dr. Ortiz, der seit über 20 Jahren Ehepaaren, Kindern oder Bankdirektoren hilft, über Musik ihre psychischen und gesundheitlichen Probleme zu lösen. Die nun folgende kleine Geschichte unterstreicht ganz im Sinne von Ortiz das Spielerische. Der sprachliche Stil wendet sich vor allem an junge Menschen.

Bevor sie kommt, höre ich noch mal in "Love in Slow Motion" rein. Unwiderstehlich, wie Angela Bofill singt. Das muss einfach klappen. Drring. Da ist Jessica, an der Tür. Ein letzter Check. Der Duftaltar, Patschuli nicht zu penetrant, gut verteilt im Raum. Die sieben weißen Kerzen flackern wie sie sollen auf dem gedeckten Tisch. Dimmer auf niedrig. Die Rosen in der chinesischen Vase. Alles O.K. Jetzt die CD zur Begrüßung: Kubanisch, weil sie davon bei unserem gemeinsamen Cappuccino vor drei Tagen (seufz!) geschwärmt hat. Für die Musik ist gesorgt. Ich habe meine Musik beisammen, sogar einen Special-Mix auf CD gebrannt.
Jessica lacht: "Na, du hast dich ja gut auf mich vorbereitet. Meine Lieblingsmusik."
Amüsiert begleitet sie mich zum Tisch. "Und welche Musik gibt's zum Essen?" Kann sie etwa Gedanken lesen? Sind wir schon so gut aufeinander eingestimmt? Das kann ja heiter werden! "Wie wär's mit etwas Festlichem? Barock? Vivaldi?" sage ich im Ton eines Küchenchefs, der seine exquisite Karte parat hat, seinem Gast jedoch keinesfalls irgendetwas aufschwatzen will. Wir plaudern, lassen die Gläser klingen, knabbern mit Kaninchenschnuppergehabe kichernd an Salatblättern, sehen uns zwinkernd, bald auch länger in die Augen. Den musikalischen Übergang von Barock auf Romantik habe ich natürlich einfühlsam vorprogrammiert.
"Komm, lass uns tanzen!" Jessica springt auf. Ausgerechnet jetzt, wo die Smoothe-Jazz-Phase zum Massagieren und Schmusen anregen soll! "Hast du nicht etwas Flottes auf Lager?" Mein schönes Konzept ist erst mal durcheinander. Nervös krame ich eine Dancefloor Compilation hervor. Doch das Tanzen erweist sich als goldrichtig. Tatsächlich sind wir nämlich beide ziemlich angespannt und nervös. Der satte Bass vibriert im Becken, afrikanische Trommeln lassen alle Körperteile kreisen und schwingen. Ich überlege nicht mehr, welche Musik als nächste kommt. Jessica führt mich irgendwann tanzend durch den Raum und wir landen lachend und außer Atem auf dem alten "Omasofa". Es ist für diesen Abend eigentlich nicht eingeplant und quietscht nun umso vergnügter.
Wir liegen einfach da. Keine Musik. Draußen rauscht ein sanfter Juni-Wind in den Bäumen. Ich stehe auf, gehe zum CD-Spieler und lege ohne irgendeinen inneren Einwand meine "Selbstgebrannte" auf. Bei der Auswahl der Musik hatte ich mich an ein paar Regeln gehalten, die mir einleuchteten:
Willst du keine schnelle Nummer, sondern eine Liebesnacht, die in bester Erinnerung bleibt? Dann benutze Musik ohne allzu starken Drive als "Timer". Keine vorantreibenden Rhythmen. Eher relaxter Grundrhythmus. Du weißt, meist kommst du früher, als dir nachher lieb ist. Woran das liegt? Du denkst - ohne es selbst zu merken - immer stärker an den Höhepunkt. Achte immer wieder mal auf die Musik, tune dich da ein. Auch wenn es wie Distanzierung scheint - das Liebemachen wird im Grunde intimer. Gemeinsam mit der Musik zu schwingen vereint stärker, als wenn jeder seine eigenen Fantasien im Kopf entwickelt.
Was mir selbst am besten gefällt, ist meist die richtige Musik (sagen die Psychologen), ob es nun um Gesundheit oder Sex geht. Ich hatte einen Klang-Zaubermix aus "Soft Latin" (Corcovado von J. Gilberto/Getz), Indischer Musik und Ambient-Mixes vorbereitet. Wie es war? Finden Sie es selbst heraus!



Der "intime Abend" mit Musik kann als Teenager-Experiment ebenso wie als Überraschung zur Silbernen Hochzeit geplant und durchgeführt werden. Gleich bleibt, dass eine bestimmte Auswahl von Musikstücken bereitliegen muss - am besten schon auf Tonband oder selbst gebrannter CD. Und: Mann/Frau sollte sich darüber im Klaren sein, wohin die Sache führen soll. Geht es um sexuelle Verführung? Um eine Aussöhnung? Um eine Inspiration in einer etwas langweilig gewordenen Partnerschaft? Wie soll der Abend in etwa ablaufen? Die Auswahl der Musikstücke kann nur individuell sein. Gerade in einer langjährigen Beziehung weiß der Partner sehr gut, welche Musik welche Erinnerung auslöst. Doch ein solcher Abend hat gewisse voraussagbare und planbare Abläufe: Begrüßung, Gespräch zum Essen, intimer werden, sei es durch Massage oder Tanz, Liebespiel - eben je nachdem, was der wahre Wunsch ist und was der gemeinsame Rhythmus zulässt.

Vorbereitung: Die ausgewählten CDs liegen bereit, die Musikanlage ist am richtigen Platz. Der Raum, das Ambiente, ist bewusst gestaltet.

Begrüßung: Zu welcher Musik werden wir uns begrüßen? Welche Stücke finden wir beide auflockernd? Was erinnert an gemeinsame schöne Stunden?

Gespräch (beim Essen): Worüber möchte ich sprechen, während Er/Sie sich meine Salatkreation mit Meeresfrüchten auf der Zunge zergehen lässt? Mein Gast ist nicht gekommen, um sich vollzuschlagen. Wir wollen zusammen sein, miteinander reden, möglichst nicht über Arbeit und Geschäft. Die Musik sollte entspannend und zugleich spritzig sein. Atmosphäre wie damals am Strand von Puerto de Mogan, mit Meeresrauschen und Beach Boys? Flamenco? Hotel California oder Cafe Cubana? Vielleicht Telemanns Tafelmusik mit barocken Kerzen? Achten Sie einmal darauf, ob und wie die Musik Ihr Gespräch mitbestimmt.

Tanzen: Zu welcher Musik möchten Sie mit Ihrem Partner tanzen? Die tiefen Frequenzen und der hämmernde Beat von Drum n' Bass, Techno oder afrikanischen Trommeln wirken direkt auf das Becken und laden mit Energie auf, die sich in Bewegung und Sex entladen will. Walzer und Latin sorgen ebenfalls für Hormon-(Endorphin-)Ausschüttung, erreichen aber über ihre Melodien auch "das Herz". Das Entscheidende: Tanzen bringt uns aus dem Kopf in den Moment. Vielleicht eine Mischung aus:


In die Hände klatschen,
Wie vor dem Spiegel tanzen,
Sich selbst vergessen,
Lachend mit dem Finger aufeinander zeigen,
In die Augen schauen.


Gegenseitig massieren: Der Tanz ist vielleicht in einen Strip übergegangen. Jedenfalls sind Sie jetzt nackt. Wer die Haut des anderen berührt, reicht in ungeahnte Tiefen. Jede Art von entspannender Musik, die Sie gerne mögen, hilft dabei, behutsam und zärtlich im Takt zu massieren und zu streicheln.

Liebemachen: "Making Love" - nicht das deutsche "Bumsen". Sie können tatsächlich "Liebe" kreieren. Sie sind bereits auf Nähe, Vertrauen, Zärtlichkeit eingestimmt. Gibt es wirklich etwas Schöneres auf dieser Erde, als wenn Mann und Frau sich körperlich in Ekstase vereinen? Lassen Sie sich hier - noch stärker als beim Tanzen und Massieren - von der Musik führen.
Mann: Nicht "… kommen (und danach ziemlich schnell gehen)" ist angesagt, sondern "… dabei bleiben, im Moment sein, mitfließen". Die Erfahrung von Orgasmus ohne Samenerguss ist für jeden Mann unvergesslich. Es heißt oft, Sex passiert im Kopf. Stimmt: Sexuelle Fantasien drängen zur "Entladung". Liebemachen geschieht jedoch nicht im Kopf, sondern im Körper. Die Musik hilft, die Körper synchron zu schalten, den Rhythmus zu steuern, nicht in Gedanken "vorwegzugreifen".
Techno- und Trommelrhythmen haben ihren Job bereits beim Tanzen getan. Ist die Musik beim Liebemachen im Rhythmus gleichmäßig fließend, melodiös und "spacig", kann ein zeitloser Raum des Zusammenseins entstehen.

Gemeinsam in der Badewanne: Eine Möglichkeit, den Abend Revue passieren zu lassen, auch musikalisch: verspielt, romantisch oder meditativ.


Die Naturvölker haben, glaube ich, recht mit ihrer einfachen Art, passende Partner über rhythmische Rituale zueinander finden zu lassen. Üben Sie sich als Partner in gemeinsamen Rhythmen. Nehmen Sie an Trommel- oder Singworkshops teil, die Ihnen schon bald zeigen, wie Sie für sich regelmäßig in einen gemeinsamen Rhythmus kommen. Natürlich können Sie auch ohne solche Seminare einfach gemeinsam trommeln oder singen. Entscheidend ist der innere Impuls. Für manche Partner ist diese nichtverbale Kommunikation wichtiger als zum Beispiel immer wieder dieselben Probleme anzusprechen und durchzukauen. Andere Paare brauchen wiederum die Aussprache, und da kann es hilfreich sein, eine Musik im Hintergrund aufzulegen, die an gemeinsame schöne Zeiten erinnert.
Eine erfüllte Partnerschaft: Wer wünscht sich das nicht? Sie verspricht Glück, Harmonie und Gesundheit. Wir sind dem heute so nahe wie nie zuvor. Wir können - zumindest hier im freiheitlichen Europa - unsere Partner frei wählen, können uns auch öffentlich zur Homosexualität und Formen der Sexualität bekennen, die früher bestraft wurden. Wir haben alle nur erdenklichen Möglichkeiten, unser Glück in einer wie auch immer gearteten Partnerschaft zu finden. Der gemeinsame Rhythmus und die Musik können uns dabei helfen. Sollte das nicht genügen - und ich weiß aus meiner Erfahrung: Es wird letztlich nicht genügen! - Dann wird uns das Leben selbst neue Herausforderungen und Erkenntnisse bescheren, die uns zu neuen Ufern aufbrechen lassen.



Auszug aus dem Buch von Christian Salvesen: Leben im Rhythmus - Die heilende Kraft der Klänge, Schwingungen und Gefühle. O. W. Barth, München 2006. (Das Buch ist vergriffen.)

Christian Salvesen (1951) Magister der Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaften, arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Ghostwriter. Er ist Autor etlicher Bücher und Rundfunksendungen, ist Künstler und Komponist. Sein bewegtes Leben, seine Indienreisen und seine Begegnungen mit spirituellen Lehrern aus Ost und West spiegeln sich in seinen Büchern. Weitere Infos zur Arbeit des Autors auf www.christian-salvesen.de

Buchveröffentlichungen 2019:
Schmetterling und Tempelglocke. 23 Haikus von japanischen Dichtern – kommentiert, illustriert und vertont. BoD, Norderstedt, 2019, 14,99 Euro
GENveränderte Nahrungsmittel. Risiken für unsere Gesundheit und Umwelt. Kamphausen Media, September 2019, 17,50 Euro



 

Zeit für die Liebe ... von Christian Salvesen


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© Rido_AdobeStock

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Liebesleid und Liebesfreud
Glaubt man den unzähligen Liedern über Liebesschmerz, dann liegt hier der Schlüssel für alles Unglück der Menschheit. Kein Schmerz ist demnach so schrecklich wie der einer unerfüllten romantischen Liebessehnsucht. Goethe löste mit seinem Roman "Die Leiden des jungen Werther" Ende des 18. Jahrhunderts geradezu eine Selbstmordwelle von enttäuschten jugendlichen Liebhabern aus, die ihren Schmerz nicht mehr ertragen zu können glaubten. Kunst und Musik, Dichtung und Film leben von dem Stoff der Liebe. Intrigen, Mord, Verzweiflung, aber natürlich auch Ekstase, Erfüllung, Aufopferung, Heldentum - immer aus Liebe.
Menschen ab 30 oder 40 wissen meist aus Erfahrung, dass die erste Verliebtheit vergeht. Die Beziehung muss sich in einer längeren Partnerschaft in kleinen Dingen des Alltags bewähren. Da kommt es darauf an, wie gut die Partner harmonieren, wie sie einen gemeinsamen Rhythmus finden können. Bei einigen Naturvölkern werden heiratswillige Paare in stunden-, ja tagelangen Ritualen daraufhin getestet, ob sie zusammenpassen. Dabei spielen rhythmische Übungen eine entscheidende Rolle. Zum Beispiel schauen sich die Partner in die Augen. Spontan klatscht einer in die Hände, und der andere muss so schnell wie möglich darauf reagieren und möglichst gleichzeitig klatschen.
Ich lernte meine Frau in Oshos Ashram in Poona kennen. Eine Wahrsagerin hatte ihr aufgetragen, eine Geige zu kaufen und innerhalb von sieben Tagen einen passenden Lehrer zu finden. Wir begegneten uns am siebten Tag. Nach wenigen Tagen des Unterrichts hatten wir uns ineinander verliebt. Für jedes Paar sind ganz bestimmte Dinge wichtig. Für uns war und ist es seit 30 Jahren die spirituelle Suche, die Suche nach dem, was wir in Wahrheit sind. Ich glaube, das ist eine recht tiefe und tragende Gemeinsamkeit. Es hält vielleicht mehr zusammen als etwa das gemeinsame Interesse an Geld, Sport oder Mode. Doch es kann auch entzweien. Ich kenne einige Paare, die auseinander gegangen sind, weil der eine Partner einem anderen spirituellen Lehrer folgte als der andere. Bei uns war der Wechsel zu neuen Lehrern erstaunlicherweise bisher stets synchron.
Wir sind nicht nur als Individuen, sondern auch als Paare Rhythmen des Lebens unterworfen, die wir selbst nicht mit dem Verstand oder unserer Entscheidung beeinflussen können. Sie führen uns zueinander, halten uns einige Zeit, vielleicht bis zum Ende unseres Lebens zusammen und trennen uns wieder. In einem übergeordneten Sinn tanzen wir allerdings alle stets in einem gemeinsamen Rhythmus, ungeboren und unsterblich. Doch auf der ganz praktischen, relativen Ebene können wir etwas tun, um Probleme der Partnerschaft und der Sexualität zu lösen. Und das mit Hilfe von Rhythmus und Musik.


Liebeskummer bei Jugendlichen
Wenn ich die stets gleiche Litanei von Liebeskummer in Popsongs höre, muss ich oft lachen. Dabei erinnere ich mich gut, wie ich als 16-Jähriger auf einen Hochspannungsmast kletterte, um mich aus Liebeskummer herunterzustürzen. Ich kenne Eltern, deren Kind sich aus eben solchem Grund tatsächlich umbrachte. Und das ist nicht mehr witzig. Die Eltern fragen sich verzweifelt: Was haben wir falsch gemacht? Warum hat sich unser Kind nicht mit uns ausgesprochen? Das ist nicht etwa ein Ausnahmefall-Problem. Selbstmord ist in Deutschland und anderen westlichen Ländern nach dem Unfalltod die häufigste Todesursache bei Jugendlichen zwischen 10-20 Jahren. Täglich sterben in Deutschland drei Kinder bzw. Jugendliche durch Suizid, 40 werden wegen versuchten Suizids eingeliefert. Liebeskummer ist eine der Hauptursachen. (1) Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist Musik - neben Computerspielen - eine wichtige Quelle der Inspiration und Identifikation. Eltern sollten diese Quellen kennen und Interesse daran bekunden. So unaufdringlich wie möglich. Da ist besonderes Einfühlungsvermögen gefordert. Können, dürfen Eltern die Musik ihrer Kinder mithören, ist das schon ein ermutigendes Zeichen für Vertrauen. Vielleicht ist es sogar möglich, gemeinsam zu tanzen! Der Jugendliche sollte dazu ermuntert werden, seinen Frust zu seiner Lieblingsmusik auszuagieren, auszutanzen, auch mit der nötigen Lautstärke. Dazu können bestimmte Zeiten abgesprochen werden. Jede Art von Kreativität sollte unbedingt unterstützt werden. Sehr gut sind Trommelworkshops, Bands (in der Schule), Sport (Karate etc.). Das gilt für Jungen und Mädchen.


Rhythmen der Partnerschaft
Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen die Beziehung zu anderen. Sind unsere wichtigsten Beziehungen gestört, drückt sich das auch bald in gesundheitlichen Problemen aus. Die intime Partnerschaft spielt dabei eine besondere Rolle. Keine Frage, wir können mit einem anderen Menschen in tiefer Freundschaft verbunden sein, würden auch sagen, dass wir ihn lieben, ohne dass eine sexuelle Verbindung besteht. Und dann gibt es wiederum leidenschaftliche sexuelle Beziehungen, die mit einem abrupten Wechsel zwischen Zuneigung und Abneigung oder gar Hass einhergehen. In einem Moment: "Ich kann nicht ohne dich leben!" im nächsten: "Ich will dich nie wieder sehen!" Für Roman und Film zweifellos ein guter Stoff. Für die Menschen selbst bedeutet es wohl eher eine leidvolle Zerrissenheit.
Gescheiterte Partnerschaften und Ehen können Herzinfarkte, Schlaganfälle, Depressionen und viele andere Gesundheitsschäden verursachen. Das für jeden Menschen so wichtige Liebesleben scheitert meist an zwei Dingen: Die körperliche Liebe bzw. Sexualität läuft nicht wie gewünscht. Und: Die Partner reden aneinander vorbei. Beide Punkte hängen in der Regel zusammen. Wir nehmen uns zu wenig Zeit füreinander und achten zu wenig auf das, was uns verbindet. Rhythmus und Musik können hier helfen, sich wieder aufeinander einzustimmen.
Musik lehrt, wie wir einander besser zuhören und verstehen können. Sie lässt uns entspannen und genießen. Sie inspiriert. Wir strömen mit ihren Rhythmen, Harmonien und Melodien, und dabei stimmen sich Körper, Geist und Seele aufeinander ein. Die Momente der Vereinigung strahlen als "Energie der Liebe" in die gesamte Partnerschaft mit all ihren Problemen. Letztlich lässt sich Liebe nicht manipulieren - zum Glück. Doch mit Hilfe der Musik und einer praktischen Umsetzung von musikpsychologischen Erkenntnissen (Synchronizität, Entrainment) können wir die Liebe einladen.

Gehen wir zunächst einmal den Tagesablauf durch. Viele Paare stehen morgens zur gleichen Zeit auf, Frühstücken gemeinsam und brechen dann getrennt auf, um irgendwo anders, etwa in einem Büro zu arbeiten. Die Kinder müssen zur Schule. Meist ist die Familie erst wieder abends beisammen. Nach dem Fernsehen gehen zuerst die Kinder, dann die Ehepartner gemeinsam ins Bett. Dieses simple Schema gilt heute natürlich nur noch bedingt. Ob ein Paar Kinder hat oder nicht, ob es freiberuflich zu Hause arbeitet oder viel auf Reisen ist usw. - das alles macht einen Unterschied im Rhythmus der Gemeinschaft. Doch was immer zusammen erlebt wird, schafft eine innere Verbundenheit. Die muss gar nicht einmal als besonders harmonisch empfunden werden.
Gefängnisinsassen und Mönche erfahren dieses Phänomen meist stärker als Ehepartner und Familien. Über Monate und Jahre hinweg immer zur gleichen Zeit gemeinsam das Gleiche tun - und sei es nur gemeinsam essen - das schafft eine eigenartige Bindung zwischen Menschen. Auch wenn sich die Betroffenen, etwa in einem Gefängnis, nicht ausstehen können. Das Leben hat sie über den gemeinsamen Rhythmus gleichsam zusammengeschweißt. In einem überpersönlichen Sinn ist das Liebe.
Wenn wir als Ehepartner regelmäßig bestimmte Dinge gemeinsam tun - gemeinsam aufstehen, Frühstücken, Kochen, Geschirr abwaschen, Kinder versorgen, Termine besprechen, spazieren gehen, Filme sehen, dann sollten wir dieses Zusammensein möglichst bewusst wahrnehmen. Es ist ein Geschenk, Zeit gemeinsam zu verbringen, während unser Leben unaufhaltsam abläuft. Wir sollten uns das gegenseitig in Erinnerung rufen, wenn möglich auch mal gemeinsam zehn Minuten still sitzen und meditieren. Wir müssen nicht gegen die Routine ankämpfen. Ich empfehle stattdessen, jeden Moment als kostbar zu erleben. Wenn wir gemeinsam einschlafen, ist das wunderbar. Wir achten auf den Atem des Partners und unseren eigenen, und atmen gemeinsam. Ob wir den nächsten Morgen noch erleben, wer weiß?


Sexuelle Probleme
Die körperliche Vereinigung von Mann und Frau scheint einerseits die natürlichste Sache überhaupt, erweist sich aber bei genauerer Betrachtung oft als recht kompliziert und gestört. Ich möchte hier zunächst nur kurz zusammenfassen, was ich an anderer Stelle ausführlicher dargestellt habe: (2)
Im Unterschied zu allen Tieren sind viele Menschen beim Geschlechtsakt auf unterschiedliche Art geistig und dadurch dann auch körperlich gehemmt. Da kommen Schuld- und Schamgefühle ins Spiel, vor allem durch religiöse und moralische Belehrungen. Da werden durch die heutigen Medien bestimmte Leistungsnormen gesetzt - zum Beispiel wie oft ein Mann mit seinem durchtrainierten Körper und dem so wichtigen Waschbrettbauch "kann" oder gar "zu kommen hat". Was Mann und Frau an Vorstellungen und Meinungen über Sexualität im Kopf angesammelt haben, ist in der Regel wenig geeignet, zu einer natürlichen und entspannten körperlichen Vereinigung zurückzufinden!
Die körperliche Vereinigung ist für die Liebe zwischen Mann und Frau wichtig, nicht als Muss zur Erzeugung von Kindern, sondern als natürliche Energiequelle. Alle Traditionen, ob in Indien, China, oder in den verschiedenen indigenen Völkern, sehen in der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau die wichtigste Verschmelzung polarer Gegensätze auf dieser Erde, einen Energieschub, der Gesundheit, Kreativität, Lebensfreude und Harmonie fördert. Der Geschlechtsakt ist heilig. Er geschieht im gegenseitigen tiefen Einverständnis der Partner.
Schon deshalb wurden und werden Vergewaltigungen (auch innerhalb einer Ehegemeinschaft) verurteilt. In islamischen Ländern scheint heute dieses Bewusstsein für die Würde des Menschen weitgehend zu fehlen. Dabei entstand in der kulturellen Blütezeit des Islam (800-1200) wunderschöne Liebeslyrik, die in Europa zur einzigartigen Kultur der Minne, der liebevollen Umwerbung inspirierte. Aber auch hierzulande, ja überall - nämlich im Internet - wird nun der Mensch - Frau, Mann und Kind - zum sexuellen Lustobjekt degradiert.
Tatsache ist: Über zwei Millionen Männer leiden allein in Deutschland an "Potenzstörungen": Vorzeitige Ejakulation oder keine Erektion. In den Medien - im Fernsehen war es jahrelang die Sendung "Wa(h)re Liebe" - werden äußere Anregungen der Fantasie empfohlen. Reizwäsche, Stimulationsmaschinen, Swingerclubs usw. Das geht Hand in Hand mit der immer noch boomenden Pornoindustrie. Aber wenn ein Mann nur noch zu Sexfotos oder Filmen im Internet onaniert, verliert er allmählich den Kontakt zum eigentlichen Partner. Vollgestopft mit sexuellen Fantasien kann er sich nicht wirklich auf seine Partnerin einlassen, nicht voll da und gegenwärtig sein. Auf der anderen Seite steht die Frustration der Frau. Sie spürt, dass sie nicht als realer Mensch geliebt wird und reagiert zunehmend mit Verweigerung, Launen, Kopfschmerzen usw., medizinisch "Frigidität" genannt.
Wir müssen zu einer Sexualität finden, die frei von irreführenden Fantasien und Ideen und geschlechtlich gleichberechtigt ist. Einer Sexualität, die den Partnern gut tut und sie in ihrem Leben erfüllt. Das ist nicht so leicht. An welchen Vorbildern könnten wir uns orientieren? Etwa an Musikern und Komponisten?
Selbst ein so scheinbar mustergültiges Paar wie Clara und Robert Schumann zeigt bei heutiger kritischer Durchleuchtung der erhaltenen Briefe erhebliche Dissonanzen im Ehe- und Liebesleben. Schumann hielt in einem Tagebuch, das vor allem für hauswirtschaftliche Abrechnungen gedacht war, mit einem besonderen Zeichen die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs fest. Für ihn war es, wie für viele Männer seiner Zeit, die Bestätigung seiner Männlichkeit. Bis zu fünfmal wöchentlich findet sich das Zeichen. Für die letzten beiden Jahre seines Lebens gibt es dazu keine Eintragung. Er verbrachte sie in einer psychiatrischen Klinik, und seine Frau besuchte ihn nur ein Mal, kurz vor seinem Tod. Einige Biografen sind überzeugt, dass Clara ihn dort gegen seinen Willen einliefern ließ, um endlich - nach wenigstens neun Schwangerschaften - keine Kinder mehr kriegen zu müssen und sich ganz ihrer ehrgeizigen Selbstverwirklichung als Konzertpianistin widmen zu können. (3)
Auch der Schöpfer von "Tristan und Isolde", der wohl berühmtesten und tiefgründigsten Liebesoper aller Zeiten, kommt nicht als Vorbild für einen guten Liebhaber in Frage. Richard Wagner (1813-1883), nur 1,62 m groß, war eher herrisch und kreiste vor allem um sich und die Bedeutung seiner Musik. Profi-Musiker sind meist nicht in der Lage oder kommen gar nicht auf die Idee, die in ihrer Musik ausgedrückten Gefühle, die Qualität des Fließenden und das befreiende Potenzial in ihr praktisch in ihr Alltagsleben zu übertragen. Für alle anderen, für uns Laien, die Musik lieben, ist das nicht nur leichter möglich, sondern ein durchaus effektiver Weg, unser Leben in Richtung Glück zu gestalten. Wozu brauchen wir auch persönliche Vorbilder, wenn "Frau Musica" selbst unsere Lehrmeisterin sein kann?
Die eigentlich sexuell stimulierende Musik kam für unsere westliche Kultur erst mit der "schwarzen" Musik aus Amerika. Schon in den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts empfanden etliche Musikkritiker die Rhythmen des Jazz als obszön und sexuell anstößig. Heute ermutigen Psychologen und Sexualtherapeuten dazu, die Hüften zu den Synkopen des Jazz, Blues und Rock 'n' Roll wackeln zu lassen. Auch Ehepartner über 50 oder 70 dürfen das! Die oft erinnerungsgeschwängerte Musik und die Bewegungen törnen einfach an und machen wieder jung.
Jeder gemeinsame Tanz ist ein Tanz des Lebens. Zu einem langsamen Stück bewegen sich die Partner Körper an Körper, spüren den Atem, das Herzklopfen des anderen, die Finger berühren die Schulter und den Rücken, massieren leicht und wohltuend. Was immer gesagt wird, flüsternd, zögernd, ist von der Musik mitinspiriert.
Gegenseitige körperliche Massage zu geeigneter Entspannungsmusik ist für jedes Alter eine Wohltat und Liebesbezeugung, unabhängig davon, ob sie zur körperlichen Vereinigung führt oder nicht. Das kann natürlich auch ohne Musik geschehen. Doch Rhythmus und Harmonien guter Entspannungsmusik helfen schon bei der inneren Entspannung und leiten oft die Hände wie von selbst.
Wenn es nun zum Akt der körperlichen Vereinigung kommt, können wir uns von vorher ausgewählter Musik rhythmisch anleiten lassen. Viele Männer haben ihren Samenerguss zu früh, oft schon bevor ihr Penis in die Vagina hineingeht oder Sekunden danach. Ob Musik da helfen kann? Wenn, dann eher eine entspannende als eine rhythmisch erregende Musik. Frühzeitige Ejakulation ist medizinisch noch nicht eindeutig geklärt. Irgendwie hat es mit Stress zu tun, klar. Der Mann steht unter Leistungsdruck, kann sich nicht entspannen. Einfach nur eine CD abspielen, ist hier wohl kaum die Universallösung. Doch es ist eine gute Möglichkeit, mit der jeder experimentieren kann.
Die Partner müssen sich für die körperliche Liebe und für Zärtlichkeit so viel Zeit wie möglich nehmen. Eine für beide angenehme, entspannende Musik kann aus dem Uhrendenken - in 10 Minuten wird mich mein Chef über Handy anrufen - hinausführen. Keine Handys, Telefone und Termine! Das alles sollte möglichst ausgeschaltet sein, gar nicht mehr existieren! Dann sind wir uns selbst überlassen, und das ist ein Abenteuer für sich! Ausgewählte Musik kann der "Timer" für Tanz, Massage und das Liebesspiel selbst sein. Sie kann helfen, in die Gegenwart, in diesen Moment zu führen. Und dieses viel beschworene ganz "im Hier und Jetzt" sein - "Hör und Jetzt" nennt es sinnigerweise der amerikanische Musikpsychologe Dr. John M. Ortiz - kann sich durchaus als der Schlüssel zu einem erfüllten Liebesleben erweisen.
Das Hauptproblem ist unser Kopf bzw. Gedanken wie: "Mach ich das jetzt richtig, was denkt der andere, sollte ich nicht lieber …, müsste ich nicht …?!" Die Musik im Hintergrund hilft, sich in die Melodien und Rhythmen hinein zu entspannen und mitzuströmen. Das ist allerdings nur ein Hilfsmittel. In erster Linie geht es darum, zu spüren. Wie fühlt sich die Haut des anderen an, wie erlebe ich seinen und meinen Atem. Was spüre ich - als Mann - über den Penis in der Vagina, auch und gerade, wenn ich mich nicht bewege? Da gibt es viel zu entdecken und zu spüren! Das ist alles sehr fein, zart und vielfältig, wenn Mann nicht auf die Ejakulation hindrängt, sondern immer wieder innehält, im Empfinden des Ineinander- und Zusammenseins verweilt. Frau weiß das zu schätzen!


Entrainment: Ein intimer Abend

Im Folgenden schlage ich eine Art Experiment vor: Einen intimen Abend zu Zweit gestalten. Ein 20-Jähriger könnte so eine Angebetete für sich gewinnen, eine 50-Jährige ihren Ehemann zurückerobern. Das Konzept oder Rezept kann jede Art von Partnerschaft in jedem Alter beleben. Die Strategie basiert auf einer gezielten Abfolge von Musikstücken, die beide Partner zunehmend öffnet, seelisch und körperlich. Inspiriert haben mich hier die Untersuchungen und Vorschläge von Dr. Ortiz, der seit über 20 Jahren Ehepaaren, Kindern oder Bankdirektoren hilft, über Musik ihre psychischen und gesundheitlichen Probleme zu lösen. Die nun folgende kleine Geschichte unterstreicht ganz im Sinne von Ortiz das Spielerische. Der sprachliche Stil wendet sich vor allem an junge Menschen.

Bevor sie kommt, höre ich noch mal in "Love in Slow Motion" rein. Unwiderstehlich, wie Angela Bofill singt. Das muss einfach klappen. Drring. Da ist Jessica, an der Tür. Ein letzter Check. Der Duftaltar, Patschuli nicht zu penetrant, gut verteilt im Raum. Die sieben weißen Kerzen flackern wie sie sollen auf dem gedeckten Tisch. Dimmer auf niedrig. Die Rosen in der chinesischen Vase. Alles O.K. Jetzt die CD zur Begrüßung: Kubanisch, weil sie davon bei unserem gemeinsamen Cappuccino vor drei Tagen (seufz!) geschwärmt hat. Für die Musik ist gesorgt. Ich habe meine Musik beisammen, sogar einen Special-Mix auf CD gebrannt.
Jessica lacht: "Na, du hast dich ja gut auf mich vorbereitet. Meine Lieblingsmusik."
Amüsiert begleitet sie mich zum Tisch. "Und welche Musik gibt's zum Essen?" Kann sie etwa Gedanken lesen? Sind wir schon so gut aufeinander eingestimmt? Das kann ja heiter werden! "Wie wär's mit etwas Festlichem? Barock? Vivaldi?" sage ich im Ton eines Küchenchefs, der seine exquisite Karte parat hat, seinem Gast jedoch keinesfalls irgendetwas aufschwatzen will. Wir plaudern, lassen die Gläser klingen, knabbern mit Kaninchenschnuppergehabe kichernd an Salatblättern, sehen uns zwinkernd, bald auch länger in die Augen. Den musikalischen Übergang von Barock auf Romantik habe ich natürlich einfühlsam vorprogrammiert.
"Komm, lass uns tanzen!" Jessica springt auf. Ausgerechnet jetzt, wo die Smoothe-Jazz-Phase zum Massagieren und Schmusen anregen soll! "Hast du nicht etwas Flottes auf Lager?" Mein schönes Konzept ist erst mal durcheinander. Nervös krame ich eine Dancefloor Compilation hervor. Doch das Tanzen erweist sich als goldrichtig. Tatsächlich sind wir nämlich beide ziemlich angespannt und nervös. Der satte Bass vibriert im Becken, afrikanische Trommeln lassen alle Körperteile kreisen und schwingen. Ich überlege nicht mehr, welche Musik als nächste kommt. Jessica führt mich irgendwann tanzend durch den Raum und wir landen lachend und außer Atem auf dem alten "Omasofa". Es ist für diesen Abend eigentlich nicht eingeplant und quietscht nun umso vergnügter.
Wir liegen einfach da. Keine Musik. Draußen rauscht ein sanfter Juni-Wind in den Bäumen. Ich stehe auf, gehe zum CD-Spieler und lege ohne irgendeinen inneren Einwand meine "Selbstgebrannte" auf. Bei der Auswahl der Musik hatte ich mich an ein paar Regeln gehalten, die mir einleuchteten:
Willst du keine schnelle Nummer, sondern eine Liebesnacht, die in bester Erinnerung bleibt? Dann benutze Musik ohne allzu starken Drive als "Timer". Keine vorantreibenden Rhythmen. Eher relaxter Grundrhythmus. Du weißt, meist kommst du früher, als dir nachher lieb ist. Woran das liegt? Du denkst - ohne es selbst zu merken - immer stärker an den Höhepunkt. Achte immer wieder mal auf die Musik, tune dich da ein. Auch wenn es wie Distanzierung scheint - das Liebemachen wird im Grunde intimer. Gemeinsam mit der Musik zu schwingen vereint stärker, als wenn jeder seine eigenen Fantasien im Kopf entwickelt.
Was mir selbst am besten gefällt, ist meist die richtige Musik (sagen die Psychologen), ob es nun um Gesundheit oder Sex geht. Ich hatte einen Klang-Zaubermix aus "Soft Latin" (Corcovado von J. Gilberto/Getz), Indischer Musik und Ambient-Mixes vorbereitet. Wie es war? Finden Sie es selbst heraus!



Der "intime Abend" mit Musik kann als Teenager-Experiment ebenso wie als Überraschung zur Silbernen Hochzeit geplant und durchgeführt werden. Gleich bleibt, dass eine bestimmte Auswahl von Musikstücken bereitliegen muss - am besten schon auf Tonband oder selbst gebrannter CD. Und: Mann/Frau sollte sich darüber im Klaren sein, wohin die Sache führen soll. Geht es um sexuelle Verführung? Um eine Aussöhnung? Um eine Inspiration in einer etwas langweilig gewordenen Partnerschaft? Wie soll der Abend in etwa ablaufen? Die Auswahl der Musikstücke kann nur individuell sein. Gerade in einer langjährigen Beziehung weiß der Partner sehr gut, welche Musik welche Erinnerung auslöst. Doch ein solcher Abend hat gewisse voraussagbare und planbare Abläufe: Begrüßung, Gespräch zum Essen, intimer werden, sei es durch Massage oder Tanz, Liebespiel - eben je nachdem, was der wahre Wunsch ist und was der gemeinsame Rhythmus zulässt.

Vorbereitung: Die ausgewählten CDs liegen bereit, die Musikanlage ist am richtigen Platz. Der Raum, das Ambiente, ist bewusst gestaltet.

Begrüßung: Zu welcher Musik werden wir uns begrüßen? Welche Stücke finden wir beide auflockernd? Was erinnert an gemeinsame schöne Stunden?

Gespräch (beim Essen): Worüber möchte ich sprechen, während Er/Sie sich meine Salatkreation mit Meeresfrüchten auf der Zunge zergehen lässt? Mein Gast ist nicht gekommen, um sich vollzuschlagen. Wir wollen zusammen sein, miteinander reden, möglichst nicht über Arbeit und Geschäft. Die Musik sollte entspannend und zugleich spritzig sein. Atmosphäre wie damals am Strand von Puerto de Mogan, mit Meeresrauschen und Beach Boys? Flamenco? Hotel California oder Cafe Cubana? Vielleicht Telemanns Tafelmusik mit barocken Kerzen? Achten Sie einmal darauf, ob und wie die Musik Ihr Gespräch mitbestimmt.

Tanzen: Zu welcher Musik möchten Sie mit Ihrem Partner tanzen? Die tiefen Frequenzen und der hämmernde Beat von Drum n' Bass, Techno oder afrikanischen Trommeln wirken direkt auf das Becken und laden mit Energie auf, die sich in Bewegung und Sex entladen will. Walzer und Latin sorgen ebenfalls für Hormon-(Endorphin-)Ausschüttung, erreichen aber über ihre Melodien auch "das Herz". Das Entscheidende: Tanzen bringt uns aus dem Kopf in den Moment. Vielleicht eine Mischung aus:


In die Hände klatschen,
Wie vor dem Spiegel tanzen,
Sich selbst vergessen,
Lachend mit dem Finger aufeinander zeigen,
In die Augen schauen.


Gegenseitig massieren: Der Tanz ist vielleicht in einen Strip übergegangen. Jedenfalls sind Sie jetzt nackt. Wer die Haut des anderen berührt, reicht in ungeahnte Tiefen. Jede Art von entspannender Musik, die Sie gerne mögen, hilft dabei, behutsam und zärtlich im Takt zu massieren und zu streicheln.

Liebemachen: "Making Love" - nicht das deutsche "Bumsen". Sie können tatsächlich "Liebe" kreieren. Sie sind bereits auf Nähe, Vertrauen, Zärtlichkeit eingestimmt. Gibt es wirklich etwas Schöneres auf dieser Erde, als wenn Mann und Frau sich körperlich in Ekstase vereinen? Lassen Sie sich hier - noch stärker als beim Tanzen und Massieren - von der Musik führen.
Mann: Nicht "… kommen (und danach ziemlich schnell gehen)" ist angesagt, sondern "… dabei bleiben, im Moment sein, mitfließen". Die Erfahrung von Orgasmus ohne Samenerguss ist für jeden Mann unvergesslich. Es heißt oft, Sex passiert im Kopf. Stimmt: Sexuelle Fantasien drängen zur "Entladung". Liebemachen geschieht jedoch nicht im Kopf, sondern im Körper. Die Musik hilft, die Körper synchron zu schalten, den Rhythmus zu steuern, nicht in Gedanken "vorwegzugreifen".
Techno- und Trommelrhythmen haben ihren Job bereits beim Tanzen getan. Ist die Musik beim Liebemachen im Rhythmus gleichmäßig fließend, melodiös und "spacig", kann ein zeitloser Raum des Zusammenseins entstehen.

Gemeinsam in der Badewanne: Eine Möglichkeit, den Abend Revue passieren zu lassen, auch musikalisch: verspielt, romantisch oder meditativ.


Die Naturvölker haben, glaube ich, recht mit ihrer einfachen Art, passende Partner über rhythmische Rituale zueinander finden zu lassen. Üben Sie sich als Partner in gemeinsamen Rhythmen. Nehmen Sie an Trommel- oder Singworkshops teil, die Ihnen schon bald zeigen, wie Sie für sich regelmäßig in einen gemeinsamen Rhythmus kommen. Natürlich können Sie auch ohne solche Seminare einfach gemeinsam trommeln oder singen. Entscheidend ist der innere Impuls. Für manche Partner ist diese nichtverbale Kommunikation wichtiger als zum Beispiel immer wieder dieselben Probleme anzusprechen und durchzukauen. Andere Paare brauchen wiederum die Aussprache, und da kann es hilfreich sein, eine Musik im Hintergrund aufzulegen, die an gemeinsame schöne Zeiten erinnert.
Eine erfüllte Partnerschaft: Wer wünscht sich das nicht? Sie verspricht Glück, Harmonie und Gesundheit. Wir sind dem heute so nahe wie nie zuvor. Wir können - zumindest hier im freiheitlichen Europa - unsere Partner frei wählen, können uns auch öffentlich zur Homosexualität und Formen der Sexualität bekennen, die früher bestraft wurden. Wir haben alle nur erdenklichen Möglichkeiten, unser Glück in einer wie auch immer gearteten Partnerschaft zu finden. Der gemeinsame Rhythmus und die Musik können uns dabei helfen. Sollte das nicht genügen - und ich weiß aus meiner Erfahrung: Es wird letztlich nicht genügen! - Dann wird uns das Leben selbst neue Herausforderungen und Erkenntnisse bescheren, die uns zu neuen Ufern aufbrechen lassen.



Auszug aus dem Buch von Christian Salvesen: Leben im Rhythmus - Die heilende Kraft der Klänge, Schwingungen und Gefühle. O. W. Barth, München 2006. (Das Buch ist vergriffen.)

Christian Salvesen (1951) Magister der Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaften, arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Ghostwriter. Er ist Autor etlicher Bücher und Rundfunksendungen, ist Künstler und Komponist. Sein bewegtes Leben, seine Indienreisen und seine Begegnungen mit spirituellen Lehrern aus Ost und West spiegeln sich in seinen Büchern. Weitere Infos zur Arbeit des Autors auf www.christian-salvesen.de

Buchveröffentlichungen 2019:
Schmetterling und Tempelglocke. 23 Haikus von japanischen Dichtern – kommentiert, illustriert und vertont. BoD, Norderstedt, 2019, 14,99 Euro
GENveränderte Nahrungsmittel. Risiken für unsere Gesundheit und Umwelt. Kamphausen Media, September 2019, 17,50 Euro