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Ausgabe März 2019
Herzgesundheit für Frauen – Im weiblichen Rhythmus leben ... von Nicola Cordes



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© Kwok Wai Chan_AdobeStock

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Wie kaum ein anderes Organ verbinden wir unser Herz mit der Quelle unserer Lebenskraft. Wenn das Herz gesund und kräftig schlägt und unseren Blutkreislauf lenkt, spüren wir das an unserem Wohlbefinden und unserer guten Lebens-energie. Aufregung und Stress dagegen bemerken wir häufig zuallererst am unruhiger werdenden Herzschlag. Es macht Angst, wenn das Herz aus dem Takt gerät.

Unser Herz gilt in der Kulturgeschichte seit jeher als Sitz unserer Seele, unserer Gefühle und unseres Selbst. Liebe, Freude und Schmerz sind Herzempfindungen, unser Herz wird warm und weit, es hüpft vor Freude oder es wird durch Kummer schwer und zieht sich schmerzvoll zusammen. Hildegard von Bingen beschrieb bildhaft die historische Überzeugung des Zusammenspiels von Herz und Verstand: „… wie die Gedanken vom warmen Herzen aufsteigen wie Rauch durch den Schornstein hin zum kühlen Gehirn, wo sie umgeformt werden. Das Feuer des Herzens ergibt mit der Kälte des Gehirns erst das Gleichmaß des Gedankens.“

Frauenherzen schlagen anders
Nicht zufällig sprechen wir davon, dass uns etwas zu Herzen geht oder dass ein Herz brechen kann – eine Tatsache, die schulmedizinisch als „Broken-Heart-Syndrom“ bekannt ist. Die Krankheit weist dieselben Symptome auf wie ein Herzinfarkt, also Schmerzen in der Brust und Atemnot. Doch die Herzkranzgefäße sind nicht verstopft wie bei einem Infarkt. Auslöser der Erkrankung sind extreme körperliche oder psychische Belastungen wie Schicksalsschläge und die damit einhergehende Überflutung des Herzens mit Stresshormonen. Alarmierenderweise sind 95 Prozent der davon betroffenen Frauen nach der Menopause. Während in jungen Jahren das Frauenherz durch die Sexualhormone vor Verkalkungen und Ablagerungen besser geschützt ist als bei Männern, treten Herzerkrankungen nach der Menopause häufiger auf. Jedoch sind sie in der Symptomatik oft unauffällig, daher sollten Frauen regelmäßig beim Check-up in ihrer Hausarztpraxis auch den Blutdruck kontrollieren lassen und ein EKG machen.
Bei Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen wird der Hausarzt die Untersuchungen noch um ein Langzeit-EKG ergänzen und andere Erkrankungen wie beispielsweise eine Schilddrüsenüberfunktion als Ursache ausschließen. Auch die Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten und Antidepressiva kann als Nebenwirkung Herzrhythmusstörungen verursachen. Wie bereits eingangs erwähnt, ist es jedoch meist die schwankende Hormonlage, die die Herzrhythmus-störungen auslöst – die zwar unangenehm, aber harmlos sind. Jedoch bringt erst der Ausschluss aller anderen möglichen Ursachen Sicherheit.

Rhythmus für die Herzgesundheit
Die Entwicklung von Herz- und Kreislauferkrankungen zur Volkskrankheit in den Industrienationen hat viel mit dem Verlust des gesunden Lebensrhythmus zu tun. In einer durchgetakteten Leistungsgesellschaft, in der Überforderung zur Norm geworden ist, verlieren wir zunehmend die Fähigkeit, Pausen zu machen und zu regenerieren. Die Zeit für die Dinge, die unser Herz erwärmen und weiten, uns seelisch bereichern und erfreuen, fehlt zunehmend. Gerade Frauen als naturgegebene Meisterinnen des Multitaskings neigen häufig zur Selbstüberforderung – und Hand aufs Herz: Es sind die Mußestunden und der Saunagang, die dem Stress zum Opfer fallen, nicht umgekehrt. Frauen in den Wechseljahren spüren natürlich, dass die eigene Kraft nachlässt – wir sind eingeladen, kürzerzutreten, Pausen zu machen und wir brauchen länger, um uns nach Belastungsphasen zu regenerieren. Doch zwischen Wahrnehmung und Umsetzung steht oftmals unser Wunsch nach Perfektion – und häufig ist es unser Herz, das uns zeigt, dass wir schon zu lange nicht mehr im harmonischen Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung leben. Daher ist alles, was unsere innere Harmonie und damit den ausgeglichenen Herzschlag stärkt, heilsam. Das können gezielte Entspannungsmethoden wie Yoga oder Progressive Muskelrelaxation sein. Aber auch die regelmäßige moderate sportliche Bewegung stärkt Kraft und Ausdauer und somit auch unser Herz und unseren Kreislauf: Radfahren, Schwimmen, Walken oder Joggen sind ebenso gut geeignet wie ein zielgerichtetes Training im Fitnessstudio an Geräten und in Kursen. Die sehr beliebten Zumbakurse beispielsweise sind ein hervorragendes Konditionstraining und erfreuen mit südamerikanischen Rhythmen das Herz. Die Herzensfreude steigt mit allem, was uns glücklich macht – Singen allein oder im Chor, Tanzen, Malen oder auch einfach ein gutes Buch und eine bequeme Couch.

Ernährung für ein gesundes Herz
Je älter wir werden, desto wesentlicher wird eine gesunde und vollwertige Ernährung für unser Wohlbefinden. Um Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzerkrankungen vorzubeugen, hat sich die mediterrane Diät bewährt: Die Verwendung von Olivenöl, das reich an ungesättigten Fettsäuren ist, sowie Zwiebeln und Knoblauch, die sehr durchblutungsfördernd und herzschützend sind. Dazu zählt auch der Verzehr von viel frischem saisonalen Gemüse und Obst. Auch Hülsenfrüchte, Samen und vor allem Nüsse sind herzgesunde Nahrungsmittel. Tierische Eiweiße und Fette sollten dagegen stark reduziert werden ebenso wie Weißmehlprodukte, raffinierter Zucker und raffiniertes Salz.
Als Nahrungsergänzung sind gefäßschützende Omega-3-Fettsäuren zu empfehlen, die auch z. B. in Seefisch und Leinsamen enthalten sind.


Herzkräuter

In der Volksheilkunde wird die Stärkung von Herz und Kreislauf seit Jahrhunderten erfolgreich mit Heilpflanzen erreicht. Besonders bei leicht ausgeprägten Beschwerden bieten sie eine echte Alternative zu schulmedizinischen Medikamenten mit ihren zahlreichen Nebenwirkungen.

Weißdorn (Crataegus)
Die Kardinalheilpflanze für das Herz ist der Weißdorn. Auf seelischer Ebene bringt er Stauungsprozesse durch inneren Druck in eine harmonische Ordnung. Ob als Tee oder Urtinktur verwendet, stärkt er die Koronardurchblutung, verbessert die Arbeitsleistung des Herzens und wirkt rhythmusstabilisierend. Er wirkt als Herzpflanze blutdruckregulierend und ist daher sowohl bei niedrigem als auch bei erhöhtem Blutdruck eine gute Wahl. Er hilft sehr gut bei Druck und Beklemmungsgefühl in der Herzgegend und leichten Formen von Herzrhythmusstörungen sowie bei Angina pectoris. Auch bei Erschöpfungszuständen während und auch nach Infektionskrankheiten unterstützt eine Kur mit Weißdorn das Herz. Bei nachlassender Herzleistung im Alter ist der Weißdorn ein bewährtes Langzeittherapeutikum.

Herzgespann (Leonurus cardiaca)
Ein Tee aus Herzgespann wirkt beruhigend, krampflösend und vor allem herzstärkend. Bei nervösen Herzbeschwerden mit Druck und Beklemmung, die von Angst und Spannung herrühren – bei Frauen oft verbunden mit unregelmäßigen Zyklen und krampfartigen Unterleibsbeschwerden – und in den Wechseljahren leistet er gute Dienste. Auch das Gemüt wird erfrischt und durchlichtet.

Mistel (Viscum album)
Die Mistel ist mit ihrem lufthaften Wesen ein sehr gutes Herz-Kreislauf-Medikament bei Herzstress infolge von Angst und Überforderung. Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen und Arteriosklerose sind Indikationen für die Mistel, die stets auch den seelischen Aspekt der Herzerkrankung mit therapiert.


Homöopathie für das Herz

Die nachfolgenden homöopathischen Mittel bilden eine Auswahl der gängigen Herzmittel. Wie stets in der Homöopathie ist ein Blick auf die Charaktereigenschaften und Begleitsymp-tome bei der Wahl des passenden Mittels ausschlaggebend. Als Potenz bietet sich die D 12 an, dreimal täglich eingenommen und bei Besserung der Beschwerden abgesetzt. Sollten sich bei Selbstbehandlung die Beschwerden nicht bessern, ist eine Konstitutionsbehandlung bei einer Heilpraktikerin eine gute Wahl.

Aurum (Gold)
So wie unser Herz als Seelenorgan die Sonne im Menschen repräsentiert, ist entsprechend der abendländischen Medizinlehre das Sonnenmetall das Gold. Paracelsus schreibt: „Das Gold hat die Natur des Feuers. Es trägt die Sonnenenergie, befeuert den Lebensgeist, kräftigt das Herz und Geblüt, fördert das Wachstum und verleiht Größe und Stärke. Gold trägt auch die Wärme, die alles Reifen macht.“ Entsprechend ist Aurum eines der wichtigsten homöopathischen Herzmittel und ein großes Mittel bei depressiven Verstimmungen. Indikationen sind Bluthochdruck, Angina pectoris und Herzrhythmusstörungen bei pflichtbewussten und stets viel arbeitenden Frauen.

Convallaria (Maiglöckchen)
Das Maiglöckchen ist homöopathisch aufbereitet gut einsetzbar bei Herzrhythmusstörungen bei geringer Anstrengung, stechenden Schmerzen in der Herzgegend und als Begleittherapie bei Endokarditis, also einer Herzinnenhautentzündung. Bei Frauen hat Convallaria einen Bezug zum Herzen und zum Uterus bei einem Gefühl von Wundheit in der Gebärmutter. Oft schmerzen auch der Rücken im Iliosakralbereich sowie die Gelenke. Auf seelischer Ebene kann eine lieblose Beziehung oder Verlustangst so zu Herzen gegangen sein, dass das Herz aus dem Takt gerät.

Lachesis (Buschmeisterschlange)
Alle homöopathischen Schlangenmittel haben einen Bezug zu Herzerkrankungen, Lachesis ist hier stellvertretend als Hauptmittel genannt: Lachesis ist ein gutes homöopathisches Mittel für Herzbeschwerden und Bluthochdruck in den Wechseljahren. Die Frau verträgt nichts Enges am Hals, sie redet viel und schnell und die Symptome sind schlechter morgens beim Aufwachen. Viele Symptome finden sich auf der linken Körperseite. Allgemein wirkt die Lachesis-Frau unter Druck, körperlich und seelisch.

Colchicum (Herbstzeitlose)
Colchicum ist ein gutes Herzmittel für ältere Menschen, die eigentlich vital und kräftig sind und deren Herzprobleme von der Traurigkeit über eine fehlende Lebensaufgabe herrühren. Auch ein Partnerverlust kann hier die Ursache für die geschwächte Herzenskraft sein.

Cactus grandiflorus (Königin der Nacht)
Cactus ist ein Herzmittel für Frauen, die zu Stauungssymptomen neigen. Sie haben oft einen roten Kopf und geschwollene Adern an den Schläfen sowie Blutungen aller Art. Ein starkes Gefühl der Einschnürung an Herz oder Uterus ist oft vorhanden. Cactus regt sehr gut die Blutzirkulation neu an.

Nicola Cordes M.A. ist Heilpraktikerin & Systemische Therapeutin mit Naturheilpraxis Lebensweise. Ihre Fachgebiete sind Homöopathie, Heilpflanzen und Coaching für Frauen. In ihren Veranstaltungen geht es um natürliche Frauenheilkunde sowie weibliche Kraft.
Weitere Infos unter www.naturheilpraxis-lebensweise.de


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