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Auf der Suche nach dem richtigen Ernährungsstil ... von Heike Hessler


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© Liddy Hansdottir_AdobeStock

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Fast jährlich taucht ein neues unverzichtbares Superfood auf, auch Entgiftungssäfte (Detox) begegnen uns überall, im Netz und in den Medien wird über verseuchten Fisch, ungesunde Äpfel und vieles mehr berichtet. Neuerdings gibt es das Intervallfasten. Was bleibt, ist eine große Verunsicherung für die, die all das lesen. Dem gegenüber stehen Fastfood und Fertiggerichte, die sich trotz Warnung großer Beliebtheit erfreuen. Insgesamt ist eine zunehmende Entfremdung von natürlicher Ernährung zu beobachten.

Ernährung historisch betrachtet
Unsere Vorfahren müssen oft herhalten zur Begründung für „die richtige“ Ernährungsmethode. Der Steinzeitmensch ernährte sich von dem, was die Natur anbot: Tiere, Fische, Früchte, Nüsse, Blatt- und Wurzelgemüse, auch mal ein Vogelei. Diese Ernährung ist selbst aus heutiger Sicht ein guter Mix aus Fetten, Proteinen, Kohlenhydraten und Ballaststoffen. Milch und Getreide gab es zu dieser Zeit nicht. Gefastet wurde nur, wenn nichts gefangen und gesammelt werden konnte. Im Mittelalter war die Ernährung abhängig vom Stand der Person. Die Bauern aßen vegane Eintöpfe, Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Kräuter, Käse und Milch von Ziegen und Schafen. Fleisch war Festtagsessen. Auch im Mittelalter wurde eher unfreiwillig durch kriegs-, wetter- bzw. jahreszeitlich bedingte Nahrungsengpässe oder wegen einer Erkrankung gefastet.

Ernährung heute
Ein zunehmendes Ernährungsbewusstsein entwickelt sich seit etwa 30 Jahren. Eiweißreiche Ernährung ist in Fitnessstudios und bei Figurbewussten verbreitet. Der Gegentrend sind die Veganer, die tierische Eiweiße und Fette ablehnen. Wer sich dafür entscheidet, tut das häufig aus ethischen Gründen gegenüber Tieren oder weil sie tierische Proteine und Fette für schädlich halten. Neu ist die Gluten-Diät ohne Nachweis einer Gluten-Unverträglichkeit. Jeder Trend hat auch seine Gurus, die Kochbücher schreiben, Podcasts auf den Markt bringen oder Fernsehshows füllen. Natürlich verteidigen sie die Richtigkeit ihrer Methode geschickt und wortreich.

„Von allem ein bisschen“
Diese Weisheit unserer Urgroßeltern gilt auch heute noch. Jeder Mensch hat eine andere Verdauung, einen anderen Lebensstil, verstoffwechselt anders. Daher kann es gar nicht die eine richtige Methode für alle geben. Normalerweise meldet sich unser Körper, wenn wir etwas nicht vertragen. Entstehen wiederholt Symptome wie häufige Durchfälle, Blähbauch oder Bauchschmerzen, kann über sogenannte „Such-Therapien“ herausgefunden werden, was nicht vertragen wird. Weglassen dieser Lebensmittel hilft oft, dass der Körper sich wieder reguliert.Industriell verarbeitete Lebensmittel sollten weggelassen werden, da sie Zusatzstoffe und viel Zucker enthalten. Sind Obst- und Gemüsesorten in Monokultur hochgezüchtet, enthalten sie nicht mehr die Enzyme, Vitamine oder Spurenelemente wie sogenannte „alte Sorten“.

Rohkost
Rohe Lebensmittel sind schwerer verdaulich als gekochte und aus diesem Grund nicht für jeden verträglich – besonders am Abend. Der Vorteil der Rohkost ist, dass Vitamine und Enzyme nicht zerkocht werden. Wer aber unter Blähungen oder Völlegefühl leidet, kann zu den Menschen gehören, die Rohkost nicht vertragen. Dann sollte Gemüse und eventuell auch das Obst kurz gedämpft werden.

Vollwertkost
Die Vollwertkost ist abwechslungsreich, setzt auf möglichst wenig bearbeitete Lebensmittel. Fettarme Milchprodukte werden nicht verwendet, Schlagsahne ist der Milch vorzuziehen. Rohkost gehört mit zur Vollwertküche.

Fette und Eiweiße
Fakt ist: Fett macht nicht fett und ist auch nicht ungesund. Tierische Fette führen eher zu hohen Cholesterinwerten, was ungesund für unser Herz-Kreislaufsystem ist. Tierische Eiweiße werden von manchen Menschen nicht mehr vertragen. Hauptgrund ist die unnatürliche Haltung der Tiere. Kühe, die auf der Weide waren, haben verträglicheres Fleisch und geben inhaltsreichere Milch als Kühe, die im Stall mit Soja gefüttert wurden. Tierische Fette und Eiweiße können leichter aufgespalten werden und stehen unserem Organismus schneller zur Verfügung. Pflanzliche Fette und Eiweiße hingegen sind gesünder. Trotzdem brauchen wir beides. Von einer stark eiweißhaltigen Ernährung ist abzuraten, wenn eine Nierenerkrankung vorliegt!

Fisch
Leider ist Fisch mittlerweile stark belastet mit Schwermetallen und Mikroplastik. Für Verbraucher gibt es eine gute Informationsseite von Greenpeace zum Thema Fisch: www.greenpeace.de/fischratgeber

Fleisch
Wer Fleisch aus tiergerechter und umweltschonender Haltung verwendet, kann guten Gewissens ein- bis zweimal wöchentlich Fleisch genießen. Auf Märkten und im Umland kann Geflügel vom Hersteller gekauft werden. Das Wollschwein sollte dem Mastschwein vorgezogen werden. Wollschweine sind eine der ältesten, noch rein erhaltenen Schweinerassen, wurden und werden nicht gemästet. Rind- und Kalbsfleisch von Weidetieren stammt von glücklichen Tieren. Fleisch sollte nur von Tieren stammen, die keinem Transportstress ausgeliefert wurden.

Getreide
Getreideanbau gibt es erst seit Beginn der Landwirtschaft. In Deutschland ist kaum noch natürliches Getreide zu finden. Täglichem Getreidegenuss steht aber nichts im Wege, wenn es möglichst natürlich hergestellt wurde. Ob Sie Vollkorngetreide oder Weißmehlprodukte essen, hängt von Ihrer Darmgesundheit ab. Wer Divertikel oder Darmverengungen hat, sollte keine/wenig Vollkornprodukte essen.

Zucker, Honig, Fruktose, Süßstoffe
Hier ist sparsamer Verbrauch, besser Verzicht angesagt. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass brauner Zucker besser ist als weißer. Lediglich der unraffinierte Rohrohrzucker ist etwas empfehlenswerter. Kaltgeschleuderter Honig enthält entzündungshemmende Enzyme und hat eine leicht antibiotische Wirkung.

Getränke
Im Alltag sollten nur ungesüßte Getränke konsumiert werden. Kaffee ist besser als sein Ruf. Kaffee hat gefäßerweiternde Wirkung. Das wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden von Asthmatikern und Menschen mit Arteriosklerose aus. Qualitativ gut gerösteter Kaffee hat schützende Wirkung für die Leberzellen. Nur in seltenen Fällen ist der Kaffee schuld, wenn jemand sauer aufstoßen muss.

Fastfood und Fertigprodukte
Trotz aller Warnungen erfreuen sich Fastfood und Fertigprodukte ungebremst großer Beliebtheit. Grund für die schnellen Mahlzeiten sind oft fehlende Zeit, unregelmäßige Arbeitszeiten oder Doppelbelastungen und Erschöpfung.

Fasten
Hier gibt es einen neuen Trend; das Intervallfasten (auch intermittierendes oder 16:8 Fasten genannt). Intervallfasten kann für den Hausgebrauch empfohlen werden. Die Wirkung des Fastens auf Zivilisationskrankheiten wurde von Prof. Michaelsen in einer Studie ausgewertet und ist zum Beispiel auf der Webseite der Carstens-Stiftung zu finden. www.carstens-stiftung.de/artikel/prof-andreas-michalsen-ueber-das-fasten-und-seine-wirkung.html. Andere Fasten-Methoden sollten Sie mit einem Arzt, Ernährungsberater oder Heilpraktiker besprechen.

Fazit
Aus ökologischen Gründen sind regionale Produkte zu bevorzugen. Viel Gutes tun Sie für sich und die Umwelt, wenn Sie natürliche gereifte Früchte bzw. Fleisch von artgereicht gehalten Tieren aus der Region kaufen. Seien Sie nicht zu streng mit sich, ein leckeres Mahl ist gut für die Seele und eine gesunde Seele Voraussetzung für einen gesunden Körper.

Heike Hessler, Heilpraktikerin und Körpertherapeutin, gründete 2015 die Praxis für Alternative Medizin im Prenzlauer Berg. In ihrer Praxis arbeitet sie mit einem Team spezialisierter Heilpraktiker und Therapeuten zusammen. Weitere Infos auf www.heikehessler.de