aktuelle Seite: Artikel   

Wenn Liebe Dich führt ... von Evelin Rosenfeld


art95508
© Evelyn Rosenfeld

Vergrößern hier klicken.
Evelin Rosenfeld, Aussteigerin aus einem Karriere getriebenen Leben voller Stress, stellt heute mit Leidenschaft echte biologische „Ätherische Hydrolate“ her – auf einem 35.000 qm großen Land, das sie seit 2016 hingebungsvoll als Permakultur-Garten bewirtschaftet. Sie erzählt uns über ihren Weg dorthin.

Befreiung – Ängste hinter Dir lassen
Meine „Leidenschaft“ begann mit der Erkenntnis, dass meine Karriere, meine Partnerschaft und mein Stadtleben eine unerträgliche Lüge waren. Der Schmerz, den ich mir mit diesem getriebenen Leben antat, traf mich mit aller Wucht, als ich alleine in einer Holzhütte im Dschungel war. In der Abgeschiedenheit einer tropisch-fremden Wildheit, ganz und gar auf mich alleine gestellt, konnte ich es erkennen – und dieser Einsicht unmittelbar folgen. Ich fuhr zurück nach Deutschland, kündigte Job, Partnerschaft und Wohnung und kehrte zurück in die Einsamkeit des Dschungels. Keine Sicherheiten. Kein Plan. Dort erlebte ich meine Seele und das Wunder des Lebens neu. Der Wald lehrte mich nicht nur, die von Kindheit an vertraute Neigung zu Schamanismus und Heilpflanzen wiederzubeleben, es erschloss sich ein spiritueller Pfad vor mir, der mich bis heute führt.

Dienst – aus Liebe handeln
Ich schrieb den Vorgang auf, den ich durchlaufen hatte, und so entstand mein erstes Buch „Was Dir wirklich wichtig ist“. Ich kehrte nach vielen Monaten der Abgeschiedenheit zurück nach Deutschland und begann, Menschen, die ebenfalls an der Schwelle des „Erwachens“ waren, mit diesem Prozess zu begleiten. In dieser Zeit lebte ich wie eine Asketin: Meine ganze Aufmerksamkeit war darauf gerichtet, für mich und andere den „spirituellen Kanal“ rein zu halten. Alltägliche Bedürfnisse – nach Fülle, Genuss, Geborgenheit, Anerkennung – hatten für mich jede Bedeutung verloren. Ich war erfüllt mit einer spirituellen Praxis, lebte sehr bescheiden, reiste viel und führte viele hundert Menschen zurück zu ihrer Seele. Im Jahr 2009 forderte mich ein Traum auf, „mithilfe der Sonnenpflanzen die Andacht zurück zu den Menschen zu bringen“. Die Kraft des Gebets war mir natürlich lange vertraut – doch ich musste erst verstehen, was mit „Sonnenpflanzen“ gemeint war. Wieder begab ich mich ohne Zögern auf die Reise, traf meinen Lehrer Carlos, forschte zur Resonanz bestimmter Pflanzen. Es entstand das Projekt „Wild Natural Spirit“.

Gnade – in Demut Annehmen
So verband sich die Seelenarbeit mit der Arbeit über Medizinpflanzen. In bescheidenem Umfang stellte ich Räucherbündel her, vertiefte meine Kenntnisse zur heilsamen Verwendung von Pflanzen. Sechzehn Jahre lang lebte ich so das Leben einer beseelten Dienerin, verbrachte viel Zeit draußen in der Natur, Phasen konzentrierter Arbeit mit Menschen. Bis etwas in mir zu rumoren begann …
Ich spürte die Transformation in mir brodeln, meditierte, reflektierte, hielt Ausschau nach dem „Wendepunkt“, den ich nicht greifen konnte. An einem Tag im August 2016 war ich von meiner Unruhe so frustriert, dass ich hinaus zu meinem Kraftplatz fuhr und viele Stunden im goldenen Sonnenlicht saß, bis ich endlich eine Entscheidung traf: Ich würde einmal mehr alles loslassen, was gewachsen war, und mich auf die Reise ins Unbekannte begeben. Mit dieser Entscheidung ging zu Bett und richtete mich innerlich auf „den Sprung“ aus. Doch es kam alles anders, als gedacht: Eine Maklerin lockte mich in das Heimatland meiner Mutter, – ein alleinstehendes Haus auf einem Berg, 35.000 qm wildes Land. Als ich den Weg durch die alten Eschen hinauffuhr, wusste ich, dass der Wandel bereits geschehen war. Das „Loslassen“ war das energetische Signal gewesen: Ohne das was, wie, wofür zu kennen, war ich geführt und nahm an – ein eindeutiges „Ja“. Aditi (so heißt der Berg) forderte ALLES: alles Geld, alle Sicherheiten, allen Einsatz. Es war die Bereitschaft, ALLES zu geben – nicht der Wille, „es zu haben“ – der mich hierher führte und zur „Hüterin von Aditi“ machte. So stand ich – vermeintlich mittellos – mit einem abgewohnten Haus und einem riesigen Land, nach all den Jahren der Ungebundenheit und Vergeistigung sehr handfest gebunden.

Mit beiden Beinen auf der Erde
Mit unverhoffter Hilfe gelang es, Aditi zu einem Ort der Heilung und Inspiration zu machen. Letztes Jahr erschloss ich 5.000 qm – ohne Maschinen, ohne fossile Brennstoffe, ohne Zugabe eingebrachter Stoffe – für den Anbau aromatischer Kräuter in Permakultur. Die umliegenden Landwirte schüttelten mit dem Kopf: So geht das nicht. Nicht mit so wenig Land, ohne Maschinen und ohne Düngung. Ich ließ mich nicht entmutigen.
Der Anbau wurde problemlos biozertifiziert und gedieh – prächtig! Im Dürrejahr holte ich 700 kg duftender Heilpflanzen aus Aditis Schoß, die ich vor Ort zu Rohdrogen und „Ätherischen Hydrolaten“ weiterverarbeitete. Wochenlang war Aditi in den betörenden Duft von Schafgarbe und Melisse, Calendula und Salbei, Ysop und Kamille getaucht – und das kostbare Öl floss Stunde um Stunde in hunderte kleiner Fläschchen. Für mich war selbstverständlich, das Destillat der ganzen Pflanze zusammenzuhalten: Die Resonanz der Pflanze, die dem Menschen Heilung vermitteln kann, beruht auf der Ganzheit des Pflanzenwesens. Auch hiermit stehe ich auf einem anderen Standpunkt als „die Etablierten“: Bei den marktüblichen Hydrolaten wird das (teure) ätherische Öl nämlich abgezogen und einzeln verkauft, so dass die Kraft der Pflanze verlorengeht. Die Aromaindustrie fokussiert auf den intensiven Duft der Öle – der auch synthetisch hergestellt werden kann. Doch leider fehlt das Verständnis für den Vorgang, der dann eintritt, wenn eine Pflanze den Menschen führt. In ersten Verkaufsgesprächen lernte ich, dass Wirkstoffgehalt, Herkunft und Handarbeit den gepriesenen Naturkosmetik-Marken und sogar Apothekern „egal“ sind. Durch die Preisfeilscherei und den Massenanbau in fernen Ländern lasse ich mich nicht einschüchtern: So sind Aditis „Ätherische Hydrolate“ eben einzigartig auf dem Markt! … und der „Markt“ steht an meiner Seite: Um Weihnachten herum war ein regelrechter „Run“ auf meinen kleinen Online-Laden entstanden, und ich packte und packte. Behörden, mit denen ich die Wintermonate in endlosem Papierkrieg zubrachte – ob es Zoll, Lebensmittelhygiene, Landwirtschaftsamt, Kosmetikverordnung oder Finanzamt waren – meinten: „Machen Sie weiter so, Frau Rosenfeld!“ – Ja, das mache ich. Ich kann ja gar nicht anders. Ich brenne, und ich mache mir keine Sorgen um den Brennstoff. Denn Aditi flüstert mir zu „Folge mir! Folge deiner Seele!“ Auch dieses Jahr werden die Stauden voll entwickelt sein und es viel Arbeit geben – das ist klar. Schöne Arbeit: Mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen, die Zehen im Schlamm, die Hände an duftenden Blätter ...

Evelin Rosenfeld studierte Biochemie an der Universität Bayreuth und Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin. Mit 32 Jahren stieg sie als Konzernstrategin von Vattenfall aus und nahm ihre Arbeit als Coach auf. Als Autorin veröffentlichte sie einige Bücher – unter anderem begleitend zu ihren Vorträgen und Kongressbeiträgen zum „Wertebasierten Management“ das Buch „Die Strategie der Aufrichtigkeit“.

Seit 2016 lebt sie an der bayerisch-thüringischen Grenze und entwickelt dort einen 35.000 Quadratmeter großen Permakultur-Garten. Hieraus stammen eine Reihe pflanzlicher Präparate – u. a. „Ätherische Hydrolate“. Hin und wieder finden dort Praxiswochen zur Permakultur und zur Destillation statt. Weitere Infos auf www.evelinrosenfeld.de und www.wild-natural-spirit.org, Radiointerview über ihren Traum auf www.youtube.com/watch?v=LIyCRBsPXzM