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Beitragsreihe 2019 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Magnesium Carbonicum

Zur Entspannung finden.

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H. Schäfer: Worum geht es heute?
Andreas Krüger: Ich möchte heute über Magnesium carbonicum sprechen. Dazu vorab ein paar Worte, wie es dazu gekommen ist. Ich habe im Februar einen sehr guten Vortrag über Traumatherapie nach Peter Levine gehört. Demnach sind die ganze Hektik, Stress, Gewalt und Aggression auf Traumatisierungen im Leben zurückzuführen. Jede Traumatisierung ruft einen Zustand hervor, den Levine als rote Phase bezeichnet. Und in diesem roten Zustand sind normale Freundlichkeit, Wertschätzung oder Wohlwollen so gut wie unmöglich. Die Menschen sind in ihrer Lebendigkeit so verkrampft und verpanzert und in ihrem Trauma festgefahren, dass kleinste Dinge auftreten können wie ein komischer Blick oder ein hupender Autofahrer, und sie explodieren in dieser roten Ebene. Die blaue Ebene steht für Entspannung, liebevolles und konstruktives Miteinander, Gefühle werden füreinander empfunden und ausgedrückt. Die grüne Ebene liegt dazwischen, es besteht eine gewisse Distanz, aber Kommunikation kann stattfinden. In der roten Ebene gibt es nur die Flucht vor dem Säbelzahntiger. Umso mehr ein Mensch traumatisiert und damit verkrampft ist, desto häufiger reagiert er auch bei Kleinigkeiten über. Bei Beziehungen ist das fatal, wenn sich Menschen hauptsächlich auf der roten Ebene begegnen und nicht mehr entspannt miteinander reden können.

Wann und wie haben Sie Magnesium carbonicum kennen gelernt?
Ich habe es vor 35 Jahren an der homöopathischen Schule in Bad Boll kennengelernt, wo ich 10 Jahre lang arbeitete. Unser Lehrer Jürgen Becker hielt einen Vortrag über dieses Mittel und fing damit an, dass er Magnesium carbonicum anzündete, und es entstand eine wahnsinnig helle Flamme. Ich habe noch nie ein so helles Licht gesehen wie bei Magnesium. Jürgen Becker schloss daraus, dass Magnesium etwas mit Erleuchtung zu tun hat. Darauf komme ich später noch zu sprechen. Anschließend haben wir eine Magnesium-Prüfung gemacht. Das ganze Kollektiv hat immer mal wieder Mittel eingenommen, sie über eine Woche wirken lassen, wobei immer eine Menge Symptome auftauchten. Bei Magnesium war ein Symptom auffällig, weil es so häufig auftrat: Es träumten Menschen von Pferdemenschen. Ich kannte damals noch nicht einmal den Begriff des Kentaur, aber unter Magnesium carbonicum träumten in Bad Boll, in der tiefsten Schwäbischen Alp, normale westdeutsche Homöopathie-Studenten von Pferdemenschen.

Was für Symptome gibt es, wenn jemand Magnesium braucht?
Magnesium hilft bei Stress, Hektik, Burn-out, Bluthochdruck, Unsicherheit etc. Normalerweise ist bei Stress ja Nux vomica das Mittel der Wahl. Hilft zwar immer, gibt aber nicht tiefe innere Ruhe. Jürgen Becker erklärte, warum Menschen so schnell gestresst und unsicher sind. Menschen, die Magnesium brauchen, sind oft emotional unterernährt. Sie fühlen sich meistens verlassen und haben als Kind nur wenig Liebe erfahren. Oft wurden sie auch nicht oder nur unzureichend gestillt. Deswegen ist es auch ein Mittel für Waisenkinder. Diese Menschen fühlen sich allein, verlassen und ohne emotionale Unterstützung. Sie mussten oft alleine aufwachsen und immer tüchtig sein, um überhaupt etwas zu erreichen. Das heißt, sie müssen ihr Leben lang leisten, leisten und nochmal leisten – das ist die Grundstruktur, auf der alles andere aufbaut. Dazu muss man wissen: Magnesium ist in unserem Land bei der Biochemie das Mittel, das am meisten konsumiert wird. Angeblich kommt dieses stoffliche Magnesium gar nicht dahin, wo es hin soll. Meine Apotheker sagen immer, dass das teurer, guter Stuhlgang ist, denn hochdosiertes Magnesium hilft gegen Verstopfung. Passt auch, denn die meisten Hektiker und Angstpatienten sind oft verstopft. Die Biochemie ist eine sehr verbreitete Arzneiform – viel verbreiteter als Homöopathie – und in dieser Form gibt es Magnesium phosphoricum in D3, wovon man fünf Tabletten in einem Glas heißem Wasser auflöst und mit kleinen Schlucken trinkt. Das kann einen aus dieser roten Phase rausbringen – zumindest temporär, denn eine D3 löst nicht den personalen Konflikt. Diese Einnahme hat sich auch bei Migräne, bei Schmerzen und Menstruationsbeschwerden sehr bewährt.

Wir leben alle in einer stressigen Zeit, die auch unsere Beziehungen belastet. Wenn man darum weiß, kann man in dem Moment, wo man in die rote Phase schliddert, ein Stoppschild einbauen, sich kurz zurückziehen und warten, bis die grüne – oder noch besser – die blaue Phase auftaucht und dann das Gespräch wieder aufnehmen. Wenn sich zwei Menschen in der roten Phase begegnen, kommt NIE eine Lösung dabei heraus. Es entsteht nur Re-Traumatisierung und wird immer schlimmer. Also: bei rot runter, raus, regulieren, Magnesium phosphoricum D3 trinken oder Magnesium carbonicum Q1 als Riechflasche riechen, und wenn man im grünen Bereich ist, kann man wieder kommunizieren.

Was ist jetzt mit dem weißen Licht, das Magnesium hervorzaubert?
Jahre später nach dem Vortrag bin ich nach Pilion in Griechenland gekommen und habe angefangen, Homöopathen auszubilden. In dieser Gegend stand überall der Name Kentaur. Als ich nachfragte, erklärte man mir, dass dieser Pilion-Wald die Heimat der Kentauren ist. Und der große Lehrer aller Ärzte, der Chiron – hatte dort seine Höhle und unterrichtete die griechischen Helden. Ich beschäftigte mich danach viel mit Kentauren und Chiron, und eines Tages entdeckte ich ein Schild, auf dem stand: „Provinz Magnesia“. Auf meine Frage antwortete man mir, dass dort im Altertum Magnesium abgebaut wurde. Das war ein spannender Hinweis. Vor 30 Jahren schluckten wir in Bad Boll Magnesium und träumten von Kentauren, ohne etwas von dieser Provinz Magnesia zu wissen. Als ich dann um diese ganzen Zusammenhänge wusste, musste ich noch einmal Magnesium carbonicum nehmen. Nach der Einnahme hatte ich mein erstes Erleuchtungserlebnis: Ich saß draußen auf der Terrasse, rauchte eine Zigarette, trank einen Kaffee und schaute in die grünen Wälder – Magnesium hat ganz viel mit grün und grüner Kraft zu tun – und mit einem Mal trat ich in einen anderen Seinszustand. In diesem Moment war nur noch dieses Licht um mich herum, wie ich es in Bad Boll bei der Magnesium-Prüfung gesehen hatte. Zum allerersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich wirklich mit allem total verbunden bin. Leider hielt dieses Gefühl nur drei Minuten an, aber bis heute trage ich das Wissen um dieses Gefühl des Gewahrseins in mir. Inzwischen haben mir viele Therapeuten gesagt, nachdem ich so viele Therapien gemacht habe, ginge es doch jetzt nur noch darum, dass ich in das Gewahrsein gehe, dass ich Quelle und reines Licht bin. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass mein Leben an sich um ein Vielfaches entspannter geworden ist, seitdem Magnesium in mein Leben getreten ist und ich dieses Erleuchtungs-Erlebnis hatte. Manchmal reicht es ja, wenn man ein initiatisches Erlebnis hat, wo sich die Tore zum Geheimnisvollen öffnen, und selbst wenn sie sich wieder schließen, bleibt das Erlebnis, und die Seele weiß, dass es einen Ort gibt, wo sie auch hin will.

Fazit:
Magnesium carbonicum am besten als Q1-Riechflasche nutzen, denn das macht das Leben entspannter und erinnert uns, dass es eine Ebene gibt, wo es um alles da draußen nicht mehr geht. In diesem Sinne: frohe Entspannung.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst.Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag