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Beitragsreihe 2019 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Milche

Es ist nie zu spät für eine glückliche Stillzeit

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© Ivan Kruk_AdobeStock

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H. Schäfer: Welches Thema bewegt Sie gerade in Ihrer Arbeit oder Ihrem Leben?
Andreas Krüger: Ich möchte heute über ein Thema sprechen, das in meiner Arbeit und auch in meinem privaten Leben einen ganz speziellen Stand hat: Es ist das innere Kind und die Arbeit mit dem inneren Kind. In der Homöopathie sind die Hauptheilmittel für die Defizite unseres inneren Kindes die Milche. Das Problem in unserer Kommunikation mit Menschen ist – gerade in Beziehungen und speziell in Liebesbeziehungen – dass wir uns oft streiten, Vorwürfe machen und manchmal auch eine Bedürftigkeit zeigen, die dem anderen wiederum Angst machen. Das hat alles nichts mit der erwachsenen Ebene unseres Menschseins zu tun. Mein Lehrer und Therapeut Leonard Shaw ist der Meinung, dass sich in 90 % der Streitfälle in Beziehungen unsere inneren Kinder, aber nicht die Erwachsenen streiten. Hellinger hat es noch erweitert und sagte: In 80 % der Streitfälle streiten wir uns im Grunde in Stellvertretung für unsere Eltern. Als erwachsene Menschen verstehen wir uns oft ganz gut, aber das bedürftige Kind, das alleine gelassen oder nicht gestillt oder nicht gelobt wurde, das versucht, vom Partner all das zu bekommen, was es als Kind nicht gekriegt hat. Das große Problem dabei ist, dass wir den anderen oft überfordern. Abgesehen davon ist diese Ebene nicht adäquat für eine Liebesbeziehung. In einer Liebesbeziehung hat man sich etwas anderes zu geben als Basissicherheit oder Basisnahrung.

Kommen wir zu Lösungen: Was gibt es für Wege, einen Menschen auf seiner Kinderebene nachträglich sicher und satt zu machen? Was empfehlen Sie?
In der Gestaltarbeit nach Leonard Shaw gibt es die Innere-Kind-Arbeit, wo man regelmäßig – am besten täglich – in Kontakt mit dem inneren Kind geht und z. B. einen Briefwechsel mit dem Kind führt. Dabei schreibt man mit beiden Händen Briefe, wobei die nicht dominante Hand stellvertretend für das innere Kind schreibt. So entstehen nährende Dialoge.
Es gibt auch die Innere-Kind-ATA, wo man neue Informationen einspeist, indem man auf den Körper klopft. Das kann man genauer in dem ATA-Buch von mir und Klaus Jürgen Becker nachlesen.
Manchmal ist die Störung aber so tief und die Defizite so groß, dass das innere Kind gar keine Rezeptoren oder Ärmchen hat, um etwas anzunehmen. Es gibt erstaunlich viele Menschen, die damit Schwierigkeiten haben. Dieses Phänomen lässt sich sogar biochemisch erklären: Wenn man eine einzelne Zelle in ein Reagenzglas setzt, wo sie keinen Kontakt zu anderen Zellen hat, dann bildet diese Zelle kleine Ärmchen, sogenannte Glykokalyx, also kleine Zuckerärmchen, die dazu dienen, sich mit anderen Zellen zu verbinden. Wenn man später weitere Zellen zu dieser Zelle setzt, dann hat sie keine Möglichkeit, Kontakt mit den anderen herzustellen. Es gibt die Formulierung: Menschen verhungern vor vollen Tellern.
Wenn jemand nie gestreichelt und festgehalten worden ist, dann hilft auch keine noch so große Fürsorge oder Liebe vom Partner, weil nichts davon angenommen werden kann.

Was kann die Homöopathie bewirken?
Die Homöopathie kann jenseits von Sprache und jenseits von Klopfen den Teil unserer Seele berühren, wo Primärprogrammierung stattgefunden hat – also die Fähigkeit, Liebe anzunehmen und zu glauben, bzw. Lob überhaupt zu hören. Man sagt ja, man hat Dinge mit der Muttermilch eingesogen. Die Milchmittel in der Homöopathie sind in der Lage, an dieses motherboard zu gehen und diese fehlende Ur-Information in einen Menschen hineinzugeben, wie z.B. das Gefühl, geliebt und bedingungslos angenommen zu werden.

Es gibt ja verschiedene Milche. Welche bewirkt was?
Die Hundemilch ist das wichtigste Mittel für Waisenkinder oder Kinder, die ohne Eltern aufwachsen mussten. Diese Menschen kennen nicht das Gefühl, dass jemand eine schützende Hand über sie hält oder festhält. Deshalb fühlen sie sich oft – radikal formuliert – wie Straßenköter.
Wenn jemand nicht erlebt hat, dass er das Recht hat, zu sprechen oder einen Willen zu haben, für den ist die Wolfsmilch ein wunderbares Mittel. Sie hilft zu sagen: Ich will! Ich sehe Wolfsmilch als unser tierisches Eisen.
Elefantenmilch ist gut für Kinder, die nie auf etwas stolz sein durften, sondern immer artig und bescheiden sein mussten. Diese Milch hilft, als Erwachsener erfolgreich zu sein und Geld, sogar viel Geld zu verdienen: Ich darf ein Ganesha sein!
Schweinemilch hilft Menschen, die in einer streng moralischen Familie aufwuchsen, in der Sinnlichkeit und Sexualität unterdrückt wurden. Diese Menschen haben keine Rezeptoren für alles, was mit Körperkontakt zu tun hat. Die Schweinemilch ist der Ur-Chip zu einer Grundbejahung von Leben.
Die menschliche Muttermilch hilft, als Ur-Information ein Ja zu der eigenen Vision des Lebens zu erhalten. Sie hilft Menschen, die keine Idee oder keinen Plan für ihr Leben haben. Es gibt zwei Heilpraktiker in Falkensee – Marita und Helmut Maier – die ihr Leben der Erforschung der Milche gewidmet haben und eine Therapie der Milchwege anbieten, weil sie sagen, dass ein Mensch auf der Milch-ebene genährt und satt sein muss, bevor wir uns den erwachsenen Themen zuwenden können. Ich bin nicht so radikal und teste meine Patienten radionisch, was für sie der richtige Weg ist. Aber ich bin mir bewusst, wie wichtig dieses Milchthema für Menschen ist, denen dieses Ur-Genährtsein fehlt.

Zu dem Thema kommt mir der Satz meiner Großmutter in den Sinn: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit. Ich erweitere den Satz und sage: Es ist nie zu spät für eine glückliche Stillzeit.

Sie arbeiten ja auch mit Schamanismus. Gibt es da auch Möglichkeiten der Nach-Nährung?
Eine Übung nennt sich tatsächlich „Nachnährung“ und findet in Gruppen statt. Dabei liegt der Patient auf dem Fußboden und man sucht zwei Stellvertreter für die optimale Mutter und den optimalen Vater, die man neben ihn setzt. Der Klient darf sich von beiden wünschen, wie sie sich ihm gegenüber verhalten und was sie zu ihm sagen. Das muss absolut nichts mit der realen Kindheit zu tun haben. Danach fragt man den Patienten, was er noch alles in diesem Leben haben möchte. Wenn er z.B. sagt, dass er sich sexuelle Attraktivität wünscht, dann nimmt man jemanden aus dem Feld und sagt: Du bist die sexuelle Attraktivität, übertrage dich in alle Zellen des Klienten, imprägniere ihn damit und mache ihn resonant dafür, dass andere das so wahrnehmen. Viele Menschen werden zwar von anderen als attraktiv eingestuft, haben aber keine Rezeptoren dafür, dass jemand sie wo wahrnimmt. Auf diese Weise kann man mit allen wünschenswerten Qualitäten verfahren. Es ist faszinierend, was so eine Nachnährung, die wie die Neuprogrammierung eines Computers funktioniert, alles bewirken kann.

Fazit?
Milche, Gestalttherapie, ATA und Schamanismus – lauter Möglichkeiten und für viele Menschen ein erster Schritt, überhaupt ins Leben hinein und hin zur Wahrnehmung des Wunderbaren zu finden.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag