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Ausgabe September 2019
Verstecktes Potenzial. Sie sind stärker, als Sie glauben ... von Siegrid Engelbrecht


Begabungen, Talente, Fähigkeiten, Vorzüge ... eine ganze Reihe von Begriffen umschreibt, was jeder von uns an Highlights in sich trägt: seine individuellen Stärken.

art95891
© photoraidz_AdobeStock

Vergrößern hier klicken.
Wer gewohnt ist, sich selbst durch die „Fehler-Brille“ zu betrachten, statt seine starken Seiten im Blick zu haben, übersieht dabei viele wichtige Fähigkeiten und Eigenschaften, die sich gut weiterentwickeln ließen – würde man sich denn dieses Potenzials überhaupt erst einmal bewusst sein. Doch was bedeutet das?
Mit dem Begriff „Potenzial“ oder persönliche Stärken können ganz unterschiedliche Dinge gemeint sein: Begabungen, (Charakter-)Eigenschaften, Kompetenzen auf verschiedenen Gebieten, Tugenden usw. Kreative Fähigkeiten ebenso wie Menschenkenntnis, ein gutes Urteilsvermögen genauso wie die Fähigkeit zur Empathie, logisches Denken, Treue und Loyalität, Sorgfalt wie Empfindsamkeit, Spontaneität ebenso wie Ausdauer – das alles können Stärken sein – die uns innewohnenden Qualitäten, die uns am meisten dabei unterstützen, erfolgreich zu sein. Jede Kombination aus Fähigkeiten, Erfahrungen und Know-how ist einzigartig. Und je nachdem, wie wir unsere starken Seiten einsetzen, vermögen sie uns auf dem Weg zu einem Ziel Flügel zu verleihen.
Viele Stärken liegen bereits in der Herkunftsfamilie und werden in der Kindheit geprägt – wenn wir beispielsweise an Musikerfamilien denken, an spezielle Hochbegabungen oder sportliche Spitzentalente. Unsere Veranlagung bestimmt also mit darüber, wie wir aussehen, welche Begabungen wir „von Haus aus“ mitbringen oder auch, welche Eigenschaften uns auszeichnen.

Haben Sie eher eine kunstlerische Ader oder liegt Ihnen die technisch-naturwissenschaftliche Welt näher? Forschen Sie gerne und erfinden die Welt neu oder liegt Ihnen ein gutes Miteinander mit anderen Menschen besonders am Herzen?
Unsere Anlagen bilden die Basis für die Weiterentwicklung – was wir daraus machen, liegt zum einen an unserer Motivation und zum anderen an den Rahmenbedingungen, die wir in der Umgebung vorfinden. Auch mit einer ausgeprägten Begabung geht ohne Motivation und Übung nichts. Das entsprechende Talent kommt nur dann voll zur Blüte, wenn es gezielt trainiert werden kann. Das gilt sowohl für offensichtliche Fähigkeiten wie zum Beispiel Musikalität als auch für zum Beispiel soziales Verhalten, welches auch nur „trainiert“ werden kann, wenn das Kind tatsächlich auch in Gruppen integriert ist. Wem eine entsprechende Förderung versagt ist, hat es schwer.
Dies wurde auch durch eine Reihe entsprechender Studien bestätigt, die sogar noch ein Stück weiter gehen: Demnach hängt unser Erfolg im Leben weniger davon ab, ob uns herausragende Befähigungen in die Wiege gelegt wurden, sondern vielmehr davon, was wir aus den Gaben machen, die wir haben, und wie wir sie pflegen und weiterentwickeln.
Interessant ist auch, dass wir fast drei Viertel unseres gesamten Wissens und Könnens nicht in Ausbildungen oder Weiterqualifizierungsmaßnahmen erwerben, sondern eher „nebenbei“ – etwa in der Familie, im Zusammensein mit Freunden, im Zuge ehrenamtlicher Engagements, bei Freizeitaktivitäten oder der Pflege von Hobbys.
Weil wir diese Fähigkeiten oft nur rein informell erworben und ausgebaut haben, sind wir uns ihrer häufig gar nicht als einer besonderen Kompetenz bewusst, sondern erleben sie als etwas völlig Normales und Selbstverständliches. „Das kann doch jeder“, sagen wir dann oder: „Das ist doch nichts Besonderes.“ Erst wenn jemand anderem genau das schwerfällt, was uns mühelos von der Hand geht, merken wir auf und erkennen, dass es sich hier wohl um eine Stärke handeln könnte.
Manche in uns steckende Fähigkeit entdecken wir auch erst dadurch, dass wir in eine ungewöhnliche Situation geraten und gefordert sind, Dinge zu tun, die wir noch niemals vorher getan haben – einfach, weil wir in dieser speziellen Situation keine andere Wahl haben. Wir „wachsen über uns selbst hinaus“. Doch die Fähigkeit, nun auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln, hatte die ganze Zeit in uns geschlummert, ohne dass wir davon eine Ahnung hatten. So können auch jetzt noch Stärken in uns darauf warten, endlich bemerkt und eingesetzt zu werden.
Denn nicht nur als junge Menschen, auch in den „mittleren Jahren“ und darüber hinaus entwickeln wir uns ständig weiter und eignen uns neues Wissen und neues Können an, und dabei bauen wir – bewusst oder unbewusst – auf diejenigen Talente und Kompetenzen auf, die wir schon früher erfolgreich eingesetzt haben. Dieser Lernprozess hält unser Leben lang an. Manche Stärken erkennen wir erst auf den zweiten Blick, und nicht nur das, auch hinter manchem, was wir als Schwäche sehen, kann eine Stärke verborgen sein. Ob wir etwas als stark oder schwach sehen, ist oft eine Frage der Interpretation. Eigenschaften, Verhaltensweisen oder auch körperliche Merkmale sind nicht an sich positiv oder negativ, sondern wir bewerten sie in der einen oder der anderen Richtung. Sensibilität kann der eine als große Stärke an sich sehen, der andere hält sich deshalb für ein Weichei. Die eine ist stolz auf ihre Genauigkeit und Liebe zum Detail, die andere schimpft sich deshalb eine Erbsenzählerin und wünscht sich nichts sehnlicher, als weniger penibel zu sein.
Unsere Bewertungen sind abhängig von den Erfahrungen, die wir mit der entsprechenden Qualität gemacht haben, und den Erinnerungen, die wir damit verbinden.
Wer beispielsweise oft dafür gescholten wurde, viel tagzuträumen, wird sich schwer damit tun, diese Fähigkeit zu kreativen Gedankenwanderungen als persönliche Stärke zu betrachten.
Doch wie wir unsere starken und weniger starken Seiten einschätzen und bewerten, bestimmt nicht nur darüber, wie wir uns fühlen, sondern auch, welche Entscheidungen wir treffen. Denn wir verhalten uns nicht entsprechend unserer Fähigkeiten, sondern danach, welche Fähigkeiten wir zu haben oder nicht zu haben glauben. Leistungen und Erfolge sind also nicht die direkte Folge von Fähigkeiten und Talente, sondern immer die Folge dessen, was man sich selbst zutraut. Wer glaubt, zu dumm oder zu unbegabt zu sein, der verhält sich auch entsprechend dieser Überzeugung – gleichgültig wie fähig er oder sie tatsächlich sein mag. Und umgekehrt: Wer sich etwas zutraut, wächst mit seinen Erfahrungen.


Sigrid Engelbrecht M.A. ist freiberufliche Mental- und Wellnesstrainerin, Expertin für Stressbewältigung, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung. Als Coach begleitet sie Menschen in beruflichen und persönlichen Veränderungsprozessen. Die gelernte Diplom-Designerin, Malerin und vielfache Sachbuchautorin hält Vorträge, Workshops und Seminare im deutschsprachigen Raum.
Weitere Infos auf www.sigrid-engelbrecht.de


Lesetipp:

Das Bewusstsein für die persönlichen Qualitäten zu stärken und Impulse dafür zu geben, sie zielgerichteter einzusetzen, ist das Leitmotiv des Kartensets „Alles, was mich stark macht“.
Wenn wir unsere Stärken erkennen und Wege finden, sie gezielt einzusetzen, können wir viel mehr erreichen, als wenn wir uns in erster Linie darauf konzentrieren, vermeintliche Schwächen zu bekämpfen. Finden Sie heraus, was Ihre starken Seiten sind und konzentrieren Sie sich auf das, worin Sie gut sind!

Sigrid Engelbrecht: Alles, was mich stark macht – Eigene Stärken erkennen – Potenziale ausbauen, Königsfurt Urania 3.2019, Originalausgabe, Karton-Box mit 52 Karten + 1 Buch, 128 Seiten, ISBN: 9783868261783, 18,95 Euro


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.

 
Ausgabe September 2019
Verstecktes Potenzial. Sie sind stärker, als Sie glauben ... von Siegrid Engelbrecht


Begabungen, Talente, Fähigkeiten, Vorzüge ... eine ganze Reihe von Begriffen umschreibt, was jeder von uns an Highlights in sich trägt: seine individuellen Stärken.

art95891
© photoraidz_AdobeStock

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Wer gewohnt ist, sich selbst durch die „Fehler-Brille“ zu betrachten, statt seine starken Seiten im Blick zu haben, übersieht dabei viele wichtige Fähigkeiten und Eigenschaften, die sich gut weiterentwickeln ließen – würde man sich denn dieses Potenzials überhaupt erst einmal bewusst sein. Doch was bedeutet das?
Mit dem Begriff „Potenzial“ oder persönliche Stärken können ganz unterschiedliche Dinge gemeint sein: Begabungen, (Charakter-)Eigenschaften, Kompetenzen auf verschiedenen Gebieten, Tugenden usw. Kreative Fähigkeiten ebenso wie Menschenkenntnis, ein gutes Urteilsvermögen genauso wie die Fähigkeit zur Empathie, logisches Denken, Treue und Loyalität, Sorgfalt wie Empfindsamkeit, Spontaneität ebenso wie Ausdauer – das alles können Stärken sein – die uns innewohnenden Qualitäten, die uns am meisten dabei unterstützen, erfolgreich zu sein. Jede Kombination aus Fähigkeiten, Erfahrungen und Know-how ist einzigartig. Und je nachdem, wie wir unsere starken Seiten einsetzen, vermögen sie uns auf dem Weg zu einem Ziel Flügel zu verleihen.
Viele Stärken liegen bereits in der Herkunftsfamilie und werden in der Kindheit geprägt – wenn wir beispielsweise an Musikerfamilien denken, an spezielle Hochbegabungen oder sportliche Spitzentalente. Unsere Veranlagung bestimmt also mit darüber, wie wir aussehen, welche Begabungen wir „von Haus aus“ mitbringen oder auch, welche Eigenschaften uns auszeichnen.

Haben Sie eher eine kunstlerische Ader oder liegt Ihnen die technisch-naturwissenschaftliche Welt näher? Forschen Sie gerne und erfinden die Welt neu oder liegt Ihnen ein gutes Miteinander mit anderen Menschen besonders am Herzen?
Unsere Anlagen bilden die Basis für die Weiterentwicklung – was wir daraus machen, liegt zum einen an unserer Motivation und zum anderen an den Rahmenbedingungen, die wir in der Umgebung vorfinden. Auch mit einer ausgeprägten Begabung geht ohne Motivation und Übung nichts. Das entsprechende Talent kommt nur dann voll zur Blüte, wenn es gezielt trainiert werden kann. Das gilt sowohl für offensichtliche Fähigkeiten wie zum Beispiel Musikalität als auch für zum Beispiel soziales Verhalten, welches auch nur „trainiert“ werden kann, wenn das Kind tatsächlich auch in Gruppen integriert ist. Wem eine entsprechende Förderung versagt ist, hat es schwer.
Dies wurde auch durch eine Reihe entsprechender Studien bestätigt, die sogar noch ein Stück weiter gehen: Demnach hängt unser Erfolg im Leben weniger davon ab, ob uns herausragende Befähigungen in die Wiege gelegt wurden, sondern vielmehr davon, was wir aus den Gaben machen, die wir haben, und wie wir sie pflegen und weiterentwickeln.
Interessant ist auch, dass wir fast drei Viertel unseres gesamten Wissens und Könnens nicht in Ausbildungen oder Weiterqualifizierungsmaßnahmen erwerben, sondern eher „nebenbei“ – etwa in der Familie, im Zusammensein mit Freunden, im Zuge ehrenamtlicher Engagements, bei Freizeitaktivitäten oder der Pflege von Hobbys.
Weil wir diese Fähigkeiten oft nur rein informell erworben und ausgebaut haben, sind wir uns ihrer häufig gar nicht als einer besonderen Kompetenz bewusst, sondern erleben sie als etwas völlig Normales und Selbstverständliches. „Das kann doch jeder“, sagen wir dann oder: „Das ist doch nichts Besonderes.“ Erst wenn jemand anderem genau das schwerfällt, was uns mühelos von der Hand geht, merken wir auf und erkennen, dass es sich hier wohl um eine Stärke handeln könnte.
Manche in uns steckende Fähigkeit entdecken wir auch erst dadurch, dass wir in eine ungewöhnliche Situation geraten und gefordert sind, Dinge zu tun, die wir noch niemals vorher getan haben – einfach, weil wir in dieser speziellen Situation keine andere Wahl haben. Wir „wachsen über uns selbst hinaus“. Doch die Fähigkeit, nun auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln, hatte die ganze Zeit in uns geschlummert, ohne dass wir davon eine Ahnung hatten. So können auch jetzt noch Stärken in uns darauf warten, endlich bemerkt und eingesetzt zu werden.
Denn nicht nur als junge Menschen, auch in den „mittleren Jahren“ und darüber hinaus entwickeln wir uns ständig weiter und eignen uns neues Wissen und neues Können an, und dabei bauen wir – bewusst oder unbewusst – auf diejenigen Talente und Kompetenzen auf, die wir schon früher erfolgreich eingesetzt haben. Dieser Lernprozess hält unser Leben lang an. Manche Stärken erkennen wir erst auf den zweiten Blick, und nicht nur das, auch hinter manchem, was wir als Schwäche sehen, kann eine Stärke verborgen sein. Ob wir etwas als stark oder schwach sehen, ist oft eine Frage der Interpretation. Eigenschaften, Verhaltensweisen oder auch körperliche Merkmale sind nicht an sich positiv oder negativ, sondern wir bewerten sie in der einen oder der anderen Richtung. Sensibilität kann der eine als große Stärke an sich sehen, der andere hält sich deshalb für ein Weichei. Die eine ist stolz auf ihre Genauigkeit und Liebe zum Detail, die andere schimpft sich deshalb eine Erbsenzählerin und wünscht sich nichts sehnlicher, als weniger penibel zu sein.
Unsere Bewertungen sind abhängig von den Erfahrungen, die wir mit der entsprechenden Qualität gemacht haben, und den Erinnerungen, die wir damit verbinden.
Wer beispielsweise oft dafür gescholten wurde, viel tagzuträumen, wird sich schwer damit tun, diese Fähigkeit zu kreativen Gedankenwanderungen als persönliche Stärke zu betrachten.
Doch wie wir unsere starken und weniger starken Seiten einschätzen und bewerten, bestimmt nicht nur darüber, wie wir uns fühlen, sondern auch, welche Entscheidungen wir treffen. Denn wir verhalten uns nicht entsprechend unserer Fähigkeiten, sondern danach, welche Fähigkeiten wir zu haben oder nicht zu haben glauben. Leistungen und Erfolge sind also nicht die direkte Folge von Fähigkeiten und Talente, sondern immer die Folge dessen, was man sich selbst zutraut. Wer glaubt, zu dumm oder zu unbegabt zu sein, der verhält sich auch entsprechend dieser Überzeugung – gleichgültig wie fähig er oder sie tatsächlich sein mag. Und umgekehrt: Wer sich etwas zutraut, wächst mit seinen Erfahrungen.


Sigrid Engelbrecht M.A. ist freiberufliche Mental- und Wellnesstrainerin, Expertin für Stressbewältigung, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung. Als Coach begleitet sie Menschen in beruflichen und persönlichen Veränderungsprozessen. Die gelernte Diplom-Designerin, Malerin und vielfache Sachbuchautorin hält Vorträge, Workshops und Seminare im deutschsprachigen Raum.
Weitere Infos auf www.sigrid-engelbrecht.de


Lesetipp:

Das Bewusstsein für die persönlichen Qualitäten zu stärken und Impulse dafür zu geben, sie zielgerichteter einzusetzen, ist das Leitmotiv des Kartensets „Alles, was mich stark macht“.
Wenn wir unsere Stärken erkennen und Wege finden, sie gezielt einzusetzen, können wir viel mehr erreichen, als wenn wir uns in erster Linie darauf konzentrieren, vermeintliche Schwächen zu bekämpfen. Finden Sie heraus, was Ihre starken Seiten sind und konzentrieren Sie sich auf das, worin Sie gut sind!

Sigrid Engelbrecht: Alles, was mich stark macht – Eigene Stärken erkennen – Potenziale ausbauen, Königsfurt Urania 3.2019, Originalausgabe, Karton-Box mit 52 Karten + 1 Buch, 128 Seiten, ISBN: 9783868261783, 18,95 Euro


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Ausgabe September 2019
Verstecktes Potenzial. Sie sind stärker, als Sie glauben ... von Siegrid Engelbrecht


Begabungen, Talente, Fähigkeiten, Vorzüge ... eine ganze Reihe von Begriffen umschreibt, was jeder von uns an Highlights in sich trägt: seine individuellen Stärken.

art95891
© photoraidz_AdobeStock

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Wer gewohnt ist, sich selbst durch die „Fehler-Brille“ zu betrachten, statt seine starken Seiten im Blick zu haben, übersieht dabei viele wichtige Fähigkeiten und Eigenschaften, die sich gut weiterentwickeln ließen – würde man sich denn dieses Potenzials überhaupt erst einmal bewusst sein. Doch was bedeutet das?
Mit dem Begriff „Potenzial“ oder persönliche Stärken können ganz unterschiedliche Dinge gemeint sein: Begabungen, (Charakter-)Eigenschaften, Kompetenzen auf verschiedenen Gebieten, Tugenden usw. Kreative Fähigkeiten ebenso wie Menschenkenntnis, ein gutes Urteilsvermögen genauso wie die Fähigkeit zur Empathie, logisches Denken, Treue und Loyalität, Sorgfalt wie Empfindsamkeit, Spontaneität ebenso wie Ausdauer – das alles können Stärken sein – die uns innewohnenden Qualitäten, die uns am meisten dabei unterstützen, erfolgreich zu sein. Jede Kombination aus Fähigkeiten, Erfahrungen und Know-how ist einzigartig. Und je nachdem, wie wir unsere starken Seiten einsetzen, vermögen sie uns auf dem Weg zu einem Ziel Flügel zu verleihen.
Viele Stärken liegen bereits in der Herkunftsfamilie und werden in der Kindheit geprägt – wenn wir beispielsweise an Musikerfamilien denken, an spezielle Hochbegabungen oder sportliche Spitzentalente. Unsere Veranlagung bestimmt also mit darüber, wie wir aussehen, welche Begabungen wir „von Haus aus“ mitbringen oder auch, welche Eigenschaften uns auszeichnen.

Haben Sie eher eine kunstlerische Ader oder liegt Ihnen die technisch-naturwissenschaftliche Welt näher? Forschen Sie gerne und erfinden die Welt neu oder liegt Ihnen ein gutes Miteinander mit anderen Menschen besonders am Herzen?
Unsere Anlagen bilden die Basis für die Weiterentwicklung – was wir daraus machen, liegt zum einen an unserer Motivation und zum anderen an den Rahmenbedingungen, die wir in der Umgebung vorfinden. Auch mit einer ausgeprägten Begabung geht ohne Motivation und Übung nichts. Das entsprechende Talent kommt nur dann voll zur Blüte, wenn es gezielt trainiert werden kann. Das gilt sowohl für offensichtliche Fähigkeiten wie zum Beispiel Musikalität als auch für zum Beispiel soziales Verhalten, welches auch nur „trainiert“ werden kann, wenn das Kind tatsächlich auch in Gruppen integriert ist. Wem eine entsprechende Förderung versagt ist, hat es schwer.
Dies wurde auch durch eine Reihe entsprechender Studien bestätigt, die sogar noch ein Stück weiter gehen: Demnach hängt unser Erfolg im Leben weniger davon ab, ob uns herausragende Befähigungen in die Wiege gelegt wurden, sondern vielmehr davon, was wir aus den Gaben machen, die wir haben, und wie wir sie pflegen und weiterentwickeln.
Interessant ist auch, dass wir fast drei Viertel unseres gesamten Wissens und Könnens nicht in Ausbildungen oder Weiterqualifizierungsmaßnahmen erwerben, sondern eher „nebenbei“ – etwa in der Familie, im Zusammensein mit Freunden, im Zuge ehrenamtlicher Engagements, bei Freizeitaktivitäten oder der Pflege von Hobbys.
Weil wir diese Fähigkeiten oft nur rein informell erworben und ausgebaut haben, sind wir uns ihrer häufig gar nicht als einer besonderen Kompetenz bewusst, sondern erleben sie als etwas völlig Normales und Selbstverständliches. „Das kann doch jeder“, sagen wir dann oder: „Das ist doch nichts Besonderes.“ Erst wenn jemand anderem genau das schwerfällt, was uns mühelos von der Hand geht, merken wir auf und erkennen, dass es sich hier wohl um eine Stärke handeln könnte.
Manche in uns steckende Fähigkeit entdecken wir auch erst dadurch, dass wir in eine ungewöhnliche Situation geraten und gefordert sind, Dinge zu tun, die wir noch niemals vorher getan haben – einfach, weil wir in dieser speziellen Situation keine andere Wahl haben. Wir „wachsen über uns selbst hinaus“. Doch die Fähigkeit, nun auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln, hatte die ganze Zeit in uns geschlummert, ohne dass wir davon eine Ahnung hatten. So können auch jetzt noch Stärken in uns darauf warten, endlich bemerkt und eingesetzt zu werden.
Denn nicht nur als junge Menschen, auch in den „mittleren Jahren“ und darüber hinaus entwickeln wir uns ständig weiter und eignen uns neues Wissen und neues Können an, und dabei bauen wir – bewusst oder unbewusst – auf diejenigen Talente und Kompetenzen auf, die wir schon früher erfolgreich eingesetzt haben. Dieser Lernprozess hält unser Leben lang an. Manche Stärken erkennen wir erst auf den zweiten Blick, und nicht nur das, auch hinter manchem, was wir als Schwäche sehen, kann eine Stärke verborgen sein. Ob wir etwas als stark oder schwach sehen, ist oft eine Frage der Interpretation. Eigenschaften, Verhaltensweisen oder auch körperliche Merkmale sind nicht an sich positiv oder negativ, sondern wir bewerten sie in der einen oder der anderen Richtung. Sensibilität kann der eine als große Stärke an sich sehen, der andere hält sich deshalb für ein Weichei. Die eine ist stolz auf ihre Genauigkeit und Liebe zum Detail, die andere schimpft sich deshalb eine Erbsenzählerin und wünscht sich nichts sehnlicher, als weniger penibel zu sein.
Unsere Bewertungen sind abhängig von den Erfahrungen, die wir mit der entsprechenden Qualität gemacht haben, und den Erinnerungen, die wir damit verbinden.
Wer beispielsweise oft dafür gescholten wurde, viel tagzuträumen, wird sich schwer damit tun, diese Fähigkeit zu kreativen Gedankenwanderungen als persönliche Stärke zu betrachten.
Doch wie wir unsere starken und weniger starken Seiten einschätzen und bewerten, bestimmt nicht nur darüber, wie wir uns fühlen, sondern auch, welche Entscheidungen wir treffen. Denn wir verhalten uns nicht entsprechend unserer Fähigkeiten, sondern danach, welche Fähigkeiten wir zu haben oder nicht zu haben glauben. Leistungen und Erfolge sind also nicht die direkte Folge von Fähigkeiten und Talente, sondern immer die Folge dessen, was man sich selbst zutraut. Wer glaubt, zu dumm oder zu unbegabt zu sein, der verhält sich auch entsprechend dieser Überzeugung – gleichgültig wie fähig er oder sie tatsächlich sein mag. Und umgekehrt: Wer sich etwas zutraut, wächst mit seinen Erfahrungen.


Sigrid Engelbrecht M.A. ist freiberufliche Mental- und Wellnesstrainerin, Expertin für Stressbewältigung, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung. Als Coach begleitet sie Menschen in beruflichen und persönlichen Veränderungsprozessen. Die gelernte Diplom-Designerin, Malerin und vielfache Sachbuchautorin hält Vorträge, Workshops und Seminare im deutschsprachigen Raum.
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Das Bewusstsein für die persönlichen Qualitäten zu stärken und Impulse dafür zu geben, sie zielgerichteter einzusetzen, ist das Leitmotiv des Kartensets „Alles, was mich stark macht“.
Wenn wir unsere Stärken erkennen und Wege finden, sie gezielt einzusetzen, können wir viel mehr erreichen, als wenn wir uns in erster Linie darauf konzentrieren, vermeintliche Schwächen zu bekämpfen. Finden Sie heraus, was Ihre starken Seiten sind und konzentrieren Sie sich auf das, worin Sie gut sind!

Sigrid Engelbrecht: Alles, was mich stark macht – Eigene Stärken erkennen – Potenziale ausbauen, Königsfurt Urania 3.2019, Originalausgabe, Karton-Box mit 52 Karten + 1 Buch, 128 Seiten, ISBN: 9783868261783, 18,95 Euro


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