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Ausgabe September 2019
Beitragsreihe 2019 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Musca domestica – Die Stubenfliege


art95893
© VadimGuzhva_AdobeStock

Vergrößern hier klicken.
H. Schäfer: Welches Mittel haben Sie heute ausgesucht?
Andreas Krüger: Ich werde über die Fliege sprechen, weil die Fliege für Dinge und Wirklichkeiten in unserem Leben steht, die ich heute gerne thematisieren möchte. Ich glaube, dass die Fliege ein zentrales Thema unserer Gesellschaft anspricht und auch in Psychotherapien oft Beachtung findet. Der lateinische Name der Fliege ist Musca domestica. Zu „domestica“ assoziieren viele das Reinigungsmittel Domestos, das auch für das WC genutzt wird. Und das wiederum hat viel mit der Fliege zu tun, weil es auf diesem Planeten kein Wesen gibt, das sich von so viel Kot ernährt wie die Fliege. Ohne sie wäre dieser Planet „zugeschissen“ – das muss man einfach ganz deutlich sagen. Ein Symptom in der Arzneimittellehre ist, dass Menschen, die dieses Mittel brauchen, ganz oft „Scheiße“ sagen und viele Fäkalausdrücke benutzen.

Und solche Menschen kommen in Ihre Praxis?
Nein, die Menschen, die in meine Praxis kommen, haben oft eine unbeschreiblich starke bis zwanghafte Reinlichkeitserziehung erlebt und dadurch eine große Abneigung und Angst gegen alles entwickelt, was mit Ausscheidungen zu tun hat, und dadurch auch gegen das Organ, das dafür zuständig ist: unserem Anus. In den alten klassischen Arzneimittellehren steht das Mittel Musca domestica für Messie, ist dreckig, tritt ständig in Hundekot, lässt überall seinen Mist liegen, guckt Pornos und hat eine tierische Sexualität – all das haben meine Patienten überhaupt nicht. Wie auch bei einigen anderen Mitteln setze ich die Fliege anders ein als es in den klassischen Arzneimittellehren beschrieben ist. Ich habe schon oft erlebt, dass ich die Kehrseite von Mitteln entdeckt und damit auch in die Anwendung gebracht habe. Meine Patienten sind meistens sehr reinliche Menschen, die – wie Wilhelm Reich es nannte – einen Becken- oder Analpanzer haben. Wilhelm Reich und auch andere Lehrer wie der Tantralehrer Daniel Odier haben gesagt: Wer da nicht loslässt, also am Anus, der kann lange seinen Körper streicheln oder massieren lassen oder den G-Punkt suchen – es wird alles nichts helfen, solange er den Hintern zusammenkneift. Und das tut er deshalb, weil er Angst hat, wenn er ihn nicht zusammenkneifen würde, so zu werden, wie Fliege in der Arzneimittellehre beschrieben wird.
Ich bin mit diesem Thema zwangsweise konfrontiert worden, weil ich vor meiner Physiotherapieausbildung ein Jahr lang Krankenpflegeschüler war. Dieser Beruf bestand damals darin, dass ich im Grunde täglich acht Stunden Fäkalien entsorgt habe. Ich muss gestehen, dass ich dieses Jahr nur deshalb überstanden habe, weil ich mir als Hippie den Kopf mit Cannabis vernebelt habe. Und vielleicht habe ich aufgrund dieser Erfahrungen eine Fliegen-Affinität und vielleicht erzählen mir deswegen Menschen etwas über ihre Ängstlichkeit und Verklemmungen mit diesem Thema.
Ich selbst kenne das Problem, nicht loslassen zu können, auch von mir, und mir hat damals die Fliege geholfen. Ich habe eine Urangst, die mich auf vielen Ebenen behindert und auch meine Sexualität einschränkt: Ich habe Angst, inkontinent zu sein. Das ist das Schlimmste, was es für mich geben würde. Das Phänomen gibt es auch bei Frauen. Manche können sich bei der Geburt nicht hingeben, weil sie Angst haben, während der Geburt zu koten. Das Gleiche gilt für Sex: Viele Frauen haben mir erzählt, dass sie seit Jahren keinen Orgasmus mehr haben, aus Angst vor Inkontinenz.

Können Sie mehr zu Ihrer Geschichte erzählen?
Meine Geschichte ähnelt sehr der meiner Patienten. Wilhelm Reich sagte, dass der anale Panzer dadurch entsteht, dass viele eine zwangshafte Reinlichkeitserziehung genossen haben – jedenfalls meine Generation. Inzwischen weiß man, dass eine frei fließende Sexualität viel mit Reinlichkeitserziehung zu tun hat. Ich wurde damals fest eingewickelt und mit Penatencreme zugeschmiert. In Penatencreme ist Zink – eins der unterdrückendsten Stoffe, die es gibt. Auf die absolute Ausgrenzung von allem, was mit Ausscheidungen zu tun hat, reagieren Kinder oft mit Verstopfung – ich auch. Behandelt wurde das bei mir damals mit dem Instrument, das die meisten Menschen als tiefen Analmissbrauch erlebt haben: das Penaten-Fieberthermometer. In meinen Therapiesitzungen habe ich diese Geste als Analmissbrauch meiner Mutter erlebt. Ich bin ihr heute nicht böse, ich weiß, sie wollte mir helfen und sie konnte mich ja auch nicht fragen, als ich noch nicht sprechen konnte. Mit Einnahme von Musca domestica näherte ich mich diesem Thema und schaute genauer hin, ob es Möglichkeiten gibt, diesen Panzer zu entkrampfen. Ich ging zu einem sehr einfühlsamen und vorsichtigen Osteopathen, der mich rektal osteopathisch behandelte. Erst reagierte ich mit Angst, sah in ihm meine Mutter mit dem Fieberthermometer, aber nachdem ich mich diesem Prozess hingeben konnte, merkte ich, wie viel Weite auf einmal entstand.

Fazit?
Wann immer man bei Patienten oder bei einem selbst das Gefühl bekommt, dass es im Beckenbereich Verkrampfungen, Schamhaftigkeit betreffs des Analbereichs, Hingabeschwäche, Verstopfungen oder Durchfall bis hin zu Colitis ulcerosa und Prostatitis gibt, ist Musca domestica das Mittel der Wahl. Heute bekommt der ganze Analbereich in der Körperpsychotherapie immer mehr Zugang und das hat nichts mit Tantra oder Lustgewinn, sondern mit Ent-Panzerung zu tun. Daniel Odier sagte: Wer da nicht loslässt, lässt nicht los. Wer es braucht, sollte es als Riechfläschchen nutzen.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.

 
Ausgabe September 2019
Beitragsreihe 2019 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Musca domestica – Die Stubenfliege


art95893
© VadimGuzhva_AdobeStock

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H. Schäfer: Welches Mittel haben Sie heute ausgesucht?
Andreas Krüger: Ich werde über die Fliege sprechen, weil die Fliege für Dinge und Wirklichkeiten in unserem Leben steht, die ich heute gerne thematisieren möchte. Ich glaube, dass die Fliege ein zentrales Thema unserer Gesellschaft anspricht und auch in Psychotherapien oft Beachtung findet. Der lateinische Name der Fliege ist Musca domestica. Zu „domestica“ assoziieren viele das Reinigungsmittel Domestos, das auch für das WC genutzt wird. Und das wiederum hat viel mit der Fliege zu tun, weil es auf diesem Planeten kein Wesen gibt, das sich von so viel Kot ernährt wie die Fliege. Ohne sie wäre dieser Planet „zugeschissen“ – das muss man einfach ganz deutlich sagen. Ein Symptom in der Arzneimittellehre ist, dass Menschen, die dieses Mittel brauchen, ganz oft „Scheiße“ sagen und viele Fäkalausdrücke benutzen.

Und solche Menschen kommen in Ihre Praxis?
Nein, die Menschen, die in meine Praxis kommen, haben oft eine unbeschreiblich starke bis zwanghafte Reinlichkeitserziehung erlebt und dadurch eine große Abneigung und Angst gegen alles entwickelt, was mit Ausscheidungen zu tun hat, und dadurch auch gegen das Organ, das dafür zuständig ist: unserem Anus. In den alten klassischen Arzneimittellehren steht das Mittel Musca domestica für Messie, ist dreckig, tritt ständig in Hundekot, lässt überall seinen Mist liegen, guckt Pornos und hat eine tierische Sexualität – all das haben meine Patienten überhaupt nicht. Wie auch bei einigen anderen Mitteln setze ich die Fliege anders ein als es in den klassischen Arzneimittellehren beschrieben ist. Ich habe schon oft erlebt, dass ich die Kehrseite von Mitteln entdeckt und damit auch in die Anwendung gebracht habe. Meine Patienten sind meistens sehr reinliche Menschen, die – wie Wilhelm Reich es nannte – einen Becken- oder Analpanzer haben. Wilhelm Reich und auch andere Lehrer wie der Tantralehrer Daniel Odier haben gesagt: Wer da nicht loslässt, also am Anus, der kann lange seinen Körper streicheln oder massieren lassen oder den G-Punkt suchen – es wird alles nichts helfen, solange er den Hintern zusammenkneift. Und das tut er deshalb, weil er Angst hat, wenn er ihn nicht zusammenkneifen würde, so zu werden, wie Fliege in der Arzneimittellehre beschrieben wird.
Ich bin mit diesem Thema zwangsweise konfrontiert worden, weil ich vor meiner Physiotherapieausbildung ein Jahr lang Krankenpflegeschüler war. Dieser Beruf bestand damals darin, dass ich im Grunde täglich acht Stunden Fäkalien entsorgt habe. Ich muss gestehen, dass ich dieses Jahr nur deshalb überstanden habe, weil ich mir als Hippie den Kopf mit Cannabis vernebelt habe. Und vielleicht habe ich aufgrund dieser Erfahrungen eine Fliegen-Affinität und vielleicht erzählen mir deswegen Menschen etwas über ihre Ängstlichkeit und Verklemmungen mit diesem Thema.
Ich selbst kenne das Problem, nicht loslassen zu können, auch von mir, und mir hat damals die Fliege geholfen. Ich habe eine Urangst, die mich auf vielen Ebenen behindert und auch meine Sexualität einschränkt: Ich habe Angst, inkontinent zu sein. Das ist das Schlimmste, was es für mich geben würde. Das Phänomen gibt es auch bei Frauen. Manche können sich bei der Geburt nicht hingeben, weil sie Angst haben, während der Geburt zu koten. Das Gleiche gilt für Sex: Viele Frauen haben mir erzählt, dass sie seit Jahren keinen Orgasmus mehr haben, aus Angst vor Inkontinenz.

Können Sie mehr zu Ihrer Geschichte erzählen?
Meine Geschichte ähnelt sehr der meiner Patienten. Wilhelm Reich sagte, dass der anale Panzer dadurch entsteht, dass viele eine zwangshafte Reinlichkeitserziehung genossen haben – jedenfalls meine Generation. Inzwischen weiß man, dass eine frei fließende Sexualität viel mit Reinlichkeitserziehung zu tun hat. Ich wurde damals fest eingewickelt und mit Penatencreme zugeschmiert. In Penatencreme ist Zink – eins der unterdrückendsten Stoffe, die es gibt. Auf die absolute Ausgrenzung von allem, was mit Ausscheidungen zu tun hat, reagieren Kinder oft mit Verstopfung – ich auch. Behandelt wurde das bei mir damals mit dem Instrument, das die meisten Menschen als tiefen Analmissbrauch erlebt haben: das Penaten-Fieberthermometer. In meinen Therapiesitzungen habe ich diese Geste als Analmissbrauch meiner Mutter erlebt. Ich bin ihr heute nicht böse, ich weiß, sie wollte mir helfen und sie konnte mich ja auch nicht fragen, als ich noch nicht sprechen konnte. Mit Einnahme von Musca domestica näherte ich mich diesem Thema und schaute genauer hin, ob es Möglichkeiten gibt, diesen Panzer zu entkrampfen. Ich ging zu einem sehr einfühlsamen und vorsichtigen Osteopathen, der mich rektal osteopathisch behandelte. Erst reagierte ich mit Angst, sah in ihm meine Mutter mit dem Fieberthermometer, aber nachdem ich mich diesem Prozess hingeben konnte, merkte ich, wie viel Weite auf einmal entstand.

Fazit?
Wann immer man bei Patienten oder bei einem selbst das Gefühl bekommt, dass es im Beckenbereich Verkrampfungen, Schamhaftigkeit betreffs des Analbereichs, Hingabeschwäche, Verstopfungen oder Durchfall bis hin zu Colitis ulcerosa und Prostatitis gibt, ist Musca domestica das Mittel der Wahl. Heute bekommt der ganze Analbereich in der Körperpsychotherapie immer mehr Zugang und das hat nichts mit Tantra oder Lustgewinn, sondern mit Ent-Panzerung zu tun. Daniel Odier sagte: Wer da nicht loslässt, lässt nicht los. Wer es braucht, sollte es als Riechfläschchen nutzen.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag


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Ausgabe September 2019
Beitragsreihe 2019 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Musca domestica – Die Stubenfliege


art95893
© VadimGuzhva_AdobeStock

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H. Schäfer: Welches Mittel haben Sie heute ausgesucht?
Andreas Krüger: Ich werde über die Fliege sprechen, weil die Fliege für Dinge und Wirklichkeiten in unserem Leben steht, die ich heute gerne thematisieren möchte. Ich glaube, dass die Fliege ein zentrales Thema unserer Gesellschaft anspricht und auch in Psychotherapien oft Beachtung findet. Der lateinische Name der Fliege ist Musca domestica. Zu „domestica“ assoziieren viele das Reinigungsmittel Domestos, das auch für das WC genutzt wird. Und das wiederum hat viel mit der Fliege zu tun, weil es auf diesem Planeten kein Wesen gibt, das sich von so viel Kot ernährt wie die Fliege. Ohne sie wäre dieser Planet „zugeschissen“ – das muss man einfach ganz deutlich sagen. Ein Symptom in der Arzneimittellehre ist, dass Menschen, die dieses Mittel brauchen, ganz oft „Scheiße“ sagen und viele Fäkalausdrücke benutzen.

Und solche Menschen kommen in Ihre Praxis?
Nein, die Menschen, die in meine Praxis kommen, haben oft eine unbeschreiblich starke bis zwanghafte Reinlichkeitserziehung erlebt und dadurch eine große Abneigung und Angst gegen alles entwickelt, was mit Ausscheidungen zu tun hat, und dadurch auch gegen das Organ, das dafür zuständig ist: unserem Anus. In den alten klassischen Arzneimittellehren steht das Mittel Musca domestica für Messie, ist dreckig, tritt ständig in Hundekot, lässt überall seinen Mist liegen, guckt Pornos und hat eine tierische Sexualität – all das haben meine Patienten überhaupt nicht. Wie auch bei einigen anderen Mitteln setze ich die Fliege anders ein als es in den klassischen Arzneimittellehren beschrieben ist. Ich habe schon oft erlebt, dass ich die Kehrseite von Mitteln entdeckt und damit auch in die Anwendung gebracht habe. Meine Patienten sind meistens sehr reinliche Menschen, die – wie Wilhelm Reich es nannte – einen Becken- oder Analpanzer haben. Wilhelm Reich und auch andere Lehrer wie der Tantralehrer Daniel Odier haben gesagt: Wer da nicht loslässt, also am Anus, der kann lange seinen Körper streicheln oder massieren lassen oder den G-Punkt suchen – es wird alles nichts helfen, solange er den Hintern zusammenkneift. Und das tut er deshalb, weil er Angst hat, wenn er ihn nicht zusammenkneifen würde, so zu werden, wie Fliege in der Arzneimittellehre beschrieben wird.
Ich bin mit diesem Thema zwangsweise konfrontiert worden, weil ich vor meiner Physiotherapieausbildung ein Jahr lang Krankenpflegeschüler war. Dieser Beruf bestand damals darin, dass ich im Grunde täglich acht Stunden Fäkalien entsorgt habe. Ich muss gestehen, dass ich dieses Jahr nur deshalb überstanden habe, weil ich mir als Hippie den Kopf mit Cannabis vernebelt habe. Und vielleicht habe ich aufgrund dieser Erfahrungen eine Fliegen-Affinität und vielleicht erzählen mir deswegen Menschen etwas über ihre Ängstlichkeit und Verklemmungen mit diesem Thema.
Ich selbst kenne das Problem, nicht loslassen zu können, auch von mir, und mir hat damals die Fliege geholfen. Ich habe eine Urangst, die mich auf vielen Ebenen behindert und auch meine Sexualität einschränkt: Ich habe Angst, inkontinent zu sein. Das ist das Schlimmste, was es für mich geben würde. Das Phänomen gibt es auch bei Frauen. Manche können sich bei der Geburt nicht hingeben, weil sie Angst haben, während der Geburt zu koten. Das Gleiche gilt für Sex: Viele Frauen haben mir erzählt, dass sie seit Jahren keinen Orgasmus mehr haben, aus Angst vor Inkontinenz.

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Meine Geschichte ähnelt sehr der meiner Patienten. Wilhelm Reich sagte, dass der anale Panzer dadurch entsteht, dass viele eine zwangshafte Reinlichkeitserziehung genossen haben – jedenfalls meine Generation. Inzwischen weiß man, dass eine frei fließende Sexualität viel mit Reinlichkeitserziehung zu tun hat. Ich wurde damals fest eingewickelt und mit Penatencreme zugeschmiert. In Penatencreme ist Zink – eins der unterdrückendsten Stoffe, die es gibt. Auf die absolute Ausgrenzung von allem, was mit Ausscheidungen zu tun hat, reagieren Kinder oft mit Verstopfung – ich auch. Behandelt wurde das bei mir damals mit dem Instrument, das die meisten Menschen als tiefen Analmissbrauch erlebt haben: das Penaten-Fieberthermometer. In meinen Therapiesitzungen habe ich diese Geste als Analmissbrauch meiner Mutter erlebt. Ich bin ihr heute nicht böse, ich weiß, sie wollte mir helfen und sie konnte mich ja auch nicht fragen, als ich noch nicht sprechen konnte. Mit Einnahme von Musca domestica näherte ich mich diesem Thema und schaute genauer hin, ob es Möglichkeiten gibt, diesen Panzer zu entkrampfen. Ich ging zu einem sehr einfühlsamen und vorsichtigen Osteopathen, der mich rektal osteopathisch behandelte. Erst reagierte ich mit Angst, sah in ihm meine Mutter mit dem Fieberthermometer, aber nachdem ich mich diesem Prozess hingeben konnte, merkte ich, wie viel Weite auf einmal entstand.

Fazit?
Wann immer man bei Patienten oder bei einem selbst das Gefühl bekommt, dass es im Beckenbereich Verkrampfungen, Schamhaftigkeit betreffs des Analbereichs, Hingabeschwäche, Verstopfungen oder Durchfall bis hin zu Colitis ulcerosa und Prostatitis gibt, ist Musca domestica das Mittel der Wahl. Heute bekommt der ganze Analbereich in der Körperpsychotherapie immer mehr Zugang und das hat nichts mit Tantra oder Lustgewinn, sondern mit Ent-Panzerung zu tun. Daniel Odier sagte: Wer da nicht loslässt, lässt nicht los. Wer es braucht, sollte es als Riechfläschchen nutzen.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
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